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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chalazen - Chaldäer

Chalāzen (grch.), Hagelschnüre, in der vergleichenden Anatomie die beiden häutigen Bindegewebsstränge, durch die das Eidotter durch das Eiweiß hindurch an den beiden Polen der harten Eischale befestigt ist; in der Botanik: die Hagelflecke oder Keimflecke der Samenkörner. Chalazĭon, in der Augenheilkunde das Hagelkorn (s. Gerstenkorn); Chalazōsis, Bildung eines Hagelkorns.

Chalcēdon, ein kieseliges Mineral von weißer, grauer, blauer, gelber und brauner Farbe, gewöhnlich durchscheinend, findet sich in nierenförmiger, traubiger, stalaktitischer Gestalt auf Gängen in Porphyr, Grünstein und in andern Felsarten, vorzüglich als Ausfüllungsmasse der Hohlräume verschiedener Felsarten, besonders in Basalt und Basaltmandelstein, und ist wohl immer als eine Abscheidung aus wässeriger Lösung zu betrachten. Der C. soll seinen Namen von der gleichnamigen Stadt erhalten haben, in deren Nähe man ihn im Altertum fand; hauptsächlich aber bezogen ihn die Alten aus Ägypten und Arabien. Jetzt erhält man ihn aus Island, Sibirien, Siebenbürgen, wo bei Trestyan die blauen Pseudomorphosen von C. nach Flußspat gefunden werden, namentlich aus Uruguay, und benutzt ihn zu mancherlei Schmuck. Er besteht wesentlich aus Kieselsäure, wie der Quarz, und muß nach seinen optischen Eigenschaften als ein äußerst feinkörniges, krystallinisch-faseriges Aggregat höchst winziger Quarzpartikelchen angesehen werden. C. ist auch einer der Hauptbestandteile des Achats. Die natürlichen Färbungen entstehen durch Beimischungen verschiedener Metalloxyde; künstlich können ihm wie dem Achat verschiedene Färbungen erteilt werden. Helle C. mit moos- oder baumförmigen, dendritischen Zeichnungen von schwarzem Manganoxyd heißen Mokkasteine oder Moosachate und kommen namentlich neuerdings aus Kalifornien und Nevada in den Handel. Der Onyx, Sardonyx, Karneol, Heliotrop, Chrysopras und das Plasma sind gewissermaßen Varietäten des C. Die Wasser enthaltenden Mandeln von C. heißen Enhydros (s. d.).

Chalcēdon (Kalchedon), eine von den Megarern um 675 v. Chr. unter dem Namen Procerastis gegründete Stadt in Bithynien, lag am Eingange in den Bosporus unweit Skutari, Konstantinopel gegenüber, an der Stelle des jetzigen Dorfes Kadiköi. 409 v. Chr. wurde sie von Alcibiades erobert. Schon seit 140 v. Chr., als ihre Bewohner nach dem neugegründeten Nikomedien übergesiedelt wurden, kam sie in Verfall. 74 v. Chr. fiel sie mit ganz Bithynien an die Römer, von denen sie neu befestigt und für frei erklärt wurde. Im 3. Jahrh. n. Chr. wurde sie unter Gallienus von nordischen Völkern mehrmals erobert; im Sept. 323 besiegte hier Kaiser Konstantin den Licinius und verwandelte alle griech. Tempel in christl. Kirchen, und im 6. Jahrh. wurde die Stadt von Justinian unter dem Namen Justinianea in ihrem vorigen Glanze wieder aufgebaut. 616 wurde sie von dem Perserkönig Chosroes, später durch die Osmanen von Grund aus zerstört, und jetzt bezeichnen nur wenige Überreste ihre frühere Stelle. Unter den byzant. Kaisern war sie Hauptstadt der Provinz Pontica-Prima; jetzt ist sie Sitz eines Erzbischofs mit griech. und armenischen Schulen. In C. ward im Herbst 451 die vierte allgemeine Kirchenversammlung abgehalten. Dieselbe sollte die Beschlüsse der sog. Räubersynode zu Ephesus vom J. 449 verbessern, welche die Lehre des Eutyches (s. d.) sanktioniert hatte. Eutyches und Dioskur wurden abgesetzt und als kirchliche Lehre bestimmt: Christus ist eine Person in zwei Naturen, ohne Vermischung und Verwandlung (gegen die Monophysiten), ohne Teilung und Trennung (gegen die Nestorianer), nach seiner Gottheit ewig vom Vater, nach seiner Menschheit zeitlich von der jungfräulichen Gottgebärerin. Außer dieser Glaubensformel wurden noch 30 Kirchengesetze (Canones) aufgestellt, unter denen der 28. Kanon in Rom heftigen Widerspruch erfuhr, indem er dem Patriarchen von Konstantinopel gleiche Rechte und Vorzüge wie dem römischen und letzterm nur einen Ehrenvorrang einräumte. Blutige Empörungen in Palästina und Ägypten waren die nächste Folge der chalcedonischen Beschlüsse und erst nach hundertjährigen kirchlichen Händeln, unter denen die Monophysiten sich völlig von den Orthodoxen trennten, erhielt die chalcedonensische Glaubensformel das symbolische Ansehen, das sie noch jetzt in der kath., griech. und prot. Kirche behauptet.

