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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Denis; Denislü; Denison; Denk; Denken; Denkendorf; Denklehre; Denklingen

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Denis (Marie Louise) - Denklingen

29. Sept. 1800. Um die Hebung der wissenschaftlichen Bibliographie erwarb sich D. durch sehr zuverlässige Schriften unbestreitbare Verdienste, vor allem aber trug er durch seine Dichtungen zur Bildung des Geschmacks und zur Veredlung der deutschen Sprache in Österreich bei. Seine erste Veröffentlichung waren «Poet. Bilder der meisten kriegerischen Vorgänge in Europa seit 1756» (Wien 1760), schwülstige Lieder auf den Siebenjährigen Krieg im österr. Sinne. Sein Studium des Ossian, den er in Hexametern übersetzte, wirkte auf seine eigenen, unter dem anagrammatischen Namen des Barden Sined gedichteten Lieder wesentlich ein, in denen er, ohne hervorstechende Eigentümlichkeit, der durch Klopstock eingeführten Bardenpoesie huldigte: «Die Lieder Sineds des Barden» (Wien 1773), «Ossians und Sineds Lieder» (5 Bde., ebd. 1784‒85; 2. Aufl., 6 Bde., ebd. 1791‒94, deren 6. Bd. seine, auch allein erschienenen, in guter Sprache verfaßten lat. «Carmina» enthält). Seinen «Litterar. Nachlaß» gab J. Fr. ^[Joseph Friedrich] von Retzer (2 Bde., ebd. 1802) heraus. Von seinen bibliogr. Schriften sind zu nennen: «Grundriß der Bibliographie und Bücherkunde» (ebd. 1774), «Grundriß der Litterargeschichte» (ebd. 1776), «Einleitung in die Bücherkunde» (2 Bde., ebd. 1777‒78; 2. Aufl. 1795‒96), «Merkwürdigkeiten der Garellischen Bibliothek» (2 Bde., ebd. 1780), «Wiens Buchdruckergeschichte bis ⅯⅮⅬⅩ» (ebd. 1782; «Nachtrag», 1793), «Annalium typographicorum Mich. Maittaire supplementum» (2 Bde., ebd. 1789), «Lesefrüchte» (2 Bde., ebd. 1797). – Vgl. Baumgarten, D.’ Leben (Gymnasialprogramm des Stifts Kremsmünster für 1852); Hofmann-Wellenhof, Michael D. (Innsbr. 1881); Ehrmann, Die bardische Lyrik im 18. Jahrh. (Halle 1892).

Denis (spr.-nih), Marie Louise, geb. 18. Febr. 1712 in Paris, Tochter des Rechnungsrevisors Mignot und der Catherine Arouet, der Schwester Voltaires. 1738 heiratete sie N. C. Denis, wurde aber schon 1744 Witwe. Erst nach dem Tode der Marquise du Châtelet (s. d.) trat sie zu Voltaire in ein näheres Verhältnis. Zwar ging sie nicht mit nach Potsdam (1750), da Friedrich d. Gr. ihre Anwesenheit nicht wünschte; als aber Voltaire 1753 nach Frankreich zurückkehrte, reiste sie ihm entgegen und wurde mit ihm in Frankfurt a. M. verhaftet. Bis zu Voltaires Tode leitete sie dessen Hauswesen und wurde von ihm als Universalerbin eingesetzt. In ihrem 68. Jahre verheiratete sie sich nochmals mit einem um 10 Jahre jüngern Manne (François François, genannt Duvivier); sie starb 20. Aug. 1790 in Paris. Sie hat sich auch als Schauspielerin und als Schriftstellerin versucht; der Entwurf eines Trauerspiels «Alceste» und ein Lustspiel «La coquette punie» werden erwähnt.

Denis, Paul Camille, Ingenieur, geb. 26. Juni 1795 in Mainz, studierte an der Polytechnischen Schule in Paris und trat 1817 in den bayr. Staatsdienst. Er wurde Inspektionsingenieur zu Kaiserslautern, 1825 Bauinspektor in Zweibrücken. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Nordamerika wurde er 1834 Mitglied der Ministerialkommission für den Bau des Donau-Main-Kanals und baute 1835 die Nürnberg-Fürther Eisenbahn, die erste in Deutschland, ferner 1830‒40 die München-Augsburger sowie die Taunusbahn und 1844‒49 die Pfälzische Ludwigsbahn. Er wurde 1840 Regierungs- und Kreisbaurat in Speier, 1841 Vorstand der Kommission für den Bau der bayr. Staatsbahnen in Nürnberg und 1849 Direktor der Pfälzischen Ludwigsbahn. D. starb 2. Sept. 1872 in Dürkheim.

