Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

62
Cesinge - Cession
38223 E., in Garnison das 1. Bataillon des 40. In-
fanterieregiments, 14. Bataillon des 5. Bersaglieri-
regiments^ und die 6. Eskadron des 22. Kavallerie-
regiments, eine schöne Kathedrale, Paläste und
Arkaden, ein Ratyaus (?ai3,220 puddlioo) mit Ge-
mäldesammlung und der kolossalen Bildsäule des in
C. geborenen Pius VI., und eine berühmte, 1452
vonTomenico MalatcstaNovello gegründeteViblio-
thek mit 4000 Handschriften, die den Aldinen (s. d.)
des Manutius zu Grunde liegen. Die Gewerbthätig-
keit erstreckt sich auf Wein-, Gemüse-, Hanf-, Seiden-
bau und Gewinnung fowie Raffinerie von Schwefel.
Der Wein von C. war schon zur Römerzeit berühmt.
Auf einem Hügel die fchöne Kirche Sta. Maria del
Monte, von Bramante umgebaut. - C., das alte
s^636iia, einer der ältesten Bischofssitze in Italien,
war im Mittelalter Freistaat. Berühmt ist die Ver-
teidigung der Stadt 1357 gegen Albornoz durch
Maria Ordelaffi. 1377 wurde C. von dem Kardinal
Robert von Genf schrecklich verheert, zuletzt den
Malatesta von Papst Alexander VI. entrissen und
an Cäsar Vorgia gegeben, nach dessen Tode es an
den Kirchenstaat fiel. Am 30. März 1815 schlug
hier Murat die Österreicher, und 20. Juni 1832
wurde C. durch die päpstl. Truppen heimgesucht.
Cesinge, s. Ianus Pannonius.
vss-inoii (ital. äo dsmoile minorL; frz. ut d6-
inoi inin6ui'; engl. e Üat ininoi-), eine nie ge-
brauchte Moll-Tonart, die zehn!? nötig haben würde;
sie wird durch H-moii (nur zwei ü) ersetzt.
Eesnöla (spr. tsches-), Luigi Palma di, Graf,
ital. Arckäolog, geb. 29. Juli 1832 bei Turin, trat
ins sardin. Heer, 1860 in amerik. Dienste und zeich-
nete sich im Kriege gegen die Südstaaten aus. Seit
1869 ist er amerik. Konsul auf Cypern, wo er mit
großem Erfolg archäol. Untersuchungen und Ausgra-
bungen vornahm, l^eine Funde enthält seit 1872 die
"Cesnola-Sammlung cyprischer Altertümer" in Neu-
york. C. schrieb: "O^prug, it8 anoikut cities, tomdä
anä t6inpi68" (Lond. 1877; deutsch, Jena 1879).
Cöspedes, Pablo de, span. Maler, Architekt,
Bildhauer und Dichter, geb. 1538 zu Cordoba, stu-
dierte seit 1556 auf der Universität von Alcala de
Henares altklassische und orient. sprachen. In Rom
bildete er sich vor allem nach Michelangelo und
Iuccaro und verfertigte mehrere Freskogemälde
und Bildhauerarbeiten, die ihm Ruf erwarben. C.
erhielt 1577 eine Pfründe an der Domkirche zu Cor-
doba und lebte nun teils hier, teils in Sevilla. Er
starb in seiner Vaterstadt 26. Juli 1608. C. zeichnete
sich als Maler vorzugsweise durch sein treffliches
Kolorit und seine Meisterschaft in der Karnation
und im Helldunkel aus. Es befinden sich Gemälde
von ihm in Sevilla, Cordoba und Madrid, unter
denen das letzte Abendmahl in der Domkirche von
Ccrdoba eins der berühmtesten ist. Er war das
Haupt der damaligen andalus. Malerschule; seine
namhaftesten Schüler waren Juan Luis Zambrano,
Antonio Mohedano, Juan de Penalosa, Antonio
de Contreras und Cristobal Vela. Als Dichter ist
C. durch schöne Bruchstücke eines Lehrgedichts über
die Malerei bekannt, die sein Freund Francisco
Pachcco in der "^rte äo 1a pintura" (1649) erhal-
ten hat. Cean-Bermudez im Anhange zum fünften
Bande seines "viocionario kistorieo äs 1o8 uiH3
i1u8tr68 Plok6801'68 äs Ig.8 d6i1a8 g.rt68 611 N8P5MN"
(Madr. 1800) teilt von ihm außerdem noch eine Er-
örterung über alte und neue Malerei mit. - Vgl.
