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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bruni; Bruni-Insel; Brünieren; Brünig; Brunn

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Bruni - Brunn

hobenen Anklagen lassen sich nur im Hinblick auf die gewaltthätige Richtung jener Zeit beurteilen. - Vgl. Digot, Histoire du royaume d'Austrasie (4 Bde., Nancy 1863); L. Double, Brunehaut (Par. 1878, ganz phantastisch).

Die Brünhild, die in der deutschen Heldensage als Gemahlin Gunthers, des Königs der Burgunden, als Feindin von Kriemhild und deren Gemahl Siegfried erscheint, dessen Ermordung durch Hagen sie veranlaßt, ist nicht die austrasische B., sondern, wie schon ihr Name ("Kämpferin im Panzer") andeutet, eine mythische Walküre (Brynhild). Im ursprünglichen Mythus erlöst Siegfried sie aus flammender Lohe, vergißt sie aber später, durch dämonische Mächte verführt, über Kriemhild (nordisch Gudrun) und liefert sie Gunther aus; Eifersucht und Verzweiflung treiben sie zur Rache an dem einst Geliebten, dem sie dann in den Tod folgt. Diese Sagenfassung ist in der Edda deutlich, schimmert im Nibelungenliede (s. d.) nur noch leise durch und ward von R. Wagner und W. Jordan wieder aufgenommen.

Bruni, Leonardo, aus Arezzo, weshalb er sich Aretino nannte, ital. Humanist, geb. 1369, studierte in Florenz die Rechte, wurde dann durch Chrysoloras (s. d.) den klassischen Studien zugeführt. Seit 1405 päpstl. Geheimschreiber, begleitete er Johann XXIII. 1415 auf das Konzil zu Konstanz. Nach der Absetzung des Papstes kehrte er nach Florenz zurück. Durch die "Historiarum Florentinarum libri XII" (Straßb. 1610), im Auftrage der Republik übersetzt von Donato Acciaioli (Vened. 1476; neue Ausg. des lat. und ital. Textes Flor. 1856-60), erwarb er sich das Bürgerrecht in Florenz und wurde 1427 Staatssekretär der Republik. Er starb 9. März 1444; Florenz (Statue von Rossellino in S. Croce) und Arezzo wetteiferten, durch prächtige Leichenfeiern und Denkmäler sein Andenken zu ehren. B.s Verdienste um die Ausbreitung des Studiums der griech. Litteratur bestehen vorzüglich in lat. Übersetzungen des Aristoteles, Demosthenes, Plutarch u. s. w. Unter seinen vielen übrigen Schriften sind hervorzuheben: "De bello italico adversus Gothos" (Vened. 1471 u. ö.), "Commentarius rerum suo tempore gestarum" (ebd. 1476; italienisch 1475), "Libellus de temporibus suis" (ebd. 1485), eine Abhandlung in griech. Sprache über die florentin. Staatsverfassung sowie die reichhaltigen "Epistolae familiares" (ebd. 1472 u. ö.; Ausg. von Mehus, Flor. 1741). Die Biographien Dantes und Petrarcas (Perugia 1671; Flor. 1672 u. ö.) schrieb er italienisch. Seine Novelle "De amore Giuscardi et Sigismundae filiae Tancredi", aus Boccaccios "Decameron", IV, 1 übertragen, ist oft gedruckt, auch italienisch und französisch. - Vgl. Klette, Beiträge zur Geschichte und Litteratur der ital. Gelehrtenrenaissance (2.Teil, Greifsw. 1889).

Brünieren (frz.), Bräunen, eine technische Operation, die bezweckt, Metallwaren mit einem braunen Überzuge, einer künstlichen Rostschicht, zu versehen, um ihnen den Glanz zu benehmen und sie vor dem natürlichen Rosten zu schützen. Der wirksamste Schutz für Eisenwaren ist Eisenoxyduloxyd, das man durch Glühen des Eisens unter bestimmten Bedingungen oder durch Einwirkung überhitzter Wasserdämpfe auf Eisen bei einer Temperatur von etwa 650° C. erzeugt. Zum B. stählerner Geschützrohre und Gewehrläufe ist öfteres Beizen mit einer Mischung von 10 g Eisenvitriol, 2,5 g Eisenchlorid und 85 g destilliertem Wasser sowie starkes Polieren mit Leinöl oder Wachs erforderlich. Schwerere Rohre werden nicht brüniert, sondern mit Ölfarbe gestrichen. Das B. des Kupfers, das man bei Münzen, Theemaschinen und andern Kupfergeräten anwendet, beruht darauf, daß auf den betreffenden Gegenständen eine dünne Schicht von Kupferoxydul erzeugt wird. (S. Bronzieren und Bronziersalz.) - Vgl. Büchner, Die Metallfärbung (Kiel 1891).

