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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chronik; Chronique scandaleuse; Chronisch; Chronist; Chrono-Isothermen; Chronodeik; Chronodistichon; Chronogramm; Chronograph; Chronographen

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Chronik (Bücher der) - Chrono-Isothermen

alle Weltchroniken des Mittelalters, die für uns erst da wertvoll werden, wo der Verfasser sich der Geschichte seiner eigenen Zeit nähert. Unter den ältern haben die des Angelsachsen Beda (bis 725) und die des Bischofs Frechulf von Lisieux (gest. um 850) eigentümliche Bedeutung. Im 13. Jahrh. beginnt man auch in den Volkssprachen, neben dem Lateinischen, C. zu schreiben, gereimte sowohl wie prosaische, und neben den allgemeinen werden Ortschroniken vorzüglich im 16. und 17. Jahrh. häufig. Sie enthalten oft sehr wertvollen Stoff, sind aber meist ganz kritiklos und füllen die ältere Zeit gern mit Fabeln aus.

Chronik (Bücher der) werden die beiden jüngsten Geschichtsbücher des Alten Testaments genannt, welche in der Septuaginta mit dem Namen der Paralipomena, d. i. Nachträge, bezeichnet sind, weil man sie für eine Ergänzung der Bücher Samuelis und der Könige hielt. Die Einteilung in zwei Bücher kam durch Bomberg aus der Septuaginta und Vulgata in die hebr. Drucke. Nach der innern Anlage bilden sie nur ein Buch, zerfallen aber in fünf Teile: 1) 1 Chron. 1-9, Geschlechtsregister; 2) Kap. 10-29, die Geschichte Davids, zum Teil wörtlich entlehnt aus den Büchern Samuelis; 3) 2 Chron. 1-9, die Geschichte Salomos; 4) Kap. 10-28, die Geschichte des Reichs Juda während des Bestandes des Reichs Israel. Die Geschichte Israels selbst wird vollständig ignoriert; 5) Kap. 29-36, die Geschichte des Reichs Juda nach dem Untergange Israels bis zum Ende des Exils. Zu der C. gehören als später losgetrennte Teile die Bücher Esra (s. d.) und Nehemia (s. d.). Hieraus erklärt sich der Umstand, daß das Buch Esra mit denselben Sätzen beginnt, mit welchen die C. schließt. Beide ließen sich nicht anders voneinander loslösen. Die Bücher Esra und Nehemia stehen im hebr. Kanon vor der C., weil sie früher kanonische Geltung erlangt haben als diese. Die C. stammt, wie die in ihr und in Esra-Nehemia gegebene Genealogie beweist, erst aus der griech. Zeit (etwa 300 v. Chr.). Sie stellt die jüngste Umbildung des alten überlieferten Geschichtsstoffes vor; derselbe ward nach den Voraussetzungen des religiösen Glaubens zurechtgeschnitten. Vom Priestercodex her (s. Pentateuch) ist man gewohnt, sich die Vergangenheit als im Besitze aller der Güter vorzustellen, welche man erstrebt oder nur unvollkommen besitzt. Daher führt man besonders geschätzte Einrichtungen der Gegenwart auf die Vergangenheit zurück, so in der C. den Tempelkult und seine Einrichtungen. Den Blick für die staatlichen Aufgaben der Vergangenheit hat man verloren. Man erblickt daher die Größe der Vergangenheit in der vollkommenen Herrschaft des Mosaischen Gesetzes. Diese verbürgte den Vätern Glück und Gedeihen. Je mehr man sich unter der Herrschaft des Gesetzes in den Glauben eingelebt hat, daß alles menschliche Thun genau vergolten werde, desto mehr erwartet man, daß der Verlauf der Volksgeschichte dem Vergeltungsglauben entsprochen habe. Man korrigiert nach diesem den Geschichtsverlauf. So entsteht die Geschichtsbetrachtung der C.: solange Israel die Gesetze Moses hält, ist es ein mit irdischen Glücksgütern reich gesegnetes Volk; dadurch, daß es abfällt, zwingt es Gott, sie ihm zu nehmen. Um diese Betrachtung zu ermöglichen, werden den frommen Königen fabelhafte Siege und unhistor. Großthaten für das Gesetz, wird wirklich oder vermeintlich unfrommen Königen allerhand Unheil angedichtet oder von ihnen erlittenes nach dem Vergeltungsglauben gedeutet. Nach dieser Geschichtsbetrachtung ist das Judentum nicht das Ziel der Entwicklung Israels, sondern sein Ausgangspunkt. Der Verfasser der C. hat, abgesehen von den judäischen Stammbäumen, außer den im Alten Testament erhaltenen Quellen, keinerlei alte Quellen besessen und auf Grund dieser seine Darstellung entworfen. Das von ihm vielleicht sonst benutzte, wenigstens mehrfach citierte Material bestand in einer nachexilischen Bearbeitung der Königsgeschichte von gleichem Charakter und gleichem Unwerte. Daraus folgt, daß der Inhalt der C., sofern er von dem Inhalte von Samuelis und Könige abweicht, wohl Quelle für das 3. Jahrh. v. Chr. ist, und zwar eine vorzügliche, aber keine Quelle, welche über die Geschichte Israels belehrt.