Turino, ?ad1o äs N. (Madr. 1868).
Artikel, die man unte-r C vermißt, sind unter K aufzusuchen.
vsssatio I. äivinis (lat.), Einstellung des
Gottesdienstes wegen einer der Kirche zugefügten
schweren Unbill, nicht als eigentliche Censur, son-
dern als Zeichen der Trauer aufgefaßt.
Eefsation (lat.), das Zaudern, Zögern, der
Wegfall; cessiercn, aufhören, wegfallen; cessi-
bel, abtretbar.
Vs88io donörulu (lat.) hieß im röm. Recht die
Erklärung des Schuldners, daß er sein Vermögen den
Gläubigern zum Zweck ihrer Befriedigung abtreten
wolle. Durch diese freiwillige Vermögensabtre-
tung wurde der Schuldner vor gewissen Folgen,
welche außerdem mit der gerichtlichen Einweisung der
Gläubiger in den Besitz seines Vermögens (0113310
in doiia) verbunden waren, insbesondere von der
Ehrlosigkeit (iiit'Hinia) sowie von der Schuldhaft
befreit. Auch erwarb er gegenüber spätern Verfol-
gungen seitens der Gläubiger einen Anspruch
darauf, daß ihm die Mittel zum notdürftigen Lebens-
unterhalt (Kompetenz) belassen werden mußten
(Rechtswohlthat des Notbedarfs). Deshalb wurde
die 0. d. auch nur solchen Schuldnern gestattet, welche
ohne ihr Verschulden in Vermögensverfall geraten
waren. In Deutschland hatte die 0. d. noch bis in
die neueste Zeit in den Gebieten des Gemeinen
Rechts rechtliche Wirksamkeit, ebenso in den Gebie-
ten des rhein. Rechts, da der (üoäs ^pol^on in
den Art. 1265-70 sowohl die freiwillige als die
gerichtliche Güterabtretung (06881011 ä6 di6U8) re-
gelt. In Preußen wurde dieselbe schon durch das
Allgemeine Landrecht beseitigt. Das Einführungs-
gesetz zur Deutschen Konkursordnung hat nun (in
§. 4) die Vorschriften der Landesgesetze über die
Rechtswohlthat der Güterabtretung aufgehoben.
In Österreich sind die "gesetzlichen Vorschriften über
die Abtretung der Güter" gleichfalls infolge der
Einführung der Konkursordnung außer Kraft ge-
treten (Gesetz vom 25. Dez. 1868, Art. 1).
Eession (lat.), Abtretung einer Forderung,
einer Hypothek, einer Grundschuld (s. d.) oder eines
Anspruchs (s. d.), z. B. eines Anspruchs auf Her-
ausgabe einer dem Abtretenden (Cedenten) ge-
hörigen Sache, welche der Beklagte besitzt. Von C.
wird aber auch bei Abtretung anderer Vermögens-
rechte gesprochen, für welche nicht, wie beim Eigen-
tum, die Gesetze eine besondere Form des Über-
tragungsgeschäfts ausgebildet haben; so kann ein
Erbrecht, ein Erfindungspatent, ein Urheberrecht
cediert werden. Und auch im öffentlichen Recht ist
von C. einer Provinz u. dgl. wohl die Rede.
Von der C. verschieden ist die Übertragung der
mit dem Besitz eines Inhaberpapiers, z. B. eines
Staatspapiers, verbundenen Fo^denmgsrechts.
Dieselbe vollzieht sich mit der Übergabe des Pa-
piers. Verschieden ist auch die Übertragung von
Orderpapiercn (s. d.) durch Indossament. Doch kann
auch die Forderung aus einem an Order gestellten
Wechsel cediert werden, wenn der Wechsel dem Cessio-
nar übergeben wird. Die C. hat aber beschränktere
Wirkungen als das Indossament, insonderheit wegen
der dem Cedenten entgegenstehenden Einreden.
Cediert kann jede Forderung werden, auch eine
in der Zukunft erst entstehende und eine Forderung,
mit welcher Verpflichtungen verknüpft sind; jedoch
bleibt dem Schuldner solcher Forderung, z. B. dem
Pächter, dem Käufer u. s. w., das Recht, die Er-
füllung der Gegenleistung von dem Verpächter,
Verkäufer zu fordern, ohne daß er sich deshalb an
den Erwerder der abgetretenen Forderung (Ces-