Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Darwins Strauß; Daryl; Daschitz; Daschkow

823

Darwins Strauß - Daschkow

dieser Variierung eine ganz erhebliche ist, so schwindet jede Sicherheit über das Maß, wie sehr die Vorahnen der Tiere und auch des Menschen von den jetzigen Formen abwichen, und die Möglichkeit einer Abstammung aller Geschöpfe von einer Urform muß zugegeben werden. Wenn aber die Entwicklungsgeschichte nachweist, daß die Natur selbst innerhalb des Mutterleibes die sog. zusammengesetzten Gewebe (Knorpel, Knochen, Muskelgewebe) und die zusammengesetzten Organe nie «auf einen Ruck» machen kann, sondern eine ganze Reihe provisorischer Gewebe und embryonaler Bildungen erzeugt, die alle durchlaufen und wieder abgebrochen werden, bis endlich der fertige Organismus zu stande kommt, dann wird es sehr unwahrscheinlich, ja für den, welcher Entwicklungsvorgänge zu verfolgen gewohnt ist, undenkbar, daß außerhalb eines tierischen Organismus ein zusammengesetzter Tierleib entstanden sei, sich aus den chem. Elementen Fleisch, Knochen, Blut u. s. w. in einem einzigen Bildungsakte gebildet hätten und zu einem Tierkörper zusammengetreten seien. Die Argumentation vieler Gegner Darwins, «da man die Entstehungsweise der ersten Zelle nicht nachweisen könne, solle man lieber bei der alten Annahme der Einzelschöpfung aller Tier- und Pflanzenarten stehen bleiben», ist hiernach völlig unberechtigt; denn die äquivoke Entstehung eines einfachsten Organismus ist immerhin denkbar, die eines komplizierten Tierkörpers aber nach allen Konsequenzen unserer wissenschaftlichen Erfahrung schlechthin undenkbar. Fehlen Beispiele von künstlicher Züchtung solcher Formen, die mit Bestimmtheit und ohne Streit als neue Species dastehen, ja neuer Gattungen, so ist unser künstliches Züchten und Experimentieren nicht nur was die Zeit, sondern namentlich auch was die Kraft der Einwirkungen anlangt, nicht entfernt vergleichbar mit dem, was die Natur vermag und unter den ganz abweichenden kosmischen Einflüssen früherer Epochen vermochte. Fehlen in den paläontol. Sammlungen vielfach Zwischenformen, so wäre es nach der Lage aller Verhältnisse ein Wunder, wenn es anders wäre. Ein heftiger Angriff der Selektionstheorie (Wigand, «Der D. und die Naturforschung Newtons und Cuviers», 3 Bde., Braunschw. 1874‒77) hat von seiten G. Jägers («In Sachen Darwins, insbesondere contra Wigand», Stuttg. 1874) eine eingehende Kritik und Widerlegung erfahren. Neben den bereits aufgeführten sind folgende Schriften zu nennen: Lyell, Das Alter des Menschengeschlechts auf der Erde (2. Aufl., Lpz. 1874); Wallace, Contributions to the theory of natural selection (Lond. 1870; deutsch von A. B. Meyer, Erlangen 1870); M. Wagner, Die Darwinsche Theorie und das Migrationsgesetz der Organismen (Lpz. 1868); Schleicher, Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft (3. Aufl., Weim. 1873). Vorzügliche Darstellungen der Darwinschen Lehre sind gegeben durch Oskar Schmidt (in der oben citierten Schrift); durch F. Rolle, Darwins Lehre von der Entstehung der Arten (Frankf. 1863; 2. Ausg., Prag 1870) sowie durch Seidlitz, Die Darwinsche Theorie, elf Vorlesungen über die Entstehung der Tiere und Pflanzen (2. Aufl., Lpz. 1875). Die ethischen und religiösen Konsequenzen des D. mit Zurückweisung theol. Angriffe behandelt Jäger in der Schrift: Die Darwinsche Theorie und ihre Stellung zu Moral und Religion (Stuttg. 1869). Einen vermittelnden Standpunkt in Bezug auf den D. nimmt E. von Hartmann ein in seiner Schrift: Wahrheit und Irrtum im D. (Berl. 1875). Eine Widerlegung des D. und der analogen Forschungen Lyells, Huxleys u. a. versucht Maschi zu geben: Confutazione delle dottrine trasformistiche di Huxley, Darwin, Canestrini, Lyell etc. (Parma 1874). Ebenso stellt sich Bastian vom anthropol. und ethnogr. Standpunkte aus in schärfsten Gegensatz gegen den D. in seiner Schrift: Schöpfung oder Entstehung (Jena 1875). Aus der großen Zahl der neuern, den D. betreffenden Schriften sind zu nennen: Cattie, Goethe, ein Gegner der Descendenztheorie (gegen Haeckel, Utrecht 1877); Weygold, D., Religion, Sittlichkeit (gekrönte Preisschrift, Leid. 1878); Haeckel, Gesammelte populäre Vorträge aus dem Gebiete der Entwicklungslehre (2 Hefte, Bonn 1878‒79); ders., Die Naturanschauung von Darwin, Goethe und Lamarck (Vortrag, Jena 1882); Réfutation du Darwinisme ou de la variabilité des espèces et de la descendance de l'homme (Dijon 1878); Carestrini, La teoria di Darwin criticamente esposta (Mail. 1880); Spitzer, Beiträge zur Descendenztheorie und zur Methodologie der Naturwissenschaft (Lpz. 1886); Eimer, Die Entstehung der Arten (Bd. 1, Jena 1888); Wallace, Darwinism, an exposition of the theory of natural selection (Lond. 1889; deutsch von Brauns, Braunschw. 1891); Hamann, Entwicklungslehre und D. (Jena 1892); Romanes, Darwin and after Darwin (Bd. 1, Lond. 1892; deutsch von Vetter, Lpz. 1892). Eine Zusammenstellung der gesamten die Darwinsche Lehre betreffenden Litteratur findet sich in dem erwähnten Werke von Seidlitz.

