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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brilettos - Brille

Italien, wo er unter Gregor XIII. mehrere Säle und Galerien mit Freskogemälden schmückte; so malte er in der Sala di Consistorio im Vatikan vier Fresken, die Jahreszeiten. B. war Historien- und Landschaftsmaler und arbeitete in der Weise der ältern niederländ. Landschafter. - Sein Bruder Paul, geb. 1554, gest. 1626 in Rom, kam, nachdem er sich vorher in Frankreich aufgehalten hatte, ebenfalls nach Rom. Er vollendete und übertraf die Werke seines Bruders und übte durch seinen einfachen und edlen Stil auf die Landschafter, zunächst auf Annibale Carracci, bedeutenden Einfluß aus. Eine Sammlung trefflicher Landschaften in Fresko von ihm befindet sich im Palast Rospigliosi, andere in Sta. Cecilia, Sta. Maria maggiore in Rom, im Palast Pitti zu Florenz und im Louvre; sein größtes Werk im sog. neuen päpstl. Saale. Außer Landschaften hat man von ihm Jagd-, See- und Fischerstücke sowie auch Scenen aus der biblischen Geschichte (Turmbau zu Babel, im Berliner Museum). Auch die Galerien von München, Wien, Dresden u. s. w. weisen Arbeiten von ihm auf.

Brilettos, Gebirge in Attika, s. Pentelikon.

Brill, Glattbutt, s. Schollen.

Brill, E. J., holländ. Buchdruckerei, Verlags- und Antiquariatsbuchhandlung in Leiden, wurde 1850 von E. J. Brill als neues Geschäft begründet, bildet aber zugleich in gewissem Sinne die Fortsetzung des in demselben Jahre erloschenen berühmten Geschäfts von Luchtmans (s. d.) daselbst, das der Vater B.s, Ian Brill, die letzten vierzig Jahre geleitet hatte. Nach dem Tode des erstern (29. Nov. 1871) ging die Firma durch Kauf über an A. P. M. van Oordt, geb. 28. Okt. 1840, und F. De Stoppelaar, geb. 27. Febr. 1841. Die Hauptbedeutung des Geschäfts liegt in dem Druck und Verlag orient. Werke, darunter auch chinesische und japanische, herausgegeben von den hervorragendsten Fachgelehrten nicht nur Hollands, sondern auch anderer Länder. Daran schließen sich die Naturwissenschaften mit Mathematik, Geographie und Ethnographie, ferner klassische und neuere Philologie, Theologie, Rechtswissenschaft, Geschichte, Schöne Litteratur, Sammelwerke und Zeitschriften. Die Sprache der Werke (außer in den orientalischen) ist vorwiegend holländisch, sehr oft auch lateinisch, deutsch, französisch oder englisch. Das Antiquariat besteht aus einem großen Lager von Werken aller Art, namentlich aus den orient. Litteraturen (darunter importierte Drucke, sowie eine reiche Sammlung arab. und türk. Handschriften), mit Katalogen (bis Anfang 1892 44 Nummern). Außerdem werden mehrmals jährlich große Bücherauktionen abgehalten.

