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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Denifle; Denigrieren; Deniliquin; Denīna; Denis

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Denifle - Denis (Joh. Nepomuk Cosmas Michael)

rant = etwa 3⅝, deutschen Pfennigen. – D. war ferner die kleinste der frühern Geldgrößen in mehrern Schweizer Kantonen, namentlich in der franz. Schweiz, aber von sehr verschiedener Bedeutung, zum Teil durch eine Kupfermünze vertreten.

D. hieß auch ein kleines franz. Gewicht, ⅓ des Gros oder der Drachme, 1/192 der Mark oder 1/384 des Pfundes Markgewicht (Livre poids de marc) = 1,27475 g (auch in den Schweizer Kantonen Genf und Neuenburg üblich gewesen); sodann ein franz. und schweiz. Silberprobiergewicht, 1/12 der Mark (und in 24 Grains oder Gran geteilt), daher 1⅓ Lot früheres deutsches Silberprobiergewicht, oder 83⅓ Millièmes oder Tausendteile nach der jetzt bei den Edelmetallen fast allgemein üblichen Feinheitsbezeichnung ; ferner ist D. eine bei der Numerierung (Titrierung, Feinheitsbestimmung, Probe) des Seidengarns in Frankreich gebräuchliche Gewichtsgröße. Diese Numerierung erfolgt bei den Seidentrocknungsanstalten (Konditionierungsanstalten, Conditions de soie) zu Paris, Avignon, London und Krefeld in der Art, daß man die Anzahl D. nennt, d. h. die Anzahl von Grän (Grains zu 1/24 Gewichts-Denier) alten Pariser Markgewichts, welche ein altes Strähn von 476 m wiegt (diese Meterzahl wird für die ursprünglichen 400 alten Pariser Aunes gerechnet, welche = 475⅜ m sind). Die Seidentrocknungsanstalt in Lyon legt dagegen seit 1856 ein Strähn von 500 m Länge zu Grunde, und die darauf beruhende Numerierung wird nouveau titre (titre de Lyon, neue Feinheitsbestimmung) genannt, im Gegensatz zu der auf der Strähnlänge von 476 m beruhenden Numerierung (ancien titre, alte Feinheitsbestimmung); in runden Zahlen sind 21 neue D. = 20 alten D.; ferner sind 23 neue D. = 22 Turiner Denari Feinheit, sowie 250 alte D. = 249 Turiner D. Der zu Grunde liegende D. (d. h. das alte Gewichtsgrän) ist = 0,053115 g. Nach dem Obigen ist eine Feinheit (ein titre) von 10 D. eine solche, bei welcher 500 (oder 476) in der betreffenden Seide 10 alte Grän oder 0,531148 g wiegen. Noch um das Jahr 1850 drückte in Lyon die Nummer der Seide die Anzahl D., d. h. die Anzahl von Grän(zu 1/24 Gewichts-Denier) des alten Pfundes von Montpellier aus, welche ein altes Strähn oder Gebinde von 400 alten Pariser Aunes (hier = 475 m gerechnet) wog. Das Pfund von Montpellier wurde dabei = 414,65 g angenommen, sodaß das betreffende Gewichtsgrän oder der sogenannte D. bei der Seidennumerierung = 0,0449924 g war, wofür man in der Praxis genau genug 0,045 g oder 45 mg rechnete. (S. auch Denaro.)

