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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dapontes - Darby

nach Venedig, von wo er wegen verschiedener Liebesabenteuer mit vornehmen Frauen, Freigeisterei und satir. Verse auf die Häupter der Republik fliehen mußte. Er ging nach Görz und von hier nach Dresden, wo er Operntexte und Psalmen schrieb und an dem Grafen Marcolini einen Gönner fand. Neue Verwicklungen infolge eines Liebesverhältnisses nötigten ihn nach Wien überzusiedeln, wo er aus Salieris Verwendung von Joseph II. als Theaterdichter bei der Italienischen Oper angestellt ward. D. verfaßte hier die Texte zu Opern Salieris, Martinis und Mozarts. Von den Texten für Mozart haben die "Hochzeit des Figaro" und "Don Juan" D.s Ruf als Dichter von Operntexten begründet. Nach Josephs Tode ging er nach Triest, hierauf als Theaterdichter nach London. Seit 1805 war er ital. Sprachlehrer und seit 1828 Professor der ital. Sprache am Columbia College zu Neuyork, wo er 17. Aug. 1838 starb. Außer 36 Theaterstücken und Operntexten gab D. auch mehrere ital. Übersetzungen engl. Werke heraus. Sein abenteuerliches Leben schilderte er in seinen "Memorie" (4 Bde., Neuyork 1823-27; deutsch Gotha 1861).

Dapontes, Konstantinos, der bedeutendste neuere religiöse Dichter der griech. Kirche, geb. im Anfange des 18. Jahrh., war längere Zeit im Dienst des Fürsten der Moldau, Maurokordatos, wurde von den Türken wegen seines Patriotismus mehrere Male gefangen gesetzt und starb als Athosmönch um 1789. Sein "Frauenspiegel", seine "Sittenlehre", und sein "Gnadengarten" werden von den Griechen noch jetzt gelesen.

Dappenthal (Vallée de Dappes), kleines Thal am westl. Abhange des Dôle im franz. Depart. Jura, gehörte seit alten Zeiten zum Waadtland und mußte 1803 an Frankreich abgetreten werden wegen der strategisch wichtigen Straße über den Col de la Faucille von Morey nach Gex. Seit dem Wiener Kongreß war die Besitzfrage strittig und wurde endlich 7. Dez. 1862 durch einen Vertrag zu Bern dahin geregelt, daß die Schweiz an Frankreich den Teil des D., der die Faucillestraße umfaßt, gegen einen entsprechenden Gebietsteil am Abhange des Noirmont bis zur waadtländ. Grenze des Jouxthals abtrat.

Dapsang nannte Schlagintweit den auf der brit. Landesaufnahmekarte als K<sup>2</sup> bezeichneten Berg in der Kette des Karakorum, der, 22 km vom Mustag- oder Schigar-Passe entfernt, mit seinen steilen schneelosen Wänden 8620 m erreicht. Er ist der zweithöchste Berg der Erde.

Dar, im sudanischen Arabisch soviel wie bewohntes Land, im Gegensatz zur Wüste, findet sich daher häufig in Namen von Landschaften in Nubien und im östl. Sudan.

Dārā, s. Darius.

Darab oder Derabgherd, Ort in der pers. Provinz Farsistan, etwa 200 km südöstlich von Schiras, südlich vom großen See Niris oder Bachtegan, ist rings von Bergen umschlossen, hat etwa 4000 E., Gewinnung von Obst, Baumwolle, Weizen, Gerste, große Dattelgärten und Weberei. Nahebei das in den Fels gehauene Karawanserai Dub, 11 m hoch und 22 m lang; etwa 5 km davon stellt ein in den Fels gehauenes Relief den Sieg des Königs Schahpur aus der neupers. Dynastie der Sassaniden über den röm. Kaiser Valerius (260) dar. Hammer hält D. für das alte Pasargadä, welches Kiepert aber in dem etwas westlicher gelegenen Fassa erkennen will.

Daraufgabe, Daraufgeld, s. Arrha.

Dar-Banda, Landschaft in Afrika, s. Banda.

