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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Breisacher Kanal - Breite
wurde B. 1633 von den Schweden vergeblich be-
lagert, von Herzog Bernhard von Weimar jedoch
nach langwieriger Belagerung 19. Dez. 1638 durch
Kapitulation genommen. Die Verteidigung von B.
durch Generas von Neinach ist eine der glorreich-
sten in der Kriegsgeschichte. Kaiser Ferdinand III.
bemühte sich vergeblich, V. und das Elsaß wieder-
zuerobern, und mußte die Festung im Westfälischen
Frieden an Frankreich überlassen, dem sie als einer
der drei Hauptschlüsscl des Königreichs verblieb,
bis der Ryswijker Friede 1697 sie wieder an Öster-
reich brachte. Ludwig XIV. ließ auf dem linken
Rheinufer, B. gegenüber, Neubreisach (s. d.) an-
legen. Im Spanischen Erbfolgekriege fiel V. 1703
durch Verräterei und Arcos Feigheit in die Gewalt
der Franzosen, die es 1715 infolge des Nastatter
Friedens an Österreich zurückgeben mußten. Kaiser
Karl VI. ließ die Festungswerke verstärken und auf
dem nahe liegenden Eggersberge oder Eckardsberge
ein wichtiges Fort erbauen. Als im Österreichischen
Erbfolgekriege 1744 die Franzosen Freiburg erobert
hatten, nahmen sie auch B. weg, schleiften die
Festungswerke und sprengten den durch sein Alter
und seine Festigkeit berühmten Turm Herzog Ver-
tholds V. 1793 zerstörten die Franzosen die Stadt,
befestigten sie aber l796 aufs neue. Vergeblich
blockierten die Österreicher dieselbe im Winter 1799
-1800. Im Frieden von Lunsville 1801 wurde die
Stadt mit dem Breisgau dem Herzog von Modena,
bald darauf dem Erzherzog Ferdinand von Öster-
reich, zuletzt 1805 durch den Preßburger Frieden
Baden zugeteilt. Sämtliche Festungswerke wurden
geschleift. Im Kriege von 1870/71 litt V. sehr durch
die Beschießung von feiten der damals noch franz.
Festung Neubreisach. - Vgl. Rosman und Ens, Ge-
schichte der Stadt V. (Freiburg 1851); A. Clorer,
Breisach. Seine Vergangenheit und Gegenwart
(Vreisach 1883).
Nreisacher Kanal, s. Vauban-Kanal.
Breisgau, ein Gau, dessen älteste Grenzen durch
Elz, Schwarzwald und Nhein bestimmt werden, jetzt
nebst der Landvogtci Ortenau eine der schönsten und
gesegnetsten Landschaften des Großherzogtums Ba-
den, welche wesentlich die Kreise Freiburg und Lör-
rach bildet. Zur Zeit der röm. Herrschaft, an die noch
eine Menge Altertümer erinnern, gehörte der B. zu
dem Lande der Alamannen (s. d.), 536 kam er an das
Fränkische Reich, im Mittelalter standen Grafen dem
Gaue vor, zuletzt seit dem 11. Jahrh, die Vertholde,
die nachherigen Herzöge von Zähringen (s. d.). Nach
dem Erlöschen ihres Stammes mit Verthold V.
1218 kam der B. teils an die Markgrafen von Ba-
den, teils an die Schwäger Vertholds V., die Grafen
von Kyburg und Urach. Durch die Erbtochter des
letzten Grafen von Kybura, Hedwig, die Gemahlin
des Grafer" von Habsburg und nachherigen Kaifers
Rudolf I., wurde ein Teil des V. dem Habsburg.
Hause zugebracht. Nachdem Österreich von dem
Grafen von Urack durch Kauf 1368 die Hauptstadt
des B., Freiburg, erworben, wußte es sich allmählich
die Landeshoheit über die ganze Landschaft zu ver-
schaffen, sodaß schon Herzog Friedrich von Österreich
1386 fast den ganzen B. mit Ausnahme Vaden-
weilers und einiger kleiner Gebiete, die an Baden
kamen, unter seiner Herrschaft vereinigte. Erzherzog
Sigmund verpfändete l.468 den V. nebst andern
Besitzungen an Karl den Kühnen von Burgund.
