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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cavaignac; Cavaillé-Coll; Cavaillon; Cavalcanti; Cavalcaselle

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Cavaignac (Jean Baptiste) - Cavalcaselle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Cavaignac'

publikanische linke Centrum bildete. Bei dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 wurde auch C. verhaftet, aber bald freigelassen. Er nahm seinen Abschied aus dem Heere und verließ auf einige Zeit Frankreich. Später in Paris in den Gesetzgebenden Körper gewählt, trat er nicht ein, weil er den Eid auf die neue Verfassung verweigerte. C. lebte nun bei Mans in Zurückgezogenheit und starb auf seinem Schlosse Ournes bei Flée im Depart. Sarthe 28. Okt. 1857. C. schrieb «De la régence d'Alger, note sur l'occupation» (Par. 1839). - Vgl. Deschamps, Eugène C. (2 Bde., Par. 1870). - Sein Sohn Godefroy C., geb. 1853, wurde 1882 in die Deputiertenkammer gewählt, 1885 im Kabinett Brisson Unterstaatssekretär im Kriegsministerium und war vom 28. Febr. bis 11. Juli 1892 Marineminister.

Cavaignac (spr. kawannjáck), Jean Baptiste, frz.Politiker, geb. 1762 zu Gourdon in der Rouergue, war Advokat beim Parlament zu Toulouse, als die Revolution von 1789 ausbrach. Als deren eifriger Anhänger ward er Departementschef und 1792 in den Konvent gewählt. Hier stimmte er für den Tod des Königs ohne Appellation und Aufschub und war zweimal Konventskommissar beim Heere, wo er sich sehr bloßstellte, seinen Sturz aber durch Übertritt zu den Thermidorianern (Tallien, Fréron u. a.) abwandte. Nach einer abermaligen Sendung zur Moselarmee als General zurückgekehrt, führte er beim Aufstand der Bergpartei vom 1. Prairial des J. III (20. Mai 1795) den Befehl über die bewaffnete Macht, konnte aber nicht verhindern, daß die aufrührerische Menge in den Sitzungssaal des Konvents eindrang und entging selbst mit Mühe dem Tode. Am 13. Bendémiaire (5. Okt. 1795) focht er neben Barras und Bonaparte gegen die Sektionen und half den Konvent abermals retten. Während des Direktoriums war er Mitglied vom Rate der Fünfhundert, Stadtzolleinnehmer und Lotterieverweser; unter dem Konsulat wurde er zum Generalkommissar in Maskat ernannt, trat aber das Amt wegen des Krieges nicht an. 1806 berief ihn Joseph Napoleon nach Neapel und ernannte ihn zum Domänenverwalter. Unter Murat, Josephs Nachfolger, wurde C. Staatsrat. Während der Hundert Tage Präfekt im Sommedepartement, mußte er bei der zweiten Restauration als «Königsmörder» nach Brüssel auswandern, wo er 24. März 1829 starb.

Cavaillé-Coll (spr. kawăjeh), franz. Orgelbauerfamilie, aus der sich Jean Pierre C. (1740-1815), dessen Sohn Dominique Hyacinthe C. (1772-1862) und hauptsächlich Hyacinthes Sohn Aristide C. bekannt machten. Dieser, geb. 4. Febr. 1811 zu Montpellier, wurde schnell berühmt als Sieger bei dem Pariser Preisausschreiben für eine neue Orgel für St. Denis, deren Bau er 1834-40 mit guten Neuerungen (z. B. Barkers pneumatischem Hebel) ausführte. Viele bewunderte Orgelwerke Frankreichs, Belgiens u. s. w. tragen seinen Namen. Er gehört zu den genialen Meistern des modernen Orgelbaues, der ihm zahlreiche, anerkannte Verbesserungen verdankt. In der «Revue générale de l'architecture et des travaux publics» veröffentlichte er «De l'orgue et de son architecture» (1856), außerdem: «Projet d'orgue monumental pour la basilique de St. Pierre de Rome» (1875). - Vgl. Lefebvre, Le grand orgue de l'église St. Michel du Havre, Construit en 1887-88, par M. A. C. (LeHavre 1888).

