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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chlornickel; Chloroform; Chloroformieren; Chlorom; Chlorometrie; Chlorophan; Chlorophyceen

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Chlornickel - Chlorophyceen

riger Lösung in den Salzquellen oder Salzsolen und im Meerwasser vor. (Über seine technische Gewinnung s. Salz.) Es krystallisiert in Würfeln, selten in Oktaedern, bei gewöhnlicher Temperatur ohne Krystallwasser, schließt aber dabei etwas wässerige Mutterlauge in Spalten und Hohlräumen ein, sodaß es beim Erhitzen verknistert. Sein spec. Gewicht ist 2,15 bis 2,16. In Wasser löst es sich in der Kälte und Wärme nahezu gleich leicht, denn 100 Teile Wasser nehmen bei 0° 35,15 Teile, bei 100° 39,92 Teile auf. Bei beginnender Rotglut schmilzt das C. und verdampft bei stärkerer Hitze ohne Zersetzung.

Chlornickel, s. Nickelchlorür.

Chloroform, Trichlormethan, eine organische Verbindung von der Zusammensetzung CHCl3. Es entsteht bei der Einwirkung von Cblorkalk auf verschiedene Kohlenstoffverbindungen, wie Methyl- oder Äthylalkohol, Aceton, Essigsäure, ferner bildet es sich neben ameisensaurem Natrium aus Chloral durch Einwirkung von wässeriger Natronlauge:

CCl3.CHO + NaOH = CHCl3 + CHO2Na,

Chloral

wobei das C. am reinsten erhalten wird. Im Großen stellt man es dar, indem man ein Gemenge von Alkohol, Chlorkalk und Wasser aus eisernen Retorten destilliert. Das überdestillierte C. wird durch Schütteln mit konzentrierter Schwefelsäure und Destillation gereinigt. Reines C. darf durch konzentrierte Schwefelsäure nicht gefärbt werden. Es ist eine wasserhelle, schwere Flüssigkeit von süßlichem ätherischem Geruch und Geschmack, siedet bei 61°, löst sich kaum in Wasser, leicht in Alkohol und Äther und vermag nicht zu brennen. Unter dem Einfluß des Lichtes und bei Gegenwart von Feuchtigkeit zersetzt es sich langsam unter Freiwerden von Salzsäure, es ist daher in trocknen Gefäßen und im Dunkeln aufzubewahren. Schon bei gewöhnlicher Temperatur verdampft das C. reichlich; die Dämpfe verursachen beim Einatmen Bewußtlosigkeit und wirken anästhesierend. Schmerzhafte Operationen werden deshalb meist in Chloroformnarkose ausgeführt. (S. Anästhesieren.) Zu diesem Zwecke muß man ganz reines C. anwenden. Außerdem benutzt man C. als Lösungsmittel für Harze, Kampfer, Kautschuk, Alkaloide, Jod u. s. w. Das Kilogramm kostet je nach Darstellung und Reinheit 2½ bis 12½ M. - Vgl. Koch, Über das C. und seine Anwendung in der Chirurgie (Lpz. 1874).

Chloroformieren, durch Einatmen von Chloroform (s. d.) betäuben (s. Anästhesieren).

Chlorom, eigentümliche bösartige hellgrüne, grasgrüne oder braungrüne Geschwulst, mit Metastasen (Tochterknoten) in innern Organen, zu den Sarkomen (s. d.) gehörig.

Chlorometrie oder Chlorimetrie, eine chem.-analytische Operation zur Ermittelung des Gehalts an wirksamem Chlor im Bleichkalk (s. Chlorkalk). Von den verschiedenen zu diesem Zwecke angegebenen Methoden ist die von Penot-Mohr am meisten zu empfehlen, da sie leicht ausführbar ist und sichere Resultate liefert. Sie gehört zu den jodometrischen Titriermethoden (s. Analyse, chemische) und beruht darauf, daß arsenige Säure in alkalischer Lösung von dem wirksamen Chlor des Bleichkalks in Arsensäure verwandelt wird. Eine bestimmte, mehr als ausreichende Menge einer titrierten Arsenigsäurelösung wird mit wässeriger Lösung einer abgewogenen Menge Chlorlalk versetzt und nachher der Überschuß unveränderter Arsenigsäure durch Titrieren mit Zehntelnormal-Jodlösung bestimmt. Durch Subtraktion des so gefundenen Überschusses von der angewendeten Menge Arsenigsäure erfährt man die Menge der letztern, die durch das wirksame Chlor in Arsensäure verwandelt wurde, und kann aus ihr die Chlormenge berechnen.

