Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

129
Chauci - Chaudordy
1475) vorliegt, ist es unvollendet. Die einzelnen
Fabeln sind mittelalterlichen lat. Sammlungen, wie
den "(^68ta. Uomanoluin" und altfranz. Volks-
büchern, auch dem Boccaccio entlebnt. Trotzdem
kennzeichnet C.s gesamtes Dichten von Anfang an
ein nationaler und volkstümlicher Zug. Daher rüh-
ren die Lebendigkeit seiner Sittenschilderungen, die
derbe Satire, der Humor, den er zuerst in der mo-
dernen Litteratur würdig zur Geltung bringt.
W.Tynne gab l532(London) die erste (Gesamtaus-
gabe der Werke C.s heraus. Nach Urry (Lond. 1721)
und Bell (14 Bde., Edinb. 1782) galt die Ausgabe
der (^nterwir)' '1Ä68 von Tyrwhitt (5 Bde., Lond.
1775-78, oft aufgelegt) als die beste bis zu NicolaH
(6 Bde., 1845; 8 Bde., 1870), Wright (3 Bde., Lond.
1847-51), Morris (6 Bde., ebd. ohne Jahr), Fur-
nivalls "8ix-t6xt-6<1ition oi' ('.8 l^uitsiliurv 1^3.168"
(1868). Skeat, der R.Vells Gesamtausgabe (4 Bde.,
Lond. 1878) einen "?rkliminar)'6883.7" beifügte,
gab C.s "Kleinere Gedichte" und die "Legende von
guten Frauen" (Orford 1888 u. 1889) heraus, erstere
auch I. Koch (Berl. 1883), der sie auch übertrug
lLpz. 1880). Vgl. M. Kaluza, 'l'1^ Ilom^ut, of tn"
Il086 lroin t1i6 uui^n" (^38A0^v ^18. ?3raU6l
>vitn it8 original 1^6 liliman <1^ ^a No8^ (Lond.
1891): ders., C. und der Rosenroman (Berl. l893).
Eine Gesamtverdeutschung lieferte A. von Düring
sVd. 1-3, Straßb. 1883-87), Übersetzungen der
"Canterbury - Geschichten" Kannegießer (Zwickau
1827), Fiedler (Bd. 1, Dessau 1844), eine vollstän-
dige Hertzberg (3 Tle., Hildburgh. 1860).
Über C.s Leben schrieben Godwin, Ili^torv ol
iii6 1it'6 3nä 356 c,f('. (2 Bde., Lond. 1803); Todd,
IlIu8ti-3ti0N8 ot' tli6 ÜV68 HN(1 ^vritinF8 ot'(^0>v6r
Niiä s^. (ebd. 1810); Nicolas, l.ile ol C>. (ebd. 1844);
Bond, ^ls>v kacts in t1^6 lil^ 0l (^. (in der "^ort-
inaktiv likvikn", 1866); Kihner, C. in seinen Be-
ziehungen zur ital. Litteratur (Bonn 1867); ten
Brink, C. Studien zur Geschichte seiner Entwicklnng
und zur Chronologie seiner Schriften (Bd. 1, Mün-
ster 1870); ders., C.s Sprache und Verskunst (Lpz.
1884). Vgl. auch desselben Geschichte der engl. Litte-
ratur, Bd. 2 (Berl. 1889); ferner: Mamroth, G. C.,
seine Zeit und seine Abhängigkeit von Boccaccio
(ebd. 1872); Ward, G. C. (Lond. 1879); auch Hcrtz-
bergs Einleitung zu seiner Übersetzung und Pauli,
Bilder aus Altengland; Lounsbury, 8wäi68 in d,
In3 1ii6 3nä ^ritiri53 (3 Bde., ebd. 1891); Baller-
stedt, über. C.s Naturschilderungen (Gott. 1892).
Seit 1867 besteht eine"(). Kociot^" zu London.
VK2.U01, lat. Name der Chauken (s. d.).
Ehaudeau (frz., spr. schodob), Echaumsauce aus
Wein, Zucker, Citronensaft und Eidotter.
Chaudesaigues (spr. schodsähg'; ('ai6nt68
^.<iu36 der Römer), Hauptort des Kantons C. (303,2?.
qkm, 12 Gemeinden, 6493 E.) im Arrondissement
St. Flour des franz. Depart. Cantal (Auvergne), am
Fuße des Aubracgebirges, in 650 in Höhe, in der
tiefen Thalschlucht eines Zuflusses der Truyere, hat
(1891) 1070, als Gemeinde 1674 E., Post, Tele-
graph; Wollspinnerei, einen künstlichen Brutofen
und Thermalquellen (57 - 81" (^.); diefe enthalten
koblenfaures Natron, Jod und Brom, werden zum
Trinken, Baden und Douchen gebraucht, bauptsäch-
lich gegen rheumatische Leiden (jährlich etwa 1000
Badegäste), von den Einwohnern in der Hauswirt-
schaft zum Heizen und Kochen. In der Nähe die
kalte Eisenquelle Condamine und zwei eisenhaltige
Natronsäuerlinge.
