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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Colchester - Col de Balme
80fachen, der Mais stets mehr als 100fachen Er-
trag ; Weizen, das Hauptprodukt, und Gerste indes
geben nur 10-40faches Korn. Außerdem giebt es
herrliche Weiden, Goldwäschen und Kupfergruben;
auch wird Seesalz gewonnen; der Reichtum an Vieh
ist sehr groß. Hauptstadt ist San Fernando (s. d.)
an der Eisenbahn Scmtiago-Talca, deren Abzwei-
gung zur Küste im Bau ist.
Colchester (spr. köhltfch-), Municipalstadt und
Parlamentsborough, die größte Stadt in der engl.
Grafschaft Esser, 80 km im NO. von London, an
deu von dem schiffbaren Colne aufsteigenden Höhen,
11 kiu vom Meere,schön gelegen, hat (1891) 34 559 E.,
zahlreiche Kirchen, darunter drei aus dem 14. Jahrh.,
eine Kornbörse mit prächtiger Säulenhalle, ein
Theater, eine Lateinschule, verschiedene litterar, und
wissenschaftliche Vereine, eine von Wilhelm dem
Eroberer erbaute Normannenburg mit Kerkerge-
wölben und in der Kapelle zahlreiche röm. Alter-
tümer aus der Umgebung. Die Reste der röm.
Mauer sind wobl erhalten. Die Gewerbthätigkeit
erstreckt sich auf Maschinenbau, Fabrikation von
Segeltuch, Seide und Sammet (seit der Ansiedlung
flüchtiger Flamä'nder zur Zeit Albas), Eisen- und
Messingwaren, Brauerei und Seilerei. Der Hafen
ist Schiffen von 150 t zugänglich. Der Handel führt
Vieh und Getreide (für den Bedarf des Heers) ein
und vertreibt die an der Küste, besonders an der
Colnemündung gezüchteten Austern. - C. ist eine
der ältesten Städte Englands. Hier wurde der Bre-
tone Cymbalid mit seinen Söhnen Guiderinds und
Caractacus durch Kaiser Claudius entthront. Im
3. Jahrh. Residenz des Konstantins Chlorus, wurde
C. Geburtsort Konstantins d. Gr. Unter den Angel-
sachsen erscheint C. (Colneceaster) als Hauptstadt
des Königreichs Esser. 1648 wurde es, ein Zufluchts-
ort der Änbänger Karls I., vom Parlamentsheere
nach langer Belagerung erobert. - Vgl. Cutts,
Oo1c1i68t6i' sin den "Historie to^vns", 1888).
Colchester (spr. köhltsa", Peerswürde der Fa-
milie Abbot. - Charles Abbot, geb. 14. Okt.
1757 zu Abingdon in Berkshire, studierte in Oxford
und trat nach längerer jurist. Laufbahn ins Unter-
haus, wo er sich den Tories anschloß und mehrfach
hervorthat. 1801 wurde er irischer Staatssekretär,
1802 Sprecher des Unterhauses. 1816 mußte er
seiner Gesundheit wegen sein Amt niederlegen und
wurde als Baron von C. ins Oberhaus erhoben.
Er starb 7. Mai 1829 in London. (Vgl. I)w v auä
Oorr68p0uä6iio6 ot' I^oiä 0. !>v tl^6 Zeeonä I^orä
0., 3 Bde., Lond. 1861.) - Charles Abbot,
zweiter Baron C., Sohn des vorigen, geb.
12. März 1798, trat in den Seedienst und stieg 1860
bis zum Viceadmiral. Er trat unter Lord Derby
1852 als Vicepräsident des Handelsamtes und Gc-
neralzahlmeister ins Ministerium und ebenso 1858
-59 als Generalpostmeister und hatte hier Gelegen-
heit, sich durch Postverträge mit dem Ausland ver-
dient zu machen. Er starb 18. Okt. 1867; ihm folgte
sein einziger Sohn Reginalo Charles Edward
als dritter Baron C., geb. 13. Febr. 1842.
Colchicaceen, s. Liliaceen.
