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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Celtes - Cement
Celtes, Konrad, s. Celtis, Conradus.
Celtiberer, s. Keltibcrer.
Obitis L., Pstanzengattung aus der Familie der
Ulmaceen (s. d.). Es sind Bäume oder Sträucder,
haben ganze, am Grunde schiefe und oben zuge-
spitzte Blätter, kleine, einzeln oder gebüscbelt stehende
Blüten mit fünf- oder sechsteiligem Perigon und
tragen beerenförmige Steinfrüchte, deren fleischige
Hülle eßbar ist, doch fade schmeckt. Es giebt gegen
50 Arten, die durch die Tropenzonen und den wär-
mern Teil der gemäßigten Zone zerstreut sind. Am
bekanntesten und berühmtesten ist der in Südeuropa
und Nordasrika wild wachsende, daselbst auch häufig
angepflanzte lü. au8ti'Hli8 ^., welcher Baum in
Tirol, wo er noch gut gedeiht, Zürgelbaum ge-
nannt wird. In Spanien bedient man sicb des-
selben allgemein zur Bepflanzung von terrassierten
und bewässerten Abhängen, indem seine weit aus-
streichenden Wurzeln das lose Gerölle und Erdreich
befestigen, und pflanzt häufig Weinreben daneben,
welche sich an den Stämmen empor und von Krone
zu Krone schlingen. Sein schweres, festes, fein-
faseriges Holz wird noch jetzt, wie ehedem in Aleran-
dria, zur Verfertigung von Flöten benutzt, außer-
dem noch zur Herstellung von Bildbauerarbeiten,
auch zu Peitschen, Spazierstöcken, Wagendeichseln
u. s. w. Im Altertum war dieser Baum unter dem
Namen des libyschen Lotos berühmt. Er erreicht
ein hohes Alter und dann riesige Dimensionen.
Eine nordamerik. Art, d oociäsuwIiZ 1/., der euro-
päischen ziemlich ähnlich, aber aus einem kältern
Klima stammend, sieht man nicht selten in Gärten
und Parkanlagen; das Holz derselben wird zu ä'hn-
licben Zwecken benutzt wie das von 0. auLtraUs.
Man vermehrt alle Arten durch Samen oder Ver-
edelung auf Rüstern.
Celtis (auch Celtes, eigentlich Pickel), Conra-
dus, lat. Dichter und Humanist, geb. 1. Febr. 1459
als Sohn armer Eltern in Wipfeld bei Würzburg,
entfloh, um nicht Winzer zu werden, 1477 nach Köln,
genoß 1484 den Unterricht N. Agricolas in Heidel-
berg und führte seitdem ein Wanderleben, das ihn
1486 nach Italien brachte. 1487 schmückte ihn Kaiser
Friedrich 111. in Nürnberg mit dem Lorbeer (die erste
Tichterkrönung in Deutschland). Nach neuen Wan-
derungen, von Krakau und Ofen bis Lübeck, lehrte
er 1492-97 mit Unterbrechungen in Ingolstadt als
Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit. Der
Höhepunkt seiner Wirksamkeit lag in Wien, wohin
ibn Kaiser Maximilian berief, den er in den Fest-
spielen "I^uäu3 I)ikMN6" (Nürnb. 1500) und "I^an-
l^68 6t victoria I)ivi Naximiliani" (Augsb. 1504)
feierte. Mit großem Erfolg trug er dort namentlich
Geschichte und Geographie vor, war der eigentliche
Gründer der Wiener Hofbibliothek und leitete seit
1502 ein ^oiwFium poetinim, das Dichter krönen
durfte. Durch unaufhörliche Reisen und unsteten
Lebenswandel früh gealtert, starb C. 4. Febr. 1508
in Wien. Er war der unermüdlichste Vorkämpferdes
Humanismus in Deutschland; überall gründete er
bumanistische Gesellschaften, in Krakau die 8oäHlita8
liNLi-Hi'ia ViLwiaua, in Ofen die 8oäHiiw8 llui^a-
lorum, in Wien die Danudikma, in Heidelberg und
Mainz die ^benana. Unter den humanistischen
Studien zogen ihn die Realien und die Geschichte
mehr an als das rein Philologische. Er plante ein
groß angelegtes histor.-geogr. Werk " ^ermauia
i1lli8ti-ata". Auf seinen Reisen entdeckte er die
Werke der Roswitha und das histor. Gedicht "I^n-
Artikel, die man unter C verm
rwu3", die beide lange mit Unrecht für Fälschungen
C.' galten, sowie die berühmte "i'adnlH?6utin^6-
i-jana" (s. Peutinger). In seinen, durch Form
Vollendung und Glanz der Sprache ausgezeichneten
Dichtungen schloß sich C. besonders an Ovid und
Horaz an. Die "yuawoi- lidri amorum" (Nürnb.
