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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cornelius (Peter von)
Wandmalereien in St. Quirin zu Neuß (Grisaillen-
ftguren von Evangelisten, Aposteln und Kardinal-
tugenden), davon noch wenig. Auch die nach seiner
1809 erfolgten Übersiedlung nach Frankfurt a. M.
entstandenen Werke, wie Die heil. Familie (Städel-
sches Institut in Frankfurt) und einige Entwürfe
mytholog. Inhalts, folgen dem Vorbild der Antike
und nachraffaelischer Kunst. Dagegen ist der Ein-
fluß altdeutscher Kunst unverkennbar in dem noch in
Frankfurt begonnenen Cyklus von Darstellungen
zum "Faust" (Städelsches Institut zu Frankfurt' von
Ruscheweyh und Thäter gestochen), welche trotz ihrer
Härten, Unrichtigkeiten und Unbeholfenheiten dock
den Anfang einer neuen eigenartig deutschen Kunst
nicht verkennen lassen. Die Reife erlangte C. in Rom,
wohin er 1811 zum erstenmal kam. Hier folgten
zunächst die Kompositionen zum "Nibelungenlied"
(städelsches Institut in Frankfurt; gestochen von
Amsler, Barth, Lips und Ritter), die, von pa-
triotischer Empfindung durchweht, eine fast noch
rücksichtslosere Kraft der Formgebung bekunden.
Dasselbe Streben zeigen das 1813 entstandene Öl-
bild: Die klugen und die thörichten Jungfrauen
(Städtisches Museum in Düsseldorf), Die Flucht
nach Ägypten (Galerie Schack in München), Die
drei Marien am Grabe Christi (1815 - 22), Die
Grablegung (Thorwaldsen-Museum in Kopen-
hagen, lithographiert von Schreiner), bei welchen
allen der Nasfaelische Einfluß bedeutsam ist. Mehr
an seine Faust-Kompositionen und an deutsche Art
schloßen sich seine gleichzeitigen Shakespeare-Blätter
an: Romeos Abschied von Julia (Thorwaldsen-
Museum), Julia als Scheinleiche (Berliner Kupfer-
stich kab in ett) und Tod Romeos und Julias (Stadel-
Ickes Institut in Frankfurt). In der Gemeinschaft
mit gleichgesinnten Genossen, unter denen nament-
lich Fr. Overbeck hervorragt, befestigte sich die aufs
Bedeutende und Ausdrucksvolle gerichtete Kunst-
anschauung des jungen Meisters, die immer ent-
schiedener auf monumentalen Ausdruck hindrängte.
Um eine Probe in der damals wieder ins Leben ge-
rufenen Freskomalerei abzulegen, sckmückte er ge-
meinschaftlich mit Overbeck, Veit und W. Scbadow
einen Saal der vom damaligen preuß. Konsul Bar-
tholdy bewohnten Casa Zuccari auf Monte-Pincio
mit Bildern zur Geschickte Josephs aus, von denen
C. die Traumdeutung (Karton im Museum zu Han-
nover; gestochen von S. Amsler) und die Wieder-
erkennung der Brüder (Karton in der National-
galerie zu Berlin; gestochen von A. Hoffmann)
übernahm. Diese, 1887 in die Nationalgalerie zu
Berlin übertragenen Werke lassen in ihrer erhabenen
Einfachheit den Einfluß der ital. Meister der vor-
raffaelischen Zeit erkennen. Sie hatten zunächst die
Folge, daß der Marcbese Massimi C. und seine
Freunde mit Ausschmückung seines in der Nähe
des Lateran in Rom gelegenen Gartenhauses be-
traute. Zu diesem Zwecke schuf (5. die Decken-
entwürfe zu Dantes "Paradies" (die Farbenskizze
im Besitz des Königs von Sachsen), wurde aber an
der Ausführung durch den Ruf des damaligen Kron-
prinzen Ludwig von Bayern verbindert, der die Säle
der neuerbauten Glyptothek in München monumental
geschmückt sehen wollte.
