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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Charette de la Contrie; Charfreitag; Charge; Charge (Handel); Chargé d'Affaires; Chargeh; Chargenabzeichen

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Charette de la Contrie – Chargenabzeichen

Charette de la Contrie (spr. scharett de la kongtrih), François Athanase, franz. Royalist, geb. zu Couffé 17. April 1763, war zu Beginn der Revolution Marineoffizier, emigrierte nach Koblenz, mußte aber großer Spielverluste wegen nach Hause zurückkehren. Nachdem er 1792 vergeblich versucht hatte, den König zu retten, lebte er auf seinem Gute Fonteclause, trat 1793 an die Spitze der royalistischen Banden Unterpoitous und machte sich zum Herrn der ganzen untern Vendée. Durch schonungsloses Vorgehen wurde er der Schrecken der Republikaner, bis er mit dem Konvent 15. Febr. 1795 Frieden schloß, für den er auch den Führer der Aufständischen in der obern Bretagne zu gewinnen versprach. Als aber General Hoche mehrere Anführer der Vendéer verhaften ließ, nahm C. den Kampf wieder auf, wurde bei St. Cyr geschlagen und mußte sich auf den Guerillakrieg beschränken. Schwer verwundet, wurde er gefangen genommen und 29. März 1796 zu Nantes erschossen. – Vgl. Le Bouvier, Vie de C. (Nantes 1823); Sylvanecte, Profils vendéens (Par. 1887).

Charfreitag, s. Karfreitag.

Charge (frz., spr. scharsch'), Last; Amt, Ehrenstelle; beim Militär jede mit Verantwortung verbundene Dienststelle genannt, sodaß alle über dem Gemeinen stehenden Grade hierzu gerechnet werden. Unterschieden wird die Offiziers- von der Unteroffizierscharge, deren jede in mehrere Unterabteilungen, z. B. Generals-, Obersten-, Lieutenants-, Feldwebel-, Sergeanten-, Gefreitencharge zerfällt. C. ist auch (veralteter) Ausdruck für

  • 1) einen Angriff einer Truppenabteilung, namentlich der Kavallerie, mit der blanken Waffe;
  • 2) für die Salve eines geschlossenen Infanterietrupps.

In diesem Sinne ist chargieren gleichbedeutend mit attackieren, Chargierschritt mit Sturmschritt. Unter chargieren wird aber andererseits auch das Laden der Feuerwaffen verstanden; Chargiert! Ist hiernach ein Kommandowort, welches das Laden und Feuern anordnet; Chargiergriffe sind die hierbei nötigen Handgriffe; Chargierlager heißt bei Lafetten schwerer Geschütze das Lager, in dem die Rohre während des Schießens ruhen, während sie auf dem Marsche sich in dem Marschlager liegend befinden. Mit Chargierung bezeichnet man einerseits die Gesamtheit aller zum Laden und Abfeuern gehörigen Verrichtungen, andererseits die Munitionsmenge, die für jeden Mann und jedes Geschütz in das Feld mitgeführt wird. Die nach den Erfahrungen festgesetzte Kriegschargierung beträgt etwa 200 Schuß pro Gewehr oder Geschütz, ist aber in den verschiedenen Armeen und je nach dem besondern Kriegszwecke sehr verschieden.

In der studentischen Sprache heißt C. Jedes Amt in einer studentischen Verbindung; Chargierter ist der Träger eines solchen Amtes. Es giebt einen ersten, zweiten und dritten Chargierten; bei den Korps heißt der erste Chargierte Senior, bei den Burschenschaften Sprecher. Die C. werden durch liegende Kreuze hinter dem Zirkel (s. d.) bezeichnet; früher bekleidete C. werden eingeklammert. So bedeutet N. N. (XXX•XX) X: N. N., gewesener dritter und zweiter, jetziger erster Chargierter; bisweilen auch umgekehrt, sodaß die erste C. mit drei Kreuzen bezeichnet wird. Chargieren nennt man die Ausübung gewisser Funktionen durch die Chargierten in Wichs bei feierlichen studentischen Veranstaltungen, wie Kommersen, Fackelzügen u. dgl. ↔

In der Kunst bedeutet C. soviel wie Übertreibung, Überladung. Daher heißen C. oder Chargierte Rollen in der Dramaturgie solche, die, ohne Hauptrollen zu sein, scharf und übertrieben charakterisiert sind und darum eine größere komische Wirkung hervorbringen, als ihnen eigentlich im Vergleich zum Ganzen zusteht. Von der Karikatur (s. d.) müssen sie von Dichter und Darsteller unterschieden werden. Diese gehört der Posse, die chargierte Rolle dem feinern Lustspiel an.

