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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Czechische Sprache

Vorbilder der europ. Weltlitteratur entnimmt und zwei Richtungen zeigt, eine weltschmerzlich-negative und eine positivere, die sich außer der vaterländischen Geschichte auch dem Leben der untern Klassen zuwendet. Der erste Vertreter des Byronismus gehört noch der Zeit vor 1848 an, es ist H. Mácha (1810-36), der mit seinem lyrisch-epischen Gedicht "Máj" die erste Anregung gab, die aber zu der Zeit nur wenig Anklang fand. Der vielseitigste Vertreter nach 1850 ist V. Hálek (1835-74), zugleich Lyriker, Balladendichter, volkstümlicher Novellist und Dramatiker. Er und der Humorist, Lyriker und Dramatiker Jan Neruda (1834-91) haben sich die meisten Verdienste um das Zustandekommen und die Weiterentwicklung dieser neuen Schule erworben, die vermöge ihres erweiterten Gesichtskreises die C. L. in die Reihe der Weltlitteraturen eingeführt hat. Außer Hálek und Neruda haben sich Heyduk, Pfleger, Georg Kolár, Jeřábek, Jahn, Vlček, Bozděch, Kapper, Schulz und die Damen Eliška Krásnohorská und Karolina Světlá besonders hervorgethan. Ihnen folgt eine neue Schule von Dichtern, deren Hauptvertreter Svatopluk Čech und Jaroslav Vrchlický wieder die beiden Strömungen, die nationale und die kosmopolitische zum Ausdruck bringen. Čech und Vrchlický steht zur Seite eine neue von den modernen Zeitströmungen bewegte Dichtergeneration. Aus der stattlichen Reihe dieser jüngsten Schule, die sich teilweise zu Vrchlický als ihrem Meister bekennt, teils eigene Bahnen schreitet, thun sich besonders Klásterský, Machar, Sova, K. von Čenkov, Šimáček und Svoboda hervor. Jirásek, Třebízský, Kosmák, Šmilovský, Winter, Herites, Herman und die Frauen Podlipská und Stránecká stehen ihnen in erster Reihe als Erzähler, Stroupežnický, Štolba, Šubert u. a. als Dramatiker zur Seite.

In der wissenschaftlichen Litteratur sind alle Fächer bearbeitet. Das wichtigste ist das der slaw. und böhm. Geschichte, vertreten durch Werke von Šafařík ("Slaw. Altertümer", 1837 u. ö.), Palacký ("Geschichte von Böhmen" [bis 1526], 1845-74, zum Teil in 2. und 3. Abdruck) und Tomek ("Geschichte von Prag", Bd. 1, 1852; deutsch 1856; Bd. 8, 1891, bis 1478 reichend) sowie durch zahlreiche Arbeiten anderer (Gindely, Dudik, Joseph und Konstantin Jireček, Kalousek, Rezek, Tieftrunk, Zoubek, Goll, Sedláček, Kolář, Smolik, Brandl, Emler, Bílek, Borový, Baron Helfert, Winter, Pič). Grammatik und Litteraturgeschichte sind vertreten durch Gebauer, Bartoš, Hattala, Joseph Jireček, Zikmund, Rybička, Nebeský, Jar. Vlček, Bílý, Jos. und Ant. Truhlář, die klassische Philologie durch J.^[Jan] Kvičala, J.^[Jindřich] Niederle, J.^[Josef] Král u. a.; die orientalische durch Rud. Dvořák; die vergleichende Sprachforschung durch Zubatý. Im Fache der juridischen Litteratur sind namentlich die Forschungen und Schriften über slaw. Recht von Palacký, Hermenegild Jireček, Jaromir Čelakovský, Haněl und Brandl hervorzuheben; andere Rechtsfächer bearbeiteten Randa, Ott, Stupecký, Laurin, Pražák, Zucker, Heyrovský, Kaizl, Bráf u. a. Ferner sind anzuführen auf dem Gebiete der Philosophie Lindner, Masaryk, Hostinský und Durdík; auf dem Gebiete der Mathematik, Physik und Geographie: Studnička, Em. und Ed. Weyr, Šolín, Tilscher, Koláček, Seydler, Zenger, Strouhal, Joh. Palacký und Joseph Erben; in den Naturwissenschaften J.^[Jan Svatopluk] und K. Presl, Vojtěch Šafařík, Preis, Raýman, Brauner, Ladislav Čelakovský, Krejčí, Fryč, Vrba, Vejdovský, J.^[Jan Evangelista] Purkyně, Weiß, Eiselt, Schöbl, Albert, Maixner, Hlava, Thomayer, Spina, Reinsberg, Janovský, Chodounský u. a.; in der Folkloristik Bartoš, Sobotka, Zíbrt u. a.; in der Kunstgeschichte Tyrš, Mocker, Baum, Chytil, Lehner, Konrád, Koula, Mádl u. a.; in der Prähistorie Smolík, Wankl, Mašek, Píč, Matějka u. a.

