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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brilettos - Brille
Italien, wo er unter Gregor XIII. mehrere Säle
und Galerien mit Freskogemälden schmückte; so malte
er in der Sala di Consistorio im Vatikan vier Fres-
kcn, die Jahreszeiten. B. war Historien- und Land-
schaftsmaler und arbeitete in der Weise der ältern
niederländ. Landschafter. -Sein Bruder Paul,
seines Bruders und übte durch seinen einfachen und
edlen Stil auf die Landschafter, zunächst auf Anni-
bale Carracci, bedeutenden Einfluß aus. Eine Samm-
lung trefflicher Landschaften in Fresko von ihm be-
findet sich im Palast Rospigliosi, andere in Sta.
Cecilia, Sta. Maria maggiore in Rom, im Palast
Pitti zu Florenz und im Louvre; sein größtes Werk
im sog. neuen päpstl. Saale. Außer Landschaften
bat man von ihm Jagd-, See- und Fiscberstücke
sowie auch Scenen aus der bibliscken Geschichte
(Turmbau zu Babel, im Berliner Museum). Auch
die Galerien von München, Wien, Dresden u. s. w.
weisen Arbeiten von ihm auf.
Vrilettos, Gebirge in Attika, s. Pentelikon.
Brill, Glattbutt, s. Schollen.
Brill, G. I., Holland. Vuchdi-uckerei, Verlags-
und Antiquariatsbuchhandlung in Leiden, wurde
1850 von E. I. Brill als neues Geschäft begrün-
det, bildet aber zugleich in gewissem ^inne die
Fortsetzung des in demselben Jahre erloschenen be-
rühmten Geschäfts von Luchtmans (s. d.) daselbst,
das der Vater B.s, Ian Vrill, die letzten vierzig
Jahre geleitet hatte. Nach dem Tode des erstern
(29. Nov. 1871) ging die Firma durch Kauf über
an A. P. M. van Oordt, geb. 28. Okt. 1840, und
F. deStoppelaar, geb. 27. Febr. 1841. Die Haupt-
bedeutung des Geschäfts liegt in dem Druck und
Verlag orient. Werke, darunter auch chinesische und
japanische, herausgegeben von den hervorragendsten
Fachgelehrten nicht nur Hollands, sondern auch an-
derer Länder. Daran schließen sich die Natur-
wissenschaften mit Mathematik, Geographie und
Ethnographie, ferner klassische und neuere Pbilo-
logie, Theologie, Rechtswissenschaft, Geschichte,
Schöne Litteratur, Sammelwerte und Zcitsckrislcn.
Die Svracke der Werke (außer in den orientalischen)
ist vorwiegend holländisch, sehr oft auch lateinisch,
deutsch, französisch oder englisch. Taö Antiquariat
besteht aus einem großen Lager von Werken allcr
Art, namentlich aus den orient. Litteraturen (dar-
unter importierte Drucke, sowie eine rciche Samm-
lung arab. und türk. Handschriften), mit Katalogen
(bis Anfang 1892 44 Nummern). Außerdem werden
mehrmals sährlichgroßeBücheraultioncn abgehalten.
Brillant (frz., spr. brijang, gewöhnlich brilljant,
"glänzend", "schimmernd") nennt man eine Schliff-
form für durchsichtige Edelsteine, die zwar bei fast
allen nicht selten angewendet, doch namentlich den
schönsten und reinsten Diamanten gegeben wird,
weshalb man unter B. meist nur Diamanten ver-
steht. Der V. gleicht zwei Pyramiden, die mit ibren
Grundflächen zusammenstoßen und von denen die
obere (Oberteil, Pavillon oder 5lrone) sehr
stark, die untere (Unterteil oder Culasse) nur
sehr wenig abgestumpft ist. Die dadurch entstehende
obere große, ebene Fläche heißt die Tafel, die untere,
sehr kleine, die Kalette. Die Fläche, wo Oder- und
Unterteil zusammenstoßen und an deren Rande der
Stein rundum gefaßt wird, nennt man die R undi st e.
