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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Boställen; Bostam; Bostan; Bostandschi; Bostockscker Katarrh

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Boställen - Bostockscher Katarrh

Theologie Augustin und Thomas von Aquino. Früh als Redner berühmt, ward B. 1648 Priester, 1652 Doktor der Theologie und erhielt eine reiche Pfründe in Metz. Hier schrieb er gegen den Katechismus des reform. Predigers Paul Ferry, wurde Direktor der «Propagation», die den Übertritt evang. Frauen durch Versprechungen und Drohungen betrieb, und predigte öfter bei Hofe. 1669 erhielt er das Bistum von Condom, das er, 1670 zum Erzieher des Dauphins ernannt, 1671 niederlegte, wurde Mitglied der Akademie, 1681 Bischof von Meaux. Er verfaßte die vier Artikel, die die Freiheit der Gallikanischen Kirche (s. d.) und des Königs Recht über diese gegen päpstl. Angriffe sicherstellten, und deren Annahme durch die franz. Geistlichkeit in der Deklaration vom 19. März 1682 er bewirkte. B. wurde 1697 Staatsrat, 1698 erster Almosenier der Herzogin von Bourgogne. Die letzten Jahre verbrachte er unter seiner Gemeinde, in deren Mitte er 12. April 1704 starb. B.s Predigten sind reich an überraschenden, glänzenden Gedanken, aber mehr von ästhetischem Werte. Ausgezeichnet war er als Gelegenheitsredner (vgl. «Choix de sermones de B.» Par. 1882); namentlich die am Sarge der Herzogin von Orléans und des großen Condé sind Meisterstücke von Leichenreden. Den größten Eifer entwickelte B. in Bekämpfung und Bekehrung der Protestanten. Seine Streitschriften gegen diese sind glänzend, sein Streben zur Union (s. d.) beider Kirchen voll schlauer Sophistik. B.s Verhandlungen darüber mit Leibniz (s. d.) blieben ergebnislos, und die Lobrede auf die Aufhebung des Edikts von Nantes enthüllte seine wahre Gesinnung. Auch an dem innern Streite der kath. Kirche Frankreichs hatte B. hervorragenden Anteil, bekämpfte z. B. die Jansenisten und den Quietismus der Frau Guyon und ihres Verteidigers Fénélon. B. bewies dabei viel Gewandtheit und Scharfsinn, schadete sich aber durch die Leidenschaftlichkeit, mit der er den edeln Fénélon verfolgte. - Vgl. Tabaraud, Supplément aux histoires de B. et Fénélon (Par. 1822); Libouroux, Controverse entre B. et Fénélon (ebd. 1876).

B.s Schriften sind außerordentlich zahlreich und sämtlich in Stil und Ausdruck mustergültig. Eine der ersten, die «Exposition de la doctrine de l'Église catholique sur les matières de controvere» (Par. 1671), fand viel Beifall, aber in streng ultramontanen Kreisen Widerspruch. Die «Histoire des variations des Églises protestantes» (2 Bde., Par. 1688; Neudruck 1844) suchte geschickt, aber gehässig den alten Vorwurf innerer Zerrissenheit und unbeständiger Lehre gegen den Protestantismus durchzuführen. (Vgl. Rebellian, B., historien du protestantisme, Par. 1891.) Die Artikel der Gallikanischen Kirche verteidigt er in der «Defensio declarationis celeberrimae, quam de protestate ecclesastica sanxit clerus Gallicanus a. 1682» (2 Bde., Luxemb. 1730; bessere Ausg. 1745). Für den Unterricht des Dauphin schrieb B. «Discours sur l'histoire universelle, depuis le commencement du monde jusqu'a l'empire de Charlemagne» (Par. 1681; deutsch von Cramer mit Fortsetzung, 7 Bde., Lpz. 1757-86), der erste Versuch einer philos. Behandlung der Geschichte vom kath.-religiösen Gesichtspunkt; die Fortsetzung bis 1661 (6 Bde., Par. 1805) floß aus den ungefeilten Materialien des Nachlasses. Außerdem schrieb er «Politique tirée des propres paroles de l'Écriture-Sainte» (Par. 1709 u. ö.), «Introduction à la philosophie, ou traité de la connaissance de Dieu et de soi-même» (ebd. 1722 u. ö.) u. a. Die vollständigsten Ausgaben der Schriften besorgten die Benediktiner (47 Bde., Versailles 1815-19; 30 Bde., Par. 1859-65); «Œuvres inédites» gab Ménard (2 Bde., Par. 1883) heraus. Die in der Ausgabe der Benediktiner enthaltene «Histoirs de B.» vom Kardinal Bausset (1814) wurde von Mich. Feder (4 Bde., Sulzb. 1820-21) übersetzt. - Vgl. Floquet, Études sur la vie de B. (3 Bde., Par. 1855); ders., B., précepteur du dauphin, fils Lous XIV, et evêque de la cour 1670-82 (ebd. 1864); Réaume, Histoire de B. e de ses œuvres (3 Bde., ebd. 1869-70); Ménard, B. inconnu (ebd. 1878); Laurent, Vie de B. (ebd. 1880); Lanson, Bossuet (ebd. 1890); Nourrisson, Essai sur la philosophie de B. (2. Ausg., ebd. 1862); ders., La politique de B. (ebd. 1867); Laur, B. und die Unfehlbarkeit (Mannh. 1875); de la Broise, B. et la Bible (Par. 1891); Pauthe, Madame de La Vallière. La morale de B. à la cour de Lous XIV (ebd. 1891).

