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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Czarny Dunajec; Czartoryski

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Czarny Dunajec - Czarioryski^[korrekt: Czartoryski] (Adam Georg, Fürst)

Czarnkow, Kreisstadt im Kreis C., an der Netze, hat (1890) 4542 (2179 männl., 2363 weibl.) E., darunter 1663 Katholiken und 796 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, Landratsamt, Amtsgericht (Landgericht Schneidemühl), Steueramt, Katasteramt, Bauamt; 2 evang., 1 kath. Kirche, Synagoge, Rektoratsschule, höhere Mädchenschule, Präparandenanstalt, je eine evang., kath. und israel. Volksschule, staatliche Fortbildungsschule, Krankenhaus, Kreissparkasse, poln. Volksbank; Dampfsäge- und Ölmühlen, Wollspinnerei, Kalkbrennereien und Getreidehandel.

Czarny Dunajec (spr. tscharni dunahjetz), Markt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Neumarkt in Galizien, am Schwarzen Dunajec, wonach der Ort genannt ist, hat (1890) 2445, als Gemeinde 2469 poln. E., Post, Bezirksgericht (15 Gemeinden, 27 Ortschaften, 16418 E.), reiche Eisenerzlager. In der Nähe der Borysumpf, aus dem zwei Bäche, der eine zum Donau-, der andere zum Weichselflußgebiet stießen.

Czartoryski (spr. tschar-), poln. Familie, die einige von Jagello, andere von dem Enkel des litauischen Fürsten Gedemin, dem Fürsten zu Czerniechow und Siewier Korygjello ableiten, der in der Schlacht bei Wilna 1390 fiel. Die C. sind wahrscheinlich schon im 14. Jahrh. aus Litauen in die russ. Landschaft übergesiedelt, die alte Feste Czartorysk am Styr in Volhynien wird als Mittelpunkt ihrer Besitzungen angesehen. Urkundlich erscheinen sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. Alexander Feodorowicz C. trat 1569 der Lubliner Union, die Litauen mit Polen vereinigte, bei; er wird zwar Fürst genannt, doch erlangte die Familie, obgleich sie sich polonisierte, bis in die Mitte des 18. Jahrh. keine hervorragende Stellung, vornehmlich wohl, weil sie sich zum griech. Glauben bekannte. Mit Georg Iwanowicz C. (gest. 1622) trat sie zu der kath. Kirche über, verschwägerte sich mit den sehr reichen Familien Morsztyn und Doenhof und erwarb sich bald das höchste Ansehen. Nachdem die C. schon 1623 die deutsche Reichsfürstenwürde erhalten hatten, wurde ihnen 1785 das österr. Indigenat und 1788 die Magnatenwürde von dem ungar. Landtage zuerteilt. Ursprünglich bestand eine litauische und eine russische, angeblich mit den Ruriks (Linie Jaroslaw) verwandte Linie. Von den zwei Hauptlinien erlosch die ältere, von Nowgorod, zur Zeit des poln. Königs Sigismund I., während sich die andere (zu Klewan) wiederum in zwei Äste teilte, den zu Zukow und den zu Korzec, von welchen jedoch der letztere mit dem Fürsten Joseph Clemens C., gest. 13. Febr. 1810, im Mannsstamme erloschen ist. Der Linie zu Zukow gehörte der Fürst Michael Friedrich C. an, geb. 26. April 1696, gest. 13. Aug. 1775 als Großkanzler von Litauen, Mitbegründer der lange Zeit mächtigen und einflußreichen sog. Familie, d. i. einer von den Verwandten der C. gebildeten polit. Partei, die im Gegensatze gegen die Potocki und Radziwill heilsame Reformen und Beschränkung der Adelsfreiheiten in Polen, freilich mit Hilfe Rußlands, einzuführen bezweckte. (Vgl. Röpell, Polen um die Mitte des 18. Jahrh., Gotha 1876.) - Sein Neffe, Fürst Adam Kasimir C., General von Podolien, geb. 1. Dez. 1734, durch Geburt, Reichtum, Geist und Bildung ausgezeichnet, wurde nach dem Tode Augusts III. als Kandidat für Polens Thron aufgestellt. Allein durch den Einfluß der Kaiserin Katharina II. erhielt Stanislaus Poniatowski die Krone. Adam Kasimir C. trat nach der ersten Teilung Polens wegen seiner Besitzungen in Galizien in österr. Dienste, wo er Feldmarschall wurde. Dessenungeachtet nahm er an dem Reichstage 1788-91 den eifrigsten Anteil und erhielt während dieser Zeit eine Sendung nach Dresden, um den Kurfürsten von Sachsen zur Annahme der Krone Polens zu bewegen. Hierauf suchte er in Wien die Vermittelung und den Schutz des Kaisers gegen die Absichten Rußlands. Da seine Bemühungen fruchtlos blieben und König Stanislaus der von Rußland begünstigten Konföderation von Targowiza beitrat, zog er sich auf seine Güter zurück. Von Napoleon zum Marschall des poln. Reichstags ernannt, brachte er die Konföderation von 1812 zu stande. C. lebte später zurückgezogen auf seinen Gütern und starb 19. März 1823 zu Sieniawa in Galizien. Seine Söhne waren Adam Georg, Fürst C. (s. d.) und Konstantin, Fürst C. (s. d.). - Seine Gemahlin Isabella, geborene Gräfin von Flemming, geb. 31. März 1743 in Warschau, vermählt 19. Nov. 1761, machte sich ebenso berühmt durch ihren Patriotismus wie durch ihre Schönheit und ihren poet. Geist, den sie als Schriftstellerin entfaltete. Sie lebte bis 1831 zu Pulawy, dessen schöne Gärten zum Teil ihr Werk sind und wo sie Volksschulen, Fabriken und in dem sog. Tempel der Sibylle die berühmte Sammlung poln. Altertümer begründete. Infolge des Ausgangs der poln. Revolution von 1830 zog sie sich nach Wysock in Galizien, einer Besitzung ihrer Tochter, der Herzogin von Württemberg, zurück, wo sie 17. Juni 1835 starb. Diese ihre Tochter Maria, geb. 15. März 1768, gest. 21. Okt. 1854 zu Paris, die sich 1784 mit dem Herzog Ludwig von Württemberg vermählte, von dem sie aber 1792 geschieden wurde, ist die Verfasserin des trefflichen poln. Romans "Malvina" (Warsch. 1818).

