Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Daruvár; Darw; Darwas; Darwen; Darwin

818

Daruvár - Darwin (Charles Robert)

men. Seit der Restauration widmete er seine Muße vorzüglich geschichtlichen Studien. Er starb 5. Sept. 1829 auf seinem Landsitze Vecheville bei Meulan. Seinen litterar. Namen schuf er sich durch eine vortreffliche metrische Übersetzung des Horaz (2 Bde., Par. 1788 u. ö.). Sein Hauptwerk ist die «Histoire de la république de Venise» (7 Bde., Par. 1819; 4. Aufl., 9 Bde., 1853), ausgezeichnet durch wissenschaftliche Genauigkeit und sorgfältigen Stil. Einen deutschen Auszug daraus lieferte Bolzenthal (3Bde., Lpz. 1825‒27), eine Übersetzung Ruprecht (2. Ausg., 4 Bde., ebd. 1859). Seine «Histoire de Bretagne» (3 Bde., Par. 1826; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1831) ist ein ebenfalls sehr gründliches Werk. Ferner sind zu erwähnen die «Notions statistiques sur la librairie pour servir à la discussion des lois sur la presse» (Par. 1827) und ein nachgelassenes Gedicht: «L'astronomie» (ebd. 1830).

Daruvár (d. h. Reiherburg), Groß-Gemeinde im Komitat Poschega (Požega) in Kroatien, im Thale der links zur Illova, einem Nebenfluß der Save, gehenden Toplica, an der Linie Barcs-Pakracz-Lipik der Österr. Südbahn, in fruchtbarer Weingegend, hat (1890) 5636 E. (2655 Serben, 129 Magyaren, 432 Deutsche), darunter 3118 Röm.-Katholische und 2390 Griech.-Orientalische, Post, Telegraph, ein schönes Schloß und ist ein schon von den Römern besuchter Badeort (1888: 1329 Kurgäste), früher Jasornia, Respublica Jazorum und Thermae jasorvernses genannt. Die 7 indifferenten Thermen (42‒46° C) liegen 128 m hoch und werden zu Bädern benutzt. Außerdem werden auch Schlammbäder gebraucht. In der Nähe Marmorbrüche. – Vgl. Die Thermen von D. (Agram 1874).

Darw., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Charles Robert Darwin (s. d.).

Darwas (Derwas), Chanatin Turkestan (s.d.).

Darwen (Over-), Stadt in der engl. Grafschaft Lancaster, 8 km südlich von Blackburn, hat (1891) 34192 E., Baumwollspinnereien, Papiermühlen, Eisenwerke und Kohlengruben.