Sein Neffe, Jacques B., geb. 7. März 1664, gest. als Bischof von Troyes 12. Juli 1743 zu Paris, gab aus den Papieren seines Oheims die «Élévations sur les mystères» (1727) und die «Méditations sur l'évangile» (1731) heraus. Sein ausgedehnter Briefwechsel mit dem Oheim, großenteils auf Fénélons Lehren bezüglich, ist den Werken jenes einverleibt.

Boställen, in Schweden die kleinen Güter, die den Staatsbeamten während der Amtsführung zum Bewohnen und Ausnutzen übertragen werden. Diese Art der Besoldung war früher, da der Staat noch der größte Grundbesitzer war, sehr im Gebrauch: die Nachteile aber, die damit verbunden waren, führten allmählich zu ihrer Abschaffung. Die B. sind von 1877 ab, mit Ausnahme der priesterlichen und der einiger Civilbeamten, eingezogen und den Staatsdomänen einverleibt worden. B. heißen auch zuweilen die Amtswohnungen, die einen Teil der Besoldung einiger höhern Beamten ausmachen.

Bostam, pers. Stadt, s. Bostan.

Bostan (pers.-türk.), Garten.

Bostan, auch Bostam, Stadt in der pers. Provinz B., südöstlich von Astrabad, mit dem es durch eine Kunststraße über den Paß Tschaltschaljan verbunden ist, und nördlich von der großen Salzsteppe Kewir, in 1277 m Höhe, hat 7000 E., Pferdezucht und Baumwollweberei, fruchtbare Umgegend und gesundes Klima.

Bostandschi (vom pers.-türk. bostan), eigentlich Gärtner, dann Leibgardist des Sultans. In dem Maße nämlich, wie die Sultane sich von der Beteiligung am öffentlichen Leben zurückzogen und sich in ihrem Serail verborgen hielten, wurden zu ihrem Schutze die zahlreichen Arbeiter der Gärten zu einer Leibwache organisiert, die allmählich nur noch in ihrem Namen eine Erinnerung an ihren Ursprung bewahrt. Ende des 17. Jahrh. wurden die B. uniformiert und auf ein Korps von 7000 Mann gebracht, welche die Residenzen von Konstantinopel und Adrianopel zu bewachen und den Großherren bei ihrem öffentlichen Auftreten ein Schutz- und Ehrengeleit zu geben hatten. Ihr Oberster, der Bostandschi-Baschi, wurde nicht selten als vornehmer Hofbeamter zu diplomat. Aufträgen verwandt und hatte hohe polizeiliche Befugnis im Bosporus.

Bostockscker Katarrh, benannt nach dem engl. Arzt John Bostock (geb. 1773 zu Liverpool, gest. 6. Aug. 1846 zu London), s. Heufieber.