Vgl. neben den ältern Arbeiten von Dobrovský, Šafařík (Geschichte der slaw. Sprachen und Litteraturen, Ofen 1829; 2. Abdruck, Prag 1869), Jungmann die czechisch geschriebenen Litteraturgeschichten von Sabina (ebd. 1863-66), Schembera (4. Aufl., Wien 1874), Tieftrunk (3. Aufl., Prag 1886), die litterarhistor. Artikel im "Slovník Naučný" ("Czech. Encyklopädie", 11 Bde., ebd. 1859-74) und "Ottův Slovník Naučný" (Bd. 1-5, ebd. 1888-92) sowie Pypin und Spasovič, Istorija slavjanskich literatur (Geschichte der slaw. Litteraturen, 2. Aufl., Petersb. 1879-81; deutsch von Pech, 1. u. 2. Bd. in 3 Abteil., Lpz. 1880-84).

Czechische Sprache. Die C. S. gehört zu der westl. Abteilung der slaw. Sprachen, sie hat daher innerhalb der slaw. Sprachfamilie die nächste Verwandtschaft mit dem Polnischen und Lausitzisch-Wendischen. Das Sprachgebiet bildet ein langgestrecktes Viereck, dessen äußerste Spitzen westlich von Taus im Böhmerwalde, östlich von Ungvar (im Osten von Kaschau) in den Karpaten sind; demnach enthält außer Böhmen und Mähren auch Ungarn einen bedeutenden Teil czech. Sprachgebietes, und das ganze wird durch folgende Linie ungefähr umschrieben: Südgrenze: Taus, Krumau, Brünn, Preßburg, Ungvar; Nordgrenze: Ungvar, Troppau, Olmütz, Reichenberg; Westgrenze: Reichenberg, Melnik, Leitmeritz, Pilsen, Taus; die Ostgrenze läuft in die Spitze bei Ungvar aus. Namentlich längs der Linie Krumau bis Olmütz ragen deutsches Sprachgebiet und deutsche Sprachinseln tiefer in das Gebiet des Czechischen hinein. Innerhalb des Sprachgebietes unterscheidet man drei Dialektgruppen: 1) die böhm. (eigentlich czech.) Dialekte, im Königreich Böhmen, ziemlich genau begrenzt durch die Landesgrenze zwischen Böhmen und Mähren; 2) die mährischen, in Mähren; 3) die slowakischen, in Ungarn, doch ragt das Slowakische in dem Dreieck zwischen Drzewnitza, March und Kleinen Karpaten noch nach Mähren hinein. Die heutige Litteratursprache der böhm. und mähr. Czechen beruht auf dem Czechischen im engern Sinne, die Slowaken haben eine eigene Schriftsprache ausgebildet. Das Czechische als eine alte Litteratursprache ist vielfach bearbeitet worden; die erste wirklich wissenschaftliche Bearbeitung der Grammatik gab J.^[Josef] Dobrovsky in seinem "Lehrgebäude der böhm. Sprache" (Prag 1819); M. Hattala schrieb eine vergleichende Grammatik ("Srovnávací mluvnice jazyka českého a slovenského", ebd. 1857), J.^[Jan] Gebauer eine Lautlehre ("Hláskovsloví jazyka českého", ebd. 1877) und eine Grammatik ("Mluvnice česká", 2 Tle., ebd. 1890). Schulgrammatiken und Lehrbücher zum Erlernen des Czechischen für Deutsche sind sehr zahlreich; zu empfehlen ist: "Böhm. Schulgrammatik, für deutsche Mittelschulen und Bildungsanstalten, bearbeitet von J.^[Joseph] Masařik" (5. Aufl., Prag 1890). Eine großartige Leistung ist das czech. Wörterbuch von Jungmann ("Slovník česko-německý", 5 Bde., ebd. 1835-39), das allen kleinern Wörterbüchern zu Grunde liegt; von den letztern sind viel gebraucht: Schumawsky, "Böhm.-deutsches Wörterbuch" (ebd. 1851; 3. Aufl., ebd. 1874), "Deutsch-böhm. Wörter-^[folgende Seite]

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