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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cottage-System; Cottasche Buchhandlung

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Cottage-System - Cottasche Buchhandlung, J. G.

schaftlicher Abgeordneter des Schwarzwaldkreises, 1821 Mitglied des ständischen Ausschusses und 1824-31 zugleich Vicepräsident der Kammer. Nach Abschluß des Handelsvereins zwischen Bayern und Württemberg (1828) verhandelte C. 1828 und 1829 im Auftrag beider Regierungen in Berlin über Erweiterung des Vereins auf Preußen, was ein wichtiger Fortschritt zur Begründung des deutschen Zollvereins wurde. C. starb 29. Dez. 1832 in Stuttgart. Von Preußen war ihm schon 1817 der Titel eines Geh. Hofrats verliehen worden.- Vgl. Briefwechsel zwischen Schiller und C. (hg. von W. Vollmer, Stuttg. 1876); Böhlau, Ein Dichter und sein Verleger (im "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", 1885); Schäffle, Zum hundertjährigen Andenken Joh. Fr. Freiherr von C. (ebd. 1888).

C. hinterließ einen Sohn und eine 1824 mit dem württemb. Rittmeister Hermann von Reischach (geb. 2. Dez. 1798, gest. 8. April 1876) verheiratete Tochter. Der Sohn, Freiherr Johann Georg von C., geb. 19. Juli 1796, gest. 1. Febr. 1863, bayr. Kammerherr, 1833-49 ritterschaftlicher Abgeordneter der Zweiten württemb. Kammer, war Nachfolger im Geschäft und übernahm sämtliche Güter des Vaters als unveräußerliches Familienerbgut. Sein ältester Sohn, Freiherr Georg Astolf von C., geb. 20. Jan. 1833, gest. 20. Mai 1876, Doktor der Rechte und württemb. Kammerherr, erbte die Herrschaft Plettenberg und das Rittergut Hipfelhof und wurde auch Inhaber des Günderode-Adlerflychtschen Fideikommisses. Der zweite Sohn, Freiherr Karl von C., geb. 6. Jan. 1835, gest. 18. Sept. 1888, war bis 1876 gemeinsam mit Hermann Albert von Reischach (geb. 3. Okt. 1836, gest. 5. April 1876, Sohn von Herm. Reischach), von da an allein, Leiter der J. G. Cottaschen Buchhandlung. (Vgl. Koch, Karl Freiherr Cotta von Cottendorf [Münch. 1888]; aus "Allgemeine Zeitung", Nr. 304.) Der Senior des Geschlechts ist gegenwärtig ein Sohn von Georg Astolf von C., Freiherr Georg Friedrich Karl von C., geb. 27. Mai 1869.

Cottage-System (vom engl. cottage, spr. kóttĕdsch, d. i. Häuschen, Landhaus), die Einrichtung, bei welcher der Fabrikant für die Wohnung des Arbeiters sorgt und den Mietzins am Lohn in Abzug bringt. Sofern es als eine besondere Art der Löhnung, namentlich in England, vorgekommen ist, hat es manchen Nachteil für die Arbeiter zur Folge gehabt und steht mit dem Trucksystem (s. d.) in einer Reihe. Im Gegensatz zum Kasernensystem besagt der Ausdruck C. soviel wie Einfamilienhaus-System. Jede Arbeiterfamilie soll in einem, womöglich von einem Gärtchen umgebenen Häuschen für sich wohnen und es soll dafür gesorgt werden, daß sie Eigentümerin desselben werde. Indeß so groß die Vorteile des Einzelwohnens sind, so läßt sich der Gedanke doch nur auf dem platten Lande, nicht in den Städten verwirklichen, weil die Höhe der Grundstückspreise zu sehr ins Gewicht fällt. Im allgemeinen wird nur der sehr günstig situierte Teil der Arbeiter hoffen können, durch allmähliche Abzahlungen es zum Hauseigentümer zu bringen. (S. Arbeiterwohnungen.) - Über das C. bei Krankenhäusern s. Krankenhaus.

