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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Breslau; Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn; Breslauer Braun

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Breslau (Friede von) - Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn

quartierung. Trotzdem ging Handel und Wohlstand im 17. Jahrh. allgemach abwärts, die alte Verfassung verknöcherte und die Bürgerschaft verlor das Vertrauen zu der Weisheit der regierenden Geschlechter. Unter diesen Umständen vollzog sich der Übergang von der fast reichsstädtischen Selbständigkeit unter Österreichs Scepter zur Abhängigkeit einer preuß. Provinzialhauptstadt im ersten Schlesischen Kriege verhältnismäßig leicht. Bei Beginn des Krieges erlangte die Stadt von Friedrich II. die Neutralität zugesichert, doch ließ er sie nach der Schlacht bei Mollwitz 10. Aug. 1741 besetzen und nötigte sie zur Huldigung. Der den ersten Krieg beendigende Friede wurde hier 11. Juni 1742 abgeschlossen. Vom zweiten Kriege wurde sie weniger berührt. Im Siebenjährigen Kriege siegten hier die Österreicher unter Karl von Lothringen 22. Nov. 1757 über die schwächern Preußen unter dem Herzog von Braunschweig-Bevern,sodaß sich B. 24. Nov. dem Sieger ergab, doch ward es schon 29. Dez. nach Friedrichs Siege bei Leuthen von diesem zurückgewonnen. 1760 versuchte Laudon es durch einen unvermuteten Angriff und ein Bombardement zu erobern, allein Tauenzien zwang die Feinde, von der Belagerung abzustehen. Nach dem Kriege erweiterte der König die Befestigungen sehr bedeutend, namentlich auf der rechten Oderseite, ohne doch die Stadt zu einer starken Festung machen zu können. Prinz Jérôme Bonaparte zwang sie nach einer vom 6. Dez. 1806 bis 5. Jan. 1807 dauernden, vom General Vandamme geleiteten Belagerung zur Übergabe, worauf Napoleon die Festungswerke schleifen ließ. Fast das ganze Gebiet derselben schenkte König Friedrich Wilhelm III. hochherzig der schwer mitgenommenen Stadt, die dadurch später ihre schönen Promenaden gewann. Zweimal hat sie im 19. Jahrh. die Blicke der polit. Welt auf sich gelenkt. Am 17. März 1813 erließ Friedrich Wilhelm III. von hier aus den bekannten "Aufruf an mein Volk", der die Erhebung des preuß. Volks gegen Napoleon zur Folge hatte, und 15. Mai 1866 erließen die städtischen Behörden von B. jene patriotische Adresse an König Wilhelm I., die zuerst den seit der Konfliktszeit auf dem Volke lastenden Bann der Vertrauenslosigkeit gegenüber der deutschen Politik Bismarcks durchbrach. Zum Dank dafür hielt der König 18. Sept. mit seinen siegreichen Truppen einen feierlichen Einzug in die Stadt.

B. ist noch bis heute der Sitz eines Fürstbischofs. Derselbe führt den Fürstentitel von der Herrschaft über das Fürstentum Grottkau-Neisse. Das neissesche vermachte Bischof Jaroslaw 1201 dem bischöfl. Stuhl, das grottkauische erwarb Bischof Preczlaw 1345 durch Kauf. Als geistliche Fürsten hatten die Bischöfe früher den ersten Rang unter den schles. Herzögen und führten lange Zeit die Oberhauptmannschaft über Schlesien nebst dem Vorsitz auf den schles. Fürstentagen. Bei der Säkularisation der Kirchengüter in Preußen 1810 verblieben dem Bischof doch noch diejenigen Güter, die in dem 1742 bei Österreich belassenen Teil seiner schles. Diöcese lagen, mit der schönen Sommerresidenz Johannisberg. Nach des Bischofs Schimonski Tode ward 1835 der Graf Leopold Sedlnitzki zum Bischof erwählt, der 1840 seine Würde niederlegte und später zum Protestantismus übertrat. An seine Stelle wurde Aug. 1841 der Dechant Jos. Knauer erwählt, dessen wirklicher Antritt aber infolge seiner von Rom aus verzögerten Bestätigung erst im April 1843 stattfand. Diesem folgte 1845 der Fürstbischof Melchior, Freiherr von Diepenbrock (s. d.), früher Domdechant zu Regensburg. Nach dessen Tode 1853 ward der Domkapitular Heinrich Förster (s. d.) erwählt, welcher aber wegen Widersetzlichkeit gegen die neuen Kirchengesetze im Herbst 1875 vom Kirchlichen Gerichtshof seines Amtes entsetzt wurde. Vom 21. Mai 1882 bis 26. Dez. 1886 war Robert Herzog, seit 19. Okt. 1887 ist Kardinal Dr. Kopp Fürstbischof. Das Bistum bildet eine exemte Diöcese und umfaßt Preußisch-Schlesien mit Ausnahme des Kommissariatsdistrikts Katscher (zu Olmütz gehörig) und der Grafschaft Glatz (zu Prag gehörig), ferner Österreichisch-Schlesien mit 4 Archipresbyteriaten im Troppauer und 8 im Teschener Kreise. Dazu kommt der Delegaturbezirk für die Mark Brandenburg und Pommern mit 6 Archipresbyteriaten.

