Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cremona; Cremor tartari; Cremutius Cordus; Crenneville; Crenothrix; Creolin

588

Cremona (Luigi) - Creolin

Die Industrie erstreckt sich auf Seiden-, Woll- und Baumwollweberei sowie auch Fabrikation von Hüten und Konfitüren (Torrone). Weltberühmt sind die im 16. bis 18. Jahrh. hier verfertigten Geigen und Bratschen von Amati, Guarneri und Stradivari (s. d.). Im 16. Jahrh. blühte hier eine Malerschule. C. ist Geburtsort der berühmten Malerin Sofonisba d'Anguisciola (1535-1625). - C. wurde von den Römern den gallischen Cenomanen entrissen und 218 v. Chr. eine Kolonie dahin geführt. Sie erhielt später die Rechte eines Municipiums und hob sich durch Handel. Auch ward daselbst ein Amphitheater erbaut, welches an Größe alle übrigen in Oberitalien übertraf. Nach der Niederlage der Anhänger des Vitellius (69 n. Chr.) fiel die Stadt in die Hände des Vespasian, der sie von Grund aus zerstören ließ. Wieder aufgebaut, erreichte sie doch erst in der Blütezeit der ital. Freistaaten erneute Bedeutung. Galeazzo Visconti erstürmte sie 1322. Im Spanischen Erbfolgekriege wurde zu C. 2. Febr. 1702 der franz. Marschall Villeroi durch die Kaiserlichen unter Prinz Eugen bei einem nächtlichen Überfalle gefangen genommen. C. wurde 1733 von Franzosen und Piemontesen genommen, 25. Aug. 1736 aber wieder geräumt. Nach der Einnahme der Stadt durch die Franzosen 17. Mai 1796 gehörte sie der Cisalpinischen Republik, dann Italien, seit 1815 Österreich und seit 1859 Italien.

Cremona, Luigi, ital. Mathematiker, geb. 7. Dez. 1830 zu Pavia, nahm an den ital. Unabhängigkeitskriegen 1848-49 bis zur Übergabe Venedigs lebhaften Anteil, worauf er an der Universität seiner Vaterstadt Mathematik studierte. Als Lehrer seines Fachs war er am Untergymnasium von Cremona, am Obergymnasium von Mailand, an der Universität von Bologna und am höhern technischen Institut von Mailand thätig, bis er 1873 als Professor der höhern Mathematik an die röm. Universität berufen wurde und die Leitung des Polytechnikums daselbst überkam. C. ist Senator des Königreichs. Seine Bedeutung liegt in den Neuschöpfungen und den Vervollkommnungen der projektivischen Geometrie und der graphischen Statik, die er in die technischen Hochschulen einführte (Cremonasche Transformation, Cremonascher Kräfteplan), und in der organisatorischen Kraft, die er zur Hebung der technischen Hochschulen seines Vaterlandes verwendet. Außer zahlreichen wichtigen Abhandlungen (darunter die mit dem Steinerschen Preis von der Berliner Akademie der Wissenschaften gekrönte Arbeit über Flächen dritten Grades) in Fachschriften gab C. heraus: "Introduzione ad una teoria geometrica delle curve piane" (Bologna 1862), "Preliminari di una teoria geometrica della superficie" (Mail. und Bologna 1867), "Sugli integrali e differenziali algebrici" (Bologna 1870), "Le figure reciproche nella statica grafica" (3. Aufl., Mail. 1879), "Elementi di geometria projettiva" (Turin 1873), "Elementi di calcolo grafico" (ebd. 1874; deutsch von Curtze, Lpz. 1875), "Collectanea mathematica" (Mail. 1880, mit Beltrami zusammen), "Rappresentazione di una classe di superficie gobbe sopra un piano, e determinazione delle loro curve assintetiche" (in "Annali di scienze mathem.-fisiche").

