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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cutiliä - Cuvier
richtung gegen zu starken Wasserverlust anzusehen.
Bei Pflanzen, die einer starken Verdunstung aus-
gesetzt sind, z. B. bei Wüstenpflanzen, ist deshalb
die 6. viel stärker entwickelt als bei solchen, die an
feuchten Standorten wachsen, und außerdem ist
auch in jenem Falle gewöhnlich noch Cutin in den
übrigen Teilen der Epidermiszellwände eingelagert,
sodaß die (^. dadurch noch verstärkt wird. Die
Schichten der Epidermiszellwände, die ebenfalls
Cutin enthalten, haben ganz ähnliche chem. und
Physik. Eigenschaften wie die (ü. selbst; man nennt
sie gewöhnlich tutikularisierte Schichten oder
KutNularschichten. Bei Tieren besteht die (^.
meist aus Chitin, dem jedoch andere Stoffe, beson-
ders kohlensaurer Kalk, seltener Kieselsäure beigefügt
sein können. Die (^. erscheint auf dem optischen
Durchschnitt streifig, als Ausdruck von Lamellen,
in denen die (^'. von den darunter gelegenen Zellen
abgesondert wird. Die Lamellen sind nach austen
dünner, nach innen, der erzeugenden Zellschicht
(Matrix) zu breiter, jene sind älter und haben mehr
Feuchtigkeit abgegeben, sind fester geworden als
diefe. Die d kann im ganzen auf einmal oder
fetzenweife abgestreift werden (f. Häutung).
Cutiliä, si Cittaducale.
Eutm, s. (Xiticnia.
Cuttack (spr. kottäck), ostind. Distrikt, s. Katak.
Cutupagsi, s. Cotopari.
Ottv", bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Baron George von Cuvier (s. d.);
1^. Ottv., Abkürzung für Fr^döric Cuvier (s. d.).
Cuvelage (frz., spr. tüw'lahsch'), f. Bergbau
(Bd. 2, S. 759 d).
Ouvetts (frz., spr. küwett), Waschbecken; bei
Taschenuhren der innere Staubdeckel: in der Zahn-
heilkunde eine halbrunde Rinne zur Aufnahme des
Wachses, womit der Abdruck des Kiefers genommen
wird, um danach die Modelle künstlicher Zähne her-
zustellen ; s. auch 0un6tt6.
George von C., geb. 27. Juni 1773 zu Mömpelgard,
gest. als Professor und Konservator des Kabinetts
für vergleichende Anatomie des Pariser ^i'diu deg
?1ant68 25. Juli 1838 in Straßburg, war Mit-
glied des Instituts und des prot. Konsistoriums und
hat sich namentlich durch das Werk "1)65 äeut8 äe3
mainmitei'68) c0U8iäoi'668 eomm6 "arli0t0i'68 noolo-
Ai<iu68" (Par. 1825) und die mit Geosfroy Saint-
Hilaire herausgegebene "Il^toire imtnrelio 668
inaniinitei'68" (ebd. 1819-35; 2. Aufl. 1829 fg.)
bekannt gemacht.
Cuvier (spr. küwieh), George Leopold Chrstien
Fre'de'ric Dagobert, Baron von, franz. Naturforscher,
geb. 23. Aug. 1769 in der damals württemb. Stadt
Mömpelgard (MonttMard), besuchte das Gymna-
sium seiner Vaterstadt, seit 1784 die Karlsatademie
zu Stuttgart und wurde 17^88 Hauslehrer bei dem
Grafen d'Heriey auf dem Schlosse Fiquainville in
der Normandie, wo ihn die Nähe des Meers zu
naturhistor. Untersuchungen veranlaßte. Er wurde
dort mit dem Abbe' Tessier bekannt, der durch seine
Verbindungen mit Pariser Gelehrten C. 1795 einen
Ruf nach Paris als Professor an der Centralschule
des Pantbeon verschaffte. Kurz nachher wurde C.
zum Gehilfen Mertruds, des Lehrers der ver-
gleichenden Anatomie am ^räin ä68 ?iHnt68, er-
nannt und begann eine naturhistor. Sammlung zu
gründen, die zu einer der größten Europas gewor-
den ist. 1796 zum Mitglied des Nationalinstituts
ernannt, wurde er 1800 Daubentons Nachfolger am
lüo1lO^6 ci6 I^i-aiil)6,1808 Rat der neuen kaiserl. Uni-
versität und mit der Einrichtung von Akademien in
den neuen Gebietsteilen des Kaiserreichs, in Italien,
Holland und den Hansestädten betraut, 1813 Re-
quetenmeister im Staatsrate und nach Mainz als
außerordentlicher Kommissar gesandt, um die Be-
wohner des linken Rheinufers zur Erhebung gegen
die Verbündeten zu vermögen; diese drangen jedoch
fo rasch vor, daß C. umzukehren gezwungen war.