Im 1.1819 verlieh C. Rom, um diese Malereien
zu veginnen, gleichzeitig aber sollte er die Leitung der
Akademie zu Düsseldorf übernehmen, zu welcher er
besonders auf Betrieb Niebuhrs, der seine höbe Be-
deutung erkannt hatte, von der preuß. Regierung
ausersehen war. Winter und Sommer den Aufent-
halt wechselnd, teilte nun C. seine Thätigkeit zwischen
der Düsseldorfer Akademie, wo sich zahlreiche be-
gabte Schüler um ihn sammelten, und den Fresken
von drei Sälen der Glyptothek in München. Hier
füllten sich unter Bethätigung der zur Arbeit her-
angezogenen Maler I. Schlotthauer, Cl. Zimmer-
mann, C. W. von Heideck, H. Heß und E. Neu-
reuther die Decken und Bogenfelder der Glyptothek
mit den in sinniger Gliederung angeordneten Dar-
stellungen zur griech. Göttersage und zum trojani-
schen Heldenkreise, deren Kartons in der königl. Na-
tionalgalerie zu Berlin aufgestellt sind. Verviel-
fältigt wurden davon: die Aurorabilder (litho-
graphiert von Schreiner), Der Sonnenwagen (litho-
graphiert von F. Kühlen und I. G. Zeller), Die
Unterwelt (gestochen von E. Schäffer), die Grisaillen-
bilder: Urteil des Paris, Vermählung des Mene-
laos und der Helena, Entführung der Helena und
Opferung der Iphigenie (Umrißstiche von E. Schüf-
fer), Agamemnon im Traum zum Kampf ermun-
tert (gestochen von E. Thäter), Die Zerstörung von
Troja (gestochen von H. Merz). An diese große
Gemäldereihe, welche C., seit 1825 als Direk-
tor der Akademie ganz an München gebunden,
1830 vollendete, schließen sich die Entwürfe zum
Deckenschmuck des Vorhauses der Pinakothek an,
in welchen C. eine bildliche Erzählung der Ge-
schichte der Malerei vom Mittelalter bis zur Neu-
zeit mit unerschöpflichem Reichtum der Gedanken
entwarf, deren Ausführung aber Cl. Zimmermann
übertragen wurde (die im Kupferstichkabiuett zu
München bewahrten Originalentwürfe von Merz
gestochen und von E.Förster mitText herausgegeben,
Lpz.1874). Das zweite Hauptwerk, welches C. im
Auftrage des Königs vonVaycrn auszuführen hatte,
war der Freskeuschmuck in der neuerbautcn Ludwi.qs-
kirche zu München. Die Kartons zu denselben (jetzt
meist in der Nationalgalerie zu Berlin) wurden
teilweise in Rom gezeichnet, wo C. öfters verweilte;
die drei Hauptbilder stellen dar: an der Chorschluh-
wand das Jüngste Gericht, an den beiden Schluh-
wänden des Querschiffs die Geburt und die Kreu-
zigung Cbristi (gestochen von H. Merz), an den Ge-
wölbedccken alttestamentliche Gruppen von der Er-
schafsung der Welt an. Die Ausführung der Ge-
mälde siel größtenteils andern Händen zu, doch ist
das Hauptbild "Jüngstes Gericht", das größte über-
haupt geschaffene Freskogemälde, von C. ganz selb-
ständig vollendet (Farbenskizze im Städelschen In-
stitut; Stich von H. Merz).
Im 1.1841 wurde C. vom König Friedrich Wil-
helm IV. nach Berlin berufen, wo ihm eine nicht min-
der großartigeThätigkeit bereitet werden sollte. Seine
nächsten Arbeiten dort waren keineswegs glücklich.
So die in Öl für Graf Raczynski gemalte Höllen-
fahrt Cbristi und die Entwürfe zu Tassos "Befreitem
Jerusalem"(Besitzer G.Reimer in Berlin; gestochen
von Eichens, Berl. 1813). Erfreulicher waren die
Entwürfe für den Eilberschild, den der König Fried-
rich Wilbelm IV. als Pateugeschenk für den Prin-
zen von Wales ausführen lieh (gestochen von Hoff-
mann und Sckubert; Abguß des von A. F. Fischer
modellierten Schildes in der Nationalgalerie zu
Berlin). Auf seiner vollen Höhe aber zeigte ihn die
Aufgabe, in einer großen Reihe von Wandgemälden
die Hcülcu des neu zu erbauenden Campo-Santo, der
preuß. Fürstenarnft, mit Darstellungen des christl.
Epos zu sckmücken. Das große Unternehmen ist
Artilel. die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen.