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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chilisalpeter - Chillon
erscheinen, den Satan auf 1000 Jahre fesseln, das
rörn. Heidenreich stürzen und die Weltherrschaft der
Gläubigen beginnen. Nach Ablauf dieser 1000 Iabre
sollte Satan auf kurze Zeit loskommen, aber bald
besiegt werden und nach der zweiten Auferstehung
und dem Endgericht die ewige Seligkeit der Frommen
in dem auf die Erde herabgestiegenen himmlischen
Jerusalem anheben. Der C. war in den beiden ersten
Jahrhunderten der christl. Kirche, namentlich in
iudenchristl. Kreisen, allgemeiner Glaube, selbst
sinnliche Hoffnungen der krassesten Art fehlten nicht.
Ein Kirchenlehrer des 2. Jahrh, versichert, es aus
des Johannes eigenem Munde gehört zu baben,
daß im Messiasreiche ungeheuere Kornähren und
Weinstöcke wachsen und den Frommen ihre Früchte
ohne Mühe zum Genusse entgegenbringen würden.
Als gegen Mitte des 2. Jahrh, diese Hoffnungen
weiter in die Ferne zurücktraten, kündigten neue
Propheten das Tausendjährige Neich in unmittel-
barer Nähe an (so die angeblichen Prophetenbücher
des Hermas und des Elrai, die Weissagungen des
Montanus, s. Montanisten). Als auch diese Er-
wartung getäuscht ward, schob man die Zeit immer
weiter hinaus.
Doch fehlte es schon feit der Mitte des 2. Jahrh,
nicht an einer geistigern Auffassung der künftigen
Dinge. Während die "rechtgläubigen" Kirchenlebrer
des 2. Jahrh., Papias, Justin, Irenäus, Hippolvt,
Tertullian Chiliasten waren, traten ihnen zuerst die
Gnostiker (s. Gnosis) mit ihrer Lebre von einer nur
geistigen Fortdauer, dann namentlich Origenes ent-
gegen. Seit dem 4. Jahrh, wurde bei den Orien-
lalen die von ihm angebahnte geistige Auslegung
der Offenbarung des Johannes ziemlich allgemein.
Im Abendlande teilten noch Commodiau (um 250)
und Lactantius (um 320) die sinnliche Hoffnung der
alten Kirche. Erst seit das Christentum Staats-
religion geworden war, brauchte man das "Reich
Gottes auf Erden" nicht mebr in der Zukunft zu
suchen. Dennoch tauchte die chiliastifche Hoffnung
in Zeiten großer äußerer Bedrängnis von Zeit zu
Zeit wieder auf, wie ums I. 1000 n. Chr., wo
man dem Jüngsten Tage entgegensah', danach riefen
die Kreuzzüge, die Kämpfe der Hierarchie mit dem
Kaisertum, derSittenverfalldesKlerus,derSchwarze
Tod u. s. w. Ähnliche Erwartungen bervor. Gegen
Ende des 12. Jahrh, verkündigte Joachim von Floris
(gest. um 1202) ein "Ewiges Evangelium" (s. d.),
und bei verschiedenen, von der Kirche verfolgten Par-
teien regte fich die Hoffnung auf ein nabe bevor-
stehendes Zeitalter des Geistes. In der Neforma-
tionszeit ward der C., als die Wiedertäufer das
Neich Christi in irdischer Herrlichkeit aufrichten woll-
ten, von der Augsburgischen wie von der Helveti-
schen Konfession verworfen, weil das 1000jäbrige
Neich nichtin der Zukunft, sondern in der Vergangen-
beit liege. Dafür fand der C. um so eifrigere Pflege
bei theosophischen Schwärmern des 17. Jabrb.
Während der Religionskriege in Frankreich und
Deutschland, der Nevolutiousstürme in England
suchten die Verfolgten Trost in chiliastischeu Träumen.
Die Böhmischen und Mährischen Brüder, die Cami-
sarden in den Cevennen und kleinere mystische und
theosophische Parteien beschäftigten sich viel mit dem
C., und in England suchten gelehrte Naturforscher,
wie Tbomas Burnet und William Whiston, ibn
geologisch zu rechtfertigen. Die bis in die Mitte des
18. Jahrh, sehr beliebten Grübeleien über die pro-
phetischen Bücher der Bibel, besonders über die Apo-
kalypse, unterhielten namentlich in pietistischen Krei-
sen den Geschmack an chiliastischen Vorstellungen.