Denifle, Heinr. Suso, gelehrter Dominikaner, geb. 16. Jan. 1844 zu Imst in Tirol, trat 1861 in Graz in den Dominikanerorden, empfing 1866 die Priesterweihe, legte, nachdem er 1869 am Collegium Sancti Thomä de Urbe in Rom seine Studien vollendet, im Dominikaner-Studienhaus zu St. Maximin die Lektoratsprüfung ab und wirkte seit 1870 als theol. Lehrer im Dominikanerkloster in Graz und als gefeierter Kanzelredner im Dom. Er besaß gründliche Kenntnis des handschriftlichen Materials über die mittelalterliche Mystik; 1880 wurde er vom Ordensgeneral zu der einflußreichen Stellung eines Generaldefinitors des Dominikanerordens für Deutschland nach Rom berufen, 1883 Unterarchivar am Vatikanischen Archiv. D.s Hauptschriften sind: «Das geistliche Leben. Eine Blumenlese aus den deutschen Mystikern des 14. Jahrh.» (Graz 1873; 3. Aufl. 1880), «Der Gottesfreund im Oberlande oder Nikolaus von Basel» (Münch. 1875), «Zu Susos ursprünglichem Briefbuch» (Graz 1875), «Die Schriften des seligen H. Seuse» (Bd. 1, Münch. 1876), «Das Buch von der geistlichen Armut» (ebd. 1877), «Taulers Bekehrung, kritisch untersucht» (Straßb. 1879), «Die Universitäten des Mittelalters bis 1400» (Bd. 1, Berl. 1885), «Die päpstl. Registerbände des 13. Jahrh. und das Inventar derselben vom J. 1339» (ebd. 1886), «Specimina palaeographica summorum Pontificum» (Rom 1888), «Chartularium Universitatis Parisiensis» (mit Chatelain, Bd. 1 u. 2, Par. 1889‒91), «Die Statuten der Juristen-Universität Padua vom J. 1331» (Freib. i. Br. 1892), «Les Universités françaises au moyen âge» (ebd. 1892). Seit 1885 giebt D. mit Frz. Ehrle das «Archiv für Litteratur und Kirchengeschichte des Mittelalters» (Berlin u. Freiburg) heraus.

Denigrieren (lat.), anschwärzen, verleumden. Denigration (frz. dénigrement, spr. -nigrmáng), Anschwärzung; Denigránt, Verleumder.

Deniliquin, Stadt im Distrikt Riverina der austral. Kolonie Neusüdwales, am Edward-River, 730 km südwestlich von Sydney, ist mit Melbourne durch Eisenbahn verbunden, wichtig als Centrum der reichen Weideländereien und zählt 3000 E.

Denīna, Carlo Giovanni Maria, ital. Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1731 zu Revello bei Saluzzo, studierte in Saluzzo und Turin, ward 1754 Geistlicher und Professor an der Schule zu Pierolo, von wo ihn die Anfeindung der Jesuiten vertrieb, erwarb 1756 den theol. Doktorgrad in Mailand und lehrte dann an der Universität in Turin ital. Beredsamkeit und griech. Sprache. Seine histor. Arbeiten und der Umstand, daß ihn die Jesuiten verfolgten, verschafften ihm einen Ruf nach Berlin, wo er als Mitglied der Akademie von 1782 an lebte. 1800 wurde er Universitätsbibliothekar in Turin, 1804 kaiserl. Bibliothekar in Paris, wo er 5. Dez. 1813 starb. D. ist einer der Hauptvertreter des fremden, insbesondere des franz. Einflusses in der ital. Litteratur des 18. Jahrh. Sein «Discorso sopra le vicende della letteratura» (4 Bde., Tur. 1760 u. öfter) wurde viel gerühmt und in mehrere europ. Sprachen übersetzt (deutsch von Serben, 2 Bde., Berl. 1785‒88). Sein Hauptwerk: «Delle rivolutioni d’Italia libri ⅩⅩⅣ» (3 Bde., Tur. 1769 u. öfter; beste Ausg., Mail. 1820; deutsch von Volkmann, 3 Bde., Lpz. 1771‒73), die erste lesbare allgemeine Geschichte Italiens, ist ohne eigene Forschung. Die übrigen zahlreichen histor. Arbeiten, sowie das chaotische linguistische Werk «La clef des langues» (3 Bde., Berl. 1805) und ein in Prosa abgefaßtes Epos «La Russiade» (ebd. 1799 fg.) sind wertlos. Eine gute Biographie D.s von F. Reina findet sich im 1. Bande der Mailänder Ausgabe der «Rivoluzioni d’Italia».

Denis, Joh. Nepomuk Cosmas Michael,deutscher Bibliograph und Dichter, geb. 27. Sept. 1729 zu Schärding am Inn, wurde auf dem Jesuitengymnasium zu Passau gebildet und trat 1747 in den Jesuitenorden. Nachdem er seit 1759 Lehrer an dem Collegium Theresianum in Wien gewesen war, erhielt er 1773 die Aufsicht über die jener Lehranstalt vermachte, später nach Lemberg gebrachte Garellische Bibliothek. Bei der Aufhebung des Theresianums 1784 wurde D. zum zweiten, 1791 mit dem Titel eines Wirkl. Hofrats zum ersten Kustos bei der Hofbibliothek ernannt. Er starb