Chlorophan oder Pyrosmaragd, Varietäten des Flußspats, die beim Erwärmen Phosphoreszenz zeigen; dazu gehören namentlich gewisse grüngefärbte Vorkommnisse, auch der rötlichviolette Flußspat von Nertschinsk, der beim Erwärmen im Dunkeln mit schönem, grünem Licht phosphoresziert.

Chlorophyceen, Chlorosporeen oder Chlorospermeen, eine Gruppe der Algen (s. d.), deren einziges gemeinsames Merkmal darin besteht, daß in sämtlichen Arten eine reine Chlorophyllfärbung vorhanden und dieser Farbstoff meist nicht durch einen andern verdeckt ist. Die C. leben sowohl im Meere wie im Süßwasser. In der äußern Form wie in den Fortpflanzungserscheinungen zeigen sie die größten Verschiedenheiten. Man hat sie deshalb wieder in drei Abteilungen eingeteilt: Konjugaten, Zoosporeen und Characeen. Die Konjugaten sind entweder einzeln lebende Zellen oder Zellfäden, sie vermehren sich auf vegetativem Wege durch Teilung, außerdem durch sog. Kopulation oder Konjugation der Inhalte zweier Zellen, aus denen dann eine sog. Zygote oder Zygospore hervorgeht. Es gehören hierher Algen, bei denen das Chlorophyll gewöhnlich nicht in der Form von Körnern vorkommt, sondern an schraubenlinige, sternförmige oder anders gestaltete Plasmaplatten gebunden ist, so Cosmarium botyris Menegh. (s. Tafel: Algen II, Fig. 13: das eine Individuum in Teilung begriffen) und die Schraubenalge, Spirogyra longata Ktz. (Fig. 12: a steriler Faden, b zwei Fäden in Konjugation). Die Zoosporeen sind teils einzellige, teils fadenförmige oder polsterartig entwickelte Algen, die durch Schwärmsporen und durch geschlechtlich erzeugte Oosporen sich fortpflanzen, so bei Vaucheria sessilis Lygb. (Fig. 10: a junges Individuum aus einer Spore auskeimend mit wurzelförmig verzweigtem Haftorgan, b Bildung und allmähliches Ausschlüpfen einer Schwärmspore, c freie Schwärmspore, ä Faden mit männlichem und weiblichem Organ, Antheridium und Oogonium) und ähnlich bei Oedogonium ciliatum (Fig. 15: a freie Schwärmspore, b Entwicklung der Schwärmsporen, c Faden mit Antheridien und Oogonien und einer fertig gebildeten Oospore). Im übrigen zeigen sie eine sehr verschiedenartige Gestalt. Bei einigen höhern Formen der Gattung Coleochaete ähnelt der Befruchtungsakt in vieler Beziehung demjenigen der Rhodophyceen (s. d.), indem auch hier eine Zelle des Carpogons zu einem haarförmigen Empfängnisorgan, der Trichogyne, heranwächst, an die sich die auf benachbarten Ästen des Thallus gebildeten Spermatozoiden anlegen. Bei andern Zoosporeen erfolgt die geschlechtliche Fortpflanzung dadurch, daß verschieden große oder auch gleich große Schwärmzellen sog. Gameten zu je zwei, von denen die eine als weibliche, die andere als männliche Zelle fungiert, sich vereinigen und sich nunmehr zu einer Spore entwickeln, so bei Acetabularia mediterranea Lamour. (Fig. 14), einer kleinen mit Kalk inkrustierten schirmförmigen Alge, die im Mittelmeere vorkommt. In dem Schirme entwickeln sich innerhalb der Kammern zahlreiche Sporen, aus denen bei der Keimung kleine Schwärmzellen hervorgehen, die sich zu neuen vereinigen und wiederum eine Spore bilden. Ver-^[folgende Seite]

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