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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Darwin; Darwinismus

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Darwin (Erasmus) - Darwinismus

land (in den "Darwinistischen Schriften", 2. Folge, 6. Bd., Lpz. 1885); Francis Darwin, The life and letters of Charles D. (3 Bde., Lond. 1887; deutsch von Carus, 3 Bde., Stuttg. 1887); ders., Charles D. Life told in an autobiographical chapter and in select letters (Lond. 1892; deutsch von Carus, Stuttg. 1894).

Darwin, Erasmus, engl. Naturforscher und didaktischer Dichter, geb. 12. Dez. 1731 zu Elton bei Newark (Nottingham), studierte in Cambridge und Edinburgh und ließ sich dann als Arzt in Lichfield nieder. Er starb 18. April 1802 zu Derby. Als Dichter trat er zuerst 1789 mit "Loves of the plants" hervor, dem 1791 "The botanic garden" folgte. Er suchte darin Wissenschaft mit Poesie zu verbinden und fand damit großen Beifall. D. besaß eine reiche Einbildungskraft und schrieb glatte und wohlklingende Verse, aber die gehäuften Allegorien wirken ermüdend, und die glänzenden Schilderungen lassen kalt. Auch wegen seines naturwissenschaftlichen Systems, das er in "Zoonomia, or the laws of organic life" (Lond. 1794 u. ö.; deutsch von Brandis, 3 Bde., Hannov. 1795-99) entwickelte, stand D. einige Zeit in Ansehen. Unter den übrigen Werken sind zu erwähnen: "Phytologia, or the philosophy of agriculture and gardening" (Lond. 1800; deutsch von Hebenstreit, 2 Bde., Lpz. 1801) und das erst nach seinem Tode erschienene Lehrgedicht "The temple of nature, or the origin of society" (Lond. 1803). Seine "Poetical works" erschienen 1807 in 3 Bänden. Seinen Namen ehrte Rudge durch die Aufstellung der Pflanzengattung Darwinia; sein Leben beschrieb Miß Seward (Lond. 1804). - Vgl. S. Butler, Evolution old and new (1879); E. Krause, E. D. und seine Stellung in der Geschichte der Descendenztheorie. Mit seinem Lebens- und Charakterbild von Charles Darwin (Lpz. 1880).

Darwin, Francis, Sohn von Charles D., geb. 16. Aug. 1848 in Down (Kent), studierte in Cambridge, wo er seit 1888 Professor der Botanik ist. Er unterstützte seinen Vater bei der Herausgabe des Werkes "The power of movement in plants" (1880; 2. Aufl. 1881), schrieb Aufsätze über physiol. Botanik und eine Biographie seines Vaters.

Darwin, George Howard, Bruder des vorigen, geb. 1845 in Docon (Kent), zeichnete sich in Cambridge durch seine mathem. Begabung aus und ward 1868 zum Fellow des Trinity College erwählt, studierte dann in London die Rechte, kehrte aber bereits 1873 nach Cambridge zurück und nahm 1870-71 an der Forschungsreise zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in Sicilien teil. Seit 1877 ist er als Forscher auf dem Gebiete der Physik. Astronomie thätig. 1882 war er Sir William Thomson bei der Herausgabe einer neuen Auflage von "Thomson and Tait's natural philosophy" behilflich. 1883 ward ihm die Professur für Astronomie und experimentale Naturwissenschaft in Cambridge übertragen. Er hat zahlreiche Beiträge für die Zeitschrift "Nature" geliefert und hat sich in den letzten 10 Jahren sehr viel mit der Berechnung und Feststellung der Perioden beschäftigt, die sich bei den Meeresfluten, besonders im Indischen Ocean, beobachten lassen. Seine in der Londoner Statistischen Gesellschaft 1875 über "Consanguineous marriages" gehaltenen Vortrage erschienen deutsch u. d. T. "Die Ehen zwischen Geschwisterkindern und ihre Folgen" übersetzt von van der Velde (Lpz. 1876). Auch sein 1878 veröffentlichter Vortrag "On the remote history of the earth" erregte Aufmerksamkeit.

