Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

763
Burgoyne - Bürgschaft
Burgoyne (spr. börgcün), Sir John Fox, cngl.
Feldnmrschall, gcb.1782,trat schon 1798 als Sekondc-
lieutenant in das Ingenieurkorps, war 1800 bei der
Blockade von Malta und der Einnahme von La Va-
lette thätig, wurde 1805 nach Sicilien gesandt und
nahm 1807 an der Erpedition nach Ägypten teil.
Hierauf folgte er dem General Moore nach Schweden
und Portugal und machte von 1809 an die Feldzüge
unter Wellington mit, der ihm vor Vurgos und
später vor San Sebastian die Leitung der Belage-
rungsopcrationen übertrug. Im amerik. Kriege
wohnte V. als Oberstlieutenant und Chef der In-
genieure dem unglücklichen Angriffe auf Neuorleans
8. Jan. 1815 bei. Nachdem er 1826 die Armee unter
General Clinton nach Portugal begleitet hatte, wurde
er 1831 als Oberst zum Direktor der Bauten und
öffentlichen Arbeiten in Irland ernannt. Seit 1838
Generalmajor, wurde er 1845 zum Generalinspektor
der Fortisikationcn ernannt. Damals schrieb er ein
berühmt gewordenes "Nenioir" über den wehrlosen
Zustand der engl. Küsten, welches den Herzog von
Wellington bewog, die Anlegung von Vcfestigungs-
werken durchzusetzen. Während'der Hungersnot in
Irland 1846-47 leitete B. die Maßregeln zur Lin-
derung des Elends. 1851 zum Generallieutnant
befördert, ging er vor Ausbruch des Orientkrieges
nach Konstantinopel, um für die Befestigung der
türk. Hauptstadt und der Dardanellen zu sorgen. Er
veranlaßte bei den Operationen gegen Sewastopol
die Beschießung des Malakow. B. kehrte 1855 nach
England zurück, erhielt 1856 die Varonetswürde,
wurde 1865 zum Kommandanten des Towers in
London, 1868 zum Feldmarschall ernannt und starb
7. Okt. 1871 zu London. Auf dem Waterloo-Platzc
in London wurde ihm 1875 ein Vronzestandbild
(von Vöhm) errichtet. Nach V.s Tode gab sein
Schwiegersohn Wrottesley "I^ils and corroLpon-
ll6nc6 okäir^oimD." (2 Bde., Lond.1873) heraus.
Seine Ansichten über die Kriegskunst erschienen
u. d. T. "NilltHi-^ opinionL" (Lond. 1859). - Vgl.
Head, ^ Lketdi oltiw lito anä ä<3kt1i ol ^ieiä-
N^-Liial 8ir ^oku N. (ebd. 1872).
NurFraves (frz.,fpr.bürgraw; d.h. Burggrafen)
nannte man spottweise nach einem Victor Hugoschen
Drama, in dem fast alle Personen Greise sind, seit
der Wahl Ludwig Napoleons zum Präsidenten der
Französischen Republik die Führer der orle'anistischen
und der legitimistischen Partei, die sich verbunden
hatten, um alle Einrichtungen, die den neuen Prä-
sidenten populär machen könnten, zu verhindern.
Zu den erst 8, dann 30 L. gehörten u. a. Vatimesnil,
Montalembert, Verryer, Molo, Vroglie, Thiers,
Odilon Varrot, Dupin.
Bürgschaft,dasVersprechen,einefremdeSchuld
zu zahlen, falls der Schuldner sie nicht selbst zahle.
Bürge ist hiernach derjenige, der dem Gläubiger
zu dessen Sicherheit, ncbcn der fortbestehenden Haf-
tung des Schuldners, das zu leisten verspricht, was
dieser verschuldet. Wegen der Abhängigkeit der
Vürgschaftsfchuld von der Hauptschuld bezeichnet
man jene als acccssorische. (S. Acccssion.) Es ist
keine B., wenn sich mehrere von vornherein gleich-
mäßig, ein jeder für das Ganze verpflichten, wie
bei der Korrealschuld. Es ist auch keine V., son-
dern ein unter andern Regeln stehender Garantie-
Vertrag, wenn jemand dafür aufzukommen ver-
spricht, Schadenersatz oder eine fest bestimmte
Summe zu lcisten, sofern cin Dritter Etwas nicht
leistet, was er zu leisten verpflichtet ist, ohne
daß diese Verpflichtung unter den Begriff der-
Schuld fällt, oder was der Versprechende statt
seiner nicht leisten kann: Man kann nicht dafür
^bürgen", daß der Bräutigam die Ehe eingeht; man
kann auch nicht dafür bürgen, daß der Verurteilte
sich der Strafvollstreckung nicht entzieht. Dem
Bürgen gleich haftet derjenige, welcher einen andern
beauftragt, einem Dritten im eigenen Namen, aber
auf Gefahr des Auftraggebers zu kreditieren, z. V.
