Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

665
Czechische Sprache
Vorbilder der europ. Weltlitterawr entnimmt und >
zwei Richtungen zeigt, eine weltschmerzlich-negative
und eine positivere, die sich außer der vaterländischen
Geschichte auch dem Leben der untern Klassen zu-
wendet. Der erste Vertreter des Vyronismus ge-
hört noch der Zeit vor 1848 an, es ist H. Mächa
(1810-36), der mit seinem lyrisch-epischen Gedicht
"Nü.^" die erste Anregung gab, die aber zu der Zeit
nur wenig Anklang fand. Der vielseitigste Ver-
treter nach 1850 ist V. Hälek (1835-74), zugleich
Lyriker, Balladendicbter, volkstümlicher Novellist
und Dramatiker. Er und der Humorist, Lyriker
und Dramatiker Jan Neruda (1834-91) haben
sich die meisten Verdienste um das Zustandekommen
und die Weiterentwicklung dieser neuen Schule er-
worben, die vermöge ihres erweiterten Gesichtskreises
die C. L. in die Neihe der Weltlitteraturen eingeführt
hat. Außer Hälek und Neruda haben sich Heyduk,
Pfleger, Georg Kolär, Ieräbek, Iahn, Vlcek,
Bozdech, Kapper, Schulz und die Damen EliZka
Kräsnohorskä und Karolina Svetlä besonders her-
vorgethan. Ihnen folgt eine neue Schule von Dich-
tern, deren Hauptvertreter Svatoplut Cech und Ia-
roslav Vrchlickh wieder die beiden Strömungen, die
nationale und die kosmopolitische zum Ausdruck
bringen. Cech und Vrchlickh steht zur Seite eine
neue von den modernen Zeitströmungen bewegte
Dichtergeneration. Aus der stattlichen Reihe dieser
jüngsten Schule, die sich teilweise zu Vrchlickh als
ihrem Meister bekennt, teils eigene Babnen schreitet,
thun sich besonders Klästerskh, Machar, Sova, K.
von 6enkov, Oimäcek und Svoboda hervor. Iiräsek,
Trebizskh, Kosmäk, Omilovskh, Winter, Herites,
Herman und die Frauen Podlipskä und Sträneckä
stehen ihnen in erster Reihe als Erzähler, Stroupe-
znickh, Otolba, Oubert u. a. als Dramatikerzur Seite.
In der wissenschaftlichen Litteratur sind alle
Fächer bearbeitet. Das wichtigste ist das der slaw. und
böhm. Geschichte, vertreten durch Werke von Oafarik
i"Slaw. Altertümer", 1837 u. ö.), Palackh ("Ge-
schichte von Böhmen" ftis 1526^j, 1845-74, zum
Teil in 2. und 3. Abdruck) und Tomek ("Geschichte
von Prag", Bd. 1,1852; deutsch 1856; Bd. 8,1891,
bis 1478 reichend) sowie durch zahlreiche Arbeiten
anderer (Gindely, Dudik, Joseph und Konstantin
Iirecek, Kalousek, Rezek, Tieftrunk, Zoubek, Goll,
Sedläcek, Kolär, Smolik, Brandl, Emler, Vilek,
Borovh, Baron Helfert, Winter, Pik). Grammatik
und Litteraturgeschichte sind vertreten durch Ge-
bauer, Bartos, Hattala, Joseph Iirecek, Zikmund,
Rybicka, Nebeskh, Iar. Vlcek, Vüh, Ios. und Ant.
Truhlär, die klassische Philologie durch I. Kvicala,
I. Niederle, I. Kral u. a.; die orientalische durch
Rud. Dvoräk; die vergleichende Sprachforschung
durch Zubath. Im Fache der juridischen Litteratur
sind namentlich die Forschungen und Schriften über
ilaw. Recht von Palackh, Hermenegild Iirecek,
Iaromir Celakovskh, Zanel und Brandl hervor-
zuheben; andere Rechtsfächer bearbeiteten Randa,
Ött, Stupeckh, Laurin, Prazak, Zucker, Heyrovskh,
Kaizl, Vräf u. a. Ferner sind anzuführen auf dem
Gebiete der Philosophie Lindner, Masaryk, Hostin-
sth und Durdik; auf dem Gebiete der Mathematik,
Physik und Geographie: Studnicka, Em. und Ed.
Weyr, Oolin, Tilscher, Koläcek, Seydler, Zenger,
Strouhal, Joh. Palackh und Joseph Erben; in den
Naturwissenschaften I. und K. Presl, Vojtech Ha-
farik, Preis, Rahman, Brauner, Ladislav Celakov-
sky, Krejci, Fryt, Vrba, Vejdovskh, I. Purkyne,
Artikel, die man unter Cz vermißt.