Chronique scandaleuse (frz., spr. kronik ßkangdalöhs', "Klatschgeschichte"), der im Sinne von Klatschgeschichte oder böser Nachrede sprichwörtlich gewordene Titel einer Schrift über König Ludwig XI. von Frankreich (der Titel erscheint so in einem Abdruck vom J. 1611).

Chronisch (grch.), bezeichnet soviel als längere Zeit anhaltend, langwierig; daher chronische Krankheiten die langwierigen Krankheiten (s. Akut und Krankheit).

Chronist, Verfasser einer Chronik (s. d.).

Chronodeik (grch., d. i. Zeitzeiger), astron. Instrument, von Chandler erfunden, um aus der Beobachtung gleicher Höhen der Sonne vor und nach dem Mittag die Zeit des wahren Mittags und hierdurch den Uhrstand zu bestimmen. Das C. besteht in seiner neuesten Form aus einer ebenen spiegelnden Platte, die um eine vertikale Achse drehbar ist und außerdem noch beliebig gegen den Horizont geneigt werden kann. Mit dieser verbunden ist ein Fernrohr mit Fadenkreuz. - Vgl. Zeitschrift für Instrumentenkunde (Berl. 1881), S. 130; Wislicenus, Handbuch der geogr. Ortsbestimmungen auf Reisen (Lpz. 1891); Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens (Pola 1891), S. 756.

Chronodistichon (grch.), s. Chronogramm.

Chronogramm (grch.), ein lat. Satz, in dem die vorkommenden röm. Zahlbuchstaben die Jahreszahl der einzelnen bestimmten Begebenheit ausmachen, auf die sich die Worte beziehen. Meist wählt man dazu einen Vers (Hexameter), der dann Chronostichon oder Eteostichon, oder ein Distichon, das dann Chronodistichon heißt. Das Chronodistichon auf den Hubertusburger Frieden von 1763:

"Aspera beLLa sILent: reDIIt bona gratIa paCIs; O sI parta foret seMper In orbe qVles!"

enthält ein M = 1000, ein D = 500, ein C = 100, drei L = 150, ein V = 5 und acht I = 8, d. i. 1763.

Chronograph (grch.), physik. Instrument, s. Chronoskop und Chronograph.

Chronographen (grch.), Verfasser von Chroniken (s. d.); namentlich pflegt man die byzant. Chronikenschreiber als C. zu bezeichnen.

Chrono-Isothermen (grch.). Da die Lufttemperatur sich in der täglichen und jährlichen Periode ändert, kann man ihre Abhängigkeit von den Tagesstunden und dem Jahrestag dadurch darstellen, daß man auf der einen Achse eines rechtwinkligen Achsenkreuzes die Tagesstunden, auf der andern die Jahrestage aufträgt. Man denkt sich dann im Schnittpunkt je zweier Koordinaten

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]