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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cementation - Cementierbüchsen
lichen C., zu setzen suchte. So stellte Parker durch
Brennen der Thonnieren an den Ufern der Themse
einen C., den römischen C. (Nomancement),
dar, der gegenwärtig auch in Deutschland aus thoni-
gen Kalten oder Mergeln gewonnen wird. Dazu
taugliche Kalke enthalten 15 - 35 Proz. Thon, ihr
Wert steigt mit der Höhe des Thongehalts. Beim
Brennen des Nomancements darf die Hitze nicht
weiter gesteigert werden, als zur Austreibung der
Kohlensäure erforderlich ist.
Später entstand die Fabrikation von P ortland-
cement, der zuerst 1824 von I. Aspdin in Leeds
dargestellt wurde. Pasley, der als der eigentliche
Gründer der in England so schwunghaft betriebe-
nen Portlandcementfabrikation zu betrachten ist,
lehrte ihn durch Brennen eines Gemisches von Fluß-
thon (aus dem Medwayflusse) mit Kalkstein oder
Kreide bereiten. Gegenwärtig stellt man auf ähn-
liche Weise aus dem Schlamme, der sich an den
Mündungen großer Flüsse absetzt und dort zu
Deltabildungen Veranlassung giebt, ein dem Port-
landcement ganz gleiches Material dar. Außerdem
bereitet man seit 1852 in mehrern Teilen Deutsch-
lands nach dem Vorgange von Vleibtreu durch Mi-
schen von Kreide und Thon, Formen der Mischung
zu Ziegeln, Brennen und Zermahlen derselben einen
C., der allen Anforderungen entspricht. Portland-
cement ist nach der Definition deutscher Fachmänner
ein Produkt, entstanden durch Brennen einer innigen
Mischung von kalk- und thonhaltigen Materialien
als wesentlichen Bestandteilen bis zur Sinterung
und darauf folgender Zerkleinerung bis zur Mehl-
feinheit. Bei der Fabrikation werden die Materia-
lien in solchem Verhältnis gemischt, daß das Pro-
dukt nach dem Brennen einen Gehalt von 32 bis
35 Proz. Thonbestandteilen (Kieselsäure, Thonerde,
Eisenoxyd) enthält. Die Kreide wird auf Naßmühlen
möglichst fein gemahlen und geschlemmt, um san-
dige Teile auszusondern. Der Thon wird getrocknet
und zwischen Walzen fein zerdrückt, worauf das
trockne Thonpulver mit dem Kreidebrei vermischt
und in Thonschneidemaschiuen zum innigsten Ge-
menge verarbeitet wird, aus dem dann in Ziegel-
pressen Steine geformt werden. Diese werden an
der Luft getrocknet und in Schachtöfen von 15 in
höhe bei 3 m Weite mit Koks geschichtet und hier
gebrannt. Beim Brennen ist die Temperatur bis
zur Weißglut zu steigern, die Masse muß gefrittet
erscheinen und nach dem Erkalten eine graugrüuliche
Färbung zeigen und darf sich mit Wasser gemischt
taum noch erwärmen. Nicht genügend gebrannter
Portlandcement sieht graugelblich aus, erhitzt sick
mit Wasser stark und zerfällt. Andererseits darf
die Erbitzung auch nicht zu weit getrieben werden,
da sonst Schmelzung eintritt, wodurch das Produkt
unbrauchbar wird. Bei normalem Betriebe dauert
der Brand eines Ofens 3 Tage, die nötige Zeit
zum Abkühlen beträgt 8 Tage. Der gebrannte
C. wird zuerst in Steinbrechern oder zwischen kan-
nelierten Walzen zerkleinert und dann auf gewöhn-
lichen Mahlgängen so weit gemahlen, daß das
Mehl beim Passieren eines Siebes von 900 Öffnun-
gen pro Quadratcentimeter nicht mehr als 25 Proz.
Rückstand darauf läßt. Vor der Verwendung wird
der Portlandcemcnt einige Zeit abgelagert, da
durck das Ablagern die Natur des Produkts ver-
bessert und der Wert desselben erhöht wird. Zur
Darstellung von hydraulischem Mörtel benutzt man
aicker der gebrannten Mischung von Kreide und
Thon gewisse Mergel, wie sie z. V. zu Perlmoos dei
Kusstein in Tirol sich finden, die Aschen von Stein-
kohle und Torf, manche Hochofenschlacken u. s. w.
