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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eisen
semcr- oder Thomasflußeisen) findet Ver-
wendung zu Eisenbahnschienen, Baueisen u. s. w.
Das nach dem Siemens-Martinschen Prozeß durch
Zusammenschmelzen von Gußeisen mit schmiedbarem
E. erhaltene Produtt ist der Flammofenfluß-
stahl. Uchatius stahl entsteht durch Zusammen-
schmelzen von Roheisen mit Eisenoxyderzen in Gra-
phittiegeln. Feinkorn heißt ein zwischen Puddel-
eisen und Puddelstahl stehendes Erzeugnis. Das
in den Handel kommende, nicht faconnierte Schmiede-
eisen heißt Stabeisen. Nach dem Aussehen des
Bruches macht man dabei einen Unterschied zwischen
sehnigem E. und Feinkorneisen. E., das in-
folge eines Gehaltes an Schwefel, bei Rotglut be-
arbeitet, rissig wird und in Stücke zerfällt, nennt
man rotbrüchig. Durch Silicium wird das E.
hart und mürbe (faulbrüchig), durch Phosphor
oder beigemengte Schlacken kaltbrüchig, d. h. es
zerspringt leicht beim Kalthämmern. Die Form der
verschiedenen Eisensorten hat verschiedene Bezeich-
nungen verursacht. Das in muldenartiger Form
erstarrte Roheisen nennt man Masseln, Flossen
oder Gänze. Flußeisenstücke, die als Zwischen-
produkte dienen, heißen Blöcke oder Ingots.
Die aus Luppen gewalzten Stäbe nennt man
Rohschienen. Ein zu einem stachen viereckigen
Kuchen geschmiedetes oder gewalztes Eisenstück heißt
Bramme oder, wenn es säulenförmig ausgereckt
ist, Kolben. Walzeifen ist gewalztes Stabeisen ,
im Gegensatz zu dem durch Schmieden in Gesenken
hergestellten Stabeisen. Über die im Handel vor-
kommenden Sorten des Stab- und Walzeisens s.
Walzcisen; über die Fabrikation der genannten
Eisensorten s. Eisenerzeugung.
Die Förderung von Eisenerzen auf der ganzen
Erde wird für das 1.1800 zu kaum 2 Mill. t an-
genommen. 1850 belief sich dieselbe bereits auf
etwa 10,8, 1870 auf 27,8, 1880 auf 42,9, 1890 auf
61,6 Mill. t, eine in der That großartige Steige-
rung. In runden Summen, die für einzelne Länder
sogar auf mehr oder minder richtigen Schätzungen
beruhen, betrug 1890 die Förderung von Eifenerzen
in Großbritannien...... 15450000 t
" Deutschland mit Luxemburg . . 12123000"
"Frankreich. ....... 2850000"
" Belgien........ 325000"
" Rußland........ 1400000"
"Österreich-Ungarn..... 1080 000"
" Schweden........ 1100000"
" Spanien........ 7500000"
>' Italien......... 500000"
" dem übrigen Europa .... 750000"
" Europa .... . Summa 43078000^
" Vereinigten Staaten von Amerika 15 780000 "
" den übrigen " " " 850000"
" Amerika.... VSumma 16630000^
"Asien.......etwa 700000"
" Afrika......" 800000"
"Australien....." 350000"
Summa etwa 61558000 t
Außer Europa und Nordamerika bergen die an-
dern Erdteile sicher noch große, teils schon bekannte,
aber noch nicht erschlossene, teils noch ganz unbe-
kannte große Fundstätten für Eisenerze. Auch in
Europa entsprechen die heutigen Zahlen der Erz-
sördnnnH väch>5 dern vorhandenen Erzreichtum.
