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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chodov; Chodowiecki; Chodschent; Chodziesen; Chodzko

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Chodov - Chodzko (Ignacy)

den Krieg fort. Nachdem er mit den Schweden 1611 einen Waffenstillstand geschlossen, ward er von Sigismund III. zur Fortsetzung des Krieges mit Rußland berufen, den die Polen zur Unterstützung des falschen Demetrius begonnen hatten und der für sie, obgleich sie Moskau besetzt hielten, eine üble Wendung zu nehmen begann. Vergebens suchte C. die Mannszucht herzustellen; er mußte Moskau verlassen und zog in Rußland umher, bis er nach vielen Mühseligkeiten 1618 im Vertrage von Dywilin freien Rückzug nach Polen erlangte. Darauf übernahm C. den Oberbefehl gegen die Türken, starb aber mitten unter unglücklichen Kämpfen 1621 bei Chotin. Sein Leben hat Naruszewicz beschrieben (neue Aufl., 2 Bde., Lpz. 1837).

Chodov, s. Chodau.

Chodowiecki (spr. -wjetzki), Daniel Nikolaus, Maler und Kupferstecher, geb. 16. Okt. 1726 zu Danzig, kam nach dem Tode des Vaters (1740) als Lehrling in eine Spezereihandlung seiner Vaterstadt, 1743 in das Geschäft seines Oheims Ayrer nach Berlin, in welchem er auch nach Vollendung seiner Lehrzeit bis 1754 verblieb. Seine freie Zeit benutzte C. zum Zeichnen nach der Natur oder zum Kopieren von Kupferstichen. Nachdem er die Handlung verlassen, fing er an, selbständig zu arbeiten, übte sich im Malen und fertigte namentlich Miniaturbilder für Dosen. In Rodes Akademie vervollkommnete er sich im Naturzeichnen und in der Ölmalerei, bis er 1757 seine ersten Versuche im Radieren machte. C. zeichnete und stach zunächst Figuren aus dem Volksleben (den Würfelspieler, Bettelbuben, Soldatenweiber, russ. Gefangene u. s. w.), sowie einzelne Blätter zur Zeitgeschichte (z. B. die Apotheose Friedrichs II.), welche die Aufmerksamkeit des preuß. Königs erregten. In diese Zeit fällt auch der Abschied des Jean Calas von seiner Familie, ein Ölbild, das er 1767 in der Größe des Originals zweimal in Kupfer stach und mit welchem er seinen Ruf begründete. Die Akademie der Künste wählte ihn 1797 zum Direktor. Er starb 7. Febr. 1801.

C. war bis zu seinem Tode unermüdlich thätig. Er lieferte u. a. Illustrationen, Titelkupfer und Vignetten zu dem Berliner und dem Göttinger Genealogischen Kalender, zu "Lessings Minna von Barnhelm" (1763), zu Werken Stolbergs, Bürgers, Gellerts, Claudius’, Geßners, Matthisons, Höltys, Blumauers, Nicolais, Klopstocks, Goethes (s. Tafel: Deutsche Kunst VIII, Fig. 5) und Schillers; zu Basedows "Elementarwerk", Salzmanns "Elementarbuch", Lavaters "Physiognomischen Fragmenten". Im ganzen hat der Künstler den Stich zu 2075 Darstellungen auf 978 Platten besorgt. Außerdem lieferte er 2000 Zeichnungen, die zum Teil von andern geätzt sind. Berühmt ist für solche die Hebichsche Sammlung in Hamburg. Die köstlichsten seiner Handzeichnungen (in der Kunstakademie zu Berlin) schildern in 100 Blättern seine Reise von Berlin nach Danzig 1773 (Berl. 1883 in Lichtdruck veröffentlicht). Außerdem erschienen: Daniel C., Auswahl (136) aus des Künstlers schönsten Kupferstichen (in Lichtdruck, 2. Aufl., Berl. 1884) und Aus Daniel C.s Künstlermappe. 98 Faksimiledrucke nach Handzeichnungen im Privatbesitze (aus der Hebichschen Sammlung; ebd. 1885).

