Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

418

Brandenburg (Friedr. Wilh., Graf von) - Brander (im Seekriegswesen)

den Hevellern abgenommen. Otto I. stiftete hier 948 ein Bistum, das zuerst dem Erzbischof von Mainz untergeordnet, 968 dem neuerrichteten Erzbistum Magdeburg zugeteilt, aber schon 983 durch die heidn. Wenden wieder vernichtet und dann durch Albrecht den Bären 1153 von neuem hergestellt wurde. Nachdem 1539 der Bischof Matthias von Jagow zur evang. Kirche übergetreten und 1544 der kath. Gottesdienst im Dom eingestellt worden war, wurde das Bistum bis 1598 vom Kurfürsten administriert, dann aufgehoben und die Stiftsgüter teils in kurfürstl. Domänen verwandelt, teils an Adlige veräußert. Doch blieb das Domkapitel, welches erst 1810 gesetzlich aufgehoben, aber 1826 wieder erneuert wurde. Von den zwölf Domherrenstellen, welche sämtlich vom Könige verliehen werden, gehören seitdem neun dem Adels- und drei dem geistlichen Stande. Im Nov. 1848 wurde der Sitz der preuß. Nationalversammlung nach B. verlegt, wo sie 27. Nov. eröffnet und 5. Dez. 1848 aufgelöst wurde. - Vgl. Heffter, Geschichte der Kur- und Hauptstadt B. (Potsd. 1839); Jork, B. in der Vergangenheit und Gegenwart, ein Wegweiser durch die Stadt und ihre Altertümer (Brandenb. 1880); Schillmann, Geschichte der Stadt B. an der Havel (ebd. 1874 - 82).

Brandenburg, Friedr. Wilh., Graf von, preuß. General der Kavallerie und Staatsmann, geb. 24. Jan. 1792 zu Berlin, war der Sohn König Friedrich Wilhelms II. aus dessen morganatischer Ehe mit der Gräfin Sophie von Dönhof (s. d.). Er wurde 6. Juli 1795 (gleich seiner Schwester Julie, die als Herzogin von Anhalt-Cöthen 1848 starb) in den Grafenstand unter dem Namen eines Grafen von B. erhoben. 1807 trat er in die Armee, war 1812 als Rittmeister dem General York im russ. Feldzuge beigegeben, zeichnete sich in den Feldzügen 1813 - 15 vielfach durch persönliche Tapferkeit aus, wurde 1839 commandierender General des 6. Armeekorps und 1848 General der Kavallerie. Nach dem Rücktritt des Ministeriums Pfuel erfolgte 2. Nov. 1848 seine Ernennung zum Chef des neuen Ministeriums, das mit dem Namen des Ministeriums Brandenburg-Manteuffel bezeichnet ward, die preuß. Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg verlegte, später auflöste und die Truppen unter General Wrangel in Berlin einrücken ließ. (S. Preußen.) Mit Wärme und Überzeugung förderte er die bundesstaatliche Politik Preußens 1849. Im Okt. 1850 wurde Graf B. nach Warschau gesandt, um sich in dem österr.-preuß. Konflikt über die Haltung Rußlands zu vergewissern. Er nahm den entschiedenen Eindruck mit nach Berlin, daß Preußen es gegenüber der russ.-österr. Koalition nicht zum Kriege kommen lassen dürfe, und stimmte 1. und 2. Nov. gegen die von Radowitz beantragte Mobilmachung; 3. Nov. erkrankte er plötzlich und starb 6. Nov. 1850. Im J. 1862 wurde ihm ein Standbild (von Hagen) auf dem Leipziger Platze in Berlin errichtet. Aus seiner 1818 mit Mathilde, geborenen von Massenbach, geschlossenen Ehe gingen fünf Töchter und drei Söhne hervor. Von den beiden ältern Söhnen Friedrich und Wilhelm (geb. als Zwillingsbrüder 30. März 1819), Generalen der Kavallerie und Generaladjutanten des Kaisers Wilhelm I., starb Wilhelm 21. März 1892, Friedrich 3. Aug. 1892. Der dritte Sohn,Graf Gustav von B., geb. 24. Aug. 1820, kaiserl. Wirkl. Geheimrat, war bis 1888 Gesandter in Brüssel.

