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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chilecito - Chiliasmus
paraiso gelandet wurde. Am 21. Aug. fand der Übergang über den Aconcaguafluß und die Schlacht bei Concon statt, die mit einem glänzenden Sieg der Kongressisten endete. Ein Gefecht bei Viña del Mar TTTTT. Aug., an dem auch die Kongreßflotte teilnahm, hatte nur den Zweck, eine taktische Schwenkung zu verdecken, wodurch den Balmacedisten die Verbindung mit Santiago abgeschnitten wurde. Die Hauptschlacht wurde 28. Aug. bei La Placilla südöstlich von Valparaiso geliefert und endete mit einer völligen Niederlage der Regierungstruppen. An demselben Tage besetzte General Canto, der Führer der Kongreßarmee, Valparaiso, Balmaceda entfloh nach Santiago, wo er sich einige Tage in der argentin. Gesandtschaft verborgen hielt und dann 19. Sept. selbst den Tod gab. Schon vorher war Santiago durch General Baquedano an die Kongreßpartei übergeben worden, und damit der Sieg der Revolution vollendet. Einige Pöbelunruhen und Soldatenaufstände, die in Valparaiso, Santiago und Concepcion stattfanden, wurden unterdrückt, und Jorje Montt, der Vorsitzende der von der Kongreßpartei gebildeten Junta und oberste Leiter der siegreichen Erhebung, übernahm zunächst die Regierung provisorisch, bis er 18. Nov. zum Präsidenten gewählt wurde. Die Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften hatten bereits 18. Okt. stattgefunden und ein günstiges Resultat ergeben. Kaum war der Bürgerkrieg beendet, als sich eine neue Gefahr für C. in einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten erhob. Mehrere Matrosen des amerik. Kreuzers Baltimore waren in Valparaiso mit Chilenen in Streit geraten, wobei einer getötet wurde. Darüber kam es zu langen diplomat. Verhandlungen, da sich C. auch durch die Parteinahme des amerik. Gesandten Egan für Balmaceda beschwert fühlte. Als aber die Regierung der Vereinigten Staaten eine drohende Haltung annahm, legte Montt den Konflikt dadurch bei, daß er sein Bedauern über die Vorkommnisse in Valparaiso aussprach.
Litteratur. Molina, Geschichte der Eroberung von C. (Lpz. 1791); ders., Geographical, natural and civil history of C. (2 Bde., Lond. 1817); Arana, Historia jeneral de la indepencia de C. (4 Bde., Santiago 1855-63); Gay, Historia fisica y politica de C. (23 Bde., Par. 1844-54; nebst Atlas, 315 Blatt, ebd. 1854); Coleccion de historiadores de C. y documentos relativos á la historia nacional (6 Bde., Santiago 1861-65). Gute Beiträge zur Kenntnis C.s enthalten die Anales (seit 1843) der Universität zu Santiago. Ferner: Diego de Rosales, Historia general de el reyno de C., (3 Bde., Valparaiso 1877-78); A. G. Browne im "Bulletin of the American Geographical Society", Nr. 1 (Neuyork 1884); C. R. Markham, The Wr between Peru and Chile (Lond. 1882); Güßfeldt, Reise in den Andes von C. und Argentinien (Berl. 1887); Barros Arana, Historia general de C. (11 Bde., Madr. 1885-91); Echevarria y Reyes, Geografia politica de C. (2 Bde., Santiago 1889); Gomez Vidaurre, Historia gegrafica, natural y civil del reino de C. (2 Bde., ebd. 1889); Espinosa, Geografia descriptiva de la republica de C. (Madr. 1890); Kunz, C. und die deutschen Kolonien (Lpz. 1891); Child, The Spanish American republics (Neuyork 1891); Opitz und Polakowsky, Mapa de la Republica de C.; 1:2500000 (Lpz. 1891); Harvey, Dark days in C. (Lond. 1891); Kunz, Der Bürgerkrieg in C. (Lpz. 1892).
Chilecito (spr. tschileßihto), Ort in Argentinien, s. Famatina.