ein Darlehn zu geben, wenn der Auftrag ausgeführt
ist (K r e d i t a u f t r a g). Wer für die Bürgschafts-
schuld als Bürge einsteht, ist Nach bürge, über-
b ü rge oder Afterb ü r g e. Wer dem Bürgen für
seine^Ersatzforderung gegen den Gläubiger einsteht,
ist N ü ck b ür g e. Wer sich dem Gläubiger nur für
den Betrag verbürgt, welchen er beim Schuldner
einbüßt, ist Schad los bürge. Wer dem Gläu-
biger so zu haften verspricht wie der Hauptschuld-
ner, also unter Aufgabe der dem Bürgen zustehen-
den Rechtswohlthaten, ist selbstschuldnerischer
Bürge. Die Hauptschuld kann eine bereits be-
stehende, eine zugleich mit der B. eingegangene, eine
zukünftige oder eine bedingte sein. Der Bürge kann
sich auch allgemein für die nicht näher bezeichneten
Forderungen des Gläubigers gegen einen Dritten
verbürgen (Kreditbürgschaft). Eine V. für
eine Schuld aus einem verbotenen oder vom Gesetz
mißbilligten Geschäft ist ebenso ungültig wie eine
sich auf ein solches Geschäft beziehende Bestätigung
(s. d.) des Hauptschuldners (Wucher, Disferenz-
geschäst, Spielschuld). Was aber der Schuldner
selbst gültig zu zahlen versprechen kann, das kann,
auch. wenn der Schuldner ein solches Versprechen
nicht abgiebt, gültig verbürgt werden, z. V. eine
verjährte Schuld oder eine von einem Unmündigen
oder einem Verschwender eingegangene Schuld,
immer vorausgesetzt, daß die V. mit Kenntnis des
Ungültigkeitsgrundes eingegangen ist. Solche Bür-
gen haben die^Einrede der Vorausklage nicht. Nach
Preuß. Allg. Landr. 1,14, §. 203 gilt eine B. nur,
wenn sie gerichtlich oder schriftlich eingegangen ist.
Diese Beschränkung gilt nicht, wenn die B. ein
Handelsgeschäft ist (Deutsches Handelsgesetzbuch
Art. 317), also im Zweifel nicht, wenn der Gläubiger
oder wenn der Bürge Kaufmann ist (Art. 274,277).
Nach röm. Recht sollten sich die Frauen überhaupt
nicht, namentlich Ehefrauen nicht für ihre Ehe-
männer verbürgen, überhaupt nicht interccdieren (s.
Intercession). Das umging die deutsche Praxis, in-
dem sie die von der Ehefrau vor Gericht und nach vor-
gängiger Necktsbelehrung unter eidlichem Verzicht
auf die eheweiblichen Rechtswohlthatcn erklärte In-
tercefsion, auch wenn sie zu Gunsten ihres Ehemanns
erfolgt war, für gültig erklärte. Diese Bestimmung
gilt nicht mehr für Handelsfrauen in betreff ihrer
Handelsgefchäfte (Handelsgesetzbuch Art. 6), noch
für die ein selbständiges Gewerbe betreibenden
Frauen bezüglich der Schulden aus dem Gewerbe-
betriebe (Gewerbeordn. §. 11). Sie ist überhaupt
abgeschafft in den meisten deutschen Staaten. In
Württemberg (Gesetz von 1828) und in Sachsen
(§. 1650 des Vürgerl. Gesetzbuchs) besteht noch die
gerichtliche Formvorschrift, hier sofern sich die Ehe-
frau für den Ehemann verpflichtet. Dem (^oäs 5sa-
1)olLou und dem Osterr. Vürgcrl. Gesetzbuch sind
diese Beschränkungen unbekannt.
Ob der Bürge auch für die Nebenforderungcn
(Zinsen und Kosten) haftet, wenn er die Haftung
dafür nicht besonders übernommen hat, ist nicht in