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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Courbette; Courbevoie; Courbière; Courcel; Courcelle-Seneuil; Courcelles

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Courbette - Courcelle-Seneuil

gegen die bestehende Gesellschaftsordnung gehalten. Die Kornsieberinnen (1855; Museum in Nantes), Das Jägerrecht der Hunde beim Treibjagen (1857), Die Hirschbrunft (1861; im Louvre), Die Fuchsjagd (1863), Das Rehlager (1866), Die Meereswelle (im Luxembourg) und viele Landschaften sind Bilder von derbem Realismus, die von C.s scharfer Naturbeobachtung und seiner ungewöhnlichen technischen Gewandtheit zeugen. Schon 1858, dann wieder 1867 stellte er seine Bilder nicht im Salon, sondern getrennt aus, somit seine Stellung außerhalb der akademischen Kunstrichtung als einer der Führer der realistischen Schule bekundend. Seine polit. Ansichten verleiteten ihn als Präsident der zur Wahrung der Museumsschätze eingesetzten Kommission 14. Sept. 1870 zu dem Vorschlag, die Vendômesäule als ein in künstlerischer Hinsicht ganz wertloses und mit dem Geiste der modernen Bildung unverträgliches Denkmal abzubrechen. Auf seinen Antrag verordnete die Commune 12. April 1871 das Niederstürzen der Vendômesäule, welches dann 16. Mai wirklich stattfand. Nach der Niederlage der Commune wurde C. zu sechsmonatiger Gefängnisstrafe und im Sommer 1875 auch noch zum Ersatz der Kosten für die Wiederaufrichtung der Vendômesäule (329091 Frs.) verurteilt. Er starb 31. Dez. 1877 zu La Tour de Peilz bei Vevey, wohin er geflohen war. – Vgl. H. d’Ideville, G. C., Notes et documents sur sa vie et son œuvre (Par. 1878).

Courbette (frz.) oder Kurbette, in der Reitkunst eine Galopplektion der Hohen Schule (s. d.). Das Pferd erhebt sich im ersten Tempo auf den Sprunggelenken und zieht die Vorderbeine scharf an, im zweiten Tempo schnellt es sich in einem Bogen auf die Vorderbeine und zieht die Hinterbeine wieder unter. Das erste, der Pesade ähnliche Tempo der C. wird auch Mezair genannt.

Courbevoie (spr. kurbĕwŏá), Hauptstadt des Kantons C. (53,95 qkm, 7 Gemeinden, 98407 E.) im Arrondissement St. Denis des franz. Depart. Seine, an der Linie Paris-Versailles der Franz. Westbahn, auf dem linken Seine-Ufer, mit dem gegenüberliegenden Neuilly durch zwei Brücken verbunden, hat (1891) 16150, als Gemeinde 17597 E., in Garnison einen Teil des 18. Jägerbataillons, eine unter Ludwig ⅩⅤ. für das schweiz. Regiment erbaute große Kaserne, hübsche Promenaden; Fabrikation von Bleiweiß, Leinenwaren und gepreßten Stoffen. Hier stand die 1870 von den Republikanern in die Seine versenkte kolossale Bronzestatue Napoleons Ⅰ. von Seurre (bis 1863 auf der Vendômesäule in Paris).

Courbière (spr. kurbĭähr), Guillaume René, Baron de l’Homme de, preuß. Feldmarschall, geb. 23. Febr. 1733 zu Mastricht als Sohn eines holländischen aus einer Refugiéfamilie stammenden Majors, trat 1756 als Ingenieurkapitän in preuß. Dienste, that sich 1758 bei der ersten Belagerung von Schweidnitz hervor und erhielt 1759 als Major ein Freibataillon. Mit demselben zeichnete er sich im Okt. 1759 bei der Verteidigung von Herrnstadt gegen die Russen sowie 1760 bei der Belagerung von Dresden, bei dem Entsatz von Kolberg, bei Liegnitz und Torgau vorteilhaft aus. Nur C.s Freibataillon lieh Friedrich Ⅱ. nach dem Hubertusburger Frieden fortbestehen. C. war dann namentlich bei der Bildung der Füsiliere thätig, wurde 1780 Generalmajor und 1787 Generallieutenant. Im Kriege gegen das republikanische Frankreich führte er die preuß. Garden, nahm 1792 Verdun, entschied 1793 die Schlacht bei Pirmasens, befehligte 1794 ein Korps unter Möllendorf, wurde 1797 General der Infanterie und 1798 Gouverneur von Graudenz. Diese Festung behauptete er 1807 tapfer, obwohl sie vom 22. Jan. bis zum 12. Dez. blockiert wurde und erhielt dem Könige beim Friedensschluß dadurch fast ganz Westpreußen. C. wurde hierauf Feldmarschall und Generalgouverneur von Westpreußen, blieb jedoch in Graudenz und starb dort 25. Juli 1811. Den Namen C. führt seit 1889 das 19. (2. posensche) Infanterieregiment.