Denislü oder Denjislu oder Ladikiye, Hauptort des Sandschaks D. im türk. Wilajet Aidin im westl. Kleinasien, 225 km ostsüdöstlich von Smyrna, in einem Seitenthale des zum Mäander fließenden Tschüruk-su, in 410 m Höhe am nördl. Fuße des Baba-Dagh, des Kadmus der Alten. Etwa 5 km nördlicher bei Eski-Hissar (d. h. Altes Schloß) die Ruinen von Laodicea (s. d.).

Denison (spr. dénniß’n), Stadt im County Grayson im nordamerik. Staate Texas, in der Nähe des Red River und des Indianergebietes, 12 km nördlich von Sherman, ist Eisenbahnknotenpunkt und hatte 1880: 3975, 1890 schon 10958 E.

Denk oder Denck, Hans, Wiedertäufer von unbekannter Herkunft, lebte 1522 als Korrektor zu Basel in freundschaftlichem Verkehr mit Ökolampadius und ward 1523 Rektor der St. Sebaldusschule zu Nürnberg. 1525 verbannt, begab sich D. nach Augsburg und 1526 zu seinem Gesinnungsgenossen Hetzer nach Straßburg, mit dem er die Psalmen ins Deutsche (Worms 1527) übersetzte. Auch aus Straßburg vertrieben, irrte D. in Süddeutschland und der Schweiz herum, bis Ökolampadius ihm sichern Aufenthalt in Basel auswirkte. Hier starb er im Nov. 1527 an der Pest. – Vgl. Ludw. Keller, Ein Apostel der Wiedertäufer (Lpz. 1882).

Denken heißt in der Philosophie, im Unterschied von der Empfindung und Anschauung, die Verarbeitung des in diesen gegebenen Erkenntnisstoffs zum Begriff und Urteil und alles weitere Operieren mit den letztern (Schließen und Beweisen). Das D. bezeichnet daher (ebenso wie der Verstand, s. d.) den einen vergleichsweise formalen Faktor der Erkenntnis und drückt eigentlich die Grundfunktion derselben aus, die aber nur in Anwendung auf die Materie der Sinnlichkeit wirkliche Erkenntnis schafft; insofern ist D. und Erkennen (s. d.) wohl auseinander zu halten. Wie in der Anschauung ist auch im D. ein reiner und empirischer Bestandteil zu unterscheiden; das «reine» D. bedeutet nicht ein abgesondert für sich stattfindendes D., sondern das allem empirischen D. gesetzmäßig zu Grunde liegende, also die Grundfunktion des empirischen D. selbst. Die reinen Bestandteile oder Funktionen des D. hat Kant in seinen Kategorien (s. d.) nachzuweisen gesucht. Inwiefern das D. über die Grenzen der Sinnlichkeit hinausgeht s. Noumenon.

Denkendorf, Dorf im Oberamt Eßlingen des württemb. Neckarkreises, 6 km von Eßlingen, an der Kersch, hat (1890) 1701 E., Postagentur, Telegraph, alte roman. Kirche (12. Jahrh.) mit schöner Krypta, kunstreichen Chorstühlen und Kanzel; Landwirtschaft, Flachs- und Hanfbau. Gegenüber, auf einem Hügel, das ehemalige Kloster D. zum Heiligen Grabe, jetzt eine Fabrik für Senf, Liqueure, Punschessenzen und Schokolade mit Gewürzmühle.

Denklehre, s. Logik.

Denklingen. 1) Landgemeinde im Kreis Waldbröl des preuß.Reg.-Bez. Köln, hat (1890) 4059 E., darunter 268 Katholiken, in 59 Ortschaften. Das dazu gehörige Dorf D., 6 km von Waldbröl, unfern der Wiehl, hat 147 E., Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Katasteramt, Ackerbauschule, Fischzuchtanstalt, Pulver-und Papierfabrik, Bleierzgruben und Märkte. – 2) Dorf im Bezirksamt Kaufbeuren des bayr. Reg.-Bez. Schwaben, 20 km nordöstlich von Kaufbeuren, an der Nebenlinie Augsburg-Schongau der