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Darwinismus. Nach der bis zu Darwin ziemlich allgemein herrschenden Annahme werden die Eigenschaften der Tiere und Pflanzen von den Eltern auf die Nachkommen ihren Hauptzügen nach unverändert vererbt, und es beruht wesentlich auf dieser Vererbung der unsichere Begriff der Art. Nach der Lehre Darwins (Abstammungslehre, Descendenzlehre) ist das, was im Tier- und Pflanzenreiche als Art bezeichnet wird, durch verschiedene Generationen hindurch keine Größe von unveränderlichem Werte und Gepräge, sondern es ist zahlreichen Abänderungen in der Form und andern Eigenschaften unterworfen, es bildet Varietäten. Züchter sprechen von der Organisation eines Tiers wie von einer ganz bildsamen Sache, die sie nach Gefallen modeln können. Bei jeder Aussaat desselben, einer einzigen Pflanze entnommenen Samens zeigen sich einzelne junge Pflänzchen mit mehr oder weniger stark abweichenden individuellen Eigentümlichkeiten. Benutzt man diese zur Weitersaat, immer nach einer und derselben Richtung auswählend und die unerwünschten Formen ausjätend, so steigert man die gewünschte Abart in jeder einzelnen Generation um einen wenn auch noch so geringen Betrag. Mit Hilfe dieses Züchtungsprincips, welches hiernach zwei einander entgegengesetzte Tendenzen: Variationsvermögen und Erblichkeit benutzt, ist in der Rindvieh-, Schaf- und Pferdezucht, indem die Tiere bald auf Milchertrag, bald auf Woll- oder Fleischertrag, bald auf Zugkraft oder auf Schnelligkeit gezüchtet wurden, Staunenswertes geleistet. Die erzielten Rassenunterschiede bei Schaf, Hund, Taube u. s. f. sind so groß, daß, wenn die Tiere in der Wildnis gefunden würden, kein Naturforscher anstehen würde, sie für verschiedene Arten zu nehmen, ja sie in verschiedene Gattungen unterzubringen. Eine bestimmte Grenzlinie zwischen individueller Abweichung und geringer Variation, zwischen dieser und erheblicher Variation, zwischen Unterart und Art besteht nicht: Varietäten sind werdende Arten.

In ähnlicher Weise wie bei der künstlichen Züchtung wirken innere und äußere Einflüsse, von welchen das Tier (oder die Pflanze) beim Leben in der freien Natur betroffen wird; an die Stelle der ausjätenden Menschenhand aber tritt der Kampf ums Dasein. Die hier bei den Nachkommen auftretenden kleinen Abweichungen vom elterlichen Typus können schädliche, gleichgültige oder nützliche sein. Die mit erstern behafteten Nachkommen haben bei dem zwischen der Fruchtbarkeit der Tiere und Pflanzen und dem für ihre Existenz vorhandenen Raume bestehenden Mißverhältnisse, bei der Verfolgung durch Feinde u. s. w. geringere Aussicht, die mit den nützlichen Abweichungen behafteten haben größere Aussicht, die andern zu überleben und sich fortzupflanzen. Die überlebenden werden die ihnen nützlich gewordene Abweichung in der Regel wieder auf ihre Nachkommen vererben, und diese Abänderungen werden sich befestigen und steigern: hieraus entspringt in aufsteigender Linie nach und nach die Entstehung neuer Formen, Varietäten und Arten. Die Natur begünstigt vorzugsweise die Fortpflanzung der mit jenen nützlichen Abweichungen versehenen Individuen auf Kosten der andern und häuft dieselben bei spätern Nachkommen zu immer höherm Betrage an; dies ist die natürliche Züchtung. Der Kampf ums Dasein ist ein durch das Zusammenwirken verschiedenartigster äußerer Umstände unbegrenzt mannigfaltiger. Bei demselben