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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chigi; Chignecto-Schiffs-Eisenbahn; Chignon; Chihuáhua; Chilat; Child

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Chigi - Child (Francis James)

Ziffern und Buchstaben nebst verrückbarem Zeiger versehenen runden Platte. – Vgl. Walter, Chiffrier- und Telegraphiersystem (Winterthur 1877); Fleißner, Handbuch der Kryptographik (Wien 1881).

Chigi (spr. kihdschi), röm. Fürstengeschlecht, aus Siena stammend. Hervorzuheben sind:

Agostino C., gest. 1512, Bankier Julius' Ⅱ. und Kunstmäcen, der von Peruzzi die herrliche Farnesina erbauen und durch Raffael (Galatea, Vermählung der Psyche) ausmalen ließ; außer andern Künstlern beschützte er auch seinen Landsmann Sodoma. Vgl. Cugnoni, C. il magnifico (Rom 1881). – Fabio C. bestieg 1655 als Alexander Ⅶ. (s. d.) den päpstl. Stuhl. Vgl. Reumont, Fabio Chigi - Alexander Ⅶ. (Aachen 1885). – Don Flavio, Fürst C., geb. 1810, war bis 1848 Offizier in der päpstl. Nobelgarde, trat dann in den geistlichen Stand, wurde Erzbischof von Mira in partibus, 1873 Kardinal und starb 15. Febr. 1885 in Rom. – Sein Neffe Don Mario Fürst Chigi-Albani, geb. 1. Nov. 1832, Marschall der röm. Kirche und Hüter des Konklave, ist jetzt Haupt der Familie.

Die C. erwarben das Fürstentum Campagnano in der röm. Campagna und das Herzogtum Ariccia; ihr Palast am Corso und an der Piazza Colonna gehört zu den ansehnlichsten der Stadt. In Sta. Maria della Pace und Sta. Maria del Popolo besitzen sie schöne Kapellen, jene durch Raffaels Wandgemälde der Sibyllen, diese durch die nach desselben Künstlers Zeichnungen ausgeführten Musive der Kuppel bemerkenswert. Neuerdings haben die C. durch Erbschaft den Namen der Albani dem ihrigen beigefügt.

Chignecto-Schiffs-Eisenbahn, s. Schiffseisenbahnen.

Chignon (frz., spr. schinnjóng), eigentlich Genick, Nacken, dann das in einen beutelähnlichen Wulst zusammengeschlungene und auf dem Scheitel durch einen Kamm befestigte Haar des Hinterkopfes. Diese Haartracht erschien in neuerer Zeit zuerst am Hofe Heinrichs Ⅲ. von Frankreich bei den Damen und wurde bei der gepuderten Frisur im 18. Jahrh. fast allgemein angewendet; in den sechziger Jahren des 19. Jahrh. kam sie wiederum von Paris aus eine Zeit lang allgemein in die Mode.