Aber erst mit Joh. Albr. Bengel (s. d.) eroberte sich
der C. gewissermassen Bürgerrecht in der luth. Kirche.
Bengel berechnete die Zeit, in der das Neich Christi
anbrechen werde, auf das I. 1830. Ahnlicke Weis-
fagungen machten Lavater und Jung - Stilling,
Oetinger (s. d.) ersann eine eigene Theorie von der
"Leiblichkeit" als dem "Ende der Wege Gottes".
Später baben Hofmann, Delitzsch und Kurtz unter
den Lutberanern, Joh. Peter Lange, Ebrard, Auber-
len u. a. unter den Neformierten, Nöthe im Zu-
sammenhange mit andern theosophischen Ideen einen
zum Teil bis ins einzelne ausgemalten C. vertreten.
Die Mormonen endlich legten als die "Heiligen der
letzten Tage" den Grund zu dem neuen Zion, von
wo die Wiederverklärung der Natur zur verlorenen
Paradiesesunschuld erfolgen foll. ((H. auch Anti-
christ und Apokalyptiker.) - Vgl. Corrodi, Kritische
Gefchichte des C. (2. Aufl., 4 Bde., Zür. 1794);
I. von Döllinger, kleinere Schriften: Der Weis-
sagungsglaube und das Prophetentum in der
christl Zeit (Stuttg. 1890).
Ehilifalpeter, soviel wie Chilesalpeter <s. o.).
Ehilka, See in Ostindien, s. Tschilka.
Ehillan (spr. tschilljan), Hauptstadt der chilen.
Provinz Nuble, in 214 m Höhe, an der von Santiago
nack Concepcion führenden Eisenbahn, ist regel-
mäßig gebaut, hat (1885) 20755 E., eine Kirche der
Franziskaner-Missionäre und ein von deutschen Leh-
rern geleitetes Schullehrerseminar. Im SO. (75 km)
in den waldigen Andes und in 1864 in Höhe die
Schwefelbäder (35 -60° 0.) Banos de C. mit
guten Badeeinrichtungen. Im O. der, 1861 thätige,
Vulkan Nevado deC. (2879 m). - C. wurde 1835,
als die 1579 gegründete alte Stadt durch Erdbeben
zerstört war, an seiner jetzigen Stelle gegründet.
Chillicothe (spr. tschillikohth). 1) Hauptstadt
des County Livingston in Missouri, nordöstlich von
Kansas City, unweit des Grand-Niver, ist Eisen-
bahnknotenpunkt, hat (1890) 5717 E., Holzindustrie
und Kohlengruben. - 2) C., Hauptstadt des County
Noß in Ohio, 154 Km ostnordöstlich von Cincinnati,
auf dem rechten Ufer des Scibio am Ohio-Eriekanal
und an mehrern Eisenbahnen, in einer wohl an-
gebauten Gegend, hat (1890) 11288 E., 3 National-
banken und 1 Sparbauk. C. wurde 1796 gegründet.
Chillon (spr. schijöng), Schloß im schweiz. Kanton
Waadt, zwischen Villeneuve und Montreux, am östl.
Ende des Genfcrfees, in 375 in Höhe, ist auf einem
bis zur Oberfläche des hier an 80 in tiefen Sees
emporragenden Felsen erbaut und mit dem 20 in
entfernten Ufer durch eine Brücke über den jetzt
trocknen Graben verbunden. Es besteht gegen-
wärtig aus medrern unregelmäßigen Gebäuden mit
einem viereckigen Turme in der Mitte und ist durch
seine gewaltigen weißen Mauern weithin bemerkbar.
Die Säle mit ihren alten Holzdecken und die in den
Felsen unter dem Spiegel des Sees eingebauenen
Gewölbe mit ihren Pfeilern und Bogen sind in-
teressant - an den Pfeilern sieht man viele Namen,
darunter Byron, Eugene Sue, George Sand, Victor
Hugo u. a. Die Zelt der Gründung des Schlosses,
das urkundlich bereits 830 erwähnt wird, wo Ludwig
der Fromme den Abt Wala von Corvey jedenfalls
dort einfperren ließ, kennt man nicht genau. Peter
von Savoyen, genannt 16 pEtit (^lai-iein^ne, machte
es 1248 zur Feste. Am 29. März 1536 wurde es
schon nacb zweitägiger Belagerung durch die Berner
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.