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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carmagnola ; Carmagnole; Carmārthen; Carmaux; Carmen; Carmen de Patagones; Carmen Sylva; Carménta; Carmentālis porta; Carmer

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Carmagnola (Feldherr) - Carmer

Carmagnola (s. d.) und besonders bekannt durch das franz. Revolutionslied Carmagnole (s. d.).

Carmagnola (spr. -manjohla), ital. Feldherr, eigentlich Francesco Bussone, geb. um 1390 als Sohn eines Bauern zu C. in der Markgrafschaft Saluzzo, diente zuerst als Söldner unter Facino Cane, Herrn von Alessandria und Regenten von Mailand, trat dann zu dessen Nachfolger Filippo Maria Visconti über und schwang sich durch Mut und Gewandtheit rasch bis zum Feldherrn von Mailand empor. Er kämpfte mit Glück in der Lombardei (1416 und 1417), unterwarf Genua (1421), besiegte die Schweizer (1422); dafür ernannte ihn Visconti zum Grafen von Castelnuovo und gab ihm seine Tochter zur Gemahlin. Bald aber wurde C. beim Herzog verleumdet und von diesem zurückgesetzt, sodaß er nach Venedig flüchtete und dort 1426 unter Francesco Foscari an die Spitze der Landmacht Venedigs und der Truppen des verbündeten Florenz trat. Er nahm Brescia, schlug die mailänd. Führer Carlo Malatesta und Niccolo Piccinino und zwang 1431 F. M. Visconti zur Herausgabe seiner eingezogenen Güter und bisher gefangen gehaltenen Familie. Als darauf C. in dem neu ausgebrochenen Krieg Mißerfolg hatte, ließ die Republik, welche Verrat argwöhnte, ihn nach Venedig locken und als Verräter 5. April 1432 enthaupten. Seine wirkliche Schuld ist aber keineswegs festgestellt. Manzoni hat C.s Schicksale 1820 in einem Trauerspiele dargestellt. – Vgl. Barlan, Il conte Francesco C. (Flor. 1855); Battistella, Il conte C., studio storico con documenti inedite (Genua 1889).

Carmagnole (spr. -manjóll) hieß in der Französischen Revolution ein auf den Hof sich beziehender republikanischer Rundgesang und Tanz, der 1792 bei Gelegenheit der Einnahme von Carmagnola in Piernont entstanden sein soll. Der Anfang des Liedes war: «Madame Véto avait promis»; jede Strophe schloß mit dem Refrain: «Dansons la Carmagnole! Vive le son du canon!» Den Namen dieses revolutionären Volksliedes gebrauchte man später für ein beinahe kragenloses Kamisol mit kurzen Schößen, wie es vom niedern Volk während der Revolution getragen wurde; dann auch für die eifrigsten Mitglieder des Jakobinerklubs, weil sie jenes Kostüm als Demagogentracht annahmen.

Carmārthen oder Caermarthen. 1) Die größte Grafschaft im engl. Fürstentum Wales, wird begrenzt im S. von der Carmarthenbai des Bristolkanals, im W. von der Grafschaft Pembroke, im N. von Cardigan, im O. von Glamorgan und Brecknock, hat 2405,38 qkm, (1891) 130574 E. C. ist wesentlich das Becken des Towyflusses, der 50 km lang zwischen den Kalkfelsen der Black-Mountains im O. und der Plynlimmonkette im W. fließt. Der Boden ist längs der Küste morastig, sonst zum Teil hügelig und erhebt sich in den letzten Ausläufern des Walisischen Gebirges, den Black-Mountains, bis 872 m. Hauptbeschäftigungen sind Viehzucht, Ackerbau, Leder- und Wollmanufaktur. Steinkohlen liefert der Boden reichlich, auch Eisen, welches besonders in Llanelly verarbeitet wird, etwas Silber, Marmor, Kupfer, Schiefer und Blei. Pferde, Schafe und Butter werden ausgeführt. Die Grafschaft sendet mit der Hauptstadt zwei Mitglieder ins Parlament. – 2) Hauptstadt der Grafschaft C., auch Caer Fryddyn genannt, liegt an der Südwales-Eisenbahn an beiden Ufern des Towy, 14 km oberhalb seiner Mündung, 22 km im NW. von Llanelly, hat ^[Spaltenwechsel] (1891) 10338 E., ziemlich steile Straßen, eine Brücke von 7 Bogen, ein Gefängnis im ehemaligen Schlosse, eine Irrenanstalt, eine got. St. Peterskirche, Denkmal des bei Waterloo gefallenen Generals Picton, Lateinschule, bischöfl. Seminar und ein Theater. Die Bewohner betreiben Fisch-, besonders Lachsfang, Schiffbau an dem bei Hochwasser Schiffen von 200 t zugänglichen Towy, Fabrikation von Zinn- und Eisenwaren und Ausfuhr der Produkte des Hinterlandes. – Die Stadt erscheint schon im «Itinerarium» des Antonius als Maridunum im Besitz der Dementen oder Demeceten. Lange Zeit hindurch Residenz der walisischen Fürsten, wurde sie 1137 durch Owen Gwynedd verbrannt, doch bald von dem Grafen von Clare wieder aufgebaut. Von ihr trägt der Herzog von Leeds den Titel eines Marquis von C.

