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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cochenilleschildlaus - Cochinchina
Generationen im Jahre aufeinander folgen können.
Man züchtet sie in besondern Pflanzungen in Mexiko,
Centralamerika, Algerien, den Canarischen Inseln,
am Kap der Gnten Hoffnung, von wo sich die Zucht
nach dem südl. Europa verbreitet hat, ohne jedoch
daselbst Wurzel zu fassen. Ein Hektar Landes, mit
Kaktus bepflanzt, kann 400 k^ (auf 1 k^ gehen
140000 getrocknete Tierchen) liefern. Die Pflege
derselben, das übersetzen der eben ausgekrochenen,
noch beweglichen Larven auf andere Pflanzen er-
fordern viel Sorgfalt und Specialkenntnis. Sind
die Weibchen, die man allein benutzt, ausgewachsen,
so sammelt man sie und tötet sie durch heiße Wasser-
dämpfe oder durch die Hitze eines Backofens. Im
erstern Falle nehmen sie eine dunkel braunschwarze,
im letztern dagegen eine silbergraue Farbe an. Gute
Arten sind die schwarze Iaccadille-Cochenille
von Honduras und Veracruz, die aus den größten
Tieren erster Ernte besteht, und die silb ergraue
C. ebendaher, wie auch dunkle und silbergraue Ware
von den Canarischen Inseln, die im Handel häusig
als Honduras-Cochenille geht. Ein in Kuchen-
form unter der Bezeichnung Ooecioneiia aminoiiia-
eZ.Ii8 vorkommendes Fabrikat wird aus gepulverter
C. durch Maceration mit Ammoniak und Zusatz
von Thonerdehydrat gewonnen. Wesentlicher Be-
standteil der C. ist der Karmin (45-50 Proz.).
Man wendet die C. in der Färberei der Seide und
Kammwolle zu schönem und haltbarem Rot und zur
Darstellung von Karmin und Karminlack, zuweilen
auck zu roter Tinte an. - Durch die Konkurrenz
der Teerfarben, von denen die Mischungen von Pa-
latinscharlach und Rhodamin besonders geeignet
sind, ist die Verwendung in stetem Rückgang be-
griffen. In Guatemala wie auch in Mexiko und
den Canarischen Inseln liegt die Kultur ganz da-
nieder. Die Canarischen Inseln, die 1880 - 81
noch 2 557 000 1^ im Werte von 13436 000 M.
exportierten, hatten 1888 nur eine Ausfuhr von
482000 K3 im Werte oon 894000 M. - Deutsch-
land führte 1888 noch 1119 Doppelzentner ein, 1890
nur 772 Doppelcentner. London importierte 1882
12459 Seronen (^90kF), 1890 nur 4092 Seronen.
- Polnische C., s. Johanmsblut.
Cochenillefchildlaus, s. Cochenille.
Cochery (spr. kosch'rih), Louis Adolphe, franz.
Staatsmann, geb. 20. April 1819 zu Paris, war Ad-
vokatund nach der Februarrevolution von 1848 einige
Zeit Kabinettschcf des Iustizministers. Später wid-
tt^te er sich der Journalistik, gab den "^vniii- imtio-
mz.1" heraus und gründete 1868 im Depart.Loiret das
Blatt ttI/In(l6p6uäÄnt cle NontürAig". Bei den all-
gemeinen Wahlen vom Mai 1869 wurde er in den Ge-
setzgebenden Körper gewählt, schloß sich dem linken
Centrum an, interpellierte nn Juli 1870 die Regie-
rung über die Kandidatur des Prinzen von Hohen-
zollern und erklärte sich gegen dcn Krieg. Nach dem
4. Sept. 1870 wurde er Generalkommissar der na-
tionalen Verteidigung im Dcpart. Loiret, wohnte
den Kämpfen bei Orleans bei und war bei den
Unterhandlungen wegen eines Waffenstillstands in
Versailles. 1871 in die Nationalversammlung, spä-
ter in die Deputiertenkammer gewählt, gehörte er
zuerst zum linken Centrum, ging aber allmäblich zu
der republikanischen Linken über. Nach der Bildung
des Ministeriums Dufaure (Nov. 1877) wurde er
Unterstaatssekretär der Finanzen und 1. März 1878
Minister der Posten und Telegraphen, eine Stelle,
hie er wegen seiner bedeutenden Leistungen auch in
Artikel, die man unter C verm
den nachfolgeirden Kabinetten behauptete und erst
beim Sturz des Ministeriums Ferry (31. März 1885)
verlor. Okt. 1885 wurde er in die Deputierten-
kammer und Jan. 1888 in den Senat gewählt.
