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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diachylon-Wundpulver - Diagnose
Diachylon Wundpulver, ein als Streumittel
für Kinder empfohlenes Pulver, eine Mischung
aus Bleipflaster, Stärke und Borsäure.
Diaconus, s. Diakonus.
Diadelphisch (grch.) oder zweibrüderig
heißen in der botan. Terminologie Staubfäden, die
in zwei Bündel verwachsen sind. Daher viacl^plija,
die 17. Klasse des LinneMen Systems, diejenigen
Pflanzen enthaltend, deren Blüten zweibrüderig sind.
Diadem (grck.), die im Altertum Fürsten und
angesehenen Personen als Schmuck dienende, aus
Seide, Wolle oder Garn gefertigte Stirnbinde. Das
D. der ägypt. Gottheiten und Könige war mit dem
Symbol der heiligen Schlange (Uräusschlange) ver-
sehen. Das bacchische D. (Kredemnon), das man
ost an antiken Darstellungen, zumal des ind. Bacchus,
sieht, bestand aus einer die l^tirn und Schläfe um-
windenden gefalteten Binde, hinten geknüpft, mit
herabhängenden Enden. Bei den Perfern war das
D. um die Tiara oder den Turban geschlungen und
von blauer Farbe, mit Weiß durchwirkt. Einige
Götter der Griechen (besonders Zeus und Hera)
sind mit dem D. geschmückt dargestellt. Eine Binde
im Haar trugen die griech. Frauen und die jungen
Männer, namentlich die olympischen Sieger (s. Dia-
dnmenos). In der hellenistischen Zeit war die Binde z
das Abzeichen der Herrscherwürde. Die ersten röm. ^
Kaiser enthielten sich des D., um nicht dem Volke >
zu mißfallen, da es an die verhaßte Königswürde ^
erinnerte. Erst Diocletian führte das D. wieder ein, i
und Konstantin d. Gr. schmückte es noch mehr aus.
Seit dieser Zeit wurde es mit einer einfachen oder
doppelten Reihe von Perlen und Edelsteinen ver-
ziert. Auch Königinnen findet man auf Münzen
mit D. und Schleier abgebildet. Durch Iustinianus
wurde es zu einer Krone (s. d.) erhöht, die anfangs
einer (Htirnbinde gleich aus einer Anzahl gleich-
breiter Metallplattcn zusammengesetzt war. D.
blieb nur symbolischer Ausdruck und ist gegenwär-
tig Kopffchmuck vornehmer Damen. Diademartiger
Bronzeschmuck ist auch in den german. und skandinav.
Gräbern gefunden worden, doch herrscht über Be-
deutung und Träger noch vollständiger Zweifel.
Diademheher, f. Heher.
Diadoche (grch.), Nachfolge; in der Arzneikunst
lidergang einer Krankheit in eine andere.
Diadöchen (grch., d. i. Nachfolger), bci den spä-
tern griech. und röm. Geschichtschreibern die Feld-
herren Alexanders d. Gr., welche sich nach dem Tode
des Königs 323 und 321 v.Chr. in dessen Weltreich
teilten. Antipater behielt Macedonien mit Griechen-
land, Lysimachus erhielt Thrazien, Antigonus
Lvcien, Pamphylien und Phrygien, Ptolemäus
'Ägypten, Seleucus Babylonien. Nach vieljährigen
Kämpfen der D. untereinander zuerst um die Ober-
herrschaft, dann um die Ausdehnung ihres Besitzes,
welche einen vorläufigen Abschluß mit dem Unter-
gänge des Antigonus in der Schlacht bei Ipsus
(301 v. Chr.) erhielten, bildete sich unter den Epi-
gonen, d. i. den Söhnen und Enkeln der den Kampf
überlebenden siegreichen D., etwa seit 280 v. Chr.,
ein neues, auf gricch. Bildung und Kriegskunst be-
gründetes System von großen Staaten, die man
unter dem Namen der hellenistischen zusammenzu-
fassen pflegt. Die wichtigsten waren Ägypten unter
der Dynastie der Ptolemäer, Syrien unter den
^eleuciden und Macedonien unter den Nachkom-
men des Antigonus Gonatas, zu denen später noch
als Mittelstaat das Reich von Pcrgamon unter
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. V.