Cottasche Buchhandlung, J. G., Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, ging aus dem Geschäft des akademischen Buchführers Philipp Brunn in Tübingen hervor, das Johann Georg Cotta (geb. 1631 in Sachsen, gest. 1692) 1659 durch seine Verheiratung mit der Wittwe Brunns erwarb und unter der Firma Joh. Georg Cottasche Buchhandlung fortführte. Die nachfolgenden Besitzer waren sein Sohn (bis 1712) und sein Enkel gleichen Namens. 1787 übernahm das Geschäft Joh. Friedr. Cotta (s. Cotta, Freiherr von Cottendorf, Joh. Friedr.) und hob es durch seine Verlagsthätigkeit, welche die Werke Schillers und Goethes sowie der meisten Dichter der zweiten Blüteperiode der deutschen Litteratur umfaßte, zu einer weltgeschichtlichen Bedeutung. Dazu gründete er 1798 die "Allgemeine Zeitung" (s. d.); er gab ferner an Zeitschriften heraus die "Horen" (1795-97), die "Europ. Annalen" (1795-1820), verbunden mit der "Aktensammlung", den freisinnigen "Hesperus" (1822-32), die geogr. "Hertha" (1825-29), den "Almanach des dames" (1801-31) und andere Taschenbücher, die "Württemb. Jahrbücher", hg. von Memminger (1818-49), das "Morgenblatt" (1807-65), das "Polytechnische Journal", hg. von Dingler (1820 u. fg.), das "Ausland" (1828 u. fg.), das "Inland" (1829-31) u. a. 1811 wurde der Verlag nach Stuttgart verlegt und mit einer eigenen Buchdruckerei verbunden. Eine zweite Buchdruckerei bestand in Augsburg für die "Allgemeine Zeitung". 1827 wurde in München die Litterarisch-artistische Anstalt für lithogr. Vervielfältigung und Kupferdruck nebst Buch-, Kunst- und Landkartenhandel errichtet. Der Verlag dehnte sich nach und nach fast auf alle Zweige der Wissenschaft aus: Werke der Brüder Humboldt, von Varnhagen, Zimmermann, Zschokke, der Philosophen Fichte, Hegel, Schelling, der Historiker Archenholz, Joh. von Müller, Spittler, Posselt, Majlath, der Geographen Berghaus, Bröndsted, der Landwirte Elsner, Weckherlin, der Polytechniker Prechtl, Dingler; in der Kunst die Ansichten des Kölner Doms von S. Boisserée und die lithogr. Wiedergaben der Sammlung altdeutscher Gemälde der Brüder Boisserée (in der Pinakothek in München) u. a. - Vgl. Roth, Das Büchergewerbe in Tübingen vom J. 1500 bis 1800 (Tüb. 1880).

Der nachfolgende Besitzer (1832-63) war der Sohn Joh. Friedr. Cottas, Freiherr Johann Georg von Cotta. Er erweiterte die Buchdruckerei, fügte Schriftgießerei und Stereotypie hinzu, kaufte 1839 die G. J. Göschensche Verlagsbuchhandlung in Leipzig, 1845 die von Vogelsche Verlagsbuchhandlung in Landshut und errichtete in demselben Jahre eine Bibelanstalt in Stuttgart und München, zum Teil unter Hinzuziehung tüchtiger Kräfte, wie Ludwig Roth, Rudolf Oldenbourg. Neue Verbindungen wurden angeknüpft mit Platen, Pyrker, Simrock, Freiligrath, Geibel, Kinkel, Karl Mayer, Mörike, Dingelstedt, Lingg, ferner mit Fallmerayer, Gregorovius, Ranke, Friedrich List, Roscher, von Stein, Riehl, Arndts, Bluntschli u. a. Die Illustrationen zum Homer, zu Herders Eid, zu dem Nibelungenlied, zu Goethes Reineke Fuchs und Faust, zu Schillers und Uhlands Gedichten brachten Beziehungen zu Künstlern, wie Genelli, Kaulbach, Neureuther, Piloty, Ramberg, Schnorr von Carolsfeld, Schwind, Seibertz u. a. Auch auf Musikalien wurde die Verlagsthätigkeit ausgedehnt, die "Deutsche Vierteljahrschrift" (1838-70) begründet, zahlreiche zeitgemäße Ausgaben der Klassiker, namentlich von Schiller und Goethe, wurden veranstaltet. Das Erlöschen der Privilegien und Schutzfristen für Werke von Autoren, die vor dem 9. Nov. 1837 gestorben waren, am 9. Nov. 1867

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]