Litteratur. Klose, Dokumentierte Geschichte (bis 1526) und Beschreibung der Stadt B. (3 Bde., Bresl. 1781-83); Fortsetzung in Stenzels "Scriptores rerum Silesiacarum", Bd. 3 (ebd. 1847); Pols Jahrbücher der Stadt B., hg. von Büsching und Kunisch (5 Bde., ebd. 1813-24); Menzel, Topogr. Chronik von B. (ebd. 1805-8); Grünhagen, B. unter den Piasten (bis 1356; ebd. 1861); von Ysselstein, Lokalstatistik der Stadt B. (ebd. 1866); Heyne, Dokumentierte Geschichte des Bistums B. (3 Bde., ebd. 1860 -68); Korn, Breslauer Urkundenbuch (Bd. 1, ebd. 1870); Breslauer Statistik (Serie I-XIII, 1876-91), hg. vom städtischen statist. Amt; Luchs, B. Ein Führer durch die Stadt B. (10. Aufl., ebd. 1888); Markgraf und Frenzel, Breslauer Stadtbuch (ebd. 1882); Stein, Geschichte der Stadt B. im 19. Jahrh. (ebd. 1884); Lutsch, Die Kunstdenkmäler der Stadt B. (ebd. 1886); Adolf Weiß, Chronik der Stadt B. (ebd. 1888); Markgraf, Geschichte B.s in kurzer Übersicht (ebd. 1888); Städtebilder: B. und Umgebung, von Markgraf (Zürich 1889); Neese, Statist. Jahrbuch deutscher Städte, 1. Jahrg. (Bresl. 1890); Wörl, Führer durch B. und Umgebung (1891).

Breslau, Friede von, der 11. Juni 1742 zu B. als Präliminarvertrag geschlossene und 28. Juli zu Berlin als definitiver Friedensschluß unterzeichnete Friede, durch welchen der erste Schlesische Krieg (s. d.) beendet wurde. Friedrich II. war in B. durch den Minister Heinrich von Podewils vertreten, für Österreich führte die Unterhandlung der Engländer Lord Hyndford. Preußen erhielt Nieder- und Oberschlesien bis zur Oppa, sowie die bisher böhm. Grafschaft Glatz. Der jenseit der Oppa gelegene Bezirk von Oberschlesien, das Fürstentum Teschen und der größere Teil der Fürstentümer Troppau und Jägerndorf verblieben bei Österreich.

Breslauer Braun, s. Kupferbraun.

Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn, 1884 verstaatlichtes Privatuntenehmen. Stammbahnen sind die 1841 genehmigten und 29. Okt. 1843 und 21. Juli 1844 eröffneten Linien Breslau-Königszelt-Freiburg (57,51 km) und Königszelt-Schweidnitz (10,18 km). Später auf Verbindungen mit dem niederschles. Kohlenbezirk und mit Stettin über Glogau, Rothenburg, Reppen und Cüstrin ausgedehnt, bildet die Bahn zugleich durch den weitern Anschluß an das österr. Eisenbahnnetz bei Halbstadt im Verein mit den Linien der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahngesellschaft (s. d.) eine zusammenhängende Verkehrsstraße