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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brille
lich (d. h. ohne Zerstreuungskreise der von den
Sehobjekten gelieferten Netzhautbilder) zu sehen, in
denen es ohne B. nur undeutlich (d. h. mit Zer-
streuungskreisen der Netzhautbilder) zu sehen ver-
mag. Diesem Zwecke dienen im allgemeinen die
sphärischen, positiv oder negativ brechenden, d. h. die
Konvex-(Sammel-) und die Konkav-(Zerstreuungs-)
Linsen. Nach der bis jetzt üblichen Bezeichnung der
Brillengläser bedeutet ihre Nummer ihre in Zollen
ausgedrückte Hauptbrennweite, die bei den Konvex-
linsen einen positiven, bei den Konkavlinsen einen
negativen Wert hat. Die Nummern folgen auf-
einander wie die Reihe der natürlichen Zahlen; ist
jedoch die Wirkung zweier Nummern zu summieren
oder zu subtrahieren, so hat man mit dem Reci-
proken der Nummern, d.h. dem optischen Werte
(der Vrechkraft) der Gläser, zu rechnen. Der Unter-
schied zwischen 7 konvex und 8 konvex ist demnach
56 konvex (^-'/g--^), der Unterschied zwischen
11 konvex und 12 konvex dagegen 132 konvex
(l/12^/12^/132); im allgemeinen ist der Unter-
schied zwischen zwei sich folgenden Nummern um
so größer, je stärker ihre Brechkraft, je kürzer
ihre Brennweite ist. Um nun einmal leichter mit
den Gläsern rechnen zu können, andererseits den
Übclstand zu vermeiden, daß die nach verschiedenen
Maßen (rheinische, Pariser, Wiener, engl. Zolle)
geschliffenen Gläser bei gleicher Bezeichnung eine
verschiedene Brennweite haben, ist man neuerdings
bemüht, eine andere, auf das Metermaß begrün-
dete Bezeichnung einzuführen. Man nimmt als
Einheit den optischen Wert einer Meterlinse, d. h.
einer Linse von 1 m positiver oder negativer Brenn-
weite und nennt diesen Wert eine Dioptrie (I)).
Demnach ist -l-1 v gleich der alten Nummer 38 konvex
/ 3^X
i - ", -i- 21) gleich der alten Nummer 19 konvex
s ^v - 3V gleich der alten Nummer 12^ konkav
l - ) u. s. w. Die positiv brechenden Linsen sind
entweder bikonvex, plankonvex oder konkavkonvex;
die negativ brechenden Linsen bikonkav, plankonkav
oder konvexkonkav. (S. Linse.) Die plankonvexen
und plankonkaven Gläser eignen sich am wenigsten
zu dem Brillengebrauch; am besten verwendet man
die von Wollaston empfohlenen konkavkonvexen und
konvexkonkaven (auch positive und negative Me-
nisken genannt), bei denen die Brechung der cen-
tralen und der Randstrahlen die gleichartigste ist.
Sie werden auch periskopische Gläser genannt,
weil man gleich deutlich durch die Mitte wie
durch den Rand des Glases sieht. Die bikonvexen
und bikonkaven Linsen besitzen zwar nicht diese
Vrechungsgleichartigkeit, wie die bezüglichen Me-
nisken, sind aber wegen ihrer bequemern und billigern
Herstellung viel mehr in Gebrauch als diese. Die
gewöhnlichen B. sind aus Crownglas angefertigt.
Zwar wird auch Vergkrystall und Flintglas zu den-
selben verwendet, doch haben letztere neben dem
Vorzug größerer Härte den Nachteil einer stärkern
Farbenzerstreuung. Die chromatische Aberration
(s. Achromatisch) ist bei den schwächern und mittlern
Brillengläsern unerheblich, bei stärkern, z. B. den
gewöhnlichen Stargläsern, allerdings zuweilen fühl-
bar, doch eignen sich achromatische Gläser ihres Vo-
lumens und Gewichts wegen nicht zu Brillengläsern.
Sphärische Gläser kommen im allgemeinen dort zur
Verwendung, wo das Auge, als diovtrischerApparat
gedacht, zum Zwecke des deutlichern Sehens einer
gleichen optischen Korrektion in allen Meridianrich-
tungen des Systems bedarf. Kurzsichtigkeit (s. d.)
erfordert den Gebrauch der Konkavgläfer, Nbersich-
tigkeit und Weitsichtigkeit (s. Alterssichtigkeit) den
der Konvexgläser. Bei Astigmatismus (s. d.) kommen
statt der sphärischen oder in Kombination mit ihnen
die cylindrischen Gläser zur Verwendung, die ganz
analog wie jene, entweder konvex- oder konkav-
cylindrische sind. Es kommt keineswegs jelten vor, daß
sowohl zum Sehen ^n die Ferne als in die Nähe
Brillengläser erforderlich sind, jedoch von verschie-
dener optischer Qualität. Statt in solchen Fällen mit
zwei verschiedenen B. zu wechseln, erreicht man den
Zweck auch dadurch, daß man beide Gläser in eine
Fassung bringt. Oberhalb der horizontalen Hal-
bierungslinie derselben befindet sich dann die Hälfte
des zum Sehen in die Ferne, unterhalb derselben
die des zum Sehen in die Nähe bestimmten Glases,
sodaß beide Halbgläser in jener Linie aneinander-
stoßen. Nach ihrem Erfinder nennt man diese V.
Franklinsche, nach ihrem Zweck pantosko-
pische. Die Erfindung der die Refraktion korrigie-
renden sphärischen B.wird RogerBacon(13.Jahrh.)
zugeschrieben; eine richtige Theorie dieser B. gab
jedoch erst Kepler 300 Jahre später.
2) Prismen drillen, die nicht eineRefraktions-,
sondern eine Stellungskorrektion der Augen be-
wirken. Will man den Konvergenzwinkel beider
Sehlinien, d. h. den Winkel, unter dem diese sich
beim Fixieren schneiden, vergrößern, so legt man
vor ein oder vor beide Augen Prismen, die mit dem
brechenden Winkel (Kante des Prismas) nasenwärts
gerichtet sind ("adduzierende Prismen"); hat man
die entgegengesetzte Aufgabe zu erfüllen, so legt man
die Prismen mit den Kanten schlaf nwärts ("abdu-
zierende Prismen"). In beistehender Figur z. B.
wird das rechte Auge
R abduziert,d.h. schlä-
fenwärts gewendet, da-
mit der von ^ kom-
mende, durch das
Prisma ? abgelenkte
Richtungsstrahl auf
den gelben Fleck F fällt,
der mit dem gleichfalls
vom Richtungsstrahl
getroffenen gelben
Flecke 3 des linken
Auges I. identisch ist.
Würde diese Drehung
des rechten Auges bei
dem Vorlegen des Pris- <
mas nicht gemacht, so ^
würde das Bild von ^ ^
unrechten Auge aufeinen nasenwärts von F gelegenen
Punkt fallen und binokulares Doppelsehen (s. Augs,
Bd. 2, S. 108 kl) entstehen. Um dies zu vermeiden, ist
eben die Ablenkung des rechten Auges nötig und tritt
scheinbar unwillkürlich ein. Nach der Größe des Win-
kels, in dem die Flächen der Prismen zueinander ge-
neigt sind, bezeichnet man die Nummern derselben.
Wird nur eine Beeinflussung der Stellung der Augen
verlangt, so erreicht man dies durch Anwendung der
Planprismen, ist aber gleichzeitig die Korrektion eines
Brechungsfehlers erforderlich, so können die Flächen
der Prismen je nach Bedürfnis sphärisch oder cylin-