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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brennreizker - Brentano (Clemens)
In der Geometrie ist bei der Ellipse, der Pa-
rabel und der Hyperbel von dem V. die Rede. (S.
die betreffenden Artikel.)
Brennreizker, Pilz, f. I^etarwZ.
Nrennspiegel heißen hohle, parabolisch oder
sphärisch gekrümmte Spiegel, deren polierte innere
Oberfläche die auf sie parallel zur Spiegelachse fal-
lenden Sonnenstrahlen in einer solchen Richtung
zurückwirft, daß sie im Brennpunkte (s. d.) des Hobl-
spiegels ein verkleinertes Sonnenbildchen liefern, in
dem eine so hoheTemperatur herrscht, daß dortbrenn-
bare Körper leicht entzündet, Metalle geschmolzen
werden u. s. w. Die B. nennt man auch Sammel-
spiegel, weil sie die auf sie fallenden, zur Achse pa-
rallelen Strahlen im Brennpunkte sammeln. Schon
die Alten waren mit dem V. bekannt. So erzählt
Plutarch im Leben des Numa, daß die vestalischen
Jungfrauen sich zum Anzünden des heiligen Feuers
eines V. bedient hätten. Daß Archimedes die röm.
Flotte bei der Belagerung von Syrakus durch die
Römer unter Marcellus 214 v. Chr. durch B. in
Brand gesteckt habe, ist höchst zweifelhaft, weil ältere
Geschichtschreiber nicht das mindeste davon erwähnen
und die Technik damals noch viel zu wenig aus-
gebildet war, um eine solche Leistung zu erzielen.
Die Erzählung ist wohl dadurch entstanden, daß
Archimedes überB. geschrieben hat. Billette brachte
(1666) mit einem V. von 80 om Durchmesser und
95 ein Brennweite die schwerflüssigen Metalle zum
Schmelzen, verglaste Schmelztiegel, Erden, Steine
u. s. w. Auch Tschirnhausen brachte 1686 einen B.
zu stände, der 2 in im Durchmesser, 1,3 m Brennweite
hatte und aus einer dicken, sehr gilt polierten Kupfer-
platte bestand. Busfon bildete (1747-48) einen V.
aus 168 Stücken Spiegelglas (jedes 16 ein hoch und
21 cin breit), die so gestellt waren, daß sie alle das
Sonnenlicht auf einen Punkt hinwarfen, und ent-
zündete damit Gegenstände in 10-15 m Entfernung.
(Vgl. Vrennglas.)
Brennfpiritus, s. Denaturieren.
Brennstoffe, s. Heizmaterialien.
Brennus, Name oder vielmehr Titel mehrerer
gallischer Fürsten, der noch jetzt in dem kelt. Worte
di-euuin, d. i. König, erhalten ist. Am bekanntesten
ist der V. der Senonen, einer gallischen Völkerschaft,
die zuerst 391 v. Chr. in Oberitalien, dann um
388 v. Ohr. in das röm. Gebiet einfiel und am
Flusse Alia die Römer 18. Juli 387 gänzlich schlug.
Die Stadt Rom ward von den Galliern geplündert
und verbrannt; das Kapitol selbst vergeblich be-
lagert. Als die Gallier in einer Nacht bereits die
Felsen erklommen hatten, sollen nach der Sage
die Gänse, welche im Tempel der Juno gehalten
wurden, ein lautes Geschrei erhoben haben, wo-
durch die Besatzung unter Manlius erwachte und
die Gallier zurückschlug. Ein Einfall der Veneter
in das Gebiet der Senonen am Po scheint die Gallier
veranlaßt zu haben, gegen Bezahlung eines Lose-
gelds von 1000 Pfd. Goldes von Rom abzuziehen.
Beim Abwägen dieser Summe soll V. falsches Ge-
wicht gebraucht, und als die Römer sich darüber be-
schwerten, höhnend sein Schwert noch auf die Wag-
schale geworfen haben mit den sprichwörtlich ge-
wordenen Worten: Vg.6 Victis! ("Webe den Be-
siegten!") Einige Jahre später nahm Camillus den
Galliern einen Teil ihrer Beute wieder ab. - Vgl.
Thouret, über den gallischen Brand (Lpz. 1880).