Carmaux (spr. -moh), Hauptort des Kantons C. (6 Gemeinden, 14050 E.) im Arrondissement Albi des franz. Depart. Tarn, an dem zum Aveyron gehenden Cérou, in 220 m Höhe, an der Linie Castres-C. (64 km) der Franz. Südbahn, hat (1891) 8087, als Gemeinde 9591 E., Schloß mit Park, got. Kirche; Braunkohlenbergbau und Glasfabrikation.

Carmen (lat., Mehrzahl Carmĭna), Gedicht, namentlich Gelegenheits-, Festgedicht; über die mittelalterliche Bedeutung s. Lied.

Carmen, Stadt im mexik. Staate Campeche, auf der Insel C. in der Laguna de Terminos, hat etwa 6000 E. und bedeutende Ausfuhr von Zucker, Mahagoni und andern Hölzern.

Carmen de Patagones, s. Patagones.

Carmen Sylva, Pseudonym der rumän. Königin Elisabeth (s. d.).

Carménta hieß eine altröm. Göttin, dem Namen nach eine Göttin der carmina (d. h. der Lieder, Weissagungen, Zaubersprüche u. s. w.), ursprünglich wohl eine Quellgottheit, die aber dann ebenso wie Egeria (s. d.) vor allem als Geburtsgöttin verehrt wurde. C. hatte in Rom an dem nach ihr benannten Stadtthor am Fuße des Capitolinischen Hügels ein Heiligtum mit einem eigenen Priester, sowie Feste am 11. und 15. Jan. Diese galten ihr als Geburtsgöttin in doppelter Person, als der C. Prorsa oder Porrima und der C. Postverta, welche ursprünglich als Göttinnen der Kopf- und Steißgeburt verehrt wurden, während eine spätere Deutung aus ihnen Schicksalsgöttinnen machte, die das Geschick der Neugeborenen weissagen. In der röm. Sagengeschichte ist C. die seherische Mutter oder Gemahlin des Euander (s. d.).

Carmentālis porta hieß ein unter dem Kapitolinischen Hügel wahrscheinlich an dessen Südwestecke gelegenes Thor des Servianischen Rom, welches von dem nahen Tempel der Göttin Carmenta seinen Namen hatte. Seitdem die 300 Fabier 477 v. Chr. durch dieses Thor in den Krieg gegen Veji gezogen und alle umgekommen waren, galt es für unglückbringend, und erhielt den Namen Porta scelerata.

Carmer, Joh. Heinrich Kasimir, Graf von, preuß. Großkanzler und Chef de justice, geb. 29. Dez. 1721 in Kreuznach, trat 1749 in den preuß. Staatsdienst und wurde schon 1763 Präsident der Regierung (d. h. des Landgerichts) in Breslau, 1768 Justizminister von Schlesien; als solcher führte er zahlreiche Verbesserungen durch und gewann damit die Zuneigung des Königs. 1779 berief ihn Friedrich Ⅱ. an Stelle von Fürst zum Großkanzler und Chef de justice und übertrug ihm 1780 die Neuordnung des Justizwesens. Energie, Umsicht und ein hoher

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]