Darwin, Charles Robert, Enkel von Erasmus D., Engl. Naturforscher, geb. 12. Febr. 1809 zu Shrewsbury, bezog 1825 die Universität Edinburgh und vollendete seine Studien in Cambridge, wo er 1831 promovierte. Im Herbst desselben Jahres begleitete er die Expedition des Kapitäns Fitzroy als Naturforscher. Er schiffte sich 27. Dez. 1831 zu Devonport ein, besuchte Brasilien, die Magalhãesstraße, die Westküste Südamerikas und die Inseln des Stillen Oceans und landete 2. Okt. 1836 wieder in England. Sehr günstige äußere Verhältnisse erlaubten ihm, ganz seinen Forschungen zu leben. 1842 erwarb D. den Landsitz Down bei Beckenham und lebte dort bis zu seinem 19. April 1882 erfolgten Tode in glücklichsten Familienverhältnissen, ohne Unterbrechung arbeitend, als Gärtner, Landwirt und Pflanzen- und Tierliebhaber, beobachtend, züchtend, zergliedernd. Er wurde in der Westminsterabtei beigesetzt. Die reichhaltigen wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise veröffentlichte er in dem unter Mitwirkung Owens und anderer Gelehrten herausgegebenen Werke «Zoology of the voyage of H. M. S. Beagle» (5 Bde., Lond. 1840‒43), ferner in seinem «Journal of researches into the natural history and geology of the countries, etc.» (neue Ausg., ebd. 1860), dann in seiner «Voyage of a naturalist round the world» (ebd. 1845; deutsch von Carus, 2. Aufl., Stuttg. 1893, und Helrich, Gieß. 1893). Die nächste Frucht seiner Untersuchungen war «A monograph of pendunculated and sessile Cirripedia» (2 Bde., Lond. 1851‒53), das auf Kosten der Royal Society gedruckt wurde, und dem er eine ähnliche Abhandlung: «On fossil Balanidae» (ebd. 1854), folgen ließ. Schon seit den ersten, von ihm in Südamerika angestellten Beobachtungen hatte D. die Unsicherheit der bisher gültigen Einteilung der verschiedenen Tierarten erkannt. Weitere Forschungen über diesen Gegenstand führten ihn zu den Resultaten, die er in dem berühmt gewordenen Werke «On the origin of species by means of natural selection» (Lond. 1859; deutsch von Bronn, 2. Aufl., Stuttg. 1863; nach der 6. engl. Auflage deutsch von V. Carus, 7. Aufl., ebd. 1883) niederlegte. Er sprach darin die Überzeugung aus, daß alle Tiere und Pflanzen von wenigen Urformen, vielleicht von einer einzigen, abstammen und daß die verschiedenen Modifikationen derselben infolge eines Princips von statten gehen, das er als «natürliche Auswahl» bezeichnet. Diese Ansichten, in denen er von frühern Naturforschern hin und wieder Geahntes schärfer formulierte und durch die Entdeckungen der Neuzeit begründete, erregten allgemeines Aufsehen und riefen eine heftige Polemik hervor. (S. Darwinismus.) Eine spätere Arbeit D.s: «On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilized, etc.» (Lond. 1862; deutsch von V. Carus, 2. Aufl., Stuttg. 1877), handelt von der Befruchtung der Orchideen durch Insekten und von dem günstigen Erfolge der Kreuzung durch Züchten, und empfiehlt sich, wie alles, was von ihm herrührt, durch Klarheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts. In der Monographie «The movements and habits of climbing plants» (2. Aufl., Lond. 1875; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1876) giebt D. Resultate wichtiger Untersuchungen über die Bewegungen der Schlingpflanzen. Bedeutende spätere Schriften sind ferner: «The variation of animals and plants under domestication» (2 Bde., Lond. 1868; deutsch von V. Carus, 2 Bde., Stuttg. 1868; 2. Aufl., ebd. 1873), «The descent of men and selection in relation to sex» (2 Bde., Lond. 1871; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1871; 5. Aufl., ebd. 1890), «The expression of the emotions in men and animals» (Lond. 1872; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1872; 4. Aufl., ebd. 1884), «Insectivorous plants» (Lond. 1875; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1876), «The power of movement in plants» (Lond. 1880; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1881). Die letzte Arbeit, die D. veröffentlichte, weist den Einfluß nach, welchen die Erdwürmer auf die Fruchtbarkeit des Bodens ausüben: «The formation of vegetable mould through the action of worms» (Lond. 1881; deutsch von V. Carus, Stuttg. 1882). Eine deutsche Gesamtausgabe von D.s Werken von V. Carus erschien in 16 Bänden (Stuttg. 1874 ‒88), eine Auswahl in 6 Bänden von demselben (ebd. 1881; 2. Aufl. 1886). D.s «Gesammelte kleinere Schriften» (2 Bde., Lpz. 1885‒86) gab Ernst Krause heraus. Der heutigen Forschung in den Gebieten der Zoologie und Botanik, insbesondere der Entwicklungsgeschichte, hat D. Form und Richtung gegeben, sodaß die bedeutenden Fortschritte in diesen Fächern vielfach als Ausführungen der Gedanken D.s erscheinen. Als Mensch war D. durch Einfachheit des Charakters, Bescheidenheit und große Liebenswürdigkeit ausgezeichnet. – Vgl. V. Carus, Charles Robert D. (in «Unserer Zeit», 1882, Ⅱ); Krause, Charles D. und sein Verhältnis zu Deutsch-^[folgende Seite]