Viele seiner Radierungen enthalten sog. Einfälle, kleine geistvolle, in den Plattenrand als flüchtige Gedanken leicht radierte Figuren, die der Künstler nach wenigen Abdrücken ausschleifen ließ. C. wußte auf einem kleinen Raume seinen charakteristischen und geistvollen Figuren eine solche psychol. Wahrheit zu geben, daß er als ein in seiner Art unübertroffener Sitten- und Seelenmaler zu bezeichnen ist. Sein Können ist indes auf ein kleines Format beschränkt; auch idealen Darstellungen war er nicht gewachsen. Von seinen minderwertigen Ölbildern sind noch zu nennen: Das Blindekuhspiel und Der Hahnenschlag, im Berliner, und Der Ruheplatz im Tiergarten, im Leipziger Museum. Eine vollständige Sammlung seiner Blätter mit allen Seltenheiten und in allen Abdrücken besitzen die Erben des Buchhändlers Dr. W. Engelmann in Leipzig, der auch ein erschöpfendes Verzeichnis ("C.s sämtliche Kupferstiche", Lpz. 1857; Nachtrag 1860) herausgegeben hat. Seine Werke sind für die Kulturgeschichte des 18. Jahrh. von größter Wichtigkeit. Vgl. Ferd. Meyer, Daniel C., der Peintre-Graveur (Berl. 1888). - Gottfried C., sein jüngerer Bruder, geb. 11. Juli 1728, gest. 1781, radierte teils nach eigener, teils nach des Bruders Erfindung und malte vorzügliche Jagdstücke und kleinere Landschaften. - Wilhelm C., der Sohn von Daniel C., geb. 1765, gest. 26. Okt. 1805, arbeitete als Kupferstecher in Berlin in des Vaters Manier.

Chodschent (nicht Kodschent). 1) Kreis im nordöstl. Teil des Gebietes Samarkand im russ.-centralasiat. Generalgouvernement Turkestan, hat 22802,6 qkm, 246700 E., meist Tadschik und Usbeken, Ackerbau, Viehzucht und Baumwollbau. Der Seidenbau ist im Verfall. - 2) Kreisstadt im Kreis C., 150 km südlich von Taschkent, an der Straße nach Samarkand und Buchara, in 254 m Höhe, unweit des Einflusses des Chodscha-Bakargan in den Syr-darja, hat (1885) 34800 E., 1 russ. Kirche, 202 Moscheen, 24 Medresse, 40 Schulen, 5 Karawanseraien; Seidenweberei und -Färberei, Stickerei, Anfertigung baumwollener Stoffe, Baumwoll-, Obst-, Wein- und Gartenbau. Nach Rußland werden von hier Baumwolle, Leder, Rosinen und andere Früchte ausgeführt. C. wurde 1866 von den Russen erobert.

Chodziesen, der frühere Name der Stadt Kolmar (s. d.) in Posen.

Chodzko, Alexander, poln. Gelehrter und Schriftsteller, geb. 11. Juli 1804 in Krzywicze, studierte in Wilna, trat dann in das Orientalische Institut des Ministeriums des Auswärtigen in Petersburg und gab dort 1829 einen Band "Poezye" heraus (neue Ausg., Posen 1833), in welchem auch Übersetzungen arab. und pers. Gedichte enthalten sind. Er war 1829-41 russ. Konsul in Rescht am Kaspischen Meere, ging dann nach Paris und wurde daselbst 1857 als Mickiewicz’ Nachfolger Professor der slaw. Litteratur am Collège de France. Er bekleidete diese Stelle bis 1884 und starb 20. Dez. 1891 in Juvisy. C. schrieb "Le Ghilan ou les marais caspiens" (Par. 1839), "Grammaire persane" (ebd. 1852; 2. Aufl. 1883), "Grammaire paléoslave suivie de textes paléoslaves" (ebd. 1869), "Légendes slaves du moyen âge 1169-1237" (ebd. 1859), "Théâtre persan, choix de téaziés ou drames" (ebd. 1878), "Les chants historiques de l’Ukraine et les chansons de Latyches des bords de la Dvina occidentale etc." (ebd. 1879). Er veröffentlichte außerdem kurd. Studien (1857) und ein engl.-poln. Wörterbuch (ebd. 1874).

Chodzko, Ignacy, poln. Schriftsteller, Vetter des vorigen, geb. 15. Jan. 1795 auf einem Gute bei Wilna, studierte 1811 in Wilna, übernahm dann sein väterliches Gut und starb 1. Aug. 1861. In einer

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