Brockhau^' Konversations^Lexilun. 14. Aufl.. IV.
Ehaudet (spr. schodeh), Antoine Denis, franz.
Bildhauer, geb. 31. März 1763 zu Paris, war ein
Schüler von Stouf und trug bereits m seinem
21. Jahre den akademischen Nompreis davon. In
Rom studierte er vorzugsweise die Werke des klassi-
schen Altertums. 1789 kehrte er nach Paris zurück,
wurde Mitglied, später Professor der Kunstakademie
nnd besonderer Günstling Napoleons I. Er starb
19. Avril 1810 in Paris.' C. ist auf dem Gebiete
der Bildhauerkunst der hervorragendste Vertreter des
Klassicismus unter dein ersten Kaiserreich. Er schuf
u. a. da^ Standbild Napoleons 1. für den Saal des
Gesetzgebenden Körpers, das Standbild des Frie-
dens für den Palast der Tuilerien, den Cincinnatus
für den Saal des Senats, Amor mit dem Schmetter-
ling und den Hirten mit dem kleinen Odipus (die
letzten beiden im Louvre).
Chaudfontaine (spr. schofongtähn), Dorf in
der belg. Provinz Lüttich, in romantischer Lage an
der Vesdre, an der Linie Vrüssel-Herbesthal der
Belg. Staatsbahnen, hat Post, Telegraph, (1890)
1688 E., eine Quelle (32" 0.) und ist ein besonders
von Lüttich aus viel besuchter Badeort. In der
Nabe die Wallfahrtskirche Chevremont.
Ehaudicre (spr. schodiähr), Fluß in der canad.
Provinz Quebec, fließt aus dem Meganticsee nach
NNW. durch goldführendes Gebiet und mündet, den
30in hohen Chaudierefall bildend, 200kin lang,
etwa 12 km oberhalb Quebec in den Lorenzstrom.
Chaudordy (spr. schodordih), Emile, Graf von,
franz. Staatsmann, geb. um 1825, trat 1850 in den
diplomat. Dienst, wurde Attache der franz. Gesandt-
schaft in Rom, später anderer Gesandtschaften und
unter dem Minister Trouyn de l'Huys 1868 Direktor
im Ministerium des Auswärtigen, in welcher Stel-
luug er sich bis zum Sturz des Kaiserreichs erhielt.
Als nach dem 4. Sept. 1870 Favre die Leitung des
Auswärtigen übernahm, wurde C., der schnell die
polit. ^arbe gewechselt hatte, in seinem Posten be-
stätigt. Er siedelte Mitte Sept. 1870 mit der Dele-
gation der neuen Negierung nach Tours, im Jan.
1871 nach Bordeaux über, und zwar als Stellver-
treter Favres in der Verwaltung der auswärtigen
Angelegenheiten. Als solcher bestritt er durch seine
beiden Rundschreiben vom 10. Okt. 1870 an die
europ. Kabinette Bismarck gegenüber das Recht
Deutschlands, durch Annektiernng von franz., ehe-
mals deutschen Gebietsteilen seine Grenzen gegen
Frankreich zu schützen. Zwei weitere Rundschreiben
vom Nov. 1870 und Jan. 1871 beschuldigten die
Deutschen barbarischer Kriegführung und fuchten
Bismaräs Anklagen gegen die franz. Gesetzwidrig-
keiten und Brutalitäten zu entkräften. C.s Haupt-
streben, England zu einer diplomat. Intervention
zu bewegen, blieb obne Erfolg. Unter dem Mini-
sterium Broglie wurde C. 5. Dez. 1873 Gesandter
für die Schweiz und 3. Qkt. 1874 Botschafter in
Madrid. Unter dem Ministerium Dufaure 1876-77
außerordentlicher Bevollmächtigter zur Konferenz
von Konstantinopel (s. Osmanisches Reich), machte
er durch feindselige Kundgebungen gegen Deutsch-
land von sich reden. Ende 1878 wurde er von
Madrid abberufen. Als Gambetta 14. Nov. 1881
das Ministerpräsidium übernahm, ernanute er C.
zum Botschafter in Petersburg. Bevor dieser aber
seinen Posten antrat, wurde Gambetta (26. Jan.
1882) gestürzt. Das nachfolgende Ministerium
Frevcinet bestätigte die Ernennung C.s nicht. Er
schrieb: "1^ f>a,nc6 6n 1889" (Paris).
8