Chalcha (Khalcha), der bedeutendste Stamm der Mongolen (s. d.), im Norden der Wüste Gobi.

Chalcidĭce, s. Chalkidike.

Chalcidĭer (Chalcidĭdae) oder Schenkelwespen, s. Schlupfwespen.

Chalcīte oder Metallochalcite war früher eine häufige Bezeichnung für eine Klasse von Mineralien, die aus Sauerstoffsalzen mit metallischen Radikalen bestehen, dabei aber niemals einen metallischen Habitus besitzen. Es gehören dahin z. B. der Eisenspat (Spateisenstein), der Manganspat, der Zinkspat (Galmei), der Wismutspat, der Cerussit (Bleicarbonat), der Caledonit, der Selenbleispat, das Rotbleierz (Bleichromat), Gelbbleierz (Bleimolybdat), der Mimetesit und Pyromorphit (Bleiarseniat und Bleiphosphat) u. s. w. Viele davon finden als Erze für Eisen, Blei, Zink u. s. w. Verwendung.

Chalco (spr. tschal-), Distriktshauptstadt im Staate Mexiko, 31 km im SO. der Hauptstadt Mexiko, liegt in 2290 m Höhe, am östl. Ende des seichten, von einem Schiffahrtskanal durchzogenen Sees von C., hat 4000 E., in den schwimmenden Gärten des Sees Obst- und Gemüsebau, Blumenzucht sowie Mais- und Weizenbau.

Chalcophŏra, s. Prachtkäfer.

Chaldäa, Name des 313. Planetoiden.

Chaldäa wurde im Altertum eine Landschaft Vorderasiens genannt, deren Grenzen sich schwer bestimmen lassen. Die Bibel und die griech.-röm. Schriftsteller gebrauchen den Namen gewöhnlich für das ganze südl. Mesopotamien, während er auch im engern Sinne nur für das Mündungsgebiet des Euphrat und Tigris vorkommt. C. war die Heimat der Chaldäer (s. d.), die von hier aus nach Babylonien vordrangen, sodaß später beide Namen, C. und Babylonien, unterschiedslos gebraucht wurden.

Chaldäer, assyr. Kaldi; hebr. Kasdîm; babylon. Kar-Dunjasch, Name eines Volks im Altertum, das, bald nachdem die verschiedenen alten Reiche Babyloniens unter einem Scepter vereinigt waren, von der Küste des Persischen Meers aus gegen dieses vordrang. Die C. waren wahrscheinlich Semiten. Über die erste Zeit ihres Auftretens weiß man noch nichts Genaueres. Seit der Zeit Salmanasars II. aber lassen fast alle assyr. Könige, die nach Babylonien ziehen, sich von den C. huldigen. Zur Zeit Teglatphalasars III. findet man Babylonien von C. überschwemmt, deren hauptsächlichste Staaten sind: Bît-Yâkin (das eigentliche Stammland, am Meere), Bît-^[folgende Seite]

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