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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carutti di Cantogno; Carvajal; Cārvāka; Carvakrōl; Carvalho

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Carutti di Cantogno - Carvalho (Jozé da Silva)

Hospitals zu Pfaffendorf bei Leipzig geführt, ging er 1814 als Professor der Entbindungskunst und Direktor der geburtshilflichen Klinik an die neu organisierte mediz.-chirurg. Akademie nach Dresden. Hier wurde er 1827 unter Enthebung von seinem Lehramt zum königl. Leibarzt ernannt. Auch erwählte ihn im Dez. 1802 die Kaiserlich Leopoldinisch-Karolinische Akademie zu ihrem Präsidenten. C. starb 28. Juli 1869 zu Dresden. Er trat mit Entschiedenheit dafür ein, daß die Geburtshilfe und die Gynäkologie zusammen gehören und im klinischen Unterrichte nicht voneinander geschieden werden dürfen. Seine Fachschriften zeichnen sich durch Gründlichkeit und methodische Forschung aus, stehen aber unter dem Einfluß der Schellingschen Naturphilosophie. Dahin gehören: «Lehrbuch der Zootomie» (mit 20 von ihm selbst radierten Kupfertafeln, Lpz. 1818: 2. Aufl. 1834), «Lehrbuch der Gynäkologie» (2 Bde., ebd. 1820; 3. Aufl. 1838), «Erläuterungstafeln zur vergleichenden Anatomie» (zum Teil mit Otto, 9 Hefte, ebd. 1826–55; lateinisch von Thienemann, ebd. 1828–55), «Grundzüge der vergleichenden Anatomie und Physiologie» (3 Bde., Dresd. 1828),«System der Physiologie» (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1847–49), «Von den äußern Lebensbedingungen der weiß- und kaltblütigen Thiere» (ebd. 1824) und «Über den Blutkreislauf der Insekten» (1827), «Erfahrungsresultate aus ärztlichen Studien und ärztlichem Wirken» (ebd. 1859). Hervorzuheben sind außerdem die «Vorlesungen über Psychologie» (ebd. 1831), «Briefe über Landschaftsmalerei» (ebd. 1831; 2 Aufl. 1835), «Zwölf Briefe über das Erdleben» (Stuttg. 1841), «Denkschrift zum 100jährigen Geburtstagsfeste Goethes. Über ungleiche Befähigung der verschiedenen Menschheitsstämme für höhere geistige Entwicklung» (Lpz. 1849), «Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte der Seele» (Pforzh. 1846; 2. Aufl., Stuttg. 1851), «Physis. Zur Geschichte des leiblichen Lebens» (Stuttg. 1851), «Über Lebensmagnetismus» (Lpz. 1857), «Natur und Idee oder das Werdende und sein Gesetz» (Wien 1861), «Grundzüge einer neuen Kranioskopie» (Stuttg. 1841), «Neuer Atlas der Kranioskopie» (2. Aufl., Lpz. 1864), «Über Grund und Bedeutung der verschiedenen Formen der Hand in verschiedenen Personen» (Stuttg. 1846), «Symbolik der menschlichen Gestalt» (Lpz. 1852; 2. Aufl. 1858), «Vergleichende Psychologie oder Geschichte der Seele in der Reihenfolge der Tierwelt» (Wien 1866), «Über die typisch gewordenen Abbildungen menschlicher Kopfformen» (Jena 1863), «Die Lebenskunst nach den Inschriften des Tempels zu Delphi» (Dresd. 1863), «Betrachtungen und Gedanken vor auserwählten Bildern der Dresdener Galerie» (ebd. 1867), «Lebenserinnerungen und Denkwürdigkeiten» (4 Bde., Lpz. 1865–66). C. war auch Künstler und hat sich namentlich auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei als solcher bewährt. Eine biogr. Charakteristik von C. enthält «Unsere Zeit» (Neue Folge, Jahrg. 1869, Ⅱ).