Cavaillon (spr. kawăjóng), Hauptort des Kantons C. (161,71 qkm, 6 Gemeinden, 14671 E.) im ↔ Arrondissement Avignon des franz. Depart. Baucluse, 1 km rechts der Durance und 2 km rechts des Calavon oder Coulon, am Abhange des Mont St. Jacques, in 70 m Höhe, an den Linien Avignon-Pertuis, C.-Apt-Volx (79 km) und Miramas-C. (37 km) der Franz. Mittelmeerbahn, ist schlecht gebaut, hat Post und Telegraph, (1891) 4757, als Gemeinde 9077 E., ein Stadthaus aus dem 18. Jahrh., eine Kathedrale (11. und 12. Jahrh.) und Reste eines Triumphbogens; Kerzen-, Tuch-, Hut- und Seidenfabrikation. In der Umgebung sehr ergiebige Obst- und Seidenkultur. - C. ist das alte Cabellio, ein wichtiger Platz der gallischen Cavaren vor der Römerzeit, lag später im sog. Comtat Venaissin, das den Grafen von Toulouse, dann den Päpsten gehörte, und kam 1793 an Frankreich. Vom 3. Jahrh. bis 1791 war C. Bischofssitz.

Cavalcanti, Guido, ital. Philosoph und Dichter, geb. vor 1259 zu Florenz, war ein Freund Dantes und vor dessen Auftreten das Haupt der florentin. Dichterschule, die die philos.-mystische Liebespoesie des Bolognesen Guinicelli fortsetzte. Er heiratete Beatrice, die Tochter Farinatas degli Uberti, der das Haupt der Ghibellinen gewesen. C. selbst gehörte zu den Guelfen, stand, als sie sich Ende des Jahrhunderts in die Anhänger der Cerchi und der Donati spalteten, zu den erstern, nahm an den Händeln mit den Gegnern teil und ward 24. Juni 1300 mit andern nach Sarzana verbannt. Hier erkrankt, ward er bald zurückgerufen und starb in Florenz Ende August. Sein berühmtestes Gedicht war die Canzone über die Natur der Liebe, beginnend «Donna mi prega» (neu hg. von F. Pasqualigo, Vened. 1890), die sich ganz in der Schuldialektik bewegt. Sie wurde achtmal erläutert, darunter von Egidio Colonna und dem berühmten Arzt Dino di Garbo. Seine andern Gedichte sind, obwohl oft dunkel, einfacher. Ferner schrieb er mehrere ballate von reizender Natürlichkeit, Hirtengedichte, ähnlich den altfranz. Pastourellen. Seine Poesien wurden nebst Biographie hg. von Ercole, «G. C. e le sue rime» (Livorno 1885).

Giovanni C., ein Nachkomme Guidos, war Geschichtschreiber, Mitglied der Accademia platonica, verfaßte «Istorie Fiorentine» über den Zeitraum von 1420 bis 1452, mit vielem Lobe für Cosimo de' Medici, von Machiavelli als Quelle benutzt. Die einzige vollständige Ausgabe besorgte Polidori (2 Bde., Flor. 1838).

Bartolommeo C., aus derselben Familie, war im Okt. 1503 geboren, kämpfte während der Belagerung von Florenz gegen die Medici. Als Cosimo Herzog geworden war, verließ C. seine Vaterstadt, stand in Diensten Hippolitos von Este, des spätern Kardinals, mit dem er 1537 in Frankreich war, lebte dann in Rom, wo ihn Papst Paul III. in wichtigen Geschäften verwandte, und endlich in Padua, wo er 9. Dez. 1562 starb. C.s «Rettorica» (Vened. 1559 u. ö.) behandelt die Rhetorik streng nach Aristotelischen Grundsätzen. Geschätzt sind auch seine «Trattati ovvero discorsi sopra gli ottimi reggimenti delle repubbliche antiche e moderne» (Vencd. 1555 u. ö.). - Vgl. Lettere di B. C. (Bologna 1869).

Cavalcaselle, Giovanni Battista, ital. Kunstgelehrter, geb. 22. Jan. 1820 in Legnago, besuchte die Akademie zu Venedig und wandte sich später ganz der Malerei zu. Auf einer Reise durch Deutschland lernte er 1847 seinen spätern Mitarbeiter Crowe (s. d.) (Anmerkung des Editors: Crowe, Sir Joseph Archer) kennen. C. nahm 1848 an der ital. Revo-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 8.

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