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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dammhirsch - Dämonen
Schacht geschützte Vertiefung im Erdboden der Eisen-
und Bronzegiehereicn, in welcke große Guhformen
(s. d.) zum Zwecke des Abgicftens eingesetzt und,
wenn notig, mit Sand umstampft werden.
Damm Hirsch, s. Damhirsch.
Dammkultur der Moore, nach ibrem Erfinder
auck die Nimpausche D. genannt, s. Moorkultur.
Dammriff, s. Korallenriffe.
Dammrift, s. Damm (anatom.).
Dammfcher See, Mündungssee eines ilder-
arms (s. Oder) im preuß. Reg.-Bez. Stettin, ist 15km
lang, 7 km breit und nimmt die Plöne (s. d.) auf.
Dammschleufcn, f. Siel. M2a).
Dammstcin, s. Bernsteinindustrie (Bd. 2, S.
Dammwild, s. Dambirseb.
Dammzieher (Artill.), s. Entladen.
Damnäbel (lat..), verabscheuungowert.
Damnameueus, s. Daktylen.
V2.1nn3.t1o (lat.), Verurteilung, namentlich zu
einer Kapitalstrafc; I). msmorias, die nocb in der
röm. Kaiserzeit vorkommende Verurteilung des An-
denkens eines Verstorbenen, namemlick wegen Ma-
iestätsbcleidigung; damnatörisch, verurteilend.
v2.ninki.trlr (lat.), wird verworfen, darf nicht
gedruckt werden "Formel des Büchercensors); der
Gegensatz ist imprim^wi- (es werde gedruckt).
Damuisizieren (lat.), einem Schaden zusügcn;
Damnifikänt, der Vcschädigcr; Tamnifikat,
der Beschädigte.
Da.inno (für ital. (lanno, vom lat. damnum),
Verlust, Schaden, insbesondere bei Einziebung von
Wechseln und beim Verkauf von Hypotheken.
V2.NINNN1 (lat.), Nachteil, Schaden, in der
Reehtvsprache befonders derjenige, welcher in Ver-
ringerung des vorhandenen Vermögens (O. emei'-
A6U8, positiver Schaden) bestebt, im Gegensatz zur
Entziehung eines zu erwartenden Gewinns (wci-um
c688llns). (S. Schaden und Schadenersatz.)
^ Damoifeau (spr. -moasoh) oder Tamoisel
(spr. -möasöll), in Frankreich der Edelknecht, der die
reichen Edelleute auf der Jagd und sonstigen Aus-
flügeu begleitete, Votschaften ausrichtete und bei
Tische aufwartete. Er wurde nach höfifchcr Zucht
und Sitte ausgebildet und von den untern Knechten
bedient. Vom D. wurde man Schildknappe (ecu^er),
dann Ritter. Jetzt braucbt man das Wort gelegent-
lich für Iungfernknecht, Schürzenheld, Stutzer.
Damoiselle oder Demoifclle (fpr.-möäsell),
bezeichnete ursprünglich die adligen Fräulein (d. b.
Tochter von Damen), die bei den vornehmen Damen
eine ziemlich gleiche Stellung batten, wie der Da-
moiseau (s. d.) beim Ritter. D. wurde aber auch
jede Frau adligen Standes, gleichviel ob ver-
heiratet oder nicht, geheißen, solange sie nock jung
war. Alle ebrbaren erwachsenen Mädchen werden jetzt
in Frankreich Mademoiselle genannt. Diesen
Titel erhielt sonst die dem Könige am nächsten ver-
wandte unverheiratete Prinzessin. Die Tochter
Gastons, Bruders Ludwigs XII!., wird in den Me-
moiren ihrer Zeit nie anders als "die große Made-
moiselle" bezeichnet. In Deutschland war Mademoi-
selle (volkstümlich verkürzt Mamsell) vom vorigen
Jahrbundert bis in das zweite Viertel des 19. die
Anrede sür unvcrheirateteTöchter bürgerlichen Stan-
des, seitdem ist es fast ganz durch "Fräulein" ver-
drängt und wird nur noch für bessere Dienerinnen
und Arbeiterinnen (Putzmamscll, Wirtschaftsmam-
sell^ <zebrancht-, Wn^chafterinncn werden überbaupt
kurzweg Mamsell genannt.