Chihuáhua (spr. tschi-), d. h. Wasserlauf. 1) Staat im NO. der Republik Mexiko, grenzt im N. und NO. an die Unionsstaaten Neumexiko und Texas, im O. und SO. an Coahuila, im S. an Durango, im W. an Sinaloa und Sonora und hat 228946 qkm und (1892) 298073 E., d. i. 1 auf 1 qkm. Der östl. Teil, die nördl. Fortsetzung der mexik. Hochebene, ist gegen 1400 m hoch und besteht aus welligen Flächen, die mit Strauchwerk und Gras bedeckt, selten von Ketten bis 450 m überhöht, vielfach von Cañons durchfurcht sind. Die merkwürdige Längsdepression, das Bolson de Mapimi, trennt C. von Coahuila (s. d.); in diesen Einöden halten sich hauptsächlich die räuberischen Apachen auf. Nach W. hin entwickelt sich eine gutbewaldete Mittelgebirgslandschaft, die Vorstufe zu dem eigentlichen Gebirgsland von C., der sog. Sierra Madre oder dem hier Sierra Tarahumare genannten 2500 m hohen westl. Gebirgszug des mexik. Hochlandes. C. ist reich an Flüssen, welche teils, wie der Rio Fuerte, Mayo und Yaqui, westwärts in den Kalifornischen Golf abfließen, teils sich gegen NO. und O. wenden und hier, außer dem 560 km langen Rio Conchos, der den Rio Grande erreicht, sich in Steppenseen verlieren. Die Wasserscheide liegt nicht auf der Sierra Tarahumare, sondern vielfach östlich derselben auf dem Hochland, z. B. am Cerro Bufa (2380 m) westlich von C. In dem Gebirge kommen starke Gegensätze von Sommerhitze und Winterkälte vor. Sonst ist das Klima im allgemeinen mild und gesund, auf den Hochebenen durch Beständigkeit und Trockenheit ausgezeichnet, die nur durch die Regenzeit im Juli und August unterbrochen wird. Man baut Mais, Weizen, Hülsenfrüchte sowie alle Arten Garten- und Baumfrüchte der gemäßigten Zone. Auch der Anbau der Baumwolle ist im Süden mit Erfolg versucht, und bei El Paso am Rio Grande, der nördlichsten größern Stadt von Mexiko, in 1140 m Höhe, giebt es Weingärten, die den vorzüglichen Pasowein liefern. Der Viehstand ist sehr bedeutend, obgleich er unter den Räubereien der Indianer zu leiden hat. Sehr reich ist C. an Gold, Silber, Eisen und Zinn. Der Bergbau insbesondere auf Silber ist der Hauptzweig der Industrie. Von den ehemals vorhandenen 80, meist am Ostfuß der Sierra Madre gelegenen Gruben sind jedoch jetzt die meisten verlassen, und nur die von Batopillillos, Jesus Maria, El Parral und Sta. Eulalia sind noch bedeutend, nachdem jede bereits Millionen von Dollars in Gold und Silber geliefert hat. Von den Einwohnern C.s sind nur ein kleiner Teil Weiße; die Mehrzahl besteht aus seßhaften Indianern und Mestizen, der Rest aus noch uncivilisierten Indianern. Die civilisierten Indianer C.s, die friedlichen Tarahumare oder Tarumare, bewohnen einen Teil des Berglandes im W. der Hauptstadt, namentlich das Hochthal des Rio Papigochie. Die uncivilisierten Indianer (besonders die Apachen und Comanchen) sind vorzügliche Reiter, schwärmen größtenteils rastlos umher und leben von Jagd und Plünderung der Ansiedelungen. C. ist jetzt durch eine Bahn aufgeschlossen, welche das Gebiet von S. nach N. durchzieht und in El Paso del Norte an die Vereinigten Staaten-Bahnen anschließt. Wichtige Städte sind, außer der Hauptstadt El Paso del Norte (s. Paso), Chivalito, Sta. Rosalia, Jimenez, Concepcion (s. d.) und Cosihuiriachic. – 2) Hauptstadt am Flüßchen C., in 1402 m Höhe, wurde 1691 gegründet und soll im 18. Jahrh., wo sie die Residenz des Generalkapitäns der Provincias internas war und der Bergbau von Sta. Eulalia noch in Blüte stand, 70000 E. gehabt haben, während sie jetzt (1893) nur 25000 zählt. Sie ist eine Gartenstadt, eine Oase in der Wüste, mit Rosen und Orangenwäldern, regelmäßig gebaut, hat breite, reinliche Straßen, gute, geräumige Wohnhäuser, eine Münze, einen schönen öffentlichen Platz nebst Fontäne, einen Aquädukt, sieben Kirchen und Klöster, ein ehemaliges Jesuitenkollegium mit der unvollendet gebliebenen Kirche San Felipe, vor der ein einfaches Monument zum Andenken der hier von den Spaniern erschossenen ersten Insurgentenchefs Hidalgo, Allende und Ilmenez steht. Die imposante, im Innern reich ausgeschmückte Pfarrkirche, 1717‒89 erbaut, gehört zu den schönsten Kirchen Mexikos. C. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Chilat (Chil'at), türk. Ehrenkleid, s. Chyl'at.

Child (spr. tscheild), Francis James, amerik. Philolog und Literarhistoriker, geb. 1. Febr. 1825 zu Boston (Massachusetts), studierte am Harvard College, wo er 1851 zum Professor der Rhetorik, 1876 zum Professor der engl. Litteratur ernannt wurde. Er ist die größte Autorität auf dem Gebiete des engl. Volksliedes und auch als Chaucer-Forscher bahnbrechend. Er veröffentlichte: «Collec-^[folgende Seite]