Darbār-Sāhib, s. Amritsar.

Dar-Berber, nub. Landschaft, s. Berber (Dar-).

D’Arblay (spr. -lĭ), s. Burney.

Darboux (spr. -buh), Gaston, franz. Mathematiker, geb. 14. Aug. 1842 zu Nîmes, Mitglied der Akademie, Professor der Fakultät der Wissenschaften zu Paris, Herausgeber des Bulletin des sciences mathématiques, hat eine große Zahl von Abhandlungen zur Analysis, Geometrie und Mechanik in verschiedenen fachwissenschaftlichen franz. Zeitschriften veröffentlicht und sich durch seine Teilnahme an der Herausgabe der Werke von Fourier und Lagrange Verdienste erworben. Seine Stärke liegt besonders auf dem Gebiet der Differentialgeometrie; sein Hauptwerk sind die "Leçons sur la théorie des surfaces" (3 Bde., 1887-93); ferner schrieb er einen "Cours de géometrie de la Faculté des sciences" (2 Bde., Par. 1887-88) u. a.

Darboy (spr. -bŏá), Georges, Erzbischof von Paris, geb. 16. Jan. 1813 in Fayl-Billot (Depart. Haute-Marne), kam 1826 in das Seminar von Langres, wurde 1836 zum Pfarrgehilfen von St. Dizier ernannt und kehrte 1840 als Professor in das Seminar von Langres zurück. 1845 begab sich D. nach Paris, wo er 1846 zweiter Almosenier des Collège Henri IV. wurde und 1854 den Titel eines apostolischen Protonotars erster Klasse erhielt. Obgleich kein hervorragender Kanzelredner, wußte er die Gunst des Hofs zu erwerben, wurde 1859 Bischof von Nancy und 10. Jan. 1863 Erzbischof von Paris. Er erhielt ferner 1864 die Würde eines Großalmoseniers des Kaisers und wurde 1866 zum Mitglied des öffentlichen Unterrichtsrats ernannt. Gemäßigt und der jesuitischen Richtung abgeneigt, trat D. auf dem Vatikanischen Konzil zu wiederholtenmalen scharf gegen das Unfehlbarkeitsdogma und für die Rechte der Bischöfe auf, besonders 20. Mai 1870. Als er dann nach Vertagung des Konzils auf seinen Sitz zurückgekehrt war, wehrte er sich auch ferner gegen die Einmischung der päpstl. Gewalt in Sachen seines Sprengels. Während der Belagerung von Paris 1870-71 harrte D. auf seinem Posten aus, sich nur mit der Pflege der Verwundeten und Werken der Mildthätigkeit beschäftigend. Auch die kommunistische Revolution vom 18. März 1871 konnte ihn nicht bestimmen, Paris zu verlassen, und am 4. April wurde er von der Commune als Geisel verhaftet. Alle Versuche, seine Freilassung zu erlangen, schlugen fehl, und als die Versailler Truppen 21. Mai in Paris eingedrungen waren und der Kampf in den Straßen tobte, wurde D. mit noch 63 Leidensgenossen am 24. Mai im Gefängnishofe von La Roquette erschossen. Unter seinen Schriften sind erwähnenswert: "Les femmes de la Bible" (8. Aufl., Par. 1876), "Les saintes femmes" (4. Aufl., ebd. 1877), "St. Thomas Becket, sa vie et ses lettres" (2 Bde., ebd. 1860), "Œuvres pastorales" (2 Bde., ebd. 1876). - Vgl. über ihn die Biographien von Guillermin (Par. 1889) und Foulon (ebd. 1889).

Dar Boží (spr. boschi), czech. Name des Städtchens Gottesgab (s. d.).

Darby, John Nelson, Stifter der Darbysten (s. d.), geb. 18. Nov. 1800 zu London, stammte aus einer angesehenen Familie Irlands, studierte die Rechte und war Advokat, als er, plötzlich bekehrt, sich der Theologie zuwandte und Geistlicher der anglikan. Kirche wurde. Wegen seiner Anschauungen