Cremor tartari (lat.) oder Weinsteinrahm, ursprünglich Bezeichnung des von selbst gebildeten Pulvers des Weinsteins (s. d.). Wenn der rohe Weinstein, wie er aus Weinfässern ausgeschlagen worden, mit Wasser und Klärmitteln gekocht und die Lösung noch siedendheiß durchgeseiht wird, sondern sich zuerst die Unreinigkeiten davon ab. Dann steigt der auf diese Art gereinigte Weinstein in feinzerteilter Form (wie Rahm auf der Milch) in dem Kessel in die Höhe, worauf er abgeschöpft und getrocknet wird. Ein anderer Teil krystallisiert (Weinsteinkrystalle, Crystalli Tartari) und wird erst durch Mahlen in C. T. umgewandelt. Jetzt macht man zwischen beiden Arten keinen Unterschied mehr. Je härter, weißer und von erdigen Teilen freier der Weinsteinrahm ist, desto besser ist er. Er dient besonders in der Medizin als kühlendes, säuerlich-salziges, gelind abführendes Mittel, besonders gegen Kongestionen. Der C. T., jetzt Tartarus depuratus genannt, ist doppeltweinsaures Kalium (Kalium bitartaricum) und bildet in krystallisierter Form das Material zur fabrikmäßigen Darstellung der Weinsäure. Hauptproduktionsländer für C. T. sind Frankreich und Italien; Versand in Fässern von 300 bis 500 kg; Preis 220-240 M. pro 100 kg; bester kalk- und eisenfreier C. T. für mediz. Zwecke ist 30 bis 40 M. teurer.

Cremutius Cordus, röm. Geschichtschreiber im 1. Jahrh. n. Chr., schrieb die (nicht erhaltene) Geschichte des Untergangs der röm. Republik und der Gründung der Monarchie mit großem Freimut in republikanischem Sinne. Er rühmte Brutus und nannte Cassius den letzten Römer. Nachdem er Sejanus durch beleidigende Äußerungen gereizt hatte, wurde er 25 n. Chr. wegen seines Geschichtswerks angeklagt und gab sich darauf selbst den Tod. - Vgl. Rathlef, De Cremutio Cordo (Dorpat 1860).

Crenneville, Franz, Graf Folliot de, s. Folliot de Crenneville.

Crenothrix, Brunnenfaden, von einigen Botanikern zu den Algen gerechnet, jedoch wegen des Mangels an Chlorophyll zu den Pilzen und zwar zu den Spaltpilzen (s. d.) oder Schizomyceten zu stellen. C. ist allgemein gefürchtet, weil ihr massenhaftes Auftreten nicht nur Brunnen und Wasserleitungen verunreinigt, wie es zu Breslau, Berlin und Halle geschehen ist, sondern auch dadurch enge Drainröhren gänzlich verstopft werden. Dem unbewaffneten Auge stellt sich C. als eine ockerfarbige oder rostbraune (vom Eisengehalt herrührend), flockige oder fein büschelförmige Masse dar, die unter dem Mikroskop bei 5-600facher Vergrößerung 1,5 bis 5 Mikromillimeter dünne, nach oben schwach keulenförmig verdickte, gegliederte, in geschlossenen Scheiden steckende Fäden erkennen läßt, dazwischen oft aber auch gallertartige Häufchen, die aus Millionen kleiner punktartiger Zellen bestehen. Man bezeichnet diese Gallertmassen wie bei andern Spaltpilzen als Zooglöen. Die Vermehrung geschieht durch lebhafte Teilung der einzelnen Zellen oder durch Sporen, welche in etwas angeschwollenen Fadenenden in großer Anzahl gebildet werden. Die Vermehrung ist auf beiden Wegen eine außerordentlich schnelle. Bekannt ist nur eine einzige Species: C. Kühniana Zopf (C. polyspora Cohn, s. Tafel: Pilze III, Fig. 2). - Vgl. Cohn, Beiträge zur Biologie der Pflanzen, Bd. 1 (Bresl. 1870); Zopf, Untersuchungen über C. polyspora, die Ursache der Berliner Wasserkalamität (Berl. 1879).

Creolin, ein von Pearson & Co. in Hamburg in den Handel gebrachtes Desinfektionsmittel, welches durch Destillation aus den engl. Steinkohlen gewonnen wird und im wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen und höhern Phenolen besteht, stellt

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]