Colchicw, 0^ 11,^05, das giftige Altaloid
der Herbstzeitlose ((^oleliicuin autninnaie ^.). Das
C. findet sich in allen Teilen der Pflanze, am reich-
lichsten jedoch im Samen. Aus diesem erhält man es
durch Ertraktion mit Alkohol. Das C. bildet so
ein amorphes, gelblichweißes Pulver, ist geruchlos,
von intensiv bitterm Geschmack. Leicht löslich in
Wasser, Alkohol, Chloroform, Benzol, läßt es sich
den wässerigen Lösungen durch Ausschütteln mit
Chloroform entziehen. Es hat sehr fchwach basische
Eigenschaften; feine ^alze sind kaum bekannt und
sind ungemein leicht zersetzbar. Zum Nachweise des
C. schüttelt man die Lösungen mit Chloroform aus,
läßt das Chloroform verdampfen und versetzt die
eine Hälfte des Rückstandes mit konzentrierter Sal-
petersäure, die andere mit Schwefelsäure. Bei
Gegenwart von C. wird die Probe durch Salpeter-
fäure violett oder blauviolett, durch Schwefelsäure
gelbbraun gefärbt.
volokioniu L., Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Liliaceen (s. d.), Abteilung der Melan-
thaceen. Man kennt gegen 30 Arten, die in Eu-
ropa, im westl. Asien und in Nordafrika vor-
kommen. Es sind Zwiebelgewächse mit dichter,
knolliger, von brauner Schale umhüllter Zwiebel,
aus der unmittelbar die mit einem langröhrigen,
sechsspaltigen Perigon versehenen Blumen und die
Blätter entspringen. Blüten und Blätter erscheinen
bei einigen Arten gleichzeitig, bei andern die Blüten
vor den Blättern. Der unter der Erde befindliche
Fruchtknoten trägt drei sehr lange Griffel. Aus
ihm entwickelt sich eine dreifächerige, vielsamige
Kapsel, die im Herbste emporgehoben wird und
dicht über dem Boden, von den Blättern umhüllt,
erscheint. Die einzige in Deutschland wild wach-
sende Art ist die Zeitlose oder Herbstzeitlose (6.
lniwumaie ^>.; s. Tafel: Giftpflanzen I, Fig. 6),
die im September und Oktober feuchte Wiesen mit
ihren nackten, blaß rosen- oder lilafarbenen Blu-
men oft in großer Menge ziert. In Gärten hat
man auch eine weißblühende Art. Die Zeitlose be-
sitzt eine tief im Boden steckende, eiförmige, 2,5 bis
5 cm lange Zwiebelknolle und entfaltet die tulpen-
artigen Blätter mit der grünen, einer Tulpenfrucht
gleichenden Kapsel erst im folgenden Frühlinge.
Sowohl die inwendig weiße, sehr stärkemehlreiche
Zwiebel als der dunkelbraune, runzelige Same sind
giftig. Aus den offizinellen Samen (seinen Oololiiei),
welche einen übrigens in der ganzen Pflanze vor-
handenen, sehr bitter schmeckenden, in farblosen
Prismen krystallisierenden Stoss, das Colchicin
(s. d.) enthalten, werden Zeitlosentinktur sliue-
tura Ooicilici) und Zeitlosen wein (Viuuni Ooi-
eliiei) bereitet und diese Präparate gegen Asthma,
Rheumatismus, Gicht, Podagra, akute Wassersucht
u. s. w. innerlich angewendet. Die Zwiebeln (Vuldi
oder ludßia lüoicuioi) waren früher ebenfalls ofsi-
zinell. Vergiftungen mit 0. kommen namentlich bei
Kindern vor, die mit den Kapfeln spielen und die
Samen essen. Milchende Kühe geben, wenn sie die
Blumen oder Blätter gefressen haben, eine mit Blut
vermengte Milch.
Gold Cream (engl., spr. kohld krihm, d. h. kalter
Rahm, Ilnssnenwin 16N16N8), eine ursprünglich
in England angewendete Salbe, die wegen ihres
Wohlgeruchs und ihrer Reinheit als Hautverschö-
nerungsmittel beliebt geworden ist. Die ^albe er-
zeugt durch Verdunsten ihres Wassergehalts auf der
Haut, besonders auf entzündeten Stellen, ein wohl-
thuendes Kältegefühl. Sie wird nach verschiedenen
Rezepten bereitet. Nach dem Deutschen Arzneibuch
besteht sie aus einer Mischung von 4 Teilen weißem
Wachs, 5 Teilen Walrat, 32^Teilen Mandelöl und
16 Teilen Wasser und enthält auf je 50 Z Salbe
einen Tropfen Rosenöl.
Col de Balme, s Balme
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