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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Christfest - Christian (der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel)
wieder auf, und seit 305 war die Verfolgung im
Abendlande völlig erloschen. Im östl. Teile des
Reichs setzten Galcrius und Maximin auch nach der
Abdankung Dioeletians das Unterdrückungssystem
mehrere Iabre ununterbrochen fort: das Resultat
war nur die Einsicht in die Unmöglichkeit, das Be-
gonnene durchzuführen. Galerius selbst erkannte
endlich die Notwendigkeit, mit den Christen Frieden
zu schließen, durch die Zurücknahme seiner Verfol-
gungsedikte an (311). Diesem ersten Toleranzedikt
schlössen sich dann die Kaiser Konstantin, Licinius
und durch sie gezwungen auch Mariminus Daza
durch Verordnungen an. Das Toleranzcoilt von
Mailand (313) gewährte endlich den Christen volle
Freiheit der Religion^übung, die geraubten Kirchen
und Oüter wurden zurückerstattet. Konstantin nahm
immer offener für die Christen Partei und bereitete
durch eine Reibe von Maßregeln die förmliche Er-
hebung des Christentums zur Staatsreligion vor.
Seitdem erfuhren die Christen nur noch außerhalb
des Römischen Reichs, z. V. 343 und 414 in Per-
sien und 437 mit welügen Unterbrechnngcn bis zum
Anfang des 6. Jahrh, im afrik. Reiche der Vanda-
len, ferner unter german. Völkerschaften in den
ersten Zeiten der christl. Mission, neue Verfolgungen,
denn die erneuerten Bedrückungen des Licinius scit
310 stellten doch das Mailänder Edikt nicht in Frage
und der Versuch des Kaisers Julian (301-363) zur
Wiederherstellung des Heidentums kann nicht als
eigentliche Christenvcrfolgnng betrachtet werden.
Litteratur. Overbeck, Studien zur Geschichte
der alten Kirche (Schloßchenmitz 1875); Aubö, llis-
toirs ä68 P6r36cutioi18 ä6 1'6^Ü86 ^U8HIi'g. 1a tin
(168 ^ut0Qiu8 (Par. 1875); ders., Iti8toii-6 ä68
P61'86(mtiou8 ä6 1'6Aii86. 1^3. poi6Ini<1U6 piÜ6Q!l6
H 1a 6n äu 2° 8ieei6 (ebd. 1878); ders., 1.68 0QI-6-
"16113 äkM8 1'6N1pil6 1'0IN3.in, ä6 13. tiU ä68 ^12-
wQiQ3 HU inilieu äu 3^ 8!6ei6 (1882); ders.,1^'^is6
6l 1'Ntllt (13.U3 lg. 8600nd6 moitie (In 3" 8iöci6 9.UU0
249 - 284 (1886); Wieseler, Die C. der Cäsaren
(Gütersloh 1878); Keim, Aus dem Urchristentum,
Bd. 1 (Zür. 1878); ders., Rom und das Christen-
tum (Berl. 1881); Maassen, über die Gründe des
Kampfes zwischen dem heidn.-röm. Staat und dem
Christentum (Wien 1882); Antoniades, Kaiser Lici-
nius (Münch. 1884); Allard, IIi8toii-6 ä68 p6r86-
0Uti0U8 ^)6NclllNt 168 (16UX pr6N116r3 816ci68 (Par.
1884); ders., 1Ii8toir6 668 P6r80^uti0n8 p6nä3.nt
Ikl pr6ini6i'6 Iiwitiö du 3^ 8ioc;i6 (ebd. 1885); ders.,
l^s8 d6rlli6r68 i)6r86cution8 du 3^ 8i6ei6 (ebd. 1887);
ders., 1^3. ?6l86cuti0ii äöDiocisti^n 6t 16 triompns
cls 1'^i86 (2 Bde., ebd. 1890); K. I. Neumann,
Der röm. Staat und die allgemeine Kirche bis auf
Dioclctian, Bd. 1 (Lpz. 1890). Außerdem viele
Abhandlungen von Franz Görrcs in den "Jahr-
büchern für prot. Theologie" und der "Zeitschrift
jür wissenschaftliche Theologie".
Christfest, Weihnachten (s. d.).
Ehristfcsttlialer, volkstümliche Bezeichnung
von Münzen und thalersörmigen Medaillen, deren
Gepräge aus die Geburt Christi Bezug hatte und
die daher namentlich im 17. Jahrh, vielfach als
Chnsigeschenke verwendet wurden.