1814 wurde C. Staatsrat, 1818 Mitglied der
Französischen Akademie, 1819 zum Rang eines
Barons erhoben, von Ludwig XV11I. in den Kabi-
nettsrat berufen und erhielt 1822 die Oberaufsicht
über die prot.-thcol. Fakultäten. Unter Ludwig
Philipp behielt er alle 'Amter und Würden, wurde
19. Nov. 1831 Pair von Frankreich und follte
zum Minister des Innern ernannt werden, als er
13. Mai 1832 starb.
C. suchte die Zoologie auf die vergleichende Ana-
tomie zu gründen und erhob diese letztere zuerst zur
Wissenschaft. Nachdem er mit eisernem Fleiße eine
zahllose Menge Tiere und besonders die noch wenig
gekannten Weichtiere untersucht, gab er die "I.6^c>u8
(I'aiiawinio c0inMi'66" (5 Bde., Par. 1801-5; neue
Ausg. in 8 Von., von vielen seiner Schüler gemein-
schaftlich besorgt, ebd. 1836-45; deutsch vonFroriep
und Merkel, 4 Bde., Lpz. 1808-10) heraus, die er in
den "N6ni0ir68 ponr servir ^ 1'1ii8t0il6 ot ü> 1'aua-
toinic; äo8 ino1w8<iii68" (Par. 1816) ergänzte. Von
diesen Untersuchungen ausgehend, stellte er den Satz
auf, daß das Tierreich aus einer bestimmten Anzahl
von Typen (1ÄinI)i-lnicIi6in6Qt8) bestehe, deren jeder
seine besondere, von den andern unabhängige Aus-
bildung zeige: Wirbeltiere, Mollusken, Glieder-
tiere, ^trahltiere. In den "IteeliLi'ci^ 8nr 163
0836M(M8 t088ii68" (4 Bde., 1812; 4. Aufl., 12 Bde.,
1835-37) wandte er die Sätze der vergleichenden
Ofteologie auf die vorweltlichen Wirbeltiere an.
Bei diesen Untersuchungen wurde C. besonders von
Laurillard unterstützt. Im Verlaufe der geognost.
Untersuchungen deo Pariser Beckens, die er mit
Aler. Brongniart unternahm, kam C. zuerst zu der
Ansicht, daß abwechselnd Fluten vom Süßwasser
und vom Meer die Erdoberfläche verändert haben
müssen. C. besaß in hohem Grade die Fähigkeit,
wissenschaftliche Forschungen allgemein verständlich
und in glänzender Sprache darzulegen. Ausgezeich-
net in dieser Hinsicht ist namentlich die Einleitung
zu dem letztgenannten Werke, der besonders gedruckte
und vielfach aufgelegte "I)i800ui'8 8ui- 168 i-evoiu-
tion8 l^6 lä, 8^1'fHl^) clu ^1ol)6 6t 8NV 1k3 0I1AUF6'
M6Iit8 (iu'6i!^8 Mit 1)I'0äuit8 (Ig>U8 16 I'6M6 Hnilligi"
(deutsch von Nöggeratb, 2 Bde., Bonn 1830; von
Giebel, Lpz. 1851). C.s Hauptwerk ist "1^6 i-e^n6
animai" (4 Bde., Par. 1817; deutsch Stuttg. 1821
-25), dessen zweite gänzlich umgearbeitete Auflage
1829 fg. erschien (5 Bde.; deutsch, 0 Bde., Lpz. 1831
-43). Viele Ausgaben des Werks, zum Teil reich
illustriert, sind seither erschienen. In Verbindung
mit Valenciennes begann er schon 1828 seine "IIi3-
toii'6 n^turelio ä<38 poi880N8" (22 Bde., Par. 1828
-49), die von jenem fortgefetzt, aber nicht beendet
wurde. Auf dem Gebiete des Unterrichtswefens ent-
wickelte C. gleichfalls eine unermüdliche Thätigkeit;
er vertrat mit Eifer die Interessen der prot. Kirche
Frankreichs und erlangte für sie die Errichtung von
50 neuen Pfarreien. In der Kammer unterstützte
er aus Liebe zur Ordnung die Vourbonendynastie,
Artikel, die man unter E vermißt, sind unte-r K aufzusuchen.