Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

54

Cerignola - Cernuschi

führte er diese Aufgabe Nach anfänglichem Mißgeschick durch. Nachdem ihm 70 v. Chr. das Konsulat übertragen worden war, ging er, wahrscheinlich als Statthalter, nach Britannien und erweiterte die Grenzen der Provinz erheblich.

Cerignola (spr. tscherinjohla), Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Foggia, in 124 m Höhe, nördlich des Ofanto freundlich gelegen, an der Linie Foggia-Barletta des Adriatischen Netzes, hat (1881) 24 446 E. und Baumwollkultur. Hier siegten 28. April 1503 die Spanier unter Gonsalvo von Cordova über die Franzosen unter dem Herzog von Nemours. In der Nähe, an dem westl. Ufer des Küstensees von Salpi, befinden sich die Ruinen der alten apulischen Stadt Salapia.

Cerigo (spr. tsche-), ital. Name von Kythera (s. d.).

Cerigotto (spr. tsche-), Insel, s. Kythera.

Cerin, s. Cerotinsäure.

Cerinthe Tourn., Wachskraut, Pflanzengattung aus der Familie der Boragineen (s. d.), deren wenige Arten vorzugsweise in Südeuropa und Nordafrika einheimisch sind. Sie haben saftige Stengel, ganzrandige, stengelumfassende, blaugrüne Blätter, die mit weißen wachsartigen Wärzchen bedeckt sind, und in einseitige, beblätterte Wickeltrauben gestellte, gelbgefärbte Blüten. Sie eignen sich, besonders die einjährigen südeurop. Arten C. maculata M. Bieb., C. glabra Mill., C. major L., C. aspera Roth., zu Sommerzierpflanzen des freien Landes, zumal da sie ohne alle Pflege gedeihen. Sie verlangen jedoch einen nicht zu schweren Boden. In Deutschland kommen nur C. minor L. und C. alpina Kit. vor, letztere in den Alpen.

Cerinthus (Kerinthos), der erste bekannte christl. Gnostiker (s. Gnosis), welcher vom Judenchristentum ausgehend, sich gnostisch über dasselbe zu erheben suchte, indem er, was ihm an der erschaffenen Welt und an der jüd. Religion als unvollkommen erschien, nicht Gott, sondern der selbständigen Wirksamkeit beschränkter und untergeordneter Engelwesen zuschrieb. Als göttlich geoffenbart hielt er jedoch die judaistische Lehre von der Notwendigkeit der Beschneidung und Gesetzesbeobachtung auch für die Christen und die sinnliche Hoffnung auf ein 1000-jähriges Reich Christi auf Erden fest. (S. Chiliasmus.) Über die Person Christi lehrte er, daß auf den Menschen Jesus der Heilige Geist (oder Ein heiliger Geist, d. h. ein Engelwesen) herabgekommen und mit ihm bis zur Kreuzigung verbunden geblieben sei. Die altchristl. Sage macht ihn zu einem Hauptgegner des Apostels Paulus oder Johannes, gegen welchen dieser sein Evangelium und seine Briefe, namentlich den ersten, geschrieben haben soll. Die Offenbarung Johannis dagegen schrieben die Gegner des Chiliasmus dem C. zu, um den Montanisten (s. d.), welche sich auf die Offenbarung beriefen, ihren apostolischen Gewährsmann zu entziehen. - Vgl. Lipsius, Zur Quellenkritik des Epiphanios (Wien 1865); Harnack, Zur Quellenkritik der Geschichte des Gnosticismus (Lpz. 1873); Nitzsch, Grundriß der christl. Dogmengeschichte, 1. Bd. (Berl. 1870); Hilgenfeld, Ketzergeschichte des Urchristentums (Lpz. 1884).

Ceriornis, Hornfasan, s. Fasanen.

Cerise (frz., spr. ß'rihs'), Kirsche, kirschrot.

