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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Broye (Bezirk) - Bruce (Robert)
Quellbächen unweit Semsales (876 m) an den westl.
Vorbergen der Molesongruppe, durchzieht bald
Waadtländer, bald Freiburger Gebiet, tritt bei
Moudon in das breite, sumpfige Vroyethal und
fließt, von Payerne (s. d.) an kanalisiert und von
Dampfern befahren, bei Salavaur in den Murten-
sce. Bei Sugiez verläßt sie diesen wieder und mündet,
dem Nordfusie des Vuilly entlang, nach Westen flie-
ßend in den Neuenburgersee bei La Sauge (434 m).
Sie ist 79^ k"i lang und bildet die Grenze gegen
das franz. Sprachgebiet. Ihr Thal benutzt die Bahn
von Payerne bis dicht vor Lausanne.
Broye (fpr. bröä), Bezirk im schweiz. Kanton
Freiburg, hat in 49 Gemeinden (1888) 14 852 E.,
darunter 1068 Protestanten, liegt fast ganz vom
übrigen Kanton getrennt zwischen dem Kanton
Waadt und dem Neueuburgersce und umfaßt bei-
nahe die ehemalige Amtei Estavayer. Hauptort ist
Estavayer (s. d.).
Broyhan, Cord, ein Vierbrauer aus Stöcken
im Hannoverischen, der eine Zeit lang in Hainburg
gewesen war, um 1526 in seine Heimat zurückkehrte
und dort versuchte, hamburgisches Bier zu brauen.
Aus dem mißratenen Gebrän soll, nach der gewöhn-
lichen Annahme, der B. (auch Broibahn oder
Brey Hahn) entstanden sein, ein süßlich-säuerliches,
erfrischendes Weißbier, das in einigen Gegenden
Norddeutschlands, gleich andern Weißbieren, aus
Weizen- oder Gerstcnluftmalz bereitet wird. Nach
andern soll man es schon früher gebraut haben.
Broyieren (frz., spr. broaji-), techniscke Bezeich-
nung für das feine Zerreiben von Malerfarben.
Brozik (spr. broschihk), Vaclav, d. i. Wenzel, czech.
Maler, geb. 1851 in Trcmoschna bei Pilsen, bildete
sich auf der Akademie in Prag und bei Emil Lauster
aus, war seit 1873 Schüler Pilotys in Müncken
und ließ sich 1876 in Paris nieder. Seine meist der
Geschichte Böhmens entnommenen Historienbilder
zeicbnen sich durch ein gläuzendes Kolorit ans.
Dabin gehören zunächst: "Hochzeitszug Zavis' von
Falkenstein (1871), Philippine Welscr, Abschied
Ottokars II., Exekution nach der Schlacht auf dem
Weißen Berge (1874), Hochzeit der Przemysliden-
tochtcr Dagmar mit König Waldcmar II. von Däne-
mark (1875), Das Hussitenmädcben (1877); nun
folgten erst die Hauptwerke V.s: Gesandtschaft des
Königs Wladislaw PostHumus zur Brautwerbung
an den Hof Karls VII. von Frankreick, 1457 (1878;
in der Berliner Nationalgalerie), Kaiser Karl IV.
mit Petrarca und Laura in Avignon (1881), Ein
Fest bei Rubens, Christopb Co'lumbus am Hofe
Ferdinands und Isabellas (Neuyork, Metropolitan-
Museum), Kaiser Rudolf II. beim Alchimisten (1882),
Martinitz und Slawata in Prag zum Fenster hin-
ausgestürzt, 23. Mai 1618 (1889).
Bruan, s. Malaienbär.
Bruat (spr. brüah), Armand Ios., franz. Admiral,
geb. 26. Mai 1796 zu Colmar, trat 1811 in die
franz. Marine ein, diente 1815 in Brasilien und
Westindien, 1817-20 in der Levante, bis 1824 am
Senegal und im Stillen Ocean, nahm 1827 als
Schiffslieutenant an der Schlackt bei Navarino teil,
war 1830 Kommandant einer Brigg, erlitt Echiff-
bruck und geriet in algerische Gefangenschaft, wnrde
jedoch bald ausgewechselt und 1831 zum Kapitän
ernannt. 1843 wurde er Gouverneur der Marauesas-
inseln und Geschäftsträger bei der Königin Pomare
von Tahiti, die er zur Anerkennung des franz. Pro-
tektorats bestimmte, 1849 Generalgouvcrneur der
Blockhaus' Konversations-Lexikon.. 14. Aufl. III.
