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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Donarium - Donatio Constantini
gruppiert hat. Erst in der Wikingcrzeit wird er
hier von Odin verdrängt und erscheint bald in der
Dichtung als dessen Sohn. Er wird dargestellt als
Mann im besten Alter, nüt langem rotem Bart,
von kräftiger Gestalt, gutmütig, bieder und ehrlich,
aber auch leicht erregbar und zornig. D. ist in
erster Linie Gewittergott, der Donnerer. Als sol-
cher führt er den Hammer Mjölnir, mit dem er die
Blitze schleudert. Um diesen handhaben zu können,
trägt er einen Eisenhandschuh. In dieser Eigen-
schaft als Gott des Gewitters faßten ihn die röm.
Schriftsteller als Jupiter auf. Sein Hammer lebt
noch jetzt im Volksglauben in verschiedenen Ge-
genden Deutschlands fort. Da das Gewitter aber
Fruchtbarkeit erzeugt, ist D. auch der die dicker be-
fruchtende, der Segen bringende Gott, und hierin
berührt er sich oft mit Wuotan. Deshalb wurde er
hauptsächlich im Norden von den freien Banern ver-
ehrt. Zum Schutze derfelben und der Götter hat er
viele Kämpfe mit den Riesen zu besteben. Diese ent-
wenden ihm auch beim Beginn des Winters seinen
Hammer, und erst im Frühjahr erlangt er ihn wie-
der. Als Gott des Blitzes ist D. zugleich Gott des
Feuers und als solcher Beschützer des häuslichen
Herdes und der Familie. Mit seinem Hammer weiht
er die Ehe und schenkt derselben Fruchtbarkeit. Auch
die Gesundheit der Menschen schirmt er, und daher
wurden ihm bei Krankheiten Opfer dargebracht.
Hieraus erklären sich eine Menge Volksgebräuche:
dah man in vielen Gegenden Deutschlands nament-
lich den Donnerstag, den dem D. geweihten Tag in
der Woche, zu Hochzeiten wählt, dah man das Ba-
den am Donnerstag für besonders gut hält u. dgl.
Unter den Tieren sind dem D. der Storch, das Eich-
hörnchen, Rotkehlchen heilig; auch Böcke und Füchse
stehen unter seinem Schutz. Unter den Bäumen ist
ihm vor allem die Eiche geweiht (bekannt ist die Do-
narseiche in Hessen, die Bonifacius fällte). Eine
Reihe von Orten, wie Donarsberg, Dorsheim u.s.w.,
baben D.s Namen bewahrt. - Vgl. Uhland, Der
Mythus von Thor (Stuttg. 1836).
vonarinin (lat.), Weihgeschcnk.
Donarium, im Orangit aufgefundenes Element,
das sich später als Thorium erwies.
Donat, lat. Grammatik, s. Donatus, Alius.
Donatello, eigentlich Donato di Niccolö di
Betto Vardi, ital. Bildhauer, geb. um 1386 zu
Florenz, gehörte der Familie Donato an, die mehrere
Gelehrte zu ihren Gliedern zählt und der Republik
.Venedig seit der Mitte des 16. Jahrh, mehrere
Dogen gab. Seine ersten großen Marmorarbeiten
waren der heil. Petrus und der heil. Markus an
Or San Michele seiner Vaterstadt; früber war er be-
sonders als Goldschmied thätig. Die ihn auszeich-
nende realistische Kraft offenbarte er zuerst an der
Statue eines Greises im Senatorengewande am
Glockenturm dieser Kirche, bekannt unter dem
Namen Zuccoiie (Kahlkopf). Für das Vaptiste-
rium arbeitete er die büßende Magdalcna aus
Holz, in welcher Figur er den Realismus bis zur
Häßlichkeit zu steigern wagte, und das Grabmal
Johanns XXIII. Mit Brunelleschi reiste er nach
Rom, um durch das Studium der Kunstschätze dieser
Stadt sich zu vervollkommnen. Nach seiner Rück-
kehr in die Vaterstadt arbeitete er im Auftrag seines
Gönners, des Cosimo de' Medici. 1433 entstanden
die Kanzelreliefs für den Dom, welche ebenso wie
'die oav der Kanzel im Prato tanzende Putten in
ausgelassenen Bewegungen darstellen; etwas später
die Vronzcfigurcn des David (Vargcllo) und der
Judith (Loggia dei Lanzi). Eine Zierde von Or San
Michele ist sein Marmorbild des heil. Georg. Von
1443 bis 1458 war er in Padua thätig, wo er Sta-
tuen und Reliefs für den Hochaltar des Doms und
die berühmte Reiterstatue des Gattamelata aus-
führte. Auch in Venedig, Modena, Ferrara, später
in Rom hat er gearbeitet und überall bestimmenden
Einfluß auf die gesamte Kunstrichtung gewonnen.