Czartoryski (spr. tschar-), Adam Georg, Fürst, ältester Sohn des Fürsten Adam Kasimir C. (s. oben), geb. 14. Jan. 1770, erhielt eine häusliche Erziehung und vollendete seine Bildung in Edinburgh und London. Schon im Freiheitskampfe Kosciuszkos zeigte er sich tapfer. Nach der Teilung Polens 1795 wurde er nebst seinem Bruder Konstantin als Geisel nach Petersburg geschickt. Dort fühlte sich der junge Großfürst Alexander, dem C. als Adjutant beigegeben war, durch dessen männlichen und feurigen Charakter so mächtig angezogen, daß er eine vertraute Freundschaft mit ihm knüpfte. C. ward Botschafter am sardin. Hofe. Nachdem Alexander den Thron bestiegen, rief er C. sogleich in den Kreis seiner Vertrauten zurück und ernannte ihn zum Kurator aller Lehranstalten in Polen. Am 11. April 1805 unterzeichnete C., dem bei allen seinen Plänen die Wiederherstellung Polens am Herzen lag, weshalb er auch eine Trennung der Teilungsmächte gern sah, im Namen Rußlands das Bündnis mit Großbritannien. Er war auch im Feldzuge 1807 des Kaisers beständiger Begleiter, zog sich aber, als nach dem Tilsiter Frieden der Graf Rumjanzow Minister des Auswärtigen geworden war, fast ganz von allen Geschäften zurück. Nach dem Ausbruch des Krieges von 1812 war er wieder in der Umgebung Alexanders, den er auch 1814 nach Paris begleitete. Dann befand er sich auf dem Wiener Kongreß und entwarf den Plan zur konstitutionellen Verfassung des unter russ. Oberhoheit neu zu errichteten^[korrekt: neu errichteten - oder: neu zu errichtenden] Königreichs Polen. Dessenungeachtet wurde Zajonczek zum Statthalter in Polen, C. aber nur zum Woiwoden und Mitgliede des Administrationsrates ernannt.

^[Artikel, die man unter Cz vermißt, sind unter Tsch oder Č aufzusuchen.]