Brillant (frz., spr. brijáng, gewöhnlich brilljánt, "glänzend", "schimmernd") nennt man eine Schliffform für durchsichtige Edelsteine, die zwar bei fast allen nicht selten angewendet, doch namentlich den schönsten und reinsten Diamanten gegeben wird, weshalb man unter B. meist nur Diamanten versteht. Der B. gleicht zwei Pyramiden, die mit ihren Grundflächen zusammenstoßen und von denen die obere (Oberteil, Pavillon oder Krone) sehr stark, die untere (Unterteil oder Culasse) nur sehr wenig abgestumpft ist. Die dadurch entstehende obere große, ebene Fläche heißt die Tafel, die untere, sehr kleine, die Kalette. Die Fläche, wo Ober- und Unterteil zusammenstoßen und an deren Rande der Stein rundum gefaßt wird, nennt man die Rundiste. Bei regelmäßigem Brillantschliff muß der Oberteil ⅓, der Unterteil ⅔ an Höhe haben und die Größe der Kalette 1/5 von der der Tafel betragen. Die Seiten des B. werden mit angeschliffenen Flächen, Facetten, verziert, um das einfallende Licht zurückzuwerfen, zu zerlegen und so den Stein in mannigfaltigen Farben strahlen zu lassen. Die Zahl der Facetten ist bei einem gutgeschliffenen B. immer ein vielfaches von 8. Die besten B., "vom ersten Gut", zeigen 56 Facetten, nämlich am Oberteile 32 (8 + 8 + 16) und am Unterteile 24, die meisten jedoch, die in den Handel kommen, haben nur 32, 24 oder 16. Das Altertum kannte den Brillantschliff nicht; er ist erst in der neuern Zeit angewandt worden. (S. Edelsteinschleiferei und Diamant.)

Brillantdoppelbrenner, s. Petroleumlampen.

Brillanten, Faluner, im Theaterwesen, s. Faluner Brillanten.

Brillantfeuer, s. Sätze.

Brillantgarn, ein zu Stickereien verwendetes gezwirntes Wollgarn, das in lebhaften Farben gefärbt und hierauf mit Gold- oder Silberlahn so weitläufig übersponnen wird, daß zwischen den einzelnen Windungen der wollene Grundfaden deutlich sichtbar ist.

Brillantgelb nennt man einige gelb färbende Azofarbstoffe von verschiedener Konstitution.

Brillantglas, ein rautenförmig geschliffenes, stark lichtbrechendes, zu Kronleuchterbehängen und andern dekorativen Zwecken verwendetes Glas.

Brillantgrün, Äthylgrün, Solidgrün, eine aus Benzaldehyd und Diäthylanilin dargestellter, dem Malachitgrün (s. d.) ähnlicher Farbstoff der Triphenylmethangruppe. B. färbt die Stoffe mit gelberm Stich als Malachitgrün.

Brillantine, ein Kosmetikum, besteht aus einer Lösung von 1 Teil Glycerin oder Ricinusöl in 60 Teilen parfümiertem Weingeist, wird zum Glänzendmachen von Haar und Bart benutzt.

Brillantkäfer, auch Juwelenkäfer genannt, s. Rüsselkäfer.

Brillantkongo, in der Farbenchemie Bezeichnung für einige Benzidinfarbstoffe (s. Azofarbstoffe), die Baumwolle rot färben.

Brillantschliff, s. Brillant und Glas.

Brillat-Savarin (spr. brĭja ßawaräng), Anthelme, franz. Schriftsteller, geb. 1. April 1755 zu Belley, war nach der Bewegung vom 10. Aug. 1792 Maire von Belley, ward als Föderalist gerichtlich verfolgt, floh in die Schweiz und dann in die Vereinigten Staaten. 1796 nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er Sekretär im Stabe der Armee in Deutschland, dann Kommissar des Direktoriums und von 1800 bis zu seinem Tode, 2. Febr. 1826, Rat am Kassationshofe. Fast alle seine Werke erschienen anonym, sodaß er erst nach seinem Tode, namentlich durch seine humor- und geistvolle Theorie der Tafelfreuden, "Physiologie du goût" (Par. 1825; deutsch von K. Vogt, 5. Aufl., Braunschw. 1888), als Schriftsteller bekannt ward.

Brille, entstanden aus Beryll, ein Apparat, der dicht vor den Augen angebracht wird, entweder zu dem Zwecke, die Sehschärfe der Augen im allgemeinen oder für eine bestimmte Entfernung zu bessern, oder den Sehachsen eine bestimmte Richtung anzuweisen, oder die Augen vor zu hellem Lichte, vor Verletzungen, Staub, Zugluft u. s. w. zu schützen. Nach den verschiedenen Zwecken unterscheidet man:

1) Brillen für bestimmte Entfernungen, die das Auge befähigen, in Entfernungen deut-^[folgende Seite]