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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Brühl

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Brühl (Landgemeinde) - Brühl (Heinrich, Reichsgraf von)

ling ab von einer elektrischen Bahn (3 km) durchzogen. Im Bereiche des Thals liegen die Dörfer Klausen (280 E.), Vorder- und Hinterbrühl mit (1890) 244 und 1258 E., die im Sommer sich auf nahezu 4000 vermehren, über die Nordseite derselben ragen die Reste der Babenbergschen Herzogsburg Mödling und die weithin sichtbare Säulenhalle des 1813 vom Fürsten Johann Liechtenstein errichteten Husarentempels auf dem Gipfel des Kleinen Anninger (494 m). - Vgl. Mödling und sein Bezirk (Wien 1879).

Brühl, Landgemeinde im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Köln, 13 km südwestlich von Köln, in reizender Gegend am Fuße der Ville, eines zum Rhein sich abstufenden Vorgebirges der Eifel, an den Linien Köln-Frankfurt a. M. und Köln-Trier (Bahnhof Kierberg-B. 2 km entfernt am Ende der Kaiserstraße) der Preuß. Staatsbahnen, deren erstere den herrlichen Schloßpark durchschneidet, hat (1890) 4507 (2321 männl., 2246 weibl.) E., darunter 417 Evangelische und 159 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph; 2 kath., eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein Progymnasium, ein kath. Lehrerseminar (seit 1823), eine Taubstummenanstalt (seit 1854) und ein jetzt königl. Schloß nach dem Entwurf des Architekten de Cotte, 1728 als Sommerresidenz Augustenburg vom Kurfürsten Clemens August im Renaissancestil erbaut. Von 1809 bis 1813 war es im Besitz des Marschalls Davout als Fürsten von Eckmühl. Nach 1814 geriet das Schloß in Verfall, bis es 1842 König Friedrich Wilhelm IV. wiederherstellen ließ. Der Schloßgarten und der im Anfange des 16. Jahrh. durch Kurfürst Hermann IV. angelegte Park mit dem ehemaligen Jagdschlosse Falkenlust (jetzt Privateigentum) werden von Köln aus viel besucht. In der Nähe bedeutende Briquettfabrilation. - 1263 verlegte der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg seine Residenz von Köln nach B., später nach Bonn; doch weilten die spätern Kurfürsten gern zu B. Erzbischof Sigfried von Westerburg erbaute hier 1284-93 ein festes Schloß und umgab die Stadt mit Mauern. 1651 fand der aus Frankreich vertriebene Mazarin ein Asyl im Brühler Schloß, das bald darauf von den Franzosen zerstört wurde.