Gegen das tyrannische Benehmen seines Vogts
Peter von Hagenback verbanden sich Adel und
Bürger, die Pfandschaft wurde gekündigt und der
Vogt enthauptet; von da an hatte der B. seine be-
sondere Verwaltung und Landstände. Der B. teilte
das Schicksal Österreichs und der oberrhein. Länder
bis zum Ende des 18. Jahrh. Im Frieden zu
Lunsville 1801 trat Österreich den B. nebst der
Ortenau, mit Ausnahme des Frickthals, das auf
etwas mehr denn 5 Quadratmeilen gegen 20000 E.
zählte und von Frankreich zur Helvetischen Republik
geschlagen wurde, an den Herzog von Modena ab.
Diesem folgte bei seinem Tode im Okt. 1803 in
der Regierung sein Schwiegersohn, der Erzherzog
Ferdinand von Österreich, mit dem Titel eines Her-
zogs von V. Im Preßburger Frieden 1805 aber
mußte er sein Herzogtum an Baden und an Würt-
temberg abtreten, das 1810 gegen Entschädigung
den ganzen V. Baden überließ.
Breitbach, Karl, Maler, geb. 14. Mai 1833 in
Berlin, studierte auf der dortigen Akademie und
1862-63 bei Couture in Paris, unternahm dann
Studienreisen durch Deutschland, Frankreich und
England. Nach Berlin zurückgekehrt, widmete er
sich vorzugsweise der Landschaftsmalerei, malte
aber auch treffliche Porträts. Von seinen Gemälden
sind zu nennen: Park von Trianon, Sonnenauf-
gang im bayr. Hochland, Holzauktion in Westfalen,
Herbstabend im Weserthal. Auch schuf er reizende
Genrebilder, wie: Badende Dorfkinder, Beim Dorf-
schuster, Korallenmädchen auf Capri, In der Dorf-
schenke (1884), Kartoffelernte (1886).
Breitbeil, Zimmer- oder Dünnbeil, vor-
zugsweise zum Reinbehauen der ebenen Balken-
flächen dienendes Zimmererwerkzeug, mit dem sich
eine sehr glatte Oberstäche herstellen läßt, wozu die
allmählich und unter wechselnden Winkeln gegen
die Holzfaser wirkende gekrümmte Schneide wesent-
lich beiträgt. Es kann ein rechtes oder linkes V.
sein, je nachdem seine Schneide vom Stiele aus
betrachtet rechts oder links liegt. Der Stiel ist gegen
600 mm lang und schließt samt der Haube einen
Winkel von etwa 5° mit der Richtung der Schneide
ein. (S. Beil.)
Vreitdrefchmafchine, eine Dreschmaschine, in
die das Getreide parallel mit der Trommelachse einge-
legt wird, das Stroh wird dadurch weniger zerrissen.
Breite, in der Astronomie der Abstand eines
Gestirns von der Ekliptik. Sie wird gemessen durch
den zwischen dem Gestirn und der Ekliptik liegen-
den Bogen eines durch die Pole der Ekliptik geleg-
ten größten Kreises, des Breitenkreises. Man
unterscheidet nördliche und südliche V. Ein Gestirn
in der Ekliptik selbst hat keine B., mithin hat auch
die Sonne nie eine V., der Mond und die Planeten
aber immer nur eine geringe B., weil die Ebenen
ihrer Bahn mit der Ekliptik nur geringe Winkel bilden.
Breite, geographische, eines Ortes der Erde
ist der Winkel, den seine Lotlinie rnit der Ebene des
Erdäquators bildet und ist gleich seiner Polhöhe
(s. d.). Sieht man die Erde als vollkommen kugel-
förmig an, so kann man die geographische B. auch
als den zwischen Erdort und Erdäquator eingeschlosse-
nen Bogen des Erdmeridians definieren. Die V. be-
trägt für Orte am Äquator 0° und steigt bis 90° an
den Polen. Man unterscheidet nördliche und süd-
lich e V., je nachdem der Ort auf der nördl. oder südl.
Halbkugel liegt. In der umstehenden Aigur sind
durch dre schraffierten Winkel d^ und d", dre V. eines
nördl. Ortes V^ und eines südl. Ortes V"z bezeich-
net. Scharfe astron. Beobachtungen neuester Zeit