Brandenburgische Halsgerichtsordnung, s. Bambergische Halsgerichtsordnung.

Brandenburgischer Aufschlag, s. Aufschlag.

Brandenburgisches Scepter, Sternbild der südl. Hemisphäre, das in der Regel mit dem des Eridanus vereinigt wird.

Brandenburgisch-Polnisch-Schwedischer Krieg von 1655 bis 1660, s. Schwedisch-Polnisch-Brandenburgisch-Dänischer Krieg von 1655 bis 1660.

Brandenburg-Schwedt (Markgrafen von), s. Schwedt.

Brandenstein, Karl von, preuß. General, geb. 27. Dez. 1831 zu Potsdam, wurde im Kadettenkorps erzogen, trat 1849 als Portepeefähnrich in das Kaiser Alexander-Garde-Grenadierregiment, besuchte 1855 - 58 die Allgemeine Kriegsschule und that während dieses Kommandos Dienst beim 5. Artillerieregiment und bei den Gardepionieren. 1862 wurde er Lehrer an der Kriegsschule in Potsdam, ein Jahr später als Generalstabsoffizier zur 16. Division versetzt. Seit Dez. 1865 beim Generalstab des 8. Armeekorps, machte er den Feldzug 1866 beim Oberkommando der Elb-Armee mit und wurde zum Major befördert. Nach Beendigung des Krieges Generalstabsoffizier bei der großberzoglich hess.Division, trat er im Juni 1868 zum Großen Generalstab zurück. In die Zeit bis zum Ausbruch des Krieges 1870/71 fällt seine verdienstvolle Thätigkeit in der Eisenbahnabteilung des Großen Generalstabes; seinem organisatorischen Talent und seiner unermüdlichen Arbeitskraft ist hauptsächlich der rasche Aufmarsch der Armee an der franz. Grenze zu danken. Juli 1870 wurde B. Oberstlieutenant, während des Feldzugs blieb er im Großen Hauptquartier und war einer der nächsten Gehilfen des Feldmarschalls Moltke. Mai 1871 wurde er zum Chef der Eisenbahnabteilung ernannt, 18. Jan. 1875 zum Oberst befördert und 15. Juni mit dem Rang und den Kompetenzen eines Brigadecommandeurs betraut. Aus Gesundheitsrücksichten mußte er, zum Generalmajor befördert, im Mai 1876 den Abschied nehmen. Nach Herstellung seiner Gesundheit trat B. 1883 unter Beförderung zum Generallieutenant als Commandeur der 31. Division in die Armee zurück. Schon 3. Nov. 1884 berief ihn der König an die Spitze des Ingenieur- und Pionierkorps. Er starb 17. März 1886 zu Berlin.

Brandente, s. Brandgans.

Brander, ein mit brennbaren und explodierenden Stoffen kunstmäßig angefülltes Fahrzeug, das bestimmt ist, feindliche Schiffe in Brand zu stecken. Man ließ die B. angezündet mit der Strömung oder mit günstigem Winde gegen die feindlichen Schiffe schwimmen, wo diese ihnen nicht gut ausweichen konnten, oder suchte sie nachts an die Schiffe zu befestigen und steckte sie dann in Brand, während die Besatzung sich auf bereit gehaltenem Boote rettete. Schon die Tyrer gegen Alexander, die Karthager gegen die Römer und die Kreuzfahrer gegen Ptolemaïs bedienten sich solcher Brand- und Feuerschiffe. Berühmt geworden sind die B. und Minenschiffe Gianibellis (s. d.) bei der Belagerung von Antwerpen. Die Catamaran-Expedition der Engländer gegen die bei Boulogne 1804 versammelte franz. Invasionsflotte, deren B., Catamarans genannt, von Fulton konstruierte Höllenmaschinen waren, hatte wenig Erfolg; bessern die mit 20 englischen B. 1809 gegen die bei Isle d'Aix verankerten Franzosen. Hier hatte der größte B. eine Pulver-^[folgende Seite]