Brühl, ein aus Thüringen stammendes Adelsgeschlecht, das außer dem Stammgute Gangloff-Sömmern im jetzigen Kreise Weißensee ansehnlichen Besitz im Königreich Sachsen und in der Niederlausitz erwarb. Die eigentliche Stammreihe beginnt mit Johann von B., Erbherrn auf Gangloff-Sömmern, um 1490. Dessen Enkel im siebenten Gliede, Hans Moritz von B., geb. 23. Nov. 1665, gest. 24. Sept. 1727, königlich poln. und herzogl. sachsen-weißenfelsischer Rat, Oberhofmarschall und Landeshauptmann in Thüringen, ist der Stammvater der spätern Grafen von B., indem zwei seiner Söhne, Friedrich Wilhelm von B. und Heinrich von B., die beiden noch blühenden Linien begründeten. I. Der Stifter der jüngern Linie ist der Minister Augusts III. von Sachsen, Heinrich von B. (s. d.). Er hatte vier Söhne: 1) Graf Aloysius Friedrich von B. (s. d.). Sein Urenkel, Friedrich Franz, Graf von B., geb. 8. Aug. 1848, lst seit 5. April 1893 als Besitzer der Freien Standesherrschaft Pförten und Forsta und des Stammguts Gangloff-Sömmern Majoratsherr und als solcher erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses; 2) Graf Karl Adolf von B., geb. 3. April 1742, kursächs. Generallieutnant und Chef der Karabiniergarde, nachher preuß. General und Oberhofmeister des Kronprinzen, gest. 4. Juli 1802 zu Berlin, ein durch wissenschaftliche Bildung, besonders Sprachkenntnisse ausgezeichneter Mann; 3) Graf Heinrich Albrecht von B., geb. 11. Juli 1743, Malteserritter, kursächs. Kammerherr und Oberst, nachher Gesandter am bayr. Hofe, gest. 30. März 1792; 4) Graf Hans Moritz von B., geb. 26. Juli 1746, Oberst in franz. Diensten, nachher kursächs. Kammerherr, 1789 preuß. General-Chausseebau-Intendant in der Mark Brandenburg und Pommern, seit 1796 auch Oberst von der Suite zu Potsdam, gest. 31. Jan. 1811. Seine Gattin, Johanne Margarete Christiane, geborene von Schleierweber, geb. 20. Jan. 1756, gest. im Mai 1816, ist durch mehrere ästhetische Aufsätze, namentlich aber durch die Schrift "Philosophie des Katholicismus des Fürsten von Ligne" (deutsch von Marheineke, Berl. 1816) bekannt. Sein Sohn war Graf Karl Friedrich Moritz Paul von B. (s.d.). - II. Der Stifter der ältern Linie, Friedrich Wilhelm von B., geb. 4. Febr. 1699, gest. 23. Aug. 1760 als königlich poln. und kurfürstlich sächs. Wirkl. Geheimrat und Landeshauptmann, erhielt 1738 ebenfalls die Grafenwürde. Sein jüngerer Sohn, Graf Heinrich Adolf von B., geb. 19. Mai 1744, gest. 1. Febr. 1778 als sächs. Kammerherr und Landeshauptmann von Thüringen, ist der Stammvater einer noch in zwei männlichen Sprossen blühenden Linie; der ältere, Graf Hans Moritz von B., auf Martinskirchen, geb. 20. Dez. 1736 zu Wiederau, studierte 1750-54 in Leipzig. In Aufträgen des sächs. Hofs ward er 1755 nach Paris und 1759 nach Warschau gesandt, wo ihn August III. zum Kammerherrn und Landeshauptmann in Thüringen ernannte. Unter dem Administrator Laver wurde er 1764 Gesandter zu Paris, später zu London, wo er 9. Jan. 1809 starb. Um die Astronomie hat er sich vielfach verdient gemacht. Auch in der Nationalökonomie besaß er gründliche Kenntnisse, wie u. a. seine "Recherches sur divers objets de l'économie politique" (Dresd. 1781) beweisen. Seine astron. Instrumente vermachte er der Sternwarte in Leipzig.

Brühl, Aloysius Friedr., Graf von, ältester Sohn des Reichsgrafen Heinrich von B., geb. 31. Juli 1739 zu Dresden, studierte in Leipzig und Leiden, ward im 19. Jahre poln. Kron-Großfeldzeugmeister, verlor nach Augusts III. Tode seine Ämter in Polen und Sachsen und lebte seitdem auf seiner Herrschaft Pförten in der Lausitz; er starb 30. Jan. 1793 zu Berlin. Einer der schönsten Männer seiner Zeit, von großer Leibesstärke, künstlerisch vielseitig gebildet, ein vollendeter Weltmann, war er zugleich leidenschaftlicher Theaterfreund. Für seine Bühne zu Pförten schrieb er Lustspiele, in denen er auch selbst als Darsteller auftrat. Sie erschienen als "Theatralische Belustigungen" (5 Bde., Dresd. 1785-90) und sind zwar nachlässig hingeworfen und sprachlich unrein, aber reich an komischen Zügen.

Brühl, Heinrich, Reichsgraf von, Minister Augusts III., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, geb. 13. Aug. 1700 zu Weißenfels, wo sein Vater Oberhofmarschall und Geheimrat am Hofe des Herzogs von Sachsen-Weißenfels war, trat frühzeitig als Page in die Dienste der Herzogin Elisabeth von Sachsen-Weißenfels und gewann durch sein einschmeichelndes Wesen nicht nur die Gunst dieser Fürstin, sondern auch die Augusts