Weiß, Eiselt, Schöbl, Albert, Mairner, Hlava, Tho-
mayer, Spina, Reinsberg, Ianovskh, Ohodounskh
u. a.; in der Folkloristik Bartos, Sobotka, Zibrt u. a.;
in der Kunstgeschichte Tyrs, Mocker, Baum, Chytil,
Lehner, Konräd, Koula, Mädl u. a.; in der Prä-
historie Smolik, Wankl, Masek, Pic, Matejka u. a.
Vgl. neben den ältern Arbeiten von Dobrovskh,
Safarik (Geschichte der slaw. sprachen und Litw
raturen, Ofen 1829; 2. Abdruck, Prag 1869),
Iungmann die czechisch geschriebenen Litteratur-
geschichten von Sabina (ebd. 1863-66), Schembera
(4. Aufl., Wien 1874), Tieftrunk (3. Aufl., Prag 1886),
die litterarhistor. Artikel im "Ziovnik ^kwön^"
("Czech. Encyklopädie", 11 Bde., ebd. 1859-74)
und "0ttüv 8i0vni1c Nauoi^" (Bd. 1-5, ebd. 1888
-92) sowie Pypin und Spasovic, Istoi-^g. si^an-
Ll^ick litsi-Nwi- (Geschichte der slaw. Litteraturen,
2. Aufl., Petersb. 1879 - 81; deutsch von Pech,
1. u. 2. Bd. in 3 Abteil., Lpz. 1880-84).
Czechische Sprache. Die C. S. gehört zu
der westl. Abteilung der slaw. Sprachen, sie Hai
daher innerhalb der slaw. Sprachfamilie die nächste
Verwandtschaft mit dem Polnischen und Lausitzisch-
Wendischen. Das Sprachgebiet bildet ein lang-
gestrecktes Viereck, dessen äußerste Spitzen westlich
von Taus im Vöhmerwalde, östlich von Ungvar (im
Osten von Kaschau) in den Karpaten sind; demnach
enthält außer Böhmen und Mühren auch Ungarn
einen bedeutenden Teil czech. Sprachgebietes, und
das ganze wird durch folgende Linie ungefähr um-
schrieben: Südgrenze: Taus, Krumau, Brunn,
Prehburg, Ungvar; Nordgrenze: Ungvar, Trop-
pau, Olmütz, Reichenberg; Westgrenze: Neichenberg,
Melnik, Leitmeritz, Pilsen, Taus; die Ostgrenze läuft
in die Spitze bei Ungvar aus. Namentlich längs der
Linie Krumau bis Olmütz ragen deutsches Sprach-
gebiet und deutsche Sprachinseln tiefer in das Gebiet
des Czechischen hinein. Innerhalb des Sprachgebie-
tes unterscheidet man drei Dialektgruppen: 1) die
böhm. (eigentlich czech.) Dialekte, im Königreich
Böhmen, ziemlich genau begrenzt durch die Landes-
grenze zwischen Böhmen und Mähren; 2) die mähri-
schen, in Mähren; 3) die slowakischen, in Ungarn,
doch ragt das Slowakische in dem Dreieck zwischen
Drzewnitza, March und Kleinen Karpaten noch nach
Mähren hinein. Die heutige Litteratursprache der
böhm. und mähr. Czechen beruht auf dem Czechi-
schen im engern Sinne, die Slowaken haben eine
eigene Schriftsprache ausgebildet. Das Czechischc
als eine alte Litteratursprache ist vielfach bearbeite!
worden; die erste wirklich wissenschaftliche Bearbei-
tung der Grammatik gab I. Dobrovsky in seinem
"Lehrgebäude der böhm. Sprache" (Prag 1819);
M. Hattala schrieb eine vergleichende Grammatil
("srovnÄvaci in1uvnic6 ^a^ka, ^LäkMo a äloven-
3k6Q0", ebd. 1857), I. Gebauer eine Lautlehre
("HiH8ic0Llovi M2^I(H cLLkkIio", ebd. 1877) und
eine Grammatik ("^linvuics 5o8icä.", 2 Tle., ebd.
1890). Schulgrammatiken und Lehrbücher zum Er-
lernen des Czechischen für Deutsche sind sehr zahl-
reich; zu empfehlen ist: "Böhm. Schulgrammatik,
für deutsche Mittelschulen und Bildungsanstalten,
bearbeitet von I. Masarit" (5. Aufl., Prag 1890).
Eine großartige Leistung ist das czech. Wörterbuch'
von Iungmann ("8IovniK ö68kl>ii6M6eI(^", 5 Bde.,
ebd. 1835 -39), das allen kleinern Wörterbüchern
zu Grunde liegt; von den letztern sind viel gebraucht:
Schumawsky, "Vöhm.-deutsches Wörterbuch" (ebd^
1851; 3. Aufl., ebd. 1874), "Deutsch-böhm. Wörter-
sind unter Tsch oder E aufzusuchen.