Darwins Strauß (Rhea Darwini), s. Nandu.

Daryl, Philippe, Pseudonym für Grousset (s. d.).

Daschitz, czech. Dašic, Stadt im Gerichtsbezirk Holitz der österr. Bezirkshauptmannschaft Pardubitz in Böhmen, an der von links zur Elbe gehenden Lautschna und an der Linie Wien-Brünn-Prag-Bodenbach der Österr.-Ungar. Staatsbahn, hat (1890) 2104, als Gemeinde 2170 czech. E., Post, Telegraph, Aktien-Zuckerfabrik und Brauerei. Die Allodialherrschaft D. (8483 ha) gehört dem Großindustriellen Freiherrn von Liebieg.

Daschkow, Katharina Romanowna, Fürstin, geborene Gräfin Woronzow, geb. 28. März 1743 zu Petersburg, beteiligte sich 1762 an der Verschwörung gegen Peter Ⅲ. zu Gunsten Katharinas Ⅱ. und genoß seitdem eine Zeit lang deren Freundschaft; 1770 wurde sie vom Hofe entfernt und begab sich auf Reisen nach Westeuropa. 1782 zur Präsidentin der Petersburger Akademie der Wissenschaften ernannt, erhielt sie im folgenden Jahre den Auftrag, eine Russische Akademie nach dem Muster der Französischen zu gründen und wurde ebenfalls deren Präsidentin. Diese Akademie bestand bis 1841, wo sie mit der Akademie der Wissenschaften als deren zweite Abteilung vereinigt wurde. Hier vereinigte D. die damaligen russ. Schriftsteller, die auch das erste russ. etymologische Wörterbuch herstellten. Sie gab auch 1783‒84 ein Journal: «Der Gesellschafter der Freunde des russ. Wortes», an dem sich die Kaiserin selbst beteiligte, heraus, ließ eine Sammlung sämtlicher russ. Theaterstücke des 18. Jahrh. veranstalten («Theatr Rossijskij», 43 Tle., 1786‒94), gründete zur Vermittelung ausländischer Litteratur das Übersetzerdepartement an der Akademie, veranlaßte öffentliche Vorlesungen der Akademiker, wissenschaftliche Expe-^[folgende Seite]