Der beim Erhärten des Portlandcements stattfin-
dende Vorgang ist noch nicht genügend aufgeklärt.
Unzweifelhaft ist, daß beim Brennen des Gemisches
von Thon und Kalk eine Aufschließung des Thons
erfolgt und daß dabei ein Silikat von Thonerde
und Kalk entsteht, das die Eigenschaft hat, in Be-
rührung mit Wasser diefes chemisch zu binden; wie
aber die Erstarrung dieses neuen Körpers zu stände
kommt, auf welche Weise dieser verkittend auf zu-
gesetzten Sand wirkt, bleibt vorläufig noch dunkel;
keineswegs darf man dabei bloß chem. Prozesse
annehmen, es spielen unzweifelhaft mechan. Vor-
gänge dabei eine wichtige Rolle. Die C. dienen
nicht nur als Mörtel bei Wasser- und Landbauten,
sondern auch zur Herstellung architektonischer Ver-
zierungen und mit Handgemenge zur Herstellung
von künstlichen Steinen, von Krystallisiergefäßen
in chem. Fabriken, zu Behältern für Sole in den
Salinen, Gär- und Lagerfässern für Wein, Behäl-
tern zur Aufbewahrung von Ol und den verschie-
densten Flüssigkeiten u. s. w. - Die Herstellung von
C. beschäftigt in Deutschland mit Einschluß der Traß-
gräberei und -Verarbeitung 14-15000 Arbeiter in
etwa 500 Betrieben. Die geringe Einfuhr betrug
1892 nur 226 758 Doppelcentner im Werte von
907 000 M. Dagegen erreichte die Ausfuhr 3 723484
Doppelcentner im Werte von 14894000 M., wobei
Cementwaren (wie Platten, Ninnen, Röhren u. s. w.)
nicht mit eingerechnet sind. - In Österreich-Ungarn
betrug 1892 die Einfuhr von C. 254117, die Aus-
fuhr 208046 Doppelcentner; für Cementwaren die
Einfuhr 264, die Ausfuhr 3825 Doppelcentner.
C. ist auch die Bezeichnung für verschiedene Arten
von Kitt (s. d.). - Vgl. Michaelis, Die hydraulischen
Mörtel (Üpz. 1869); P. Löff, Bau von Kalk-, Ce-
ment- und Ziegelöfen (Bert. 1870); Fr. Knapp, über
C.und Mörtel (im "Amtlichen Bericht über die Wie-
ner Weltausstellung", Bd. 3, Abteil. 1, Braunschw.
1875); Feichtinger, Chem. Technologie der Mörtel-
materialien (im "Handbuch der chem. Technologie",
ebd. 1885); Zwick, Hydraulischer Kalk- und Port-
landcement (2. Aufl., Wien 1892); Tormin, C.
und Kalk (Weim. 1892).
Cementation, metallurgischer Prozeh, bei dem
ein Metall von einer andern meist feingepulverten
Substanz (CementierPulver) bedeckt wird, die
in die Oberfläche oder in die Masse desselben ein-
zudringen bestimmt ist. Man bewirkt dies meist da-
durch, daß man die aufeinander geschichteten Mate-
rialien in feuerfesten Behältnissen (Cementier-
büchsen, Cementierkästen) glüht (sog. Ein-
setzen). So verwandelt man z. B. durch Erhitzen
mit Kohlenpulver weickes Eisen in Stahl. (Über
den entgegengesetzten Prozeß s. Adoucieren.) 11m
Kupfer oberflächlich in Messing zu verwandeln, er-
hitzt man in irdenen oder eisernen Röhren Kupfer-
bleche oder Kupferstangen mit Zink, wodurch jene
eine goldgelbe Farbe annehmen; die auf diese Weise
durch C. dargestellte Legieruna von Kupier mit Zink
dient zur Herstellung der sog. Leonvichen Waren,
die zu den wichtigsten Artikeln der Nürnberg-Fürther
Industrie gehören. - Das Überkleiden von Wasser-
behältern, Mauern u.s.w. mit Portlandcement wird
zuweilen auch C. genannt. (S. auch CementwäM-.)
Eementierbüchfen, Cementierkästen, Ce-
mcntierpulver, s. Cementation.
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.