Cerit, ein zu Riddarhytta in Schweden vorkommendes Mineral. C. ist ein wasserhaltiges Ceriumsilikat mit wechselndem Gehalt an Lanthan und Didym, neben etwas Eisenoxydul und Kalk. Es bildet kleine rhombische Krystalle, ist meist krystallinisch derb, feinkörnig, von unebenem bis splitterigem Bruch und schmutzig rötlichbrauner Farbe. Härte 5,5; spec. Gewicht 4,8 bis 5,0.

Cerithiidae, Hornschnecken, eine Familie der Vorderkiemer mit ei- bis turmförmiger Schale, kleiner Schalenmündung, hornigem Deckel, welche in allen Meeren sowie im Brack- und süßem Wasser Vertreter hat. Man kennt gegen 400 lebende und etwa 1000 fossile Arten, welche zuerst im Muschelkalk auftreten.

Cerium, Cer (chem. Zeichen oder Symbol Ce, Atomgewicht = 140,2), ein 1803 gleichzeitig von Klaproth, Hisinger und Berzelius entdecktes seltenes Metall, das ursprünglich in dem seines hohen specifischen Gewichts wegen ausgezeichneten Mineral Cerit (s. d.) erkannt, später auch in andern Mineralien, wie Gadolinit, Orthit, Euxenit, Pyrochlor, Monazit, Lanthanit, Ytterocerit, aufgefunden wurde. Mosander wies 1839 nach, daß der Cerit noch zwei andere metallische Elemente, die er Lanthan und Didym nannte, enthalte und daß der bis dahin für Ceroxydul gehaltene Körper ein Gemenge der Oxyde der genannten drei Elemente sei. Zur Trennung der drei Elemente von den übrigen benutzt man die Schwerlöslichkeit ihrer Oxalate; die Isolierung des C. vom Lanthan und Didym beruht auf dem Umstände, daß das erstere ein sehr schwer lösliches basisches Sulfat bildet und daß sein Nitrat leichter durch Glühen zerfällt als die Nitrate der andern. Das Metall erhält man aus dem wasserfreien Chlorür durch Elektrolyse oder durch Reduktion mit Natrium; es steht in der Farbe zwischen Eisen und Blei, spec. Gewicht 5,5, ist geschmeidig und schneidbar wie Blei, oxydiert sich langsam an der Luft, entzündet sich beim Erhitzen, zersetzt Wasser in der Kälte langsam, rasch beim Erhitzen, löst sich leicht in Säuren, verbrennt beim Erhitzen in Chlor, Brom, Schwefeldampf. Von den Ceriumverbindungen, die im allgemeinen kein weiteres Interesse beanspruchen, ist das oxalsaure C. offizinell (s. Cerium oxalicum).

Cerium oxalicum, oxalsaures Cerium, in Wasser unlösliches weißes körniges Pulver, welches in Dosen von 0,1 g gegen Magen- und Darmaffektionen, insbesondere gegen Erbrechen und Seekrankheit empfohlen wird.

Cerlier, s. Erlach.

Cerna (spr. tscherna, d. i. die Schwarze), Fluß in Ungarn, entspringt auf rumän. Gebiete auf dem Südabhange der Transsylvanischen Alpen, bildet dann auf einer Strecke von 70 km die ungar. Grenze, wendet sich dem Thale von Mehadia (s. d.) zu, vereinigt sich mit der Bela-Reka (dem "Weißen Flusse") und fällt mit fast ganz südl. Laufe von 70 km bei Orsova in die Donau. Die C. ist nicht schiffbar.

Cernagora (spr. tscher-), der slaw. Name von Montenegro (s. d.).

Cernavoda (spr. tscher-), rumän. Dorf, s. Trajanswall.

Cernay (spr. ßerrnäh), Stadt im Elsaß, s. Sennheim.

Cernierung, s. Einschließung.

Cernobog (spr. tschér-), slaw. Gottheit, s. Slawische Mythologie.

Cernuschi (spr. tschernúski), Enrico, ital. Nationalökonom, geb. 1821 zu Mailand, bildete sich durch Selbstunterricht, kämpfte 1848 zu Mailand auf den Barrikaden und war 1859 bei der Verteidigung Roms als Chef der Barrikadenkommission thätig. Nach dem Falle der röm. Republik saß er ein Jahr in Civita-^[folgende Seite]

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]