1502, mit Zeicbnungen A. Dürers) schildern seine
Reise-Liebesabenteuer mit unverhüllter Sinnlich-
keit, aber mit Schwung, Glut und Wahrheit, selbst
hier mit geogr. und astron. Exkursen. Seine "Oäa-
i-um lidri IV" (Straßb. 1513; neue Ausgabe vor-
bereitet von Hartfelder), von der Zeit besonders ge-
schätzt, kopieren Horaz allzu ängstlich. Seine geist-
reichen Epigramme (hg. von Hartfelder, Verl. 1881)
benutzte u. a. Lessing. Ein histor. Epos "iliOoäori-
cei8" blieb unvollendet. - Vgl. Klüpfel, I>6 vita 6t
8ei-ipti3 0. 0. (Freib. 1827); Äschbach, Die frühern
Wanderjahre des C. C. (Wien 1869); ders., Geschichte
der Wiener Universität, Vd. 2 (ebd. 1877); Hart-
mann, Konrad C. in Nürnberg (Nürnb. 1889).
Celtomancn, s. Keltomanen.
Celuta, der 186. Planetoid.
venida.1 ä'ainour (spr. ßangball damuhr), ein
von Gottfr. Silbermann (s. d.) erfundenes Klavier,
dessen Saiten doppelt so lang waren, als sonst
üblich, und von den Tangenten in der Mitte ge-
troffen wurden, wodurch dem Hauptübelstande des
Cembalo, dem Mangel an Forte und Piano, ab-
geholfen werden sollte.
Cembalist (spr. tsche-), Spieler des Cembalo.
veinda.10 (spr.tsche-; aus grch.-lat. c^mbalum),
der ältere ital. Name für Olavieeindklo (s. d.). - (1.
ist auch der Name des Palazzo Borghese (s. d., Vd. 3^
S. 307 d) in Rom. Is. Balaklawa.
Cembalo (Cembaro), genues. Niederlassung,
Cembra (spr. tsche-), Val di, in Tirol, s. Fassa.
Cement oder Cäment, pulversörmigc geglühte
Silikate, die unter dem Einflüsse des Wassers zu
einer steinharten Masse erhärten. Man teilt sie ein
in 1) C., die wenig oder keinen Kalk enthalten und
erst beim Vermischen mit Kalkbrei einen unter Wasser
erhärtenden Mörtel geben: hydraulische Zuschläge
oder natürliche C. oder Puzzolane; 2) C., die über-
schüssigen freien Atzkalk enthalten: hydraulische Kalke
und Romancement; 3) C., die zwar reich an Kalk
sind, diesen aber nur chemisch gebunden enthalten:
Portlandcement.
Zu den Puzzolanen oder hydraulischen Zu-
schlägen oder natürlichen C. geboren der Traß,
die Puzzolane und der Santorin. Der Trah (oder
Ductstein), eine Art Trachyttufs, ist nichts anderes
als zertrümmerter und zerriebener Bimsstein, der in
bedeutenden Mengen im Vrohl- und Nettcthale
unsern Andernach am Rhein angetroffen wird. Die
Puzzolane oder Puzzolanerde ist ein dem Traß
verwandter Körper, der bei Pozzuoli unfern Neapel
(Puteoli der Alten) vorkommt, sich aber auch in
großen Massen an der südwestl. Seite der Apenni-
nen findet. Der Santorin endlich ist ein von der
griech. Insel Santorin (dem Eilande der heil. Irene)
stammender, an der Küste von Dalmatien und in
Venedig häusig zu Wasserbauten angewendeter na-
türlicher C., der mit dem Traß den vulkanischen
Ursprung und das äußere Ansehen gemein hat. Im
sog. Ries bei Nördlingen in Bayern finden sich
ebenfalls trahartige Naturprodukte.
Das seltene Vorkommen und der hohe Preis der
natürlichen C. gab die Veranlassung, daß man an
ihre Stelle ein wohlfeileres Material, die künst-
itzt, sind unter K aufzusuchen.