Bei regelmäßigem Brillantschlifj muh der Oberteils,
der Unterteil ^/g an Höhe haben und die Größe derKa:
lette 2/5 von der der Tafel betragen. Die Seiten des
B. werden mit angeschliffenen Flächen, Facetten,
verziert, um das einfallende Licht zurückzuwerfen,
zu zerlegen und so den Stein in mannigfaltigen
Farben strahlen zu lassen. Die Zahl der Facetten
ist bei einem gutgescklisfenen B. immer ein viel-
faches von 8. Die besten V., "vom ersten Gut", zei-
gen 56 Facetten, nämlich am Oberteile 32 (8 -j- 8
4- 16) und am Unterteile 24, die meisten jedoch,
die in den Handel kommen, haben nur 32, 24 oder
16. Das Altertum kannte den Vrillantschliff nickt'
er ist erst in der neuern Zeit angewandt worden. (S.
Edelstein schleiferei und Diamant.)
Brillantdoppelbrenner, s. Petroleumlampen.
Brillanten, Faluner, im Theaterwesen, s.
Faluner Brillanten.
Brillantfeuer, s. Sätze.
Brillantaarn, ein zu Stickereien verwendetes
gezwirntes Wollgarn, das in lebhaften Farben ge-
färbt und hierauf mit Gold- oder Silberlahn so
weitläufig überfponnen wird, daß zwischen den ein-
zelnen Windungen der wollene Grundfaden deut-
lich sicktbar ist.
Brillantgelb nennt man einige gelb färbende
Azofarbstoffe von verschiedener Konstitution.
Brillantglas, ein rautenförmig geschliffenes,
stark lichtbrcckcndes, zu Kronleuchterbehängen und
andern dekorativen Zwecken verwendetes Glas.
Brillantgrün, Äthylgrün, Solidgrün,
eine aus Bcnzaldedyd und Diäthylanilin darge-
stellter, dem Malachitgrün (s. d.) ähnlicher Farbstoss
der Triphenylmethangruppe. V. färbt die Stoffe
mit gelberm Stich als Malachitgrün.
Brillantme, ein Kosmetikum, besteht aus einer
Lösung von 1 Teil Glycerin oder Ricinusöl in 60
Teilen parfümiertem Weingeist, wird zum Glänzend-
macken von Haar und Bart benutzt.
Brillantkäfer, auch Iuwelenkäfer genannt,
s. Rüsselkäfer.
Brittantkonao, in der Farbenchemie Bezeich-
nung für einige Benzidinfarbstoffe (s. Azofarbstoffe),
die Baumwolle rot färben.
Brillantschliff, s. Brillant und Glas.
Brillat-Tavarin (spr. brija hawaräng), An-
thelme, franz. Schriftsteller, geb. 1. April 1755 zu
Velley, war nach der Bewegung vom 10. Aug. 1792
Maire von Velley, ward als Föderalist gerichtlick
verfolgt, floh in die Schweiz und dann in die Ver-
einigten Staaten. 1796 nach Frankreich zurück-
gekehrt, wurde er Sekretär im Stäbe der Armee in
Deutschland, dann Kommissar des Direktoriums
und von 1800 bis zu seinem Tode, 2. Febr. 1826,
Rat am KaMtionshofe. Fast alle seine Werke er-
schienen anonym, sodaß er erst nach seinem Tode,
namentlich durch seine Humor- und geistvolle
Tbeorie der Tafelfreuden, "I^i^iolo^is äu ^oüt,"
(Par.1825'deutschvonK.Vogt,5.Aufl.,Braunschw.
1888), als Schriftsteller bekannt ward.
Brille, entstanden aus Beryll, ein Apparat,
der dicht vor den Augen angebracht wird, entweder
zu dem Zwecke, die Sehschärfe der Augen im allge-
meinen oder für eine bestimmte Entfernung zu
bessern, oder den Sehachsen eine bestimmte Richtung
anzuweisen, oder die Augen vor zu hellem Lichte,
vor Verletzungen, Staub,Zugluft u.s.w. zu schützen.
Nach den verschiedenen Zwecken unterscheidet man:
1) Brillen für bestimmte Entfernungen,
die das Auge befähigen, in Entfernungen deut-