Courcel (spr. kurßéll), Alphonse Chodron de, franz. Diplomat, geb. 30. Juli 1835 zu Paris, studierte daselbst die Rechte und ging 1853 nach Bonn, um in Deutschland neben juristischen auch Sprachstudien zu betreiben, studierte auch in Berlin und München und promovierte 1858 zu Bonn. Hierauf trat er in den Staatsdienst seines Vaterlandes , ward Attaché in Brüssel und Petersburg, 1869 Subdirektor im auswärtigen Ministerium, 1880 Direktor der Abteilung der polit. Angelegenheiten und wurde 1881 zum Botschafter in Berlin ernannt. In dieser Stellung blieb er bis zum Okt. 1886, als Noulanger unter Freycinets Präsidentschaft das Kriegsministerium übernahm. Im Jan. 1892 wurde er in Versailles zum Senator gewählt, im Juli desselben Jahres vom Präsidenten Carnot zum franz. Schiedsrichter in der zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika streitigen Beringmeerangelegenheit ernannt.

Courcelles (spr. kurßähl) a. d. Nied, Dorf im Kanton Pange, Landkreis Metz des Bezirks Lothringen, an der Nied und den Linien Saarbrücken-Metz und Metz-Teterchen der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, hat (1890) 240 kath. E., kath. Pfarrei und ein Schloß im Rokokostil (18. Jahrh.). – Nach C. (1161 Corilum, 1178 Courzelles) wurde anfangs die erste Schlacht vor Metz (14. Aug. 1870) benannt, jetzt amtlich als Schlacht von Colombey-Nouilly (s. Colombey) bezeichnet.

Courcelles (spr. kurßähl), Gemeinde in der belg. Provinz Hennegau, an der Linie Braine-le-Comte-Charleroi-Namur und der Verbindungslinie C.-Jumet (La Bralotte) der Belg. Staatsbahnen, 11 km nordwestlich von Charleroi, hat (1890) 12654 E. und zahlreiche Hüttenwerke.

Courcelle-Seneuil (spr. kurhal ß’nöj), Jean Gustave, franz. Nationalökonom, geb. 22. Febr. 1813 zu Seneuil (Dordogne), war anfangs Kaufmann, widmete sich später volkswirtschaftlichen Studien, war 1848vorübergehend Domänendirektor und lehrte 1853‒63 als Professor der Nationalökonomie an der Universität Santiago in Chile. Seit 1879 war er Staatsrat, seit 1882 Mitglied der Akademie. Er starb 20. Juni 1892 in Paris. Von seinen Schriften, in denen er sich als entschiedener Anhänger der individualistischen Richtung bekundete, sind besonders hervorzuheben: «Traité théorique et pratique des opérations de banque» (1853; 6. Aufl. 1876), «Traité théorique et pratique des entreprises industrielles, commerciales et agricoles ou manuel des affaires» (1855; 4. Aufl. u. d. T. «Manuel des affaires», 1883; deutsch von Eberbach, Stuttg. 1885), «Traité théorique et pratique d’économie politique» (2 Bde., 1858‒59; 3. Aufl. 1890), «Études sur la science sociale» (1862), «Cours de comptabilité» (4 Bde., 1867), «Liberté et socialisme, ou discussion des principes de l’organisation du