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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Charbonnerie - Charente
Martin Etienne C., Sohn von Jacques C.,
geb. 17. April 1848, besuchte die Ücoi6 ä"8 01iart63
in Paris und erlangte 1869 das Diplom eines
ÄrcliiviLte-MleoßrkpbO. Inzwischen war er schon
im Geschäft seines Vaters thätig und brachte viele
Autographensammlungen zum Verkauf, unter denen
die von Alfred Vovet (1884-87) die hervorragendste.
Seine mit biogr. Notizen, Auszügen aus den Auto-
grapben, Faksimiles und (in den Prachtausgaben)
mit Heliographien versehenen Kataloge sind zum
Muster für die Autographenlataloge aller Länder
geworden. C. machte sich auch um Entlarvung von
Fälschungen verdient und wurde wiederholt als
Sachverständiger im Autographenwcsen auch ins
Ausland berufen. Er setzt ferner den "^M3.t6ur
6'aut0xi'apk68" seines Vaters fort, gründete und
redigierte die "I?6vu6 ä68 ä0cnm6iit8 InßtorihukZ"
(1874-81), schrieb mehrere polit. Schriften, gab
heraus Amyots "1)3^1mi8 6t O1o6" (Übersetzung von
Longus' "I^toi-alia", 1872), die "I^6tti-68 60
I,o!ii8 XI" (gemeinsam mit I. Vaesen, 2 Bde.,
1882-85), die Protokolle der^886mdi66 swowrale
von Paris 1790-91 (1890) und arbeitet an einem
biogr. Werk "I)6Mt68 ä6 ?ari8 1789-99".
Charbonnerie (frz., spr. schar-), s. Carbonari.
Charcot (spr. scharkoh), Jean Martin, Arzt
und Neuropatholog, geb. 29. Nov. 1825 zu Pa-
ris, studierte dort Medizin und wirkte seit 1856
als Arzt des Centralburcaus der Pariser Hospi
tälcr. 1862 wurde er Arzt an dem großen Frauen-
krankcnhause der Salpetricre, wo er seit 1866 Vor-
lesungen über chronische Krankheiten, über Krank-
heiten der Greise sowie über Nervenkrankheiten hielt.
Seit 1860 ?r0f6886ui'aFrslre, erhielt er 1872 den
Lebrstuhl der pathol. Anatomie an der Pariser
mediz. Fakultät, den er 1882 mit der eigens für ihn
errichteten neuen Professur für Klinik der Nerven-
krankheiten vertauschte. Er starb 16. Aug. 1893 in
Morvau (Depart. Niövre). C. hat fast alle Zweige
der modernen Nervenpathologie durch seine genialen,
oft bahnbrechenden Forschungen mächtig gefördert
und mit einer Fülle wertvoller Ideen und Thatfachen
bereichert, vor allem durch seine epochemachenden
Arbeiten über die Hysterie und Hystero-Epilepsie,
über die hcrdweise und disseminierte Sklerose, über
die Zitterlähmung und Rückenmarkschwindsucht,
sowie über die zuerst von ihm beschriebene 8o16ro8e
I3.t6r3.i6 a.in^otropliiHi^ (symmetrische lind amyo-
trophischc Seitenstrangsklerose). Weltbckannt sind
auch seine und seiner Schüler Untersuchungen über
die Burcqsche Mctalloskopie und Metallotherapic
sowie über den Hypnotismus. Die einst von C. ge-
leitete Abteilung ist mit allen Hilfsmitteln der mo-
derneu Untcrsuchungsmcthoden und mit großartigem
Laboratorium und Museum für die Erforschung der
Nervenkrankheiten ausgestattet. Er schrieb: "v6 1a
Z)li6uinoni6 clironihiis" (Par. 1860), "I^6^"U8 811? 168
1N3.13,<1i63 äu loi6, ^68 V0168 1)i1i3.il 68 6t d68 r61Q8",
Bd. 1 (ebd. 1877), "I^0Q8 c1iniliu63 8Ul 168 M3.i3äi68
ä68 vi6i1iHI'<i8 6t 168 1113.1^(1168 "1ir01ii^U68 " (ebd.
1868; 2. Aufl. 1874; 2. Serie, hg. von Bouchard,
1869 fg.), "1^6^0118 8UI- 168 U13.i3.ai68 äu 8V8t6M6
N6rv6iix l3,it68 3.13, 33,1p6ti-i6l6 " (3. Aufl., 3 Bde.,
ebd. 1880-84; deutfch von Fetzer, Stuttg. 1874-
78), "1^0CHii33.ti0I18 63.118 168 M3.iH(1i68 äu C61'V63,U
6t ä6 13. M06116 6piui6i'6" (Par. 1880; deutfch,
Stuttg. 1878-81), "1^690113 äu N3.räi 3.1a, 83.1pe-
triki'^" (2 Bde., Par. 1889-90), "01iiiiliu6 ä65
will 2.äi63 üu 8)'3tom6 H6lV6UX ö. 1'd08I)ic6 (16 I3.