In der Metallurgie ist C. soviel wie Beschickung (s. Beschicken).

Charge (spr. scharsch') ist im Handel der franz. Name für Last. Die C. als Gewicht begriff früher in Frankreich 3 Quintaux (Centner) oder 300 Pfd. = 146,85 kg. Die C. als Hohlmaß für Getreide (noch üblich) in Marseille beim Weizen = 160, beim Hafer = 240 l. In Montpellier war die C. ein Ölmaß und hatte 149,17 l. (S. Carga und Carica.)

Chargé d'Affaires (frz., spr. scharscheh daffähr), s. Geschäftsträger.

Chargeh oder Khardgéh, vollständig Wâh-el-Chargeh, d.h. die äußere Oase, Trinyths oder Oasis major der Alten, eine der fünf ägypt. Oasen, liegt in 25½ °nördl. Br. und 30° 40' östl. L. Von Greenwich, drei bis vier Tagereisen westlich vom Nilthale bei Theben und von Girgeh entfernt. Die Südwestgrenze bildet der nub. Sandstein, welcher sich weit nach W. hin erstreckt; den Ostrand der Oase bildet der schroffe, zuweilen 300 m hohe, schluchtenreiche und zahlreiche Fossilien enthaltende Steilabfall aus Nummulitenkalk und oberer weißer Kreide. Die Oase ist etwa 150 km lang von N. nach S., im Mittel 5 km breit und liegt mit den übrigen Oasen in einer dem Nilthale und dem Roten Meere ziemlich parallelen Einsenkung, in 68 m Meereshöhe, enthält wohlerhaltene Reste von Klöstern, Brunnenschachten, Burgen und Dorfanlagen und etwa 6000 E., Anbau von Reis und Weizen, Gerste, Durra, Indigo und Ausfuhr von Datteln; hier wächst auch die Dumpalme und die Sennapflanze. Seit den Zeiten Psammetichs befand sich hier eine Kolonie von Samos, und der Bischof Nestorius wurde 435 hierher verbannt. In dem Hauptorte El-Chargeh (3787 E.) stehen Reste eines Ammonstempels aus der pers. Zeit und andere Ruinen aus der Zeit der Ptolemäer und der Cäsaren. Das Kulturland wie auch die Bevölkerung ist gegen früher erheblich zurückgegangen. – Vgl. Schweinfurth, Notizen zur Kenntnis der Oase El-Chargeh (in Petermanns «Mitteilungen», Bd. 21, 1875).

Chargenabzeichen, Abzeichen an der Uniform, die den militär. Rang ihres Trägers kennzeichnen, In der Deutschen Armee werden im wesentlichen folgende C. getragen:

  • 1) seitwärts am Kragen kleiner heraldischer Adlerknopf (Gefreiter), oder großer desgleichen (Obergefreiter, Sergeant, Feldwebel, Wachtmeister);
  • 2) am Kragen und Aufschlag Tressen (Unteroffiziere), am Aufschlag Doppeltressen (etatsmäßige Feldwebel);
  • 3) Epauletten oder Achselstücke, teilweise mit Gradsternen (Offiziere, Sanitätsoffiziere, Militärbeamte mit Offiziersrang), oder mit zwei gekreuzten Marschallstäben (Generalfeldmarschall) ; Husarenoffiziere tragen keine Epauletten, sondern nur Achselstücke;
  • 4) Schärpen (Offiziere);
  • 5) am Offizierseitengewehr das Portepée (Feldwebel, Wachtmeister) u.s.w.

In der Deutschen Marine (s. Tafel: Uniformierung der Deutschen Marine) werden ge-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 105.

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