Herrschaft der Attalideu kam. Nachdem Macedonien
bereits 146 und Pergamon 133 bez. 129 v. Chr. dem
Römischen Reiche einverleibt worden, hatten später
auch Syrien (64) und Ägypten (30 v. Chr.) dasselbe
Schicksal. (Hierzu Karte: Diadöchen reiche in der
Mitte des 3. Jahrh. v. Chr.) - Vgl. Droysen, Ge-
schichte des Hellenismus (2 Bde., Hamb. 1836-43;
2. Aufl., 3 Bde., Gotha 1877-78).
Diadochtt, s. Eisensinter.
Diadumenos (grch., d. i. jemand, der sich eine
Binde umlegt), in der griech. Plastik die Statue eines
Jünglings, der sein Haar mit der Siegerbinde um-
windet, wie solche die Bildhauer Phidias, Polyklet
und Praxiteles darstellten. Nachbildungen des D.
von Polyklet sind erhalten; als die beste gilt die im
Britischen Museum (s. Tafel: Gricchis ch e K u n st II,
Fig. 4). - Vgl. Michaelis in den "^nuaii äßii'lLti-
tuto äi 00i'i'i8^i0iiä6Q2g> 3,reli60i0^iell" (Rom 1878).
Diagenese (grch.), ein Vorgang, durch welchen
sich die sog. krystallinischen Schiefer der archäifchen
Formationsgruppe gebildet haben sollen. Diese
baden bei sedimentärer Lagerungsform ein ähnliches
Gefüge wie die Eruptivgesteine. Ihre Entstehung ist
noch in Dunkel gehüllt; C. W. von Gümbel nimmt
an, daß das Material für die Bildung der krystalli-
nischen Schiefer als gewöhnliches Sediment abge-
lagert wurde, dann aber während oder gleich nach
der Ablagerung durch chem. Prozesse in den Ur-
meeren ein krystallinisches Gefüge annahm: diesen
Vorgang eben nennt er D. im Gegensatz zu der
Lehre von der Bildung dieser Gesteine durch spätere
langsame Umwandlung infolge Überlagerung durch
jüngere Massen.
Diaglyphen, Diaglypten (grch.), vertieft, in
die Fläche einwärts gearbeitete Figuren, im Gegen-
satz zu Anaglyphen (Reliefs).
! Diagnose (grch.), im allgemeinen die Erkenntnis
! eines Gegenstandes durch Unterscheidung von andern
^ ibm ähnlichen, daher die Sammlung der charakteri-
stischen Merkmale einer Sache und die daraus her-
vorgehende Bestimmung der Gattung und Art, zu
welcher dieselbe gehört. So stellt man in der Natur-
kunde die D. über ein Tier, eine Pflanze, ein Mineral,
d. b. man faßt die allgemeinen und eigentümlichen
Merkmale eines folchen Naturprodukts zufammen,
um durch die sich daraus ergebenden Ähnlichkeiten
und Verschiedenheiten in Bezug auf Gegenstände
i derselben Art in den Stand gesetzt zu werden, die
Klasse, Familie, Gattung und Art des zu Unter-
suchenden zu bestimmen. Viele wichtige Hauptwerke
in der Naturgeschichte (z. B. Linnss oder Sprengels
"8M6INÄ v6Z6tHl)i1Win") bestehen fast nur aus emer
Sammlung der D., d. h. der in Worte gefaßten
Unterfcbiede der Naturwefen.
Von besonderer Wichtigkeit ist die D. in derHeil -
künde, wo sie dazu dient, eine Krankheit von an-
! dern ähnlichen Krankheiten zu unterscheiden und
' auf diefe Unterscheidung das richtige Heilverfahren
zu gründen. Sie folgt hier aus den objektiven
^ Symptomen (s. d.), befonders aus den sogenannten
! Physik. Zeichen (Auskultation, Perkussion, Thermo-
! metrie u. s. w.), aus der chem. und mikroskopischen
Untersucbung der Sekrete und Säfte des Körpers,
aus dem Verlauf des Übels, den vorausgegangenen
Umständen, der Körperkonstitution u. s. w., und be-
rubt auf dem durch Erfahrung fowohl als durch
Schlüsse wahrscheinlich gemachten Zusammenhange
zwischen diesen Umständen. Die Kunst, eine D. zu
. stellen und so die Krankheiten richtig zu erkennen,
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