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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cementkupfer - Censoren
Cementkupfer, s. Ccmentwässer.
Cementpisömauertverk, s. Gußmauerwcrk.
Eementstahl, s. Eisen und Eisenerzeugung.
Cemcntstein, Bezeichnung für diejenigen natür-
lich vorkommenden Gemenge von Thon und Kalk,
die nach dem Brennen Cement liefern; hierber ge-
hören die Thonniercn an den Ufern der Tbemse
(s. Cement); ähnliche Bildungen kommen bei Ebers-
waldc, auf Rügen, bei Boulogne u. a. O. vor.
Cementwäfser, Flüssigkeiten, die gelöste Kupfer-
salze enthalten, aus denen durch Einlegen von
blantcra EiM Kupfer (Cementkupfer) gewonnen
werden kann. C. können durch Auslaugen von
gerösteten oder verwitterten Erzen künstlich darge-
stellt werden; im Rammelsberge bei Goslar bilden
sie sich durch Auslaugen des Alten Mannes.
Vena. (lat.), s. ^oeua.
Obuaouiniu slat.), s. OosuHeuIum.
Cenci (spr. tschenntschi), röm. Adelsfamilie, die
von den Crescenzi abstammen soll. Der erste der
Familie Cencio war 1061 beim Tode Nikolaus' II.
an der Spitze der kaiserl. Partei und beschützte den
Gegenpapst. Zur Zeit des Zwistes zwischen Hein-
rich IV. und Gregor VII. versprach er dem erstern,
ihm den Papst "gefangen zu übergeben. Allein
das Volk befreite den Papst, den er Weihnach-
ten 1075 bei Santa Maria Maggiore überfallen
und in seinen Palast abgeführt hatte. Auch nach
Canossa blieb er dem Kaiser treu. - Giovanni
C. wurde 1376 zum Capitano del Popolo erwählt
und führte die Kapitulation der Engelsburg herbei,
in dem sich die Parteigänger des Gegenpapstes hiel-
ten. Er begünstigte die heil. Katharina von Sicna
und die Rückkehr des Papstes nach Rom. - Pietro
C. zettelte 1398 eine Verschwörung gegen die Päpstl.
Gewalt an, um die municipale Selbständigkeit Roms
wiederherzustellen. Nachdem die Verschwörung ent-
deckt, wurde er nebst seinen Gefährten enthauptet.
Das berüchtigste Mitglied der Familie ist Vea-
lrice C., die jüngere Tochter von Francesco C.
und der Ersilia Santa Croce, geb. 12. Febr. 1577
zu Rom. Ihr Vater war leidenschaftlich und aus-
scdweifcnd, gegen die Familie von eiserner Strenge;
dic Kinder zeigten gleichen Charakter, sodah zwischen
ihm und diesen oft Zwistigkeiten vorkamen und letz-
tere schließlich tödlichen Haß auf Francesco warfen.
Scine zweite Frau, Lucrezia Petroni, fein ältester
Sohn Giacomo, Beatrice und, von diefen verführt,
die jüngern Söhne Bernardo und Paolo ließen Fran-
cesco in der Nacht vom 9. zum 10. Sept. 1598 in
seinem Bette auf dem Schlosse Petrella in Neapel
ermorden und eine Galerie hinabstürzen, um dadurch
den Anschein hervorzurufen, der Ermordete sei ver-
unglückt. Die Mordthat ward entdeckt, den Schuldi-
gen der Prozeß gemacht, Lucrczia, Giacomo und
Beatrice 11. Sept. 1599 vor der Engelsbrücke hin-
gerichtet, Bernardo zu lebenslänglicher Galeercn-
strafc verurteilt, 20. März 1606 begnadigt und ein
Tcil der Güter ihm zurückgegeben. Paolo war kurz
nach dem Vatermorde gestorben. Beatrices Vertei-
diger, Prospero Farinacci, beschuldigte, um sie zu
retten, den ermordeten Francesco des Versuchs der
Blutschande. Obwohl diese Anklage iedes Grundes
entbehrte, ist sie von der Nachwelt fast allgemein ge-
glaubt und wiederholt worden, sodah man die Mör-
der zu Märtyrern, den Ermordeten zu einem laster-
baften Unhold stempelte. - Shelley (s. d.) gestaltete
1819 die Geschichte dramatisch, Gucrrazzi hat sie als
Roman behandelt ("Ü. (^ Lwria. äei kscolo XVI",
1854; neue Ausg., Mail. 1870; deutsch, 2 Bde.,
Hamb. 1858); romanhaft sind auch die Darstellun-
gen von Scolari ("k. 0., causa. C6i6i>r6 oi-imiugis
äel Lseolo XVI", Mail. 1856), De Stendhal ("Obro-
Q1YU68 it3.Ii6un68", Par. 1855), Dal Vono ("3torig.