Christian I., Fürst von Anhalt-Bern bürg
(1603-30), wurde 11. Mai 1568 zu Vernburg als
der zweite Sohn des Fürsten Joachim Ernst aus
dessen Ehe mit der Gräsin Agnes von Varby ge-
boren, bereiste die Türkei und nach längerm Aufent-
halt in Kursachsen Italien. 1591 befehligte er ein
Nrlifel, die man unter C v^ril
deutsches Hilfskorps für Heinrich IV. von Frank-
reich im Kampf gegen die Ligue, trat damals zum
Calvinismus über und wurde fortan die Seele
aller reformierten, gegen Habsburg und die kath.
Reaktion gerichteten Bestrebungen. 1595 gewann
ihn Friedrich IV. von der Pfalz zum Statthalter der
Oberpfalz, und C. blieb in dieser Stellung auch, als
ihm 1603 durch eine neue Teilung der anhält. Lande
Vernburg zufiel. (S.Anhalt.) Iin Sommer 1606 ver-
handelte er in pfälzischem Auftrag mit Heinrich IV.
über dessen Verbindung mit den deutschen Prote-
stanten; aber erst die Besorgnis erregenden Vor-
gänge in den kaiserl. Erblanden und die Vergewal-
tigung der prot. Reichsstadt Donauwörth durch
Bayern trieb einen Teil derselben zum Abschluß einer
prot. Union zu AHausen (5. Mai 1608), deren Seele
C. war. 1610 übernahm er in dem jülich-cleveschen
Konflikt den Oberbefehl über das Unionsheer; er
führte im böhm. Kriege das Heer, das am Weihen
Berge bei Prag geschlagen wurde, ward Jan. 1621
vom Kaiser geächtet, floh nach Schweden und nach
Dänemark, bis er 1624 die Gnade des Kaisers er-
langte. Seitdem lebte er zurückgezogen in Bern-
burg, unermüdlich bestrebt, die Leiden des Krieges
für sein Land zu mildern. Er starb 17. April 1630.
C. war vermählt mit Gräfin Anna von Vcntheim;
von feinen 16 Kindern überlebten ihn nnr 3 Söhne
und 2 Töchter. - Vgl. Krebs, C. von Anhalt und
die kurpfälzische Politik am Beginn des Dreißig-
jährigen Krieges (Lpz. 1872).
Christian II., Fürst von Anhalt-Bernburg
(1630-56), Sohn und Nachfolger des vorigen, geb.
11. Aug. 1599, focht im favoyischen Dienst gegen
Spanien, dann unter seinem Vater in der Schlacht
am Weißen Berge bei Prag 1620, geriet in laiserl.
Gefangenschaft, wurde aber bald freigelassen. Nach
längcrn Reisen in Deutschland, Italien, Frankreich,
den Niederlanden kehrte er nach seines Vaters Tod
1630 heim. Er starb 21. Sept. 1656. Über seine
Reisen machte er Aufzeichnungen (hg. von Krause,
Lpz. 1858).
Ehristian, Markgraf von V ay r euth, geb. 1581
als Sohn des Kurfürsten Johann Georg von Bran-
denburg, wurde 1603 Markgraf von Bayreuth, war
eifriger Auhänger Gustav Adolfs, trat aber, um
feinem Lande Ruhe von den Kriegsnötcn zu fchasfen,
1635 dem Prager Frieden bei. Nach dem Westfäl.
Frieden erwarb er sich Verdienste um die Hebung des
Wohlstandes seines Landes. Er starb 30. Mai 1655.
Christian Ernst, Markgraf von Vayreuth,
geb. 27. Juli 1644, Vetter des Großen Kur-
fürsten, trat 1661 die Regierung m Bayreuch an,
wurde Kreisoberst des frank. Kreises und von Kai-
ser Leopold 1676 zum Feldmarschalllieutenant und
Oberbefehlshaber der gesamten Reicksarmee er-
nannt. Er nahm dann teil an der Befreiung Wiens,
am Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieg, legte
1707 den Oberbefehl des Rcichsheers nieder und
zog sich nach Erlangen zurück, das er zu seiuer Re-
sidenz machte und durch Heranziehung von franz.
Mfugie's zu heben suchte; auch stiftete er daselbst
eine Ritterakademie, aus der die Erlanger Univer-
sität hervorgegangen ist. C. starb 10. Mai 1712 in
Erlangen. Der große Brunnen vor dem Scblosse zu
Vayreuth trägt sein Reiterstandbild. - Vgl. Ebrard,
C. E. von Brandenburg-Bayreuth (Gütersl. 1885).
Christian der Jüngere von Vraunschweig-
Wolfenbüttel, Administrator des Bistums Hal-
berstadt (der "tolle Bischof" genannt), geb. 30. Sevt.
ißt, si:id unter K aufzusuchen.