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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brodzkij - Broglie (Familie)
einzelner seiner Gedichte finden sich in Ritschmanns
"Poln. Parnaß", in Drakes "Poln. Miscellen"
(Warsch. 1826, Heft 1), in der "Mnemosyne", 18^7
(von A. von Drake und Julius Colberg) und in
Herloßsohns "Komet" (von C. von Wurzbach).
Brodzkij, Victor, poln. Bildhauer, geb. 1825
in Ochotowez (Gouvernement Volhynien), erhielt
seine Ausbildung auf der Akademie in Petersburg.
Cr lebt in Rom. Sein Hauptfach sind ideale, alle-
gorische, religiöse und mytholog. Gestalten, die er
mit großer Anmut teils in Marmor, teils für den
Erzguß ausführt. Zu nennen sind: Amor in einer
Muschel schlafend, Der erwachende Amor, Dcr seg-
nende Christus, Der Engel des Glaubens; die Re-
liefs: Flucht aus Pompeji, Kreuztragung Christi.
Außerdem schuf er die Statue des Kopernikus für
Posen und zahlreiche Porträtbüsten.
Brofferio, Angelo, ital. Dichter und Publizist,
geb. 6. Dez. 1802 zu Castelnuovo Calcea bei Asti,
studierte die Rechte, widmete sich aber später wesent-
lich litterar. Arbeiten. Schon auf der Universität,
die ihn 1821 als Aufständischen relegierte, schrieb er
Dramen. Die ersten waren: "NuäoLäig.", "ä^iva-
wi'6 RoL3.", "Zainioli-L", "II ritoriw äsi plOLcritto",
"II Vampiro", "^.QF6iioH I^Hussm^uQ" und die
Lustspiele "Nio cuZino" und "^Mto p6i- ii in6-
ßlio". Nach einer Reise nach Paris und Neapel war
er 1.830 wegen eines polit. Komplotts 6 Mo-
nate eingekerkert und lieh, 1831 begnadigt, mund-
artliche polit. Gedichte: "09.1120111 pi6inoiit63i"
(8. Aufl., Tur. 1886), erscheinen, die außerordentlich
beliebt wurden und ihm den Beinamen "LkrHUFOr
pi6uioiit686" eintrugen. Er gründete 1834 eine
demokratische Zeitung, den "N6L3LW'i6i'6 toi-iii686",
doch ließ er sie 1849 eingehen und redigierte die
radikale "Voce äkiia. lidm-tH" bis 1856. Als Mit-
glied der piemont. Kammer von 1848 bis zum Tode
hielt B. sich meist zur äußersten Linken, deren leiden-
schaftlichster Redner er war. .hier trat er als An-
hänger Garibaldis allen Ministern der Rechten,
auch Cavour aufs heftigste entgegen; gegen lctztern
ist auch die Satire "II ^i-wko politic0""(1859) ge-
richtet. Er starb 26. Mai 1866 am Lago Maggiore
zu Verbanella oder zu Locarno. 1871 wurde ihm
in Turin ein Standbild errichtet. V.s Vaterlands-
liebe und dichterische Begabung liehen sein scharfes
Auftreten vergessen; dazu kam sein Fanatismus
gegen Österreich in der Tragödie "Viti^6 ro äsi 6ttti"
und der Kriegshymne "D6116 8Mä6 ii tisio lampo"
(ital. Marseillaise). Von V.s größern litterar. Ar-
beiten sind zu erwähnen: "äwi-i". äöi I^ismoiite äai
1814 Hi Zioi-ni uoLtri" (5 Bde., Tur. 1849-52),
und Memoiren "I uiiei tempi" (20 Bde., 1858-61),
außerdem "3o6ii6 0II611WI16" (2. Aufl., 2 Bde., 1858).
Eine "Ltoi-ia. äei p3.r1a.iii6Qt0 "ndiUpino" (6 Bde.,
1865-70) blieb unvollendet. - V.s Biographie
schrieb Pugno (Tur. 1868).