äi L. lü. 6 äe' 8uoi teu^i", Neap. 1864), eines Un-
genannten ("L. 0. o il pai-i-iciäio äi liocca, ?6ti'6l1".",
Mail. 1876) u. a. Eine zuverlässige, aktenmäßige
Darstellung gab erst der röm. Archivist Vertolotti,
"^13.1106800 ^. 6 1a 8ua lamiZlia," (Flor. 1877;
2. Aufl. 1879); vgl. auch Torigiani, (^msute VIII
6 ii pr0C6880 crimiualk äsiia L. 0. (ebd. 1872). Ob
das G. Reni zugeschriebene Bild im Palast Barbe-
rini zu Rom Aeatrice C. vorstellt, ist fraglich.
venüi-e (frz., spr. ßangdrch), aschfarbig.
Obnäi-iiion (frz., spr. hangdnjöng), Aschen-
Cendrinsteine, s. Steinmasse. ftrödel.
Ecncre oder Ceneri, s. Monte-Ceneri.
Cents, s. Mont-Cenis.
Eenogcncsis, s. Biogenetisches Grundgesetz.
Cenoman, die unterste Stufe der obern Abtei-
lung der Kreideformation (s. d.); ihm gehören z. B.
die petrefattenreichen Grünfandsteine bei Essen,
ferner die untern Quadersandsteine der sächs.-böhm.
Schweiz an. S. die Abbildungen einiger Leitfossilien
des C. auf der Tafel: Petrefakten der Meso-
zoischen Formationsgruppe IV, Fig. 7-9,
beim Artikel Mesozoische Formationsgruppe.
Ecnomancn, ein großes kclt. Volk, zur Zeit
der Eroberung Galliens durch die Römer in dem
Hügellande zwischen der untern Seine und Loire
wohnhaft, mit der Stadt 8uinäiiiuiii (jetzt Le Mans).
Ein Teil der C. hatte sich bei der telt. Überflutung
von Oberitalicn Anfang des 4. Jahrh. v. Chr. in
6a11ia 1raii8paliI.Q3. bleibend festgesetzt und be-
wohnte das Gebiet am Mincio und Oglio, mit Orten
wie Verona, Brixia und Mantua. 222 v. Chr. tra-
ten sie freiwillig in die Stellung abhängiger Bun-
desgenossen Roms, empörten sich aber schon um 200
zusammen mit den meisten Kelten Oberitaliens gegen
die neuen Herren, von denen sie dann in dreijähri-
gem Kampfe 197 dauernd unterworfen wurden.
Eenotaph, s. Kenotaph.
Censieren (lat.), beurteilen, abschätzen, prüfen;
die Censur (s. d.) ausüben.
Censit (lat.), Zinspflichtigcr, Zinsmann.
Censoren, im alten Rom diejenigen zwei Magi-
stratspcrfoncn, die den Ccnfus (s. d.) besorgten,
weiterhin aber auch die Aufsicht über die Sitten
führten und Bürger, die durch ihren Wandel Anstoß
gegeben hatten, rügten und dem entsprechend in der
Regel in ihren bürgerlichen Rechten und Ehren be-
schränkten. Den Schluß des Census bildete die
feierliche Entfühnung des Volks, das Lustrum (s.d.).
Außerdem hatten die C. die Staatsländereien, Hölle
und andere Gefalle, Salinen und Bergwerke zu ver-
pachten, öffentliche Bauten und Lieferungen für den
Staat an den Mindcstfordernden zu vergeben, die
Ausführung solcher Kontratte zu überwachen und
für die Instandhaltung der bestehenden öffentlichen
Bauten und Anlagen zu sorgen. Ihr Amt (die
Censur) währte 18 Monate, und da das Lustrum
nur alle 5 Jahre stattfand, folgten die Censorcn-
paare nicht ununterbrochen, sondern durch 3^jäh-
rigc Zwischenzeiten getrennt aufeinander. Die Würde
eines Censors galt mit dcrZcit, obsch on strenggenom-
men die Konsuln dem Range nach höher standen,
für die ehrenvollste, wie sie denn auch schon früh
regelmäßig erst nach dem Konsulat erreicht zu wer-
Artitel. die man umer C vermißt, sind unter K aufzusuchen.