Carutti di Cantogno (spr. -tónjo), Domenico, Baron, ital. Historiker und Staatsmann, geb. 26. Nov. 1821 in Cumiana bei Turin, studierte die Rechte, trat 1849 ins Ministerium des Auswärtigen und gab «Il Piemonte come potenza italiana nel sistema politico d'Europa», 1852 «Dei principii del governo libero» (neue Aufl. 1861) heraus. Anfang 1859 von Cavour in die Direktion desselben Ministeriums berufen, ward er nach dem Frieden Generalsekretär, 1860 und öfter ins Parlament gewählt, ^[Spaltenwechsel] 1862 Ministerresident im Haag, 1869 Staatsrat. Von seinen spätern Arbeiten sind zu erwähnen: «Storia del regno di Vittorio Amedeo Ⅱ» (Tur. 1856), «Storia del regno di Carlo Emanuele Ⅲ» (ebd. 1859), «Storia della diplomazia della casa di Savoia» (4 Bde., ebd. 1875–80), «Il conte Umberto Ⅰ ed il re Ardoino» (Rom 1884).

Carvajal (spr. -wachahl), Tomas José Gonzalez, span. Dichter, s. Gonzalez.

Carvajal (spr. -wachahl), Juan de, röm. Kardinal, geb. 1400, vereitelte als Legat der Päpste Eugen Ⅳ. und Nikolaus Ⅴ. die Bestrebungen des Baseler Konzils. Er schloß mit Kaiser Friedrich Ⅲ. das Wiener oder Aschaffenburger Konkordat vom 17. Febr. 1448, das Deutschland wieder in volle kirchliche Abhängigkeit vom Papste brachte. C. starb 6. Dez. 1469 in Rom.

Cārvāka, ind. Philosoph, s. Tschārwāka.

Carvakrōl oder Cymophenol, ein in einigen ätherischen Ölen (Origanumöl und Pfefferkrautöl) vorkommender phenolartiger Körper, isomer mit dem Thymol und dem Carvol. Unterhalb des Gefrierpunktes fest, siedet es bei 237°.

Carvalho (spr. -wálju), Jozé da Silva, portug. Staatsmann, geb. 19. Dez. 1782 in der Provinz Beira, studierte zu Coimbra seit 1800 Rechtswissenschaft, ward aber wegen freiheitlicher Gesinnungen von Polizei und Inquisition verfolgt und gelangte erst 1810 zu einer Anstellung als Richter. In seiner spätern Stellung, seit 1814, als Juiz dos orphãos (Richter, der für Waisenkinder sorgt) sowie als Berichterstatter bei den Kriegsgerichten der Provinz begann C. seine polit. Laufbahn. Er gehörte zu der im Dez. 1817 gestifteten Verschwörung, die im Aug. 1820 in die Revolution von Oporto ausschlug, ward Mitglied der 24. Aug. proklamierten Provisorischen Regierung und von den 1821 versammelten Cortes in die bis zur Ankunft des Königs Johann Ⅵ. bestellte Regentschaft berufen. Der König erhob ihn (1821) zum Justizminister, welche Stelle er bis zur Gegenrevolution von 1823 bekleidete. Der Sieg der absolutistischen Partei zwang ihn zur Auswanderung nach England. Nach Johanns Ⅵ. Tode und der Erteilung der konstitutionellen Charte Dom Pedros kehrte er nach Portugal zurück, wo er jedoch ohne Anstellung blieb. Die Vernichtung dieser Verfassung und die Usurpation Dom Miguels nötigte ihn abermals zur Flucht nach England, wo er für die Expedition gegen Dom Miguel die größte Thätigkeit entwickelte. Er folgte dann dem Kaiser auf die Azoren und wurde kurz nach der Landung in Portugal Direktor der Civilverwaltung bei der Armee und Präsident des Tribunals der Justiz und des Krieges. Im Dez. 1832 übernahm er unter den schwierigsten Verhältnissen das Finanzministerium und wirkte für die entscheidende Expedition nach Algarve. Als endlich Lissabon den Pedristen seine Thore geöffnet hatte, blieb C. Finanzminister und erwarb sich als solcher so wesentliche Verdienste, daß man ihn, als er gegen Ende 1835 durch Intriguen verdrängt worden, schon nach wenigen Monaten wieder ins Finanzministerium berufen mußte. Die Revolution vom 10. Sept. 1836 zu Gunsten der Verfassung von 1820 und zur Vernichtung der Charte Dom Pedros vertrieb ihn von allen seinen Ämtern. Als eifriger Chartist nahm er teil an der mißglückten Gegenrevolution vom 4. Nov. 1836 und mußte noch einmal in England ein Exil suchen, bis ihm die Amnestie die Rückkehr gestattete. Bei der

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]