Broglie (spr. brollj oder brolljih), eigentlich
Broglio oder Broglia, alte piemont. Familie,
aus der sich General Francois Marie Graf von V.,
gest. 1656, in Frankreich niederließ. Dessen Sohn
Victor Maurice focht mit Auszeichnung unter
Ludwig XIV. und starb als Marschall 1727. Sein
Sohn, Francois Marie, Herzog von B., Mar-
schall von Frankreich, geb. 11. Jan. 1671 zu Paris,
nahm seit 1689 an allen Feldzügen in den Nieder-
landen, Deutschland und Italien ruhmvollen Anteil
und stieg 1734 zum Marschall auf. Im Osterreichischen
Erbfolgekriege kommandierte B. das franz. HilfsHeer
im Winter 1741-42 in Böhmen, verteidigte Prag
tapfer, erhielt an Stelle des Marschalls Vellisle den
Oberbefehl, erwies sich aber im Laufe des Kriege?
als ein wankelmütiger, unentschlossener Feldherr
und zog sich schließlich durch die Räumung Bayerns
und durch seinen Rückzug über den Rhein die Un-
gnade seines Hofes zu. V. starb 22. Mai 1745,
nachdem ihm 1742 die erbliche Herzogswürde ver-
liehen worden war.
Victor Francois, Herzog von V., sein äl-
tester Sohn, Marschall von Frankreich, geb. 19. Okt.
1718, begann in den Schlachten von Guastalla und
Parma des poln. Thronfolgekrieges 1734 seine
militär. Laufbahn und zeichnete sich 1741 beim
Überfall von Prag aus, focht 1746-48 in Flan-
dern und wurde 1748 Generallieutenant. Im
Siebenjährigen Kriege kämpfte er 1757 unter
d'Estrees bei Hastenbeck und unter Soubise bei
Roßbach und als Oberbefehlshaber 13. April 1759
bei Bergen. Zur Belohnung für den hier erfochtenen
Sieg ward er vom Kaiser 28. Mai 1759 zum deut-
schen Reichsfürsten ernannt. Nach der Erstürmung
Mindens 9. Juli wurde er Marschall von Frank-
reich und Oberbefehlshaber der deutschen Armee.
Mißhelligkeiten zwischen ihm und Soubise veran-
laßten seine Zurückberufung und die Verweisung
vom Hofe. Unter Ludwig XVI. wurde er 1778
wieder zum Befehlshaber der Truppen gegen Eng-
land ernannt. Beim Ausbruch der Revolution er-
nannte ihn Ludwig XVI. 1789 zum Kriegsminister.
Als jedoch der Abfall der Pariser Truppen alle seine
beabsichtigten Maßregeln vereitelte, wanderte er
aus. In dem Feldzuge von 1792 stand er an der
spitze einer Abteilung Ausgewanderter, und 1794
errichtete er ein Korps im brit. Dienste. Nach der
Auflösung desselben trat er 1797 in russ. Dienste,
zog sich aöer später ganz aus dem öffentlichen Leben
zurück und starb 30. März 1804 in Münster.
Charles Francois, Graf von B., zweiter
Sohn des ersten Herzogs, geb. 20. Aug. 1719, war
seit 1752 franz. Gesandter am Hofe Augusts III.
von Polen, wo er im Auftrage Ludwigs XV. im
geheimen die Wahl des Prinzen von Conti zum
König von Polen vorbereiten sollte. Die Änderung
des polit. Systems Ludwigs (1756) zerstörte B.s
Pläne auf eine Verbindung mit Sachsen gegen
England. Er ging nun zunächst an den Wiener Hof,
kehrte 1757 nach Warschau zurück, ohne jedoch etwas
zu erreichen. Er focht unter seinem Bruder mit
Auszeichnung in Deutschland und wurde von Lud-
wig XV. mit der Leitung seines geheimen Ministe-
riums beauftragt. Obgleich er das schwierige Ge-
schäft mit vieler Gewandtheit führte, entstanden
doch, da dieses geheime Ministerium dem öffentlichen
oft geradezu entgegenwirkte, die größten Verwir-
rungen. Er war deshalb vom König der Form
nach verbannt, zugleich aber insgeheim beauftragt,
in der Verbannung seine Geschäfte wie seither fort-
zusetzen. Unter Ludwig XVI. hatte er keine An-
stellung; er starb 16. Aug. 1781.
Claude Victor, Prinz vonB., der Sohn des
Herzogs Victor Francois von B., geb. 1757, ver-
trat als Mitglied de'r Nationalversammlung die
Ideen der Revolution. Nach der Auflösung der
Versammlung erhielt er eine Anstellung bei der
Rheinarmee. Als er sich aber weigerte, die Dekrete'
vom 10. Aug. 1792 anzuerkennen, wurde er außer
Thätigkeit gesetzt, später vor das Revolutions-
tribunal gefordert und 27. Juni 1794 guillotiniert