Chiler-Baschi, türk. Titel, s. Kilar.
Chilesalpeter, Perusalpeter, Natronsalpeter oder kubischer Salpeter, natürliches salpetersaures Natrium (Natriumnitrat). In den dem Stillen Meere zugekehrten Küstenstrichen Südamerikas, in reichlichster Menge zwischen 19 und 24° südl. Br. in Chile, an der Grenze von Peru, in der Provinz Tarapaca und der Wüste Atacama finden sich in einer Längenausdehnung von 120 Meilen Ablagerungen von Salpetererde in einer sonst unfruchtbaren Ebene 2-3 m unter der Erdoberfläche. Die obere Schicht dieses Terrains (Chuco) besteht aus gipshaltigemSand. Darunter liegt eine Schicht (Costra) von einem Konglomerat von Thon, Kies, Feldspat und Porphyr, verkittet durch Kalium-, Natrium-, Calcium- und Magnesiumsulfat, die auf der untern Lage eine geleeartige Masse (Congelo) bilden. Darunter befindet sich der Rohsalpeter (Caliche), der über einem mit flimmernden Anhydritkrystallen durchsetzten Thon lagert. Die Salpetererde enthält 30-80 Proz. Natriumnitrat und 10-20 Proz. Kochsalz neben verschiedenen andern Salzen. Der durch Auflösen und Umkrystallisieren gereinigte C. kommt mit einem Gehalt von 94 bis 98 Proz. Natriumnitrat zur Verschiffung. In feuchter Lage zieht der C. Wasser an, weshalb derselbe zur Schießpulverfabrikation nicht angewendet werden kann. Dagegen ist er ein wertvolles Material zur Bereitung der Salpetersäure und des gewöhnlichen (Kali-)Salpeters (Konversionssalpeter); in den Schwefelsäurefabriken dient er, um die zur Oxydation der schwefligen Säure nötigen Salpetergase zu liefern; die bedeutendste Verwendung findet er aber in der Landwirtschaft als Düngemittel. Die Gesamtverschiffung von allen Häfen der Westküste Südamerikas betrug 1830: 8500 t, 18561 23000 t, 1870: 132000 t, 1889: 950000 t, 1891: 675000 t. Hiervon geht etwa die Hälfte nach Hamburg. Der Preis schwankt (1892) zwischen 16-18 M. für 100 kg.
Chili, s. Chile.
Chiliāde oder Chilĭas (grch.), eine Zahl oder Reihe von Tausend (z. B. Jahren, ein Jahrtausend).
Chiliárch (grch.), Befehlshaber über 1000 Mann, Oberst.
Chilĭas, s. Chiliade.
Chiliásmus (grch., von chílioi, "tausend"), der Glaube an ein 1000 Jahre dauerndes Reich der Frommen auf Erden, das Christus nach seiner sichtbaren Wiederkunft stiften werde. Die Wurzel dieses Glaubens ist die jüd. Hoffnung auf den Messias (s. d.). Diese ging auf die ältern Christen über, die sich das Reich des vom Himmel her wiederkehrenden Christus, trotz seines sittlich-religiösen Gehalts, als ein irdisches Reich, in mehr oder minder sinnlichen Formen dachten. Dies Messiasreich ward täglich und stündlich erwartet, die Apostel hofften die Wiederkunft Christi noch zu erleben. Paulus unterschied die vollendete Gottesherrschaft von einer vorangehenden Herrschaft des wiedergekehrten Christus, die der Überwindung aller Feinde Gottes gewidmet sein sollte (1 Kor. 15, 22-23). Die Offenbarung des Johannes bestimmte diese Zwischenperiode auf 1000 Jahre und schilderte sie als eine Zeit irdischer Glückseligkeit der bei Christi Wiederkunft teils lebenden, teils von den Toten erweckten Gläubigen (Kap. 20, 2 fg.). Der Wiederkunft Christi geht eine Zeit der Drangsal und die Erscheinung des Antichrists (s. d.) vorher, dann aber wird der Messias
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