Italien steht in der Produktion zurück, ebenso Ser-
bien, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, obgleich
sich in diesen Ländern große Lager teilweise vorzüg-
licher Erze finden. Dagegen ist Belgien an Eisen-
erzen arm und sieht sich genötigt, für seine sehr be-
achtenswerte Eisenindustrie den Erzbcdarf aus dem
benachbarten Luxemburg zu decken. Spanien und
Schweden führen namhafte Posten nach Groß-
britannien und Deutschland aus, da in beiden Län-
dern manche der alten Fundstätten der Erschöpfung
nahe kommen oder doch sür manche Zweige der
Eisenindustrie die entsprechenden Erzsorten im In-
lande nur noch schwer zu beschaffen sind. So er-
forderte u. a., bevor für die Stahlproduktion nur
das Bessemerverfahren bekannt war, das letztere
die Verwendung möglichst phosphorfreier Erze, an
denen nach Ausbeutung der Magneteisensteinlager
hier und da in Deutschland empfindlicher Mangel
einzutreten drohte und Veranlassung war, daß zur
Erzeugung von Bessemerroheisen geeignete Erze
aus Italien (Elba), Spanien, Algier, Schweden,
Ungarn bcrbeizuholen waren. Für den Bessemer-
stahl geschieht dies in England und Deutschland
aushilfsweise noch heute. Als indessen von 1882
ab das Thomasverfahren (s. Eisenerzeugung) Aus-
breitung gewann, erwiesen sich die vorher wenig
geachteten phosphorhaltigen Minetteerze längs der
Mosel in Deutsch-Lothringen, die noch für Jahr-
bunderte ausreichen werden, als ein vorzügliches
Material. In Deutschland bestanden 1892'allein
611 Eisenerzbergwerke, in denen 36 000 Arbeiter
beschäftigt waren. Der Preis des Erzes stellte sich
pro Tonne auf durchschnittlich 4 M. Welche an-
sehnliche Posten in manchen Ländern der auswärtige
Handel in Eisenerzen umfaßt, ergiebt sich aus nach-
stehender Tabelle. Es betrug 1893 sür Eisenerze
Einfuhr
Ausfuhr
Deutschland. . .
. 1573202 t
2353232 t
Österreich-Ungarn .
73248"
106259"
Frankreich . . .
. 1630694"
302926"
Großbritannien. .
. 4065863"
? "
Belgien ....
1478214"
101278"
Die Ausfuhr von Eisenerzen aus Großbritannien
ist so geringfügig, daß sie in der Handelsstatistik
gar nicht mehr aufgeführt wird.
Geschichtliches. Die Kenntnis des E. ist sehr
alt, was sowohl die Eisen fünde (s. d.) als auch
schriftliche Überlieferungen beweifen. Obgleich einer-
seits das E. sehr selten in gediegenem Zustande vor-
kommt und auch die Erze dem Metall nicht ähnlich
sehen, so gehört andererseits die Darstellung eines
schmiedbaren E. direkt aus den Erzen zu den ein-
fachsten metallurgischen Prozessen, und viele Natur-
völker, z. V. Ncgcrstämme, die srüher wohl nie mit
Kulturvölkern in Berührung traten, erzeugen, jeden-
falls schon seit langer Zeit, mit den einfachsten Hilfs-
mitteln ein vorzügliches Schmiedeeisen. - Von den
alten Ägyptern haben wir Inschriften aus der Zeit
Tuthmosis' III. und solche an Tcmpelwänden in
Luxor und Karnak, in denen mit E. gefüllte Gefäße
als Kriegsbeute erwähnt sind. Daß die alten Ägyp-
ter auch Stahlwerkzeuge gekannt haben, machen
die mit großer schärfe in den härtesten Gesteinen
(Granit, Porphyr, Vafalt) ausgeführten Vildne-
reien wahrscheinlich. Da aber Ägypten wenig Eisen-
erze besaß, so scheint es sein E. aus Asien bezogen
zu haben. Den meisten asiat. Völkerschaften war der
Gebrauch des E. in grauer Vorzeit bekannt, so
den turanischen Stämmen; schon die Ureinwohner