Damökles, ein Günstling des ältern Dio-nysius
von l^yrakus, pries, wie Cicero in den "'Iu8cu-
lanae", 5,21, erzählt, einst seinem Gebieter gegen-
über das Glück eines Tyrannen mit glänzenden
Farben. Dieser bot ihm hierauf den Genuß diefes
Glückes an, ließ ihn in einen mit königl. Aufwand
verzierten Speifesaal führen, an einer reichbesetzten
Tafel den tönigl. Sitz einnehmen und von Edel-
pagen bedienen. Als aber D. Platz genommen
hatte, sah er gerade über seinem Haupte an einem
Pfcrdehaar ein scharfgeschliffenes Schwert von der
Decke herabbängcn, das Dionysius hatte anbringen
lassen, um damit das Glück eines Herrschers als
ein mit einer unablässig drohenden Gefahr verbun-
denes zu kennzeichnen. D. befchwor darauf den
Tyrannen, ibn zu entlassen. Gellert hat diese Er-
zäblung in einer Fabel behandelt. Das Damo-
klessch w e r t war schon im Altertum sprichwörtlich.
Dämouärch (grch.), Geisterfürst.
Dämoneu (grch. (Iaim<w68, lat. 86nii), bei den
Griecden bald Bezeichnung für die Götter, bald für
Wefen, die zwifchen Göttern und Menschen in der
Mitte stehen. Homer nennt vorzugsweise die Götter
D., und dämonisch ist ihm gleichbedeutend mit gött-
lich. Hesioo vcrstebt unter den D. Schutzgeister, welche
die Seelen der Menschen aus dem Goldenen Zeit-
alter sein sollen. Der Mensch erhält einen solchen,
oder auch einen guten (Agathodaimou) und einen
bösen Dämon (Kakodaimon) zugleich, sofort bei
seiner Geburt (vgl. Genius). Letztere Scheidung ist
namentlich von den Trphikern im Anschluß an
orient. Vorstellungen weiter ausgebildet worden.
(S. Agathodaimon.) Sonst treten vielfach D.
als niedere, dienende Gestalten neben den Haupt-
göttern auf, indem sie meist besondere Seiten von
deren Wesen in sich verkörpern, wie Hymenaios,
Tychon, ^rthanes und Konisalos neben Aphrodite,
Atratos neben Dionysos, die Korybanten neben
Nhea, Deimo5 und Phöbos neben Ares erscheinen.
Endlich gelten später, wie ähnlich schon bei Hcsiod
und vermutlich in ältester vorhomerischer Zeit, die
göttlich verehrten Geister aller Verstorbenen als
D. (S. Heros, Seelenkult und Manen.) Nach
Plato steht das Dämonische in der Mitte zwi-
schen Gott und Menschen; die D. sind ibm über-
menschliche Wesen, welche auf die Schickfale der
Menschen Einfluß üben. Aristoteles scheidet die Un-
sterblichen in Götter und D., die Sterblichen in He-
roen und gewöhnliche Menschen. Nach der Lehre des
Parsismus steben den guten Genien im Reiche des
^rmuzd oder des Lichts, Izeds genannt, die bösen
Geister, Dcws, die Genien im Reiche des Ahri-
man oder der Finsternis, entgegen. Die jüd. Dä-
monenlebre ist vermutlich unter pers. Einflüssen
erst seit der Babylonischen Gefangenschaft ausge-
bildet. Den guten Engeln stehen die bösen gegen-
über, sür welche lctztcrn der Name D. ausschließlich
in Gcbrauck kommt. Wie an der Spitze der erstern
sieben Erzengel stehen, die den Hofstaat Ieho-
vabs ansmachcn und dessen Thron umgeben, so
bat auch Satan, der Beherrscher des Dämonen-
reichs, sieben Erztcufel zu feinen vornehmsten Die-
nern. Der Volksglaube zur Zeit Jesu wußte von
zabllosen D., die die Menschen auf mancherlei
Weife plagen, ja Seele und Leib in Besitz nehmen
(s. Besessene). Das Austreiben der D. durch Zauber-
sprüchc, Wunderkräuter u. s. w.,. in der christl.
Kirche durch Gebete war ein besonderes Geschäft (der
Erorüsten). Die christl. Kirchenlehrer leiten den