Antillen, 1852 Viceadmiral, 1854 Befehlshaber der
franz. Flotte im Schwarzen Meere und starb 19. Nov.
1855 als Admiral auf der Rückkehr nach Frankreich.
In Colmar wurde ihm 1864 eine Kolossalstatue (von
Bartholdi) gesetzt.
Brubbeldries, s. Birresborn.
Bruce (spr. bruhsi), David, s. Bruce, Robert.
Vruce (spr. brubß), James, engl. Reisender, geb.
14. Dez. 1730 zu Kinnaird in Schottland, studierte
in Edinburgh die Rechte, trat dann in das Geschäft
eines Weinhändlers und wurde nach einer Reise in
das südl.'Europa 1762 Konsul in Algier, wo er sich
eifrig mit dem Studium der Morgenland. Sprachen
beschäftigte. Nach mehrern Reisen sowohl im Innern
Afrikas als an den Küsten des Mittelländischen
Aleers ging er in Begleitung eines Zeichners 1767
nach Asten, besuchte Vaalbek und Palmyra und
machte von den wichtigsten Denkmälern des Alter-
tums Zeichnungen, die er der königl. Bibliothek zu
Kew in England schenkte. Im Frühling 1768 kam
er nach Kairo und verfolgte gegen Ende des Jahres
den Lanf des Nils stromaufwärts bis Assuan, kebrte
nach Kenneh zurück und reiste mit einer Karawane
bis Kosseir am Roten Meere, von wo er nach
Dschidda segelte. Von hier kehrte er Sept. 1769
nach Massaua zurück. Unter Beschwerden und Ge- .
fahren kam er endlich bis Gondar, wo er fich bei
der hier ausgebrochenen Vlatternkrankheit durch
Anwendung der europ. Behandlungsart großes
Ansclen erwarb. Er blieb über drei Jahre in
Abessinien, besuchte die Quellen des östl. Nilarms
und setzte seine Reise nördlich durch Nubien nach
Alerandria fort, das er im Mai 1773 erreichte.
Nach einer Abwesenheit von 11 Jahren kehrte er
nach Schottland zurück, wo er seine "i'i'Hvels to
äiscovLi- tko 80ui-c68 ol tde ^ilo" (5 Bde., Edinb.
1790; 3. Ausg. 1813; deutsch von Volkmann, 5 Bde.,
Lpz. 1790-92; neue franz. Bearbeitung, Limoges
1880) ausarbeitete. Er starb 27.April 1794. - Vgl.
Head, I.it'0 ol 1i. (Lond. 1832; neue Ausg. 1849).
Bruce (spr. bruhh), James, brit. Staatsmann,
Graf von Elgin und Kincardine (s. d.).
Bruce (spr. bruhß), John Collingwood, engl.
Altertumsforscher, geb. 1805 als Sohn eines Echul-
vorstehers in Newcastle-upon-Tyne, studierte in
Glasgow und wirkte als Lehrer in der Schule seines
Vaters. Hier schrieb er "^1i6 Imncl-dook ot' Nux-
Ijzd liiLtol?" (1848; 3. Aufl. 1857) und bearbeitete
die von seinem Vater verfaßte beliebte "lutroäuo
tion to ZLOFI-Hp^ g.uä 3.3ti'0U0IN)"> (1859). Von
seinen archäol. Schriften sind zu erwähnen: "Iko
Ilom^i ^11" (1851; 3. Aufl. 1867; Abdruck 1887),
tt'Ilit^ I^a^eux tup63tr^ 6luoi63.t6ä" (1856), "^ ükuä-
dooli to ^6^c3.3tl(5" (1863), "^ NHiiä-dook to tiis
RomHu nM" (1863; 3. Ausg. 1886), "I^M^i-wm
86pt6nti-ioiiki6" (anonym, 1875; ein Bericht über
sämtliche röm. Denkmäler Nordenglands ^nit präch-
tigen Illustrationen^, auf Veranlassung des Herzogs
von Northumberland unternommen), "^ ä68crip-
tive catHioAUL to 3.uti(iuiti68, cliieti^ Lritisk, at.
^wnick 0H3ti6" (1880). 1881 war er Präsident
der englisch-presbyterian. Kirche. Er starb 5. April
1892 in Londou.
Bruce (spr. bruhß), Robert, schott. Kronpräten-
dent, aus einem Haus normann. Ursprungs, Sohn
der zweiten Tochter des Grafen von Huntingdon,
des Bruders von König Wilhelm dem Löwen von
Schottland, beanspruchte nach dem Aussterben die-
ses Königshauses (1290) neben John Baliol die
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