Viel beschäftigte sich D. auch mit Ergänzung alter
Marmorbilder, die ihm trefflich gelang. Er starb
! 1466 zu Florenz. Obwohl beeinflußt von der An-
> tike, schlug er doch für den formellen Ausdruck nicht
! die Bahn der Nachahmung ein, sondern machte
^ das Studium der Natur zur Grundlage seiner
i neuen plastischen Richtung, an die später Michel-
! angelo vielfach angeknüpft hat. Zu feinen Schü-
! lern gehören: Desiderio da Settignano, Venedetto
da Majano, Nanni d'Antonio und D.s Bruder
Simone. - Vgl. die Lebensbeschreibungen von E.
Müntz (Par. 1885), Schmarsow (Lpz. 1886), H. Scm-
pcr (Innsbr. 1887), Trombetta (Rom 1887); ferner
Semrau, D.s Kanzeln in San Lorenzo (Bresl.
1891); Pastor, Donatello (Gießen 1892).
Donaten (lat. vouäti und von^wo), Personen,
die, ohne vollständiges Gelübde, sich mit ihrem Ver-
mögen in ein Kloster begeben und als Laienbrüder
oder -Schwestern weltliche Dienste verrichten.
Donäti, Cesare, ital. Novellist, geb. 28. Sept.
1826 zu Lugo, nahm am Aufstand von 1848 leb-
haften Anteil (auch durch eine Flugschrift: "Hua
Mi-ola a^I'It^iiani"), studierte in Pisa die Rechte
und lebte hierauf journalistisch thätig in Florenz,
bis er 1859 im Ministerium des Unterrichts an-
gestellt wurde, wo er bis zum Direktor vorrückte.
Er war zeitweilig Redacteur der Zeitschriften "L' Nco
li'Nuropk", "I^o 8p6tt3.tor6", 1^'InäicNtore Istte-
13.1 io" und <d^' Inäip6uä6N/59. itaiiaiik". Von sei-
nen Schriften sind die bedeutendsten der mit eini-
gen Freunden verfaßte " vi^iona-i-io äeila. ^inris-
pi-uä6N2H t0803.ii3. äa,1 1800 9.1 1850" (2 Bde.,
1851 - 53) und die vielgelefenen Erzählungen:
"?6r un Aomitolo", "^rt6 6 na.tui-3.", "I)iritw 6
i'0V68oi0" (in 1 Bd., Flor. 1858), "?0V6r2. vi<H"
(Mail. 1874), "I^lik 86coli6" (ebd. 1874), "Vuon
lumo! U0V6116 6 t'antHLis" (ebd. 1875), "^ioi-a
! Nar^ia. 8t0ria. äi UI6220 Lkcolo" (ebd. 1876),
i "Nivoluxionö in miniatura, 1847-49" (ebd. 1876),
^ "1.3. ZiZnora. Nknki'käi" (Verona 1884).
! Donati, Giambattista, ital. Astronom, geb.
16. Dez. 1826 in Pisa, begann 1852 seine Lauf-
bahn als praktischer Astronom an der Sternwarte
in Florenz unter Leitung Amicis, dessen Nachfolger
er 1864 wurde. Er entdeckte im Juni 1858 den
nach ihm benannten glänzenden Donatischen
Kometen, der nächst dem von 1811 der hellste des
19. Jahrh, gewesen ist, und beschäftigte sich mit dem
Funkeln der Fixsterne, mit der Farbe der Sterne
am Horizont, mit der irregulären Strahlenbrechung,
mit den Spektren der Fixsterne, mit der Theorie des
Nordlichts u.s.w. und beobachtete die totale Sonnen-
finsternis 1860 in Spanien. Er veranlaßte die Re-
gierung, 1860-72 eine neue Sternwarte auf dem
Hügel von Arcetri bei Florenz zu erbauen. D. starb
19. Sept. 1873 zu Florenz
vonatio <3on8ta.ntiiii (lat.), Konstan-
tinische Schenkung, eine Schenkung, welche
nach der Lehre der Kirche im Mittelalter der Kaiser
Konstantin dem Papste gemacht haben soll. Dar-