Ein anderer V. fiel mit einem gallischen Heere
von 150000 ^ußtruvven und 20000 Reitern 279
v. Chr. in Griechenland ein. Er schlug den mace-
don. Feldherrn ^osthenes, durchzog Thessalien,
drang, nachdem ein Sturm auf die Griechen im
Engpaß von Tbcrmopylä von diesen abgeschlagen
war, über den Ota vor und rückte auf Delphi los,
um den Tempel zu plündern. Aber es gelang
dem kleinen griech. Heerhaufen, die Feinde zurück-
zutreiben, weil nach der Sage Apollon selbst sein
Heiligtum beschützte. Erdbeben und ein furchtbares
Gewitter verbreiteten Unheil und Schrecken in ihren
Reihen. B. ward fchwer verwundet und tötete sich
selbst; die Kelten mußten den Rückzug antreten. Die
Statue des Apollo von Velvedere sf. Apollon) soll
aus Anlaß dieser Abwehr der Gallier geschaffen sein.
Brennweite beißt der Abstand des Brennpunk-
tes (s. d.) von der Mitte des Brennglases oder Vrenn-
spiegcls (s. Linse ^in der Optik^ und Hohlspiegel).
Brennwert, s. Heizeffekt, absoluter.
Brenta, älteres Weinmah in Italien, in Turin
^ 49,281, in Mailand -- 75,551; im sckweiz. Kanton
Tesfin war die V. im allgemeinen ^ 72,.>091 (in Lu-
gano aber ^ 87,158 I). (S. auch Eimer und Faß.)
Vrenta, bei den Römern Neäoacus ina^or,
Fluß in Oberitalien, entspringt aus dem Caldo-
nazzosee in Tirol, 13 km ostsüdöstlich von Tricnt,
durchfließt in östl. Richtung die Val Sugana, biegt
nach S. um, tritt bei Bassano in die Ebene und
strömt jenseit Campo San Martino immer zwischen
Dämmen durch die paduanische Ebene. Hier wendet
sie sich gegen Padua, von wo der Kanal Piorcgo
zu ihr stößt. Um die Lagunen von Venedig vor der
Ausfüllung durch die Sedimente der B. zu be-
wahren, ist der Fluß nach <H. abgeleitet. Er stießt
von Dolo an unter dem Namen V. sotto il Dole,
weiterhin V. morta, endlich V. magna um die
Lagunen herum und fällt nach einem Laufe von
174 km unterhalb Brondolo in den Golf von Vene-
dig. Ein Teil des Wassers fließt ganz nahe östlich
als Taglio novissimo dclla B. ebenfalls nach
Brondolo; und ein dritter, geringerer, geht nach
der ehemaligen Mündung bei Fusina in die Lagune.
Von Mira östlich läuft der (5 anale oi B., auf
welchem die Hauptschiffahrt zwischen Venedig und
Padua stattfindet, während die eigentliche B. iLreutg.
unova) wenig benutzt wird. Die Ufer der B. sind stach.
Brenta Alpen, s. Ostalpen.
Brentano, Clemens, Dichter, Enkel von Sophie
Laroche, Sobn des aus dem Mailändischen stam-
menden Kaufherrn P. A. B., Bruder von Elisabeth
(Bettina) von Arnim, geb. 8. ^ept. 1778 zu Frank-
furt a. M., studierte, nachdem er sich ohne Erfolg als
Kaufmann versucht hatte, seit 1797 zu Jena, wo er
romantische Exaltiertheiten verübte, und hielt sich
dann als fahrender Litterat zu Jena, Frankfurt a.M.,
Marburg, Heidelberg (B.s "Lied von eines Stu-
denten Ankunft in Heidelberg", hg. von Bartsch,
Freib. i. Br. 1882), Vukowan in Böhmen, Wien,
Cassel, Landshut und Berlin auf. 1818 entsagte er
aus Unzufriedenheit mit sich und den Menschen der
Welt, ward bigott katholisch und lebte als Asce-
tiker bis 1824 zu Dnlmen im Münsterschen, um die
I Visionen der stigmatisierten Nonne Katharina Em-
! merich aufzuzeichnen ("Leben der heil. Jungfrau
i Maria. Nach der Anna Katharina Emmerich Be-
trachtungen", Münch. 1852), hierauf am Rhein, end-
lich in Regensburg, München, Frankfurt a. M. und
Aschaffenburg, wo er, nackdcm sich seine Überspannt-
heit zu halber Verrücktheit entwickelt hatte, 28. Juli
1842 starb. Anfangs schrieb er unter dem Namen