Artikel, die man unter W vermißt, sind unter K aufzusuchen
8sl1^)6N'i6I6. 1^6tz0I18, M6m0il'68, U0t68 6t 0d861'VH>
tion8 PHI-U3 ri6nä3,nt 168 HNI16681889/90 6t 1890/91"
(hg. von Guinon und de la Tourette, ebd. 1892).
Gesammelt erscheinen seine "(Nuvr68 o0mpl6t68"
(ebd. 1886 fg.). Er veröffentlichte außerdem zahlreiche
Abhandlungen in den von ihm mitbegründcten und
mitredigierten "/Vi-e1iiv68 ci6 pd)'8ioi0Fi^ ii0i-in3.i6
6t p3t1i0l0Fi<^u6>) (feit 1868), "^I'c1iiv68 ä6 H6V1-0-
10^16" (seit 1880), "R6VU6 ä6 Hi6äeciii6" (scit 1878),
"^0UV6116 Io0ii0Zi'3.p1ii6 ä6 I3. 83.1p6triei'6" ^seit
1888) und "^I'dliv63 ä6 N16ä6cil16 6XP6iilH6Qt3,i6
6t ä'g.U3.t0Nii6 p3,t1ioi0FjqU6" (seit 1889).
Eharcutier (frz., spr. scharkütieh), der Schweine-
metzger; Charcuterie, Schweineschlächtcrei.
Chardin (spr. schardäng), Jean, franz. Reisender,
geb. 26. Nov. 1643 zu Paris, Sohn eines prot.
Goldarbeiters, ging in seinem 21. Jahre nach Ost-
indien, um dort Diamanten gegen andere Handels-
artikel auszutauschen. Von hier ging er nach
Ispahan, wo er vom Schah zum ersten Hofjuwelier
ernannt wurde. Zweimal besuchte er die Ruinen
von Pcrsepolis. Nach einem sechsjährigen Aufent-
halt in Ispahan ging er 1670 mit einer reichen
Sammlung für Erd- und Altertumskunde nach
Frankreich. Die Verfolgungen, denen er sich hier
als Protestant ausgesetzt sah, veranlaßten ihn, zum
zweitenmal nach Asien zu gehen. Mit neuen Samm-
lungen kehrte er 1681 nach Europa und zwar nach
London zurück, wurde von Karl II. zum Ritter ge-
schlagen und später als bevollmächtigter Minister
und Agent der Englisch-Ostindischen Compagnie
nach Holland geschickt. Er starb 26. Jan. 1713 in
der Nähe von London. Die beste Ausgabe seiner
wertvollen "V0)'3F63 6I1 ?61'86 6t KUX 1nä63 051611-
tai68" (Lond. 1686, mit Kupfern; deutsch, Lpz. 1687)
besorgte Langles (10 Bde., Par. 1811).
Chardin (spr.scharoäug), Jean BaptisteSimcon,
franz. Maler, geb. 2. Nov. 1699 zu Paris, gest.daselost
6. Dez. 1779. Er malte anfangs Stillleben, Blumen
und Früchte in natürlicher Auffassung und feiner
Ausführung, später einfache Sccnen aus dem bürger-
lichen Leden in schlichter Natürlichkeit und voll wab-
rer Empfindung, endlich auch Pastellbildnisse. Er
errang mit seinen Sittenbildern großen Beifall.
Die meisten seiner Bilder sind im Louvre (Die Ab-
zeichen der Künste und die der Musik, Das Tisch-
gebet, Die vorsorgliche Hausfrau, Der Stickunter-
richt), andere in Potsdam, Berlin, Pctersbura.
Ehardon (frz., spr. schardöng), Distel: Eisen-
stachcl auf Gattern, Mauern u.f7w. zur Verhütung
des Übersteigens.
Charente (spr. scharänqt), im Altertum (^ran-
t0uu3, ein fischreicher Küstensluß Westfrankreichs, ent-
springt in der 319 m hohen Vorterrasse von Limousin
im Depart. Haute-Vienne, nähert sich auf 3 km der
Vienne und mündet nach 361 1<m westl. Laufes
15 km unterhalb Rochefon, gegenüber der Insel
Olsron, in den Atlantischen ^cean. Die wichtigsten
Nebenflüsse sind rechts dic Boutonne, linkv die Tar-
doire-Bonnieure mit dem Bauoial, der Ne und die
Seugne. Flößbar wird die C. bei Civrav, schiffbar
168 km von der Mündung bei Angoulcme; See-
fchiffe gehen 30 km weit bis Tonnay-(5harcnte hin-
auf, wo eine der kühnsten Hängebrücken Frankreichs
über den Fluß führt. Die Flut steigt gewöhnlich
bis Saintes; oberhalb dieser Stadt sind 27 Schleusen
nötig, um die Schisfbarkeit zu unterhalten.
Charente (spr. scharängt), Departement im westl.
Frankreich, nach dem Flusse C. benannt, ist aus dem