Cochin (spr. kotsä", Stadt in Indien, s. Kotschi.
Eochin (spr. köschäng), Charles Nicolas, franz.
Kupferstecher, geb. 22. Febr. 1715 zu Paris, gest. da-
selbst 29. April 1790, Sohn und Schüler des Kupfer-
stechers Charles Nicolas C. (gest. 1754), lernte
unter Jean Restout, wurde Mitglied der Akademie,
Infpektor des königl. Kabinetts dcrHandzcichnungen
und Hofkupferstccher. Besonders vorzüglich sind
seine geätzten Blätter. Die Sammlung sciner Werke
enthält über 1500 Blätter, darunter 112 Medaillen-
bildnisse der berühmtesten franz. Gelehrten und
Künstler seiner Zeit. Seine Titclkupfer, Anfangs-
und Schlußvignetten sind ihrer saubern und ge-
schmackvollen Ausführung wegen sehr geschätzt.
Wertvoll sind auch seine Ansichten von 16 franz.
Seehäfen. Er schrieb "Vo^a^e ä'It,3.1io, on i-ooußii
ä6 Q0t68 8Iir 168 0UVl3.F68 äß P6iliwr6 et ä" 8cu1p-
turs Hii'ou voit ä3.u8 168 priuoiMi68 VÜ168 ä'Italiß"
(3 Bde., Par. 1758). Mit Gravelot gab er heraus:
"leonoloFie Mr KZur68, ou traitL compiet ä68 3.116-
F0li68, 6Ndi6ni68 6tc." (4 Bde., Par. 1796).
Eochinbein, s. Elephantiasis.
Cochinchina (spr. kotsch-), chines. Ko - tschin -
tsching, häusig in weiterm Sinne als gleichbedew
tend mit Annam (s. d.) gebraucht, obgleich es streng-
genommen nur die östliche, sich zwischen 10^ und
172/2° nördl. Br. längs dem Meere erstreckende, von
den Annamitcn Dang-trong genannte Provinz die-
ses Reichs bezeichnet, ist als Nieder-Cochinchina
(I^g. ba.886 ^ocdiucliiuL) Name der erst in neuerer
Zeit von Frankreich erworbenen Besitzungen in
Hinterindien. Letztere, westlich vom Golf von Siam,
nordwestlich von Kambodscha, nordöstlich von An-
nam, südöstlich von dem Chinesischen Meere begrenzt
und gegen Süden in dem Kap Kambodscha (Camao)
genannten Vorgebirge spitz auslaufend, bestehen
hauptsächlich aus der früher zu Kambodscha gehören-
den, den südöstlichsten Teil dieses Reichs bildenden,
aber seit 1658 nach und nach von Annam eroberten,
das untere Stromgebiet und die Mündungen des
Mekong-Flusses umfassenden Landschaft Saigon.
Außerdem gehören zu C. Pulo Condor, Pulo Obi
und andere Inseln geringerer Bedeutung.
Bodeugestaltung. Das franzöfischeC. besteht,
bei einem Gcfamtareal von 59456 ykm, seinem
größten Teile nach aus flachem, sehr reich bewässer-
tem Alluviallande. Nur in seinem nördlichern Teile
hat der Boden den Charakter eines Hügel- und niedri-
gen gramtischenGebirgslandes (bis zu 700 in Höhe).
Der Mekong (s. d.) teilt sich in Kambodscha in
drei Arme: einen nördlichen, der zur Zeit des Hoch-
wassers (April bis November) seinen Überfluß in
den Vien-Ho oder Großen See abführt, und zwei
südliche, die als Vorderer und Hinterer Fluh (Tien-
giang und Han-giang) in geringer Entfernung von-
einander durch C. dem Meere zufließen und dort
mit fechs großen und verschiedenen kleinern Armen
münden. Die nordöstl. Hälfte wird von vier andern
starken, aber nur kurzen Flüssen durchzogen, den:
Donna: oder Fluß von Vien-Hoa, dem Fluß von
Saigon, dem Großen und dem Kleinen Vai'co, die
sich vereint durch den Loirap und eine andere große
Mündung beim Kap St. Jacques ins Meer er-
gießen. Alle diese Flüsse sind bedeutend genug, um
tiefgehende Schiffe zu tragen, doch ist ihr Ein-
,nßl, sind unter K aufzusuchen.