Brünig, der, Bergübergang auf der Grenze der schweiz. Kantone Bern und Obwalden, verbindet Luzern und den Vierwaldstättersee mit dem Berner Oberland. Die Brünigstraße, 1862 vollendet, von Luzern bis nach Brienz 57 km lang, verläßt bei Alpnach-Stad den Vierwaldstättersee, zieht sich der Aa und dem Sarnersee entlang zu dem kleinen, 1836 tiefer gelegten Lungernsee hinauf und erreicht auf der Berner Grenze bei 1004 m die Paßhöhe, unterhalb welcher sie sich teilt, um links nach Meiringen, dem Hauptort des Haslithals, rechts nach Brienz und Interlaken zu führen. Die 1889 vollständig eröffnete Brünigbahn (zum Teil schmalspurig, zum Teil Adhäsions- und Zahnstangenbahn, s. schweizerische Eisenbahnen) bietet landschaftlich weniger als die Paßstraße, überwindet aber die Entfernung von Luzern bis Meiringen und Brienz in 3 bez. 3 2/3 Stunden.

Bruni-Insel, s. Bruny-Insel.

Brunn am Gebirge, Markt im Gerichtsbezirk Mödling der österr. Bezirkshauptmannschaft Baden in Niederösterreich, 13 km südlich von Wien, an der Linie Wien-Triest der Österr. Südbahn, hat (1890) 2936 E., Post, Telegraph, eine sehenswerte Kirche (16. Jahrh.), 1889 renoviert und mit got. Turm versehen; eine große Aktienbrauerei, Champagnerfabrik, Ziegeleien und sehr ergiebigen Weinbau.

Brunn, Heinr., Archäolog, geb. 23. Jan. 1822 zu Wörlitz bei Dessau, studierte zu Bonn, ging 1843 nach Italien und durchwanderte 1853 Unteritalien, um für das Inschriftenwerk von Mommsen und Ritschl das weitzerstreute Material zu sammeln, kehrte dann nach Deutschland zurück und war 1854-56 Privatdocent und Kustos der Universitätsbibliothek in Bonn. 1856 ging er wieder nach Rom und wurde daselbst Sekretär des Archäologischen Instituts. Im Verein mit Henzen und durch die Unterstützung der preuß. Regierung gelang es ihm, das Institut einer neuen Blüte entgegenzuführen und zu einem Mittelpunkt für die Bildung jüngerer Archäologen zu machen. Seit 1865 ist B. Professor der Archäologie an der Universität München und Konservator des Münzkabinetts, seit 1867 Konservator der Vasensammlung des Königs Ludwig I. in München, seit 1888 Direktor der Glyptothek. Unter B.s gelehrten Arbeiten sind die bedeutendsten die "Geschichte der griech. Künstler" (2 Bde., Stuttg. 1853-59; 2. Aufl., ebd. 1888-89), "I rilievi delle urne etrusche" (Bd. 1, Rom 1870) und die "Griech. Kunstgeschichte" (Buch 1, Münch. 1893).

Sonst sind zu nennen: "Die Philostratischen Gemälde gegen Friederichs verteidigt" (Lpz. 1861), "Die Kunst bei Homer" (Münch. 1868), "Beschreibung der Glyptothek König Ludwigs I. zu München" (ebd. 1868; 5. Aufl. 1887), "Probleme in der Geschichte der Vasenmalerei" (ebd. 1871 u. 1887), "Über die kunstgeschichtliche Stellung der pergamenischen Gigantomachie" (ebd. 1884), "Denkmäler griech. und röm. Skulptur in histor. Anordnung" (ebd. 1887 fg.), "Griech. Götterideale in